Jasper Mendelsohn - Die freien Geisteskranken

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"Ein Buch wie ein Berg. Der Berg der Götzen, Geldgeier und Grabgräber. Ein Buch über Menschen, Unmenschen, gescheiterte Übermenschen. Jasper Mendelsohn reinkarniert den Historienroman in die rußgoldenen 1920er Jahre und erschafft ein Werk, so mannigfaltig wie seine Zeit, voll Gift und Galle, Güte und Geist.
Höchst relevant."
Dr. Salomon Hecke
"Ein geiles Gefühl – das Buch am Ende zuzuklappen, zu rekapitulieren,
ein Wahnsinns-Moment."
Dirk Steffen, Influencer
"Ein Buch für Ärzte und Lehrer, für Redner und Journalisten, für Politiker und Manager, für Geschichtsinteressierte und Geschichtsdesinteressierte gleichermaßen, für Bankiers und Künstler. Für jedermann.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen: Die deutsche Bildungslücke."
Brigitte Neumann, Frankfurter Standard

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»In den Schulen haben sie uns duckköpfig statt dickköpfig erzogen, Mutter. Unter dem Drill draller Rohrstöcke gezüchtigt und gezüchtet, geradkreuzig geschlagen und gleichgemacht. Erst lernten wir das Sprechen, dann lernten wir das Maul zu halten. Ich weiß, was du meinst. Jede natürliche Neugier haben sie uns ausgetrieben, jeden dummen Gedanken, den wir manchmal denken, eingepflanzt. Ich weiß, wovon du sprichst. Mein Starrsinn löst sich langsam, ich versuche den Brustpanzer meiner Sozialisierung zu durchbrechen. Wenn die Welt verdunkelt, gewöhnen sich die Augen nur zu gern an das grau in schwarz. Dann wird alles Licht zu Blendung. Aller Geist zu viel.«

»Du, ich und Vater«, sagte Kollwitz. »Wir waren vier, jetzt sind wir drei. Wir leben alle weiter, mit ihm und ohne ihn. Wir bleiben allein zurück, mit unserem Jüngsten in Jenseits.«

Sie hob die Hand über das Grab ihres Peters, ihres Fantasie-Peters. Sie strich über sein Gesicht und schloss ihm die Augen und wandte sich ab. Sie trotteten den Trauerberg hinab und traten durch das Friedhofsgatter zurück in die Geisterstadt, die nun im Nachtschatten lag. Die Elektrizitätswerke streikten, die Kohlenschaufler wollten mehr Geld, die Kohlenverbrenner mehr Koks. Finsterstes Mittelalter der Verständigung, wie einst im Bauernkrieg blieben Grundsätzlichkeiten ungeklärt. Wie die anderen Familien, so mussten auch Kollwitz und Hans Umwege nehmen, hier und dort besetzte Gebäude, umstellt von Freikorps, hinter geschnürten Zeitungspaketen verschanzt. Aus den Fenstern schossen die Spartakisten zurück, der Krieg war vollends heimgekehrt. Des Nachts ging das Taktieren der Schlachten wieder los, im Schutz der Dunkelheit machten sie Strategien aus und umschlugen sich im Strudel der Gewaltspirale. So wie einst im Bauernkrieg, und so wie damals brannten Fackeln und nicht Glühbirnen. Donnerheuler, Blindgänger, Wetterleuchten durchdrangen die Häuserfassaden. Und hier und dort sah man die Pilze der Nächte, die Schattengewächse, die Destruenten auf dem morschen Frieden der Schuldenberge. Die Kriegszertrümmerten. Die Rückkehrer, und doch niemals Rückkehrer. Die Kriegskrüppel. Sie bevölkerten die Nebenstraßen und sangen ihr Trommelfeuerlied und schüttelten sich, denn auch sie waren mal Menschen gewesen, bis sie in das Grauen hineingesehen hatten. Einer dieser Krebse ohne Beine kroch unweit von Kollwitz und Hans in eine umgekippte Mülltonne hinein und fauchte sie an.

»Bullhornige, schratbärtige Barbaren; Berserker! Maschinen!«, gurgelte er und kratzte an den Scherbensplittern vor ihm auf dem Boden um Lärm zu machen. Traumatisierte, ärmste Menschen, ihr Fühlenden unter Gefühllosen, dachte Kollwitz zurück. Keine Schreibtischtäter in Bürobunkern, nein, sie waren eigenhändige Täter bei der Landarbeit gewesen. Die brennende Schuld in den eigenen zwei Händen, den Tod in den zehn Fingern, die im Krieg auf die Knöpfe drückten und Millionen vergifteten oder zerschossen oder zerrissen. Totbringende Monster an seinen Armen verwachsen. Er fauchte sie an und ging mit ihnen ins Gericht. »Finger weg! Ätz, ätz, weg von mir! Ihr Klauen! Ekel, spuckhässlicher Ekel, ich hacke euch noch ab! Eines Tages hacke ich euch, zack und zack, einfach ab!«

Vor ein paar Tagen hatten sie hier in der Nähe die Überreste von Rosa Luxemburg aus dem Landwehrkanal gezogen. Ihr Gesicht war entstellt, ihr Henker hatte aus nächster Nähe abgedrückt. Die vertrauten, schwarzen Augen waren weiß geworden. Kollwitz fror, denn es blieb kalt. Sie schlichen weiter durch die leere Einkaufspassage. In den Schaufenstern boten die Händler ihre letzten Auslagen feil. In den Schneidereien standen halb nackte Schaufensterpuppen mit verdrehten Köpfen, Maßbänder hingen an ihren Armen und Nadeln hefteten die unfertigen Teile an ihre Holzkörper. Beim Metzger hingen zwei Schweinehälften, Haxen und Schenkel im Fenster, gefüllter Magen, Hüfte und Schulter lagen aus, die letzten Reste zu horrenden Preisen. Daneben das Prothesengeschäft, Unterbeine und Oberarme aus Holz, mit Schinkenfarbe lasiert; Hände als Haken oder Greifzange und Füße mit Zehen oder als Stumpf. Als sie endlich die geschlossene Bäckerei erreichten gab sie Hans einen Abschiedskuss und sah ihm noch ein wenig nach, bis er um die Ecke bog und heim zu seiner Verlobten Ottilie eilte.

Sie betrat die alte Stube und dort saß, geschlagen und ermüdet vor dem Fenster, Karl. Er neigte den Kopf zu ihr und wieder fort.

»Hallo, mein Matuschchen«, seufzte er, sichtlich erschöpft von aller Arbeit und allem Chaos.

Er war auf dem Heimweg in einer Protestmasse eingekeilt worden. Man hatte mit Maschinengewehren in die Menge geschossen, er rettete sich in ein naheliegendes Café, dort verband er zwei Menschen, einer starb. So saß er da, mit Blut an seinen Händen.

»Ich will sie alle heilen«, sagte er leise zu sich und zu ihr.

»Was ist passiert?«, fragte sie.

»Ich will sie alle heilen. Ich will all ihre Schmerzen in Luft lösen. Ich will all ihre Kugeln und Metastasen aus ihren Leibern schneiden. Ich will eine Medizin erfinden, die all ihre Fremdkörper zu Antikörpern macht und all ihre Bestandteile zu Eigenschaften. Ich will ihre Schädel öffnen und ihre zerbrochene Zuversicht kleben. Und wenn die Narkose verblasst, wie ein früher Morgen, und ein leichter Schwindel zurückbleibt, dann – will ich alles in ihnen geheilt haben. Nicht nur ihre Tuberkulose, ihre Sepsis, ihre Schusslöcher – auch ihre Euphorie, ihren Enthusiasmus, ihre Angst und ihren Stolz. Ich will ihr Arzt sein. Ich will sie in ihrer Gesamtheit heilen. Ich will Gesamt -Arzt sein. Arzt bin ich nur, doch die Gesamtheit will ich heilen. Jeden will ich heilen. Alle. Von Allem.« Er senkte den Kopf in die Hände. Das elektrische Licht der Streikbrecher flackerte von den Straßenlaternen durch die Scheiben. Die Welt war ihm durcheinandergebracht, unordentlich. Ja, so war es auch ihr. Kollwitz sah ihn an. Ein gebrochener Mann in seiner vollen Blüte. Die Welt war durcheinandergebracht. Eltern verlieren ihre Kinder nicht, Eltern sterben bevor sie das erleben müssen. Wer das verliert, was wir verloren haben, dachte Kollwitz, dem bleibt es kalt und festes Eis wächst zwischen uns. Gletscher ist jetzt was einmal sprudelnder Quell und Ursprung war. War es einmal Liebe was uns zusammenhielt, so ist es jetzt die Trauer, die Trauer der Eltern, die uns aneinander gefriert. Karl ließ seine Hände herabfallen, streckte sich und sah sie an. Die Schatten fielen tief in ihre Gesichter, gekrümmt schien ihre Zeit. Die Kerzen erstickten, eine nach der anderen erlosch, die beunruhigende Nachtruhe fiel in die Stube. Es war ruhig draußen. Auch Peter fiel in einer solchen, ruhigen Nacht. Sie hatten nichts gespürt als es passierte. Sie gingen an jenem folgenden Morgen ihrem Alltag nach, unwissend ihn verloren zu haben. Auch in dieser Nacht fielen wieder Söhne. Von Bekannten, von Nachbarn, von Freunden, von Geschwistern. Alle fielen sie, nach vorne und nach hinten, nach oben und nach unten, nach links und nach rechts, überall hin. »Geh schlafen«, sagte Kollwitz. »Du brauchst Ruhe und Träume.« »Geh du nur«, sagte Karl. »Wenn ich schlafe wird jemand sterben. Wenn ich träume wird jemand sein Kind verlieren. Ich muss wieder los. Die Leute schießen wieder aufeinander und jemand muss all die Löcher stopfen.« Karl ging nach einem Tässchen Kraftbrühe, zwei oder drei Zigaretten und ein paar trostlosen Augenblicken des Schwermuts zurück ins Hospiz. Kollwitz sah ihm durch ihr Fenster nach, dort verschwand er wiedermal. Hinein ins Blutbad. Sie zog sich ihr Nachthemd über, legte sich in Peters Bett und zählte die Schatten an der Decke. Wo Nacht ist, wo die Schatten ihre Spiele spielen, da sind Groß und Klein nur Illusionen. Da wo Nacht ist, dort huschen sie im Schutz der Unsichtbarkeit, rundherum und um sich herum, die Bewegungen und die Bewegten. Mit starken Waffen und schwachen Worten. Sie zog die Decke an ihr Kinn und döste in ihren tiefen, liebsten Traum hinein. Sie war im Wald auf der Suche nach Peter und dort, über dem Blätterdach, dort lag er wieder selig schlafend in einer Hängematte, zwischen zwei Bergen, und atmete gründlich und gesund. Dann nahm sie ihn behutsam aus der Hängematte heraus und legte ihn zurück in ihr Herz. Einmal, zweimal, dreimal, immer wieder, bis zum Morgen.

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