Die Polizei ruft wieder an. „Bleiben Sie weiter in Sichtkontakt zum Täterschiff, bereiten Sie sich aber vor, die Maschinen aufzustoppen. Der Schifffahrtsverkehr wird demnächst auf dem Mittellandkanal eingestellt. In Kürze wird eine Maßnahme zur Täterergreifung eingeleitet.“
„Kuckt mal da oben, da fliegt ein Heli“, berichtet Pauly.
„Bald passiert was, wir haben lange kein entgegenkommendes Schiff mehr gesehen“, fügt Hasi hinzu.
Wieder die Polizei: „Bei Kilometer 195 aufstoppen und weitere Anweisungen abwarten!“, befiehlt die Stimme.
„Jawohl, wir stoppen“, sagt Franzi. Alle schauen zum Ufer wo die Kilometerschilder stehen.
„Da steht 195!“ sagt Steffen und bringt die Nelly zum Stehen. In diesem Moment saust ein Polizeiboot an der Nelly vorbei, wahnsinnig schnell und dann noch eins. Von ganz weit vorne scheinen auch welche zu kommen. Der Hubschrauber landet weit vorne. Überall Blaulicht, die Birgit will offensichtlich wenden, doch die beiden Polizeiboote, die die Nelly überholt hatten, drängen sie ab. An Land ist ebenfalls Polizei zu erkennen.
Die Nelly kann nirgends festgemacht werden, es war auch nicht geplant hier zu halten. „Wir lassen den Anker runter, dann kann nichts passieren“, erläutert Steffen seinen Plan. Prompt knattert die Kette los, der Anker klatscht ins Wasser und nach wenigen Sekunden hat er Grund gefunden.
Steffen setzt die Nelly kurz zurück, „damit wir richtig fest liegen“, sagt er. Dann das große Warten. Voraus ein Blaulichtgewitter.
„Hoffentlich haben sie die beiden Schurken festgenommen“, überlegt Pauly. Inzwischen ist es Nachmittag geworden, Franzi hat etwas Kuchen auf einen Teller gelegt. Die beiden studieren die Karte.
„Der nächste Hafen ist in Sehnde bei Kilometer 184. In einer guten Stunde wären wir da, wenn wir endlich weiter fahren dürften“, erläutert Steffen die Lage. Endlich passiert etwas. Ein Polizeiboot kommt. Steffen geht raus an Deck. Das Boot macht an der Seite fest.
Ein Polizist ruft: „Bitte um Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen.“
„Ja bitte!“, ruft Steffen.
„Polizeidirektor Söhrens, guten Tag. Ich hatte schon die Ehre mit Ihrer Frau am Telefon sprechen zu können.“ Söhrens kommt aufs Schiff und blickt sich in der Kajüte um. Dann sieht er die Stofftiere. Aber er sagt nichts dazu.
„Die Polizei Wolfsburg, die Staatsanwaltschaft in Hannover, die Bundespolizei, die Wasserschutzpolizei und viele andere Behörden möchten Ihnen unseren Dank aussprechen. Ohne Ihre perfekte Kooperation hätten wir die Täter nicht fassen können.“
„Viel konnten wir für Sie ja nicht tun“, erwidert Franzi.
„Doch ohne weiteres. Durch Ihre diskrete Verfolgung konnten wir die Position der Gangster und deren Bewegungsrichtung sowie die Geschwindigkeit sehr gut einschätzen. Über diese Informationen würde sich jeder Polizist sehr freuen. Somit konnten wir die Ergreifung der Täter präzise planen und vorbereiten. Wir waren immer auf dem aktuellsten Stand der Dinge.“
„Haben Sie denn die Täter nun fassen können?“ Alle sind neugierig als Steffen diese Frage stellt.
Söhrens grinst: „Es klappte alles wie am Schnürchen, die beiden hatten keine Fluchtmöglichkeit. Einer zog zwar noch eine Waffe, aber als er unsere geballte Macht an Polizeikräften sah, gab er sofort auf.“
„Und wie geht es dem Juwelier?“, will Franzi wissen.
„Er hatte Glück und ist nur leicht verletzt. Das hätte aber auch böse ausgehen können. Bald können wir ihm die Beute zurückgeben.“
Söhrens schaut auf sein blinkendes Handy. „Wir werden uns noch mit Ihnen in Verbindung setzen wegen der Zeugenaussage und einer Anerkennung und Sie müssen uns bei Gelegenheit verraten, wie Sie die beiden nur anhand der Radiomeldung erkannt haben. Ich muss jetzt los, es gibt noch Arbeit für mich. Der Ministerpräsident will alles genauestens wissen.“
Steffen begleitet den Polizeidirektor raus und sagt: „Wir sind Ihnen gerne behilflich gewesen. Apropos Anerkennung, Zungen munkeln hier an Bord, es könnte eine Belohnung in Betracht gezogen werden, stimmt das?“
Söhrens steht schon wieder fest auf dem Polizeischiff. „Eine Belohnung wurde nicht ausdrücklich ausgeschrieben, was ja an der Kürze der polizeilichen Reaktionszeit lag, aber in Fällen wie gefährlichem Raub ist immer von einer Belohnung auszugehen, wenn die polizeilichen Ermittlungen unterstützt worden sind. Sie haben viel mehr als das geleistet. Erwarten Sie eine angemessene Belohnung. Ich empfehle mich und wünsche Ihnen immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel.“ Und schon fährt das Polizeiboot los.
Kaum ist Steffen wieder unten in der Kajüte, geht die Party los. Alle jubeln.
„Wären wir nicht gewesen, würden die immer noch frei rumlaufen“, erklärt Pauly.
„Quatsch Pauly, die würden immer noch Boot fahren, aber nicht laufen“, korrigiert Schlau-Mausi.
„Wenn es da eine Belohnung gibt, müsste uns doch ein dicker Brocken davon zustehen, oder?“ fragt Wonny etwas schelmisch.
„Na klar“, sagt Franzi, „wir werden uns schon was Tolles einfallen lassen. Doch jetzt müssen wir erstmal einen Hafen für die Nelly finden. Erstens wird es bald dunkel, da macht das Fahren überhaupt keinen Spaß und zweitens wird die Polizei bald den Mittellandkanal wieder freigeben. Dann kommen wieder die großen Pötte. Und so, wie wir hier provisorisch liegen, wird es dann ungemütlich.“
„Alles klar machen für die Fahrt, Anker einholen wir fahren nach Sehnde und übernachten im Sportboothafen“, ruft Steffen.
Die letzten neun Kilometer gehen entspannt. Die Nelly passiert noch ein paar Polizeiboote und auch die Birgit, dann erreicht sie Sehnde. Der Hafen ist recht klein. Für die Liegeplätze darf das Boot nicht länger als 8,50 Meter sein. Schade, die Nelly ist 10,20 Meter lang. Dann findet sie aber an der Kanalseite ein Plätzchen.
„Könnte nachts ungemütlich werden, wenn die Pötte Wellen machen“, meint Pauly. Das Ortszentrum ist ein Kilometer entfernt. Franzi und Steffen wollen morgen da hinlaufen. Es muss noch etwas Proviant gebunkert werden. Smutje Kröti und Steffen kochen, Franzi studiert die Karten und stöbert im Internet. Dann wird gefeiert.
11. Tag: Hannover
Hübsche Party gewesen. Schlafen war gar nicht so leicht. Abends kamen noch große Schiffe vorbei. Von weitem waren sie schon zu hören. Und dann hat die Nelly geschaukelt. Nachts ging der Wellenschlag etwas zurück. Richtig gut hat nur Pauly geschlafen. So einen Delphin hauen ein paar Wellen nicht um. Da hat er seinen Spaß dran.
Franzi und Steffen sind nach Sehnde gewandert. Der Ort gefiel ihnen nicht besonders. 22?000 Einwohner, zusammengelegt aus vielen Dörfern und erst 1997 zur Stadt erklärt. Das muss kein Makel sein, aber irgendwie passt dort nicht alles zusammen. Das Glockenspiel am Rathaus war nett und die Bilderkunst am Bahnhof ist kaum erwähnenswert.
„Vielleicht sind wir als Großstädter verwöhnt“, grübelt Franzi nach.
Steffen meint: „Der einzige Höhepunkt ist das Straßen
bahn-Museum. Aber das hat nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Wie blöd!“
Jetzt ist aber gut mit dem Schaukeln, die Nelly sticht wieder in See. Noch eine Nacht würde Wonny das nicht aushalten. Das ist doch nicht ein echter Seebär.
„Da wieder eine Schleuse!“, ruft Hasi. Tatsächlich die Schleuse Anderten liegt voraus. Sie ist uralt und heißt eigentlich Hindenburgschleuse. Das Schiff muss warten. Zwei fette Schiffe sind zuerst dran. So ist das hier. Die Berufsschifffahrt hat immer Vorfahrt. Das sind die Regeln auf dem Wasser. Dann darf die Nelly in die Schleuse einfahren. 220 Meter lang ist die Schleusenkammer. Jetzt geht es 14,50 Meter abwärts. Franzi und Steffen müssen ganz schön arbeiten. Die Leine, an der die Nelly festgemacht ist, muss immer nachgelassen werden, wenn das Schiff absinkt. Nach 15 Minuten ist es geschafft.
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