Nein, mit Physik hat die Form, wie sie entsteht, nichts zu tun. Innerhalb der Zelle verhalten sich Atome und Moleküle anders als in einer chemischen Reaktion, sie folgen wie im Ballett einer Choreografie, um am rechten Ort zur rechten Zeit das zu tun, was getan werden soll, zielsicher und rasend schnell. Zellphysiologie funktioniert anders, wie beim Squaredance oder beim Abklatschen beherrscht hier, wenn Alt gegen Neu sich tauscht, das Loslassen die Szene, etwas das es in der Chemie nicht gibt. Alles ist da bei diesem Spiel ständig in Bewegung, nichts steht hier auch nur einen Augenblick still. Bei einer chemischen Reaktion wäre das anders. Nachdem die vorhandenen Potentiale abgegolten sind herrscht Ruhe. Zu einer starren Figur, die an diesem ständigen Wandel nicht mehr beteiligt ist, gerinnt da, was die Zelle selbst anbelangt, nichts. Es ist dann auch nicht weiter verwunderlich, dass in solch einer, nach allen Seiten hin offenen Konstellation, wie bei einem Tanz oder im Ballett, Teile zueinanderfinden (und zumindest zeitweise aneinander haften bleiben, bevor sie durch andere oder gleiche ersetzt werden) die in einem Labor nicht die geringste Lust hierfür zeigen. Mit diesem Anhaften als Sinnbild einer chemischen Reaktion, wo Materie mit Materie interagiert und dabei Neues entsteht, hat man die Menschen getäuscht, Anhaften hier in der Biologie, Anhaften dort bei einem chemischen Prozess im Labor. Für Stoffe, die die Zelle herstellt, mag, dass hier etwas anhaftet, in einem gewissen Umfang gelten, für die Zelle selbst gilt es nicht. Das Wachs der Bienen ist als Abscheidung der Wachsdrüse für außerhalb gedacht, und so ein ziemlich stabiler Stoff, die Zellen einer Wachsdrüse selbst sind etwas völlig anderes, da ist alles ständig in Bewegung. Wer, wie die Wissenschaft, die Natur zu seinem Besitz erklärt, lässt sich auf die Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist, nicht ein. Flugs macht er, was hier in der Biologie auf der Ebene des Allerkleinsten geschieht, zu einer chemischen Reaktion. In der Folge war nun, wenn das Embryo im Bauch der Mutter heranwuchs, eine chemische Reaktion, es geschah, weil die Physik es so erzwang. Wie weit muss es mit Menschen gekommen sein, dass sie solch einen Unsinn glauben. Chemische Reaktion auf der einen Seite, höhere, formgebende Kräfte auf der anderen, da hat, einen klaren Verstand vorausgesetzt, die chemische Reaktion keine Chance. Da kann einer mit Enzymen im Gepäck, welche die Materie öffnen und selbst das Unmögliche möglich machen sollen, Reklame laufen so viel er will, das Problem der Steuerung, das Problem einer bauenden Natur bleibt ihm erhalten.
Mit dem Abwurf der Bomben über Hiroshima und Nagasaki ging das Zeitalter physischer Zerstörung, in geradezu teuflischer Weise ineinander verflochten, in ein anderes, gefährlicheres über, in das der Bedrohung der Kraft, die das Leben gibt, selbst. Die Zeit der großen Kriege zwischen entwickelten Nationen ist vorbei. Wo noch vor kurzem, wie bei einer Wirtshausrangelei, simple Reflexe mit Orden und Ehrenzeichen behangener, testosterongeschwängerter Potentaten genügten, Millionen, die auch nicht anders gestrickt waren als sie selbst, im Feuer industrieller Kriege zu verheizen, kommt uns das heute vor als läge es tausend Jahre zurück. Das musste die Menschheit lernen. Was nun im dritten Krieg, dem gegen die Natur auf sie zukommt, ist, obwohl und gerade weil es da friedlich zugeht, mehr. Alle wollen da nur das Beste. Da reicht es mit der Moral nicht mehr hin. Da brauchen wir den Verstand. Hier müssen wir lernen anders zu denken. Ist doch, wenn in diesem Krieg gegen Gott und gegen die Kraft die er gibt, etwas schief geht, der Fall hier tiefer als je zuvor. Hinterher, wenn das eigene, mühsam zusammengesparte Haus und oft auch der Arbeitsplatz verloren ist, der Frühling vor der Tür zu einem „rühr mich nicht an“ geworden ist, Wälder nicht mehr betreten werden können, Menschen an Krebs erkranken, die Nahrung in ein Massenspektrometer muss und Schüler mit dem Dosimeter um den Hals im Unterricht sitzen. heißt es dann, es war ja nur Strom (vgl. dazu „Das Gebet“, Doku, Luxemburg 2015). Und das nur, weil man nicht begreifen will, dass eine Kraft, die das Leben gibt, die die Wissenschaft abgeschafft hat, nun halt doch existiert. Heißt es doch in einem Lehrbuch der Realschule, nachdem es gelungen sei den Harnstoff im Labor künstlich herzustellen, hätte sich die Sache mit der Lebenskraft erledigt. Für Schüler die das lesen, ist es dann das Selbstverständlichste von der Welt, dass sie die Lebenskraft für Kinderkram halten, für Mittelalter, dem Verstand zuwider und alles für längst erledigt. Was man verschweigt, ist dass die Zelle das mit dem Harnstoff, dem Vitamin C und mit was auch immer, ganz anders macht als das Labor, und dort die meist ekelerregenden und giftigen Ausgangsstoffe ganz andere sind, Dinge die eine Lebenskraft geradezu bestätigen. Aus dem, was der Zelle zur Verfügung steht, bekommt kein Chemiker etwas hin.
Jahrmillionen hatte das Leben seine eigene Stoffsynthese. Was dem Dinosaurier die Krallen an die Füße oder die Hornplatten auf den Leib zauberte und sein Ei rund machte, weiß bis heute kein Mensch. Ohne dass da einer hineinpfuschte und dieses so geheimnisvolle Spiel störte, ging die Natur ihren Gang. Nun mit dem Aufkommen des so ganz anderen, der Chemie, die eines Chemikers und komplizierter Apparaturen bedarf, sah sich das Leben mit etwas konfrontiert das ihm fremd war und seine natürlichen Abläufe störte. Seitdem leben wir gefährlich. Die Schalen der Eier wurden dünn, missgebildete Kinder kamen auf die Welt, wegen nur einer einzigen Tablette. Häuser, deren Holz man gegen gefährliche Mikroorganismen schützen wollte, wurden Sondermüll und Menschen, die darin wohnten krank. Dem letzten Grün den Garaus zu machen, ist heute keine Kunst. So trägt ein jedes der heute üblichen Produkte sein Scherflein dazu bei, die natürlichen Abläufe in einem Organismus zu schädigen, und am Ende ist das Erstaunen groß. Wo man, was der Lebenskraft nützt, nicht von dem was ihr schadet zu unterscheiden vermag, wo es andere, formgebende Kräfte nicht geben darf, und einem die Chemie, die alles sein soll, tagtäglich eingeredet wird, ist das kein Wunder. Obwohl eigentlich jedes Kind weiß, dass Chemie schädlich ist, halten doch viele das Leben für einen chemischen Prozess und bringen so, was nicht zusammengehört, zusammen. In vielen Fällen wird der Zusammenhang zwischen Schäden und der Chemie, die sie verursacht, schlicht geleugnet. Angesichts dieser Verhältnisse, gerade hier an dieser Stelle, wo wir, was dem Leben förderlich ist, nicht von dem, was es bedroht auseinanderhalten können, erscheint der Appell Einsteins „wir müssten lernen anders zu denken, wenn wir überleben wollen“ dringlicher denn je.
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