Jasper Mendelsohn - Die freien Geisteskranken

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"Ein Buch wie ein Berg. Der Berg der Götzen, Geldgeier und Grabgräber. Ein Buch über Menschen, Unmenschen, gescheiterte Übermenschen. Jasper Mendelsohn reinkarniert den Historienroman in die rußgoldenen 1920er Jahre und erschafft ein Werk, so mannigfaltig wie seine Zeit, voll Gift und Galle, Güte und Geist.
Höchst relevant."
Dr. Salomon Hecke
"Ein geiles Gefühl – das Buch am Ende zuzuklappen, zu rekapitulieren,
ein Wahnsinns-Moment."
Dirk Steffen, Influencer
"Ein Buch für Ärzte und Lehrer, für Redner und Journalisten, für Politiker und Manager, für Geschichtsinteressierte und Geschichtsdesinteressierte gleichermaßen, für Bankiers und Künstler. Für jedermann.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen: Die deutsche Bildungslücke."
Brigitte Neumann, Frankfurter Standard

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»Ich sehe Eselsohren und Kaffeeflecken.«

»Noch.«

»Die Überschriften«, kommentierte Grosz. »Die sind mir auf den ersten Blick zu kompliziert, zu lang.«

Herzfelde griff sich an die Hosenträger und schüttelte den Kopf. »Es sind Zungenbrecher, George, der Leser soll stolpern und sich aufrichten müssen um den Inhalt zu verstehen.«

»Das fängt nicht alle Leser«, wandte Grosz ein.

»Ja, aber die Guten.« Herzfelde wuselte sich im Haar herum. »Falls du es noch nicht gemerkt hast, George, unser Verlag arbeitet orientiert. Wir sprechen nicht jeden an, denn wir dulden nicht jeden. Zum Beispiel sind Analphabeten keine Zielgruppe, ebenso wenig wie Nationalisten oder Fabrikantensöhne. Wir sind kompliziert. Man muss die Gabe des Sarkasmus besitzen. Erst wer Sarkasmus versteht, kapiert überhaupt irgendetwas. Wer kein Sarkast ist, versteht überhaupt nichts. Für den hat dieses Blatt auch keinen Wert.«

»Gegen Sarkasmus habe ich gar nichts«, sagte Grosz überrascht von der ausgiebigen Antwort.

»Du bist Maler, George. Das sind Worte.«

»Worte.«

»Na also.« Herzfelde kramte in einem Stapel herum und zog ein paar Seiten heraus. »Nur wer einen starken Magen hat und nahrhafte Kost verträgt, kann unser Leser sein. Eine Probe von etwas Kontemporärem?«

»Dann lass hören«, sagte Grosz.

Herzfelde hob die Blätter vor sich hin und begann mit seiner spontanen Lesung:

»Der Titel lautet: ›Ein jeder ist dem Nächsten Gegner.‹ Es beginnt mit einer Aufzählung, starke Nomen, starke Wirkung, also: Platten lochen, Ösen stampfen, Schrauben schrauben, Nieten schweißen, schwitzen, stinken, Eisen aus Schmelztiegeln schöpfen und in Schalung gießen, Teile durch die Fabrikhalle schleppen und auf den Lagerhaufen schmeißen. Die Produktion spieh giftige Rauchfontänen und sprühte Funken auf die Häute. Aus den Öfen hörte man die Felsen knacken, zischende, silberne Lava floss aus ihnen heraus und wurde zu Eisenstangen oder Stahlträgern verarbeitet. Die Dämpfe fraßen sich in den Sauerstoff. Maloche im Moloch, der reinste Dreck. Schlecht bezahlt, aber bezahlt. Verstehst du, George? Soll ich weiterlesen?«

»Lies weiter.«

»Die Gewerkschaftsbrüder waren Argwohn gewohnt. Jeder Tag glich dem anderen, die Schichten waren lang, die Nächte waren kurz. Die Halle war in zwei Welten aufgeteilt. Unten, in der Maschinenwelt, da arbeitete der Fabrikarbeiter an den Feuerspuckern und zählte die Stunden. Oben, in der Papierwelt, dort saß der Papiermacher und zählte Rohstoffein- und Warenausgänge und verrechnete sein Werk in seinem Tabellarium. Und unten, dort schob der Fabrikarbeiter Panzer in die Schmelzöfen und verbrannte sich die Haut. Immer die gleiche, kreuzverschleißende Bewegung, Tag ein, Tag aus. In seiner Routine zu Träumen gebracht, sah der Fabrikarbeiter nach oben und stellte sich die Frage des Geldes, welche ihm mit der Frage des Glücks gleichbedeutend war. Wo liege all das Geld, von dem jede Woche ein wenig in einen Briefumschlag gesteckt und ihm anlässlich seines Überlebens in die Hand gedrückt wurde? Wo flossen die großen, reißenden Ströme? Er selbst saß nur an einem Ausläufer, einer versiegenden Quelle vielleicht. Der breite Fluss, er sprudelte weit von ihm entfernt an ihm vorbei. Er mündete in größere Flüsse, trennte Landschaften und tat sich wohl irgendwann auf in ein Meer. Ein Meer aus Gold. Wo war dieses Meer? Wer wohnte an seiner Küste? Wer sah dort jeden Abend die Sonne am Horizont untergehen, ein Ozean voller Silberglanz, der Himmel voll von warmem Buddha-Gelb und Geld soweit das Auge reicht. Wo schwamm all der Mammon herum? Für die Öfen, die Kräne, die Hallen, die Schiffe und ihn – die volatile Arbeitskraft?

›An die Arbeit!‹, schrie der Gewerkschaftsbruder neben ihm und lud ihm eine abgenutzte Stangenschalung auf sein Kreuz. ›Ab dafür!‹

Die Knie des Fabrikarbeiters bogen sich unter den Kilos, wie ein beladenes Kamel schlurfte er mit langer Schnauze zum Abfalllager. Die Augen der Arbeiter waren müde und angelaufen. Jeder gähnte und ächzte, alle hofften auf den nächsten Streik. Nicht für mehr Lohn – nur für eine Pause von den Knochenmühlen. Der Fabrikarbeiter lud die Schalung auf dem Haufen ab und knackste seine Wirbelsäule zurecht. O, wo war ihm dieses Meer aus Gold? Ein kleines Meer inmitten eines Wüstenplaneten, ein volles Loch im Zentrum eines Pangäas, von wenigen Küstenbewohnern zu Privatgebiet erklärt und abgegrenzt hinter unsichtbaren Zäunen, die ganze Welt ausgesperrt und alle Arbeiter zu Insassen gemacht.«

Grosz setzte sich auf den Tisch, nahm eine Zigarette aus Herzfeldes Packung und sah ihn skeptisch an.

»Da kommst du gleich wieder mit der Kommunistenkeule, Wiz. Nachfühlbar erzählt mit bildlicher Sprache, aber es klingt ja doch nur das alte Lied der sozialistischen Revolution durch die Zeilen.«

Herzfelde wedelte beschwichtigend mit der Hand.

»Das war auch erst die Einleitung, George, der Geduldige weiß am Ende oft mehr.« Er nahm eine Streichholzschachtel aus der Tasche und warf sie Grosz zu. »Also«, sprach er.

»So wie der Fabrikarbeiter zurück an seiner Maschine war zog er an den nächsten Hebeln und drehte an den Hähnen. Auf einmal brach ein überhitztes Rohr neben ihm auf und versengte seine Kopfhaut in heißem Dampf, er atmete das Gift und embolierte daran, seine Herzmuskeln zuckten und krampften sich zusammen und er fiel mit rauchendem Kopf zu Boden.

›Aufstehen!‹, schrie der Gewerkschaftsbruder, der ihn dort liegen sah. ›Aufstehen, verdammte Kacke!‹

Der Fabrikarbeiter hielt sich die Kehle zu, seine Augen schielten im Wahn zu beiden Seiten wie ein panischer Stier.

›Aufstehen jetzt!‹ Der Gewerkschaftsbruder kam zornig auf ihn zu und versuchte ihn hochzureißen, zwei andere Fabrikarbeiter kamen ihm zu Hilfe, doch der Entstellte fiel immer wieder zu Boden und pfiff aus letztem Lungenloch.

›Scheiße nochmal!‹, bellte der Gewerkschaftsbruder die beiden Helfer an. ›Wer ist gerade Sanitäter?‹

Die Helfer schüttelten die Köpfe, der Fabrikarbeiter wurde starr und die Abstände zwischen den Atemzügen wurden kürzer.

›Den Verbandskasten!‹, befahl er und die Helfer rannten in zwei verschiedene Richtungen, wissend, nicht zurückzukehren. Währenddessen ging der Fabrikarbeiter auf das schönste Licht zu, das er je gesehen hatte. Es lockte ihn und zog ihn zu sich, eine warme Stimme sang ihm das raffinierteste Gedicht, das er je vernommen hatte. Er wurde zweiundzwanzig Jahre alt.

›Tot!‹, schrie der Gewerkschaftsbruder. ›Tot!‹, schrie er den herumstehenden Arbeitern zu. ›Seht ihr was hier passiert?‹ Er sah in ihre erwartungsvollen Angesichter. ›Hier sterben Menschen! Das bedeutet Streik!‹

›Streik!‹, jubelten die Arbeiter und warfen ihre Werkzeuge in die Öfen und ihre Fäuste an die Hallendecke. Die Ketten knatterten in den Zahnrädern und die Tore öffneten sich und ließen Sonnenlicht und frische Luft herein. Einige hoben die junge Leiche hoch und trugen sie voran zum Ausweg in die Freiheit. Wie ihren Messias, der für ihre Sünden an der Maschine gestorben war.«

Grosz drückte seine Zigarette in den Aschenbecher. »Schön«, sagte er, »doch werde ich den Ohrwurm dieser Sozialistengesänge nicht los.«

Herzfelde sah ihn besserwisserisch an und zog die Mundwinkel hoch.

»Erstens, George, war das hier erst das Initial, das Furioso folgt jetzt und zweitens würde ich mir etwas mehr Empathie von dir wünschen, das Lied mag alt sein, doch real ist es leider auch.«

»Ich bin still«, sagte Grosz und machte sich eine weitere Zigarette an.

»Also«, sprach Herzfelde. »Oben, über dem Ausgang thronte das Büro des Papiermachers mit Panoramablick auf das Fabrikgeschehen. Der Papiermacher saß am Schreibtisch und tabellierte mit seinem Kopf in sein Zahlengeflecht verstrickt. Er horchte auf, als er Gebrüll und Stampfen hörte und stellte sich ans Fenster für eine Situationsanalyse. Arbeiterströme gingen da unter seinen Füßen hindurch und es war noch nicht einmal zwanzig Uhr dreißig. Er runzelte die Stirn. Was war passiert? Wie kam es zu dieser dysfunktionalen Menscheneruption? Es gab keinen mathematisch nachvollziehbaren Anlass zu einem Streik. Es musste sich also um etwas Prismatisches auf der Emotionsebene handeln. Eine äußerst störende Variable in einer komplexen Formel, die Reibungslosigkeit bedürfte um zu greifen. Er absolvierte die notwendigen Telefongespräche, schrieb die letzten Umsätze in seine Kalkulation, subtrahierte die vorerst gesunkenen Personalkosten, deckelte die Vorschüsse, nahm sein Jackett vom Kleiderständer und machte Feierabend.«

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