Jasper Mendelsohn - Die freien Geisteskranken

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"Ein Buch wie ein Berg. Der Berg der Götzen, Geldgeier und Grabgräber. Ein Buch über Menschen, Unmenschen, gescheiterte Übermenschen. Jasper Mendelsohn reinkarniert den Historienroman in die rußgoldenen 1920er Jahre und erschafft ein Werk, so mannigfaltig wie seine Zeit, voll Gift und Galle, Güte und Geist.
Höchst relevant."
Dr. Salomon Hecke
"Ein geiles Gefühl – das Buch am Ende zuzuklappen, zu rekapitulieren,
ein Wahnsinns-Moment."
Dirk Steffen, Influencer
"Ein Buch für Ärzte und Lehrer, für Redner und Journalisten, für Politiker und Manager, für Geschichtsinteressierte und Geschichtsdesinteressierte gleichermaßen, für Bankiers und Künstler. Für jedermann.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen: Die deutsche Bildungslücke."
Brigitte Neumann, Frankfurter Standard

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»Das sieht man, eine gute Schule. Die Hässlichkeit ist schön herausgearbeitet. Dieses ganze kubistische Allerlei drum herum geht mich ja nichts mehr an, aber ich mag Ihre Verve.«

»Nun, der Bruch mit alter Sehgewohnheit ist des Fortschritts erster Fuß, Frau Kollwitz.«

»Sie wollen etwas aussagen, Herr Grosz. Das gefällt mir an den jungen Künstlern.«

Grosz lupfte die Schultern.

»Ich kann nicht an den Kontrasten vorbeisehen, Frau Kollwitz, die Kanten sind zu scharf, Lab- und Trübsal lebt zu dicht nebeneinander, ihre Lethargie voreinander macht mir zu schaffen. Wenige Straßen hinter dem Hotel Adlon gehen Kleinkinder an erkaltetem Hunger zu Grunde. Krüppel vergehen in den Seitengassen, oder betteln mit letzter Kraft an den Opernhäusern. Reiche Bonzen gehen an ihnen vorbei hinein, Kriegsprofiteure und Altfürsten, besuchen sich im Schauspielhaus und die alten Wagner-Stücke rühren sie zu Wehmutstränen. Dann verlassen sie sensitiviert die prunkvollen Säle und stolpern blindlings über den leeren Becher des Bettlers vor der Türe. Sie frisieren ihre lockigen Pudel für Schönheitswettbewerbe fein und füttern sie mit Meeresfrüchten, während vor ihren sauberen Fenstern Obdachlose in Mülltonnen nach Resten zehren und sich mit den Straßenkötern ihre Reviere teilen. Ich kann nicht daran vorbeisehen. Wie könnte ich je. Immer, wenn ich meinen Kopf verliere, suche ich in meinen Zeichnungen, und dort finde ich ihn dann. Es ist ein lächerlicher Untergang. Mit brutalem Drama zum Mitsehen zwingen, mit gewaltigem Für- und Widergeschrei zum Mitmachen bewegen, das sehe ich als meine Aufgabe an. Meine überzogenen Linien sprechen die Menschen an, weil sie provozieren, nicht weil sie schön sind, weil sie echt sind, nichts für die Kunstsammler. Und Dada ist die zweite meiner Möglichkeiten. So klein, wie uns die Presse schreibt, können wir nicht sein, wenn sie immer wieder von uns schreibt. Jeder weiß es, keiner will hinsehen. Was wir machen und was ich zeichne beschreibt den lächerlichen Untergang in dem wir uns befinden. Aus einem hässlichen Witz entstanden.«

»Sie sind ganz der düstere Romantiker,« sagte Kollwitz anerkennend. »Sie spielen auf ein Leben an das vor Ihnen liegt. Ich blicke auf eines zurück. Das unterscheidet uns.«

Die Schlange schob sie auf die erste Stufe der Eingangstreppe. Nun stand sie auf einem Podest vor dem jungen Künstler. Eine Künstlerin mit geachtetem Namen, Aufträgen von hohen und guten Ämtern und gutgemeinten Vereinen. Diese Reputation musste sich der Modernist erst noch erwerben. Seine Meinung schrie, ihre Meinung zählte. »Sie sitzen einem Meisterwerk auf, Herr Grosz«, sagte sie, »Sie werden es schon noch malen.« Der Jungkünstler nickte dankend. Und bevor die peinliche Situation der Zertrennung durch die Warteschlange entstand, hob Grosz seine Schiebermütze und verabschiedete sich formgemäß, einem plauderfreudigen Amerikaner gleich, oder das, was man sich darunter vorstellte. Kollwitz sah ihm nach, an ihre Jugend und saftigen Vorstellungskräfte erinnert, an Peter erinnert, wie er sich mit einem überzeugten Lachen in die Schlacht verabschiedete, einem hässlichen Witz aufsitzend, dem lächerlichen Untergang entgegenrennend, wie Grosz das alles nannte. Wäre Peter heute auch so gewesen wie dieser Grosz? Wenn er überlebt hätte wie er? Enthusiastisch und aufklärerisch? Ganz bestimmt. Wie aus einem Guss, das wäre er. Einer, der nicht nach dem Weg fragt, weil er ihn einfach geht. Einer, der sich nicht von Trampelpfaden oder Landstraßen leiten lässt, einer, der über Felder und durch Wälder stapft und nicht weniger von der Welt will als alles. Einer, der weiß, dass die Erde eine Kugel ist. Ganz bestimmt. Das war er und das wäre er geworden. Ein Pionier seiner selbst. O, Peter. »Karte!«, schnauzte die dicke Dame hinter der kargen Auslage. Kollwitz war an der Reihe, ihr Kopf schwebte noch in wölkischen Tagträumen. Die dicke Dame gnatzte. »Was schaunse denn so blöde wie so ne Schnorrer in de Blechbuchse? Karte jetze oder Nächster!« Kollwitz reichte ihr die Karte. »Wasserjemüse is heut aus«, sagte die dicke Dame, packte ein paar Kartoffeln zu wenig und einen halben Laib Brot in ein Netz und knallte es ans andere Ende der Auslage zur Abholung. »Nächster!« Kollwitz nahm das Netz und verabschiedete sich von niemandem, den es interessierte.

Nachdem sie mit langer Miene und außer Atem nach Hause gekommen war, sie die ewigen Stufen zu ihrer Mansarde erklommen und das klägliche Mahl auf die Anrichte der Küche geworfen hatte, rief sie nach Karl. Er saß nicht wie gewöhnlich vor dem Fenster. Auch in seinem Arbeitszimmer war er nicht. Auf dem Esstisch fand sie schließlich einen Zettel, auf dem stand: »Matuschchen. Konnten nicht warten. Die Eröffnungswehen haben eingesetzt und weisen Abstände von unter sieben Minuten auf. Der Muttermund ist geöffnet. Komm schnell, sobald du das hier liest!«

Typisch Arzt, dachte sie. Genauste Beschreibung der Vorgänge, aber keine Krankenhausadresse. Vermutlich hatte er Hans und Otty an seinen eigenen Arbeitsplatz gebracht, also machte sie sich auf den Weg, die ewigen Stufen wieder hinunter, am vergessenen Krieger, dem Spreeufer, an den Hehlern, den Gasriechern und der Warteschlange vorbei.

Als sie ankam und das Kindbettzimmer betrat, lag da Otty und schlief. Dahinter stand Karl und schaute zum Fenster hinaus, mit den Händen in den Hosentaschen. Am Bettrand saß Hans und hielt den Neugeborenen vor seinem Bauch, welcher seine Arme wie Fühler umhertastete und leise durch winzige Nüstern schnaufte.

»Und?«, rief sie, aus der Puste gekommen. »Ist alles gut gegangen?«

»Hallo Mutter«, sagte Hans. »Ja. Alles in bester Ordnung. Es ist ein Junge. Wir haben uns entschlossen ihn Peter zu nennen.« »Wieso denn Peter?«, fragte Kollwitz verblüfft und rang weiter um Luft. Ihren Peter, als solle er durch den Namen wieder auferstehen. Ihren Peter, als gäbe es zwei der Sorte, wenn man nur so tat als ob. Sie riss sich zusammen und beruhigte ihren Atem. Hans stand auf, legte ihr den neuen Peter in die Arme und sie betrachtete das kleine Neuleben: Ein Köpfchen wie eine eingewachsene Kartoffel, die Händchen nicht größer als Erdnüsse und auch geistig glich sein Hirnchen noch mehr einer Tomate als dem eines Menschleins. Doch so langsam schienen seine Sinne zu erwachen: Es nahm Geräusche wahr, Lärm, das sah man an seiner verzerrten Augenpartie. Es roch, Gestank, das merkte man an dem Hochziehen seines Näschens. Licht drang ihm durch die Augenschlitze, Grelle, sein aufgerissenes Mündchen war Indiz genug um Beweis zu sein. Nach kurzer Weile pegelte sich der Lärm herunter und wurde ihm differenzierbar, der Gestank wich Düften und formte sich zu einem Eindruck, das Bild schärfte sich und es sah einem alten, unscharfen, skeptischen Wesen ins Gesicht. Kollwitz blickte mit erhobener Augenbraue zurück. Die gleiche Geschichte von vorn. Das Kleinkind lernt laufen, dann sprechen, entfernt sich, verfolgt eigene Ziele und, wer weiß, zieht eines Tages aus einer Fantasie heraus in den nächsten Krieg und stirbt zu früh. Aus irgendeiner noch kindlichen Stolperei im Geiste. Einer Zuckung. Doch als Karl seinen Arm um sie legte und sie gemeinsam auf das kleine Peterchen sahen und die Erinnerungen an ihren Ersten damals zurückkamen, spürte sie, wie der Frost an ihren Nerven abschmolz. Dann ging Karl zu seinem Sohn, umarmte ihn, klopfte ihm voller platzendem Vaterstolz auf die Schulter und stellte sich gerade vor ihn hin, um ihm wiedermal eine seiner Weisheiten aufzusagen: »Mein Sohn!«, begann er, wie sooft. »Wieviel höher ist es doch, welche Medaille wiegt reineres Gold, als wenn ein General dich ›Offizier‹, als wenn ein Dekan dich ›Doktor‹, als wenn ein Historiker dich ›Vorreiter‹ nennt? Das ist, wenn ein Kind dich ›Papa‹ heißt. Welch größeren Orden, welch frischeren Lorbeer, welch renommierteren Preis willst du gewinnen, als das ›Schatz‹ deiner Frau? Keine Ehrennadel, keine Urkunde, kein Ansehen gibt es ernster zu erringen, als dieses lächerlich romantische Verdienst. Nicht der Soldatentod, nein, nicht der Helden- oder Märtyrertod belegt einen Mann mit Ehre – sondern der Alterstod, der Krankenhaustod, der Unfalltod, der ungewollte. Kämpfen um das Leben, nicht das Überleben. Das ist nun dein Pfad als Vater. Sei deinem Sohn Vater, so wie ich dir einer war. Und …« »Ja, Vater, ist gut«, unterbrach ihn Hans. Otty war aufgewacht, begrüßte Kollwitz und streckte schläfrig die Hände nach ihrem Baby aus. »Nichts bremst die Mutterliebe«, kommentierte Karl zufrieden und stemmte die Arme in die Hüften. »Was weiß ein Mann schon von Liebe? Nichts.« Kollwitz gab ihr ihr Kind zurück. Als sie sie mit ihrem Kleinen auf der Brust sah, kam sie nicht umhin ihre Sorgen zu hinterfragen. War da nicht doch noch Freude? Ein Neugeborenes kann nichts, außer eines; aber das mit despotischer Macht: Es beseitigt alle Zweifel mit nichts weiter als einem rührenden Gähnen und einem zarten Fieps. Einfach so. Weil es noch nichts erlebt hat, weil da noch keine Meinung in ihm war. War da kein Anfang? War da nicht Leben? Ein erneutes Rascheln im Unterholz eines verbrannten Waldes? Lange hatten sie auf seine Geburt gewartet, nun lag er da, mit wissbegierigen Augen, Laute von sich gebend, die Fäustchen geballt wie ein Herakles, der zwei Nattern würgt. Der zweite Peter in einer kaputt gegangenen Welt. Da, um sie wieder ganz zu machen. O, mein kleines Peterchen, dachte sie. Ein glückliches und langes Leben sollst du haben, bei all meiner Hoffnung gegen all meine Erfahrung. Sei deiner froh und hüpfe los, in jeder Hand ein Glück, oder zwei. Als sie Otty und ihr Peterchen so ansah, war es ihr, als entdeckte sie in ihnen etwas von sich selbst, etwas, das vor sehr langer Zeit einmal dagewesen war; und als das Peterchen zurücksah, rülpste es zum ersten Mal und kotzte den letzten Rest Gebärmuttersaft über Ottys Schürze. Man lachte. Ein neues Element der Familie, ein ungesägtes Puzzleteil, ein kleiner Fisch, der leuchtet, in einem dunklen, unterirdischen Ozean.

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