Jasper Mendelsohn - Die freien Geisteskranken

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"Ein Buch wie ein Berg. Der Berg der Götzen, Geldgeier und Grabgräber. Ein Buch über Menschen, Unmenschen, gescheiterte Übermenschen. Jasper Mendelsohn reinkarniert den Historienroman in die rußgoldenen 1920er Jahre und erschafft ein Werk, so mannigfaltig wie seine Zeit, voll Gift und Galle, Güte und Geist.
Höchst relevant."
Dr. Salomon Hecke
"Ein geiles Gefühl – das Buch am Ende zuzuklappen, zu rekapitulieren,
ein Wahnsinns-Moment."
Dirk Steffen, Influencer
"Ein Buch für Ärzte und Lehrer, für Redner und Journalisten, für Politiker und Manager, für Geschichtsinteressierte und Geschichtsdesinteressierte gleichermaßen, für Bankiers und Künstler. Für jedermann.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen: Die deutsche Bildungslücke."
Brigitte Neumann, Frankfurter Standard

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Flugblatt! Flugblatt! Flugblatt!

Kommen Sie, ja, Sie, genau, Sie, Sie, der Sie so fragmentarisch mustern. Mund auf, Kopf auf, rein mit der Soße. Was steht auf der Büchse? Dada! Was ist Dada? Besser sollte man meinen: Was ist Dada nicht? Nicht Nicht-Dada ist Dada, Dada ist Nicht-Dada, in seiner gegenseitigen Verneinung zum Ja, also wenn solches nicht-ist sein soll und immer das Gegenteil seiner selbst wäre, sei Dada jenes.

Treten Sie also los, nehmen Sie Positur an, stellen Sie sich neben sich und in Ihren Nächsten, drehen Sie sich viereinhalbmal im Kreise und kommen Sie zum Lützowufer 13, in die Kunsthandlung Otto Burchard. Dada.

Die Himmelsrichtung, so so, wenn Sie mir damit mal nicht die Koordinaten meinen. Hier denn nun die dadaströse Wegumschreibung, per Gesetz:

Man rupfe die heilige Banane vom Baume der Erkenntnis, löse die Mehlfrucht aus der Schale, lege diese umsichtig und unsichtbar vor sich an die Füße und marschiere lauten Schrittes voran. Wusch! Rups! Padabum! Klaps! Wenn Sie nun ausgerutscht auf dem Hosenboden sitzen, sich kratzen und fragen: Ja, geht‘s noch? Dann hieße das: Befehlsverweigerung! Auf, auf, ein zweites Mal. Wie kürzlichst noch in kriegerischem Einheitszweiteilen, Dada-Krieg. Jetzt dürfen Sie lachen. Jetzt nicht mehr. Jetzt wieder doch. Stopp. So tönt und trötet es der Feld- und Wiesenmarschall in sein Blashorn. Danke dafür – dafür nicht – danke. Dada sei hierbei gedankt. Will aber heißen: Grapschen Sie sich am Kragen, nehmen Sie sich eine Wäscheleine, kommen Sie heran. Dada ist nicht, Dada bleibt. Dada wird Ihnen die Birne schon Instand setzen. Die Kunst aber ist tot, da war nichts zu machen. Jeden Montag um sieben Uhr Soirée.

Mit deutlichen Grüßen,

jedermann sein eigener Fußball,

der Propagandadada

Flugblatt! Flugblatt! Flugblatt!

KAPITEL II Dada und die Weltformel 1920

Der lange Fips in weißem Nerz und roter Schelmkappe öffnete den Gästen die Türe und gurrte. »Hereinspaziert, hereinspaziert, Dada sperrt Ihnen vorzüglich Ihre Schädeldecke auf. Kein Schreck, kein Schreck.«

Der Eingang lag verborgen hinter einer Poststation und einer öffentlichen Toilette nahe dem Lützowufer. Die misstrauischen Interessierten sammelten sich an der Kasse und sahen sich verschwiegen an. Kollwitz war eine der Wenigen, die nicht lächelten. Karl hatte sie dazu überredet, herzukommen. Er zahlte den Eintrittspreis scheinbar gewohnt und schien die Regeln zu kennen.

»Nur kalt Blut meine Damen und Herren, kommen Sie, haben sie Zuversicht in die Amöbe, setzen Sie Hoffnung in die Mikrobe. Dada ist die erste und größte Weltform. Wir sind die wahren Kommunisten des ehrlichen Kapitalismus, denn wir ziehen jedem das Geld aus der Tasche.« Und die Glocken an seiner Eulenspiegelmütze bimmelten. Er hielt einen schnurrenden Kater auf dem Arm und kraulte ihm die Kinnlade, während er mit der anderen Hand etwas umständlich die zwei Mark fünfzig Eintrittspreis entgegennahm. Er grinste wie ein Clown ohne Puderquaste, etwas Besorgniserregendes das ansteckend schien. Die Zähne schwarz wie Ruß, die Haut weiß wie Kalk, lang wie eine Bodenleiste. An den Wänden hingen groteske Collagen und eigenartige »Erzeugnisse«, wie die Gastgeber es nannten. Grotesk und für das Gros der Besucher eher Zumutung als Mut zur Aussage. »Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf«, titelte ein Plakat. Die Augen waren ausgeschnitten, Buchstaben waren darüber geklebt. »Schau dich ruhig um«, sagte Karl, der die Ausstellung schon kannte und ging vor in den Theaterraum, in dem später die Soirée stattfinden sollte. Kollwitz nickte. Sie war ihm dankbar, sie mal aus ihrem Atelier geschleift zu haben. Es tat ihr gut rauszukommen. Zuletzt war sie auf einer Skulpturbaustelle eingeschlafen. Interessiert näherte sie sich einem dieser verworrenen Werke, skizzenhafte Zeichnungen, die hier und da die Wände mit Aussage tapezierten. Auf diesem einen war ein Offizier geschmiert, der mit erhobenem, offensichtlich blutgetränktem Säbel über einem toten Strichmännchen kniete, welchem er die Kehle aufgeschnitten hatte und es anbrüllte. Die Bildunterschrift lautete »Noske bei der Arbeit«. Sie kam nicht umhin zustimmend zu nicken. Ein mittelgroßer, alter, etwas dunkelhäutiger Mann mit Halbglatze, weißem Seitenhaar und dickem schwarzen Mantel stand unbemerkt neben ihr und schüttelte den Kopf. »Rümpel, nichts als Rümpel«, knurrte er. »Sie stimmen mit dieser Ansicht über Noske nicht überein?«, fragte sie ihn. »Noske? Der Bluthund? Das soll Noske sein?« »Da steht’s.« Sie zeigte auf die Bildunterschrift. »Das macht’s auch nicht besser«, sagte er, dann sah er sie an. »Frau Käthe Kollwitz? Ist ja nicht wahr. Ich habe die Ehre.« Dann gab er ihr die Hand wie einem Arbeitskollegen. »Ist das so? Sie haben Ehre? An welcher Front haben Sie gedient?«, fragte Kollwitz sarkastisch, doch ihr Gegenüber war sehr wohl imstande zu schwarzem Humor. »Verzeihen Sie, Pietät, ich weiß natürlich um Ihren Verlust. Ich freue mich Sie mal in Farbe zu sehen.« »Na also, und Sie sind?« »Dachs, Ansgar Dachs, was für eine Zeitverschwendung, nicht wahr?« Er nickte zu den Zeichnungen. Keine Ausarbeitung, dafür Massenproduktion, Kritzeleien aus den hinterletzten Hinterköpfen der Hinterhöfe. Leere Strichmännchen, nichts was einem die verschwendete Lebenszeit zurückgäbe, während man es anglotzte. »Ich war bei denen schon in Zürich«, sagte er abfällig, »da waren die Zustände ähnlich beschissen.« »Kindlich rein, doch nicht naiv«, lobte Kollwitz dagegen. »Zeitverschwendung«, wiederholte Dachs. »Solcherlei Gekrakel betreibe man bitteschön wie Klosettgänge – hinter verschlossenen Türen.« »Sie unterschätzen den Wert verschwendeter Zeit, Herr Dachs, und nein, dies ist weit mehr als das. Es sind unsere Jungen, unsere Kinder. Die nächste Generation, die, welche unsere hervorbrachte. Die haben den Krieg erlebt. Unseren Krieg. Wir haben ihn ausbrechen lassen. Wer sind wir, sie zu beurteilen? Sie sind dran. Sie urteilen nun über uns . Stufen müssen wir ihnen sein, nicht Zäune.« »Hufe werde ich denen sein, diesen Schmierfinken«, brummte Dachs. »Bastarde aus Sinnkrise und Zukunftsplänen. Sie müssen ja daran Gefallen finden, Sie sind freie Künstlerin, nur zu. Ich nehme mir die Freiheit es abzulehnen. Es hat keinerlei technischen Wert.« Kollwitz schmunzelte, ging ein paar Schritte zum nächsten Bild und ließ Dachs folgen. »Und das da?«, fragte sie. Jenes Werk war keine Kritzelei, es war ein Ölbild feinster Couleur, war aber nicht weniger thematisch fokussiert. Es zeigte eine zerbrechende Umwelt. Ein Politiker, ein General und ein Priester standen beflissen vor dem Zerfall, während der Normalmensch, der bürgerliche Egoist zu Tisch und Mahlzeit, sich aus Schreck vor dem Untergang an sein Buttermesser und seine Fleischgabel klammerte und an seinem Tische sitzenblieb an dem er bestellt hatte. Dachs las die Beschreibung unter dem Bild und befummelte sein Schnauzhaar desinteressebekundend: »Deutschland, ein Wintermärchen; George Grosz – der Propagandadada.« »Naja, es ist nicht gerade herkömmlich, nicht wahr?«, sagte Kollwitz. Dachs hob beide Augenbrauen. »Es scheint mir, dass der Maler den französischen Kubismus mit dem italienischen Futurismus zu verwechseln versucht und dabei auffällig scheitert. Ist mir aber auch egal, soll mir der Futurismus am Kubismus vorbeigehen, so schnell wie’s nur geht. Ist doch alles Müll für die Abfuhr. Diese Stümper halten sich nicht an die einfachsten Regeln. Nicht an die einfachsten, Frau Kollwitz.« »Jeder Idiot kann eine Regel aufstellen«, widersprach Kollwitz, »und es gibt immer einen zweiten Idioten, der sich daran hält. Ich sehe durchaus viel technischen Wert. Sehen Sie es sich an: Ein Bild, das auseinanderfällt. In alle Richtungen. Mal vom Stil abgesehen. Ist das kein Ereignisfeld eines gekonnten Malers? Sehen Sie sich die Machart an. Sie sind nicht vom Fach, nicht wahr?« Dachs lachte laut auf. »Vom Fach? Wenn Sie wüssten wer ich bin, Frau Kollwitz. Wenn Sie wüssten.« »Nun, ich kenne viele. Aber Sie kenne ich nicht«, sagte Kollwitz. »Ganz recht.« Dachs schien nichts weiter zu sagen zu haben. Er putzte sich die Nase und kratzte sein Fell, dann zog er eine Museumslupe aus seinem schwarzen Mantel und begutachtete Strichführung und Rasanz des Gemäldes, als würde er es testen. Kollwitz war gar nicht mal so überrascht von der Pedanterie. Offensichtlich ein Berufskritiker der sich für einen Künstler hielt, indem er fremdes Werk schlecht hieß, weil er kein eigenes konnte. »Nun, es verschleppt nur wieder diesen lästigen Kubismus, wie ich schon sagte«, bestätigte er sich selbst. »Alles zu dick, zu pastös, mehr Kante als Form. Sehen Sie sich das an, hier unten, der benutzt doch Straßburger Terpentin zur Farbverdünnung, da geht mir die Hutschnur hoch bei sowas. Wie dem auch sei, Gnädigste, Sie werden schon noch sehen. Ein gelehrter Kunstakademiker macht noch keinen Gesamtwert in dieser Dada-Bewegung. Da ziehe ich Ihre Arbeit vor, Frau Kollwitz. Talent, Frau Kollwitz, Talent. Eines pro Generation. Machen Sie weiter so. Und verwenden Sie mal Farbe, probieren Sie es aus. Dieses ewige Schwarz-weiß ihrer Zyklen ist doch kein Zustand, bei allem Respekt.« Kollwitz wusste, wann es sich zu verabschieden galt, wo man sich einig war uneinig zu sein. »Wir sehen uns dann im Theater, Herr Dachs? Auf bald.« »Ja, im Theater, das kann man laut sagen.« Er ging kopfschüttelnd weiter seiner Wege durch die eigen- und andersartige Ausstellung. Von der Decke hing ein Schwein in Reichswehruniform. »Bah!«, sagte er noch unter dem Türpfosten, dann war er weg. Eine weitere Skulptur stand dort am Rande des Irrsinns. Eine Schaufensterpuppe mit Verdienstabzeichen und verlorenem Kopf, eine Glühbirne diente als Prothese, man konnte sie an- und ausschalten. Plump und provokant. Die Besucher kamen in einen Kellerraum mit einer kleinen Bühne und setzten sich kichernd und zuflüsternd auf die klapprigen Stühle. Dies sollte also das Theater sein. Karl winkte ihr zu, er hatte schon die besten Plätze reserviert, mitte Mitte, zwei Reihen davor. Man setzte sich. Die Leuchten blendeten von den Stühlen ab zur Bühne. Der Vorhang wurde langsam per selbstgebautem Flaschenzug aufgezogen und quietschte metallsträubend. Das Licht ging auf. Die Bühne war klein, bunt und infantil verbastelt, überall erkannte man grelle Gesichter aus scharfen Kanten, maskierte Maskenträger, merkwürdiger als gewöhnlich. Ein trauriger, karger Mann stand dort neben einem alten Klavier und fummelte verlegen an seiner Körpermitte herum. »Seht mich an!«, rief er auf und äugte bedrückt ins Publikum. »Ich bin ein Witz! Ich bin hässlich! Ich bin ein hässlicher Witz! Ich sähe Salz in den Sand. Ich durchpflüge die Wüste. Stolz pflügte ich erst die Wüste, doch in der Wüste, dort verliert man seinen Stolz. Seht mich an! Seht mich an! Ich bin ein Witz, so alt wie die Sahara! Ich bin zum Davonflüchten hässlich! Ich bin ein hässlicher Witz! Ich bin genauso wie ihr!« Der verstimmte Pianist zog seinen Reißverschluss hoch, richtete seinen Hosenbund und setzte sich ans Klavier. Er krempelte gelangweilt seine Hemdsärmel hoch, hob die Hände und hämmerte seine knochigen Finger in spasmischen Zuckungen in die quäkernde Holzkiste. Dieselben zwei Akkorde, schrill und falsch und ohne Takt. Kling-klang, kling-kling-klang, kling-klang-klang, und so weiter. Kollwitz erkannte in der kargen Beleuchtung des Kellergewölbes die sich weitenden Augen der Publikumsinsassen, Stirnfalten wellten sich auf und Augenbrauen zogen sich zusammen wie Gewitterwolken. Hinter dem Klavier kamen drei Frauen in weißen Nachtkleidchen hervorgetänzelt und schlugen Kochlöffel auf Töpfe. Dazu stimmten sie ein dissonantes »tschu-tschu-tschu« an; sie versinnbildlichten wohl die höchste Eisenbahn für die Gesellschaft oder die Eisenbahngesellschaft oder möglicherweise auch einfach gar nichts. Dadas eben, man hatte es nicht leicht mit ihnen. Was es auch war, sie verarbeiteten es zu Dada. Der Zug hielt an, die Damen erstarrten. Ein fetter General marschierte in preußischem Stechschritt hinter ihnen hervor auf die Bühne, wirbelte seinen Blechsäbel über die Köpfe und schrie strenge Befehle aus kratziger Kehle, so dass ihm seine Pickelhaube regelmäßig ins fette Gesicht rutschte. »Raus aus euren warmen Löchern!«, stieß er aus und Spuckfetzen flogen unter seiner Schnauzbürste heraus durch das Rampenlicht und es nieselte. »Ihr Stubenfliegen, ihr Ofenhocker, raus aus euren warmen Löchern! Unter Mondglotzen und Sternenstarren rufe ich zu Beil und Keilerei!« Der fette General grunzte dreimal heftig, beendete den Stechschritt und stellte sich stramm in Befehlspose vor das Publikum. Er sprach die Kaiserrede der totalen Kolonisation der kolonisierten Kolonien: »Hört ihr nicht die Scharen scharren? Werft über euren Harnisch und schreitet durch die Äquatoren – ich brüll die Marschmusik der Weltarmee! Divisionen und Husaren – aus Ost und West und Nord und Süd, erhebt eure Standarten! Japaner, Chinesen, Deutsche, Franzosen! Truppen Afrikas, Asiatische, Kaukasische! Herbei Amerika, o Mississippi! Spree, Nil, Wolga, Tiber, Amazonen! Legionen Indonesiens, Brasiliens, Schwedens, Schweiz, zieht das Säbel, lasst es singen! Brich herab Himalaya, Täler des Mekong marschiert herauf! Verladet die Haubitzen auf die Elefanten der Oasen, bemannt die Wale der Weltmeere, sattelt die Löwen der Hunnensteppen! Ich brüll die Brachiale! ich blas die Marschmusik der Weltarmee – endlich wieder Krieg!« Der fette General sprang um, beugte sich mit den Händen auf die Knie und furzte den Zuschauern lauthals entgegen, diese schlossen ihre erstaunten Münder augenblicklich. Der verstimmte Pianist schwang um in eine fröhliche Marschmusik und die Damen hüpften im Kreis um ihren fetten Führer. »Gegenwind, Gegenwind, Dada bläst zum Gegenwind!« Kollwitz‘ gewohnt trantütiger Gesichtsausdruck wich einer offenen Neutralität. Für einige andere war die Schmerzensgrenze überschritten. Die ersten Gäste erhoben sich nervös von Ihren Sitzen, tasteten sich ab, dass sie auch ja nichts vergaßen, postulierten ihre Unlust über das Dargebotene mit faustigem Handwurf und verließen die Sitzreihen in tapsiger Hektik. »Ihr!«, tobte der fette General sie an und zielte mit seinem zittrigen Zeigefinger auf die Flüchtlinge. »Küsst die Fresse!«, raunte er. »So feucht wie ihr nur könnt!« Die Flüchtlinge erstarrten. »Oder die Fresse küsst euch! So nass wie sie es nur will!« Und er zog sich mit seinem zittrigen Zeigefinger die labbrigen Hautsäcke unter seinen Augenringen herunter, aus seinem fetten Gesicht baumelten die Doggenbacken und schlabberten vor Zorn. Einige setzten sich wieder hin, gehorchten dem, was der General befahl, andere nutzen die Schatten der Flure und schwiegen sich davon, andere konterten mit verschränkten Armen und bestanden auf ihrem Standpunkt als sei es der Prüfstein ihrer Männlichkeit. »Sie! ausgerechnet Sie!«, schimpfte ein Überzeugter. » Sie haben wir nach dem Krieg gebraucht! Einen Verräter! So dankt ihr es meinem gefallenen Sohn? So dankt ihr es dem Land, der Erde, den Familien für die er fiel? Damit verschwendet ihr eure Zeit? Damit dankt ihr es den Opfern dieses Desasters? Mit Witzen?« Alle schienen aufgeregt, jeder schien etwas loswerden zu wollen, nur keiner traute sich. Auch Kollwitz schwieg, obwohl sie hätte aufschreien können. Sie merkte es Karls Halsschlagader an, dass es ihm genauso ging. »Nein, nein, nein!«, schrien die einen plötzlich los, »ja, ja, ja«, seufzten die anderen zurück. Es war doch so unbedeutend. Das Sterben, es war unbedeutend gewesen, umsonst, man hatte es einzusehen; oder auch nicht. Man zeigte seine Aufregung, man regte sich auf, und überhaupt, da regte sich etwas. Die Ohnmacht war wie abgestellt, man diskutierte wieder. Kollwitz atmete auf. Das Haus der schrägen Vögel machte auch ihre Besucher schräg. Ja, wie Darwins Spatzen sangen sie ihre Leiern von ihren vielen eigenen, einzigen Inseln. Jeder Spatz für sich das Beste wissend aus seinem individuellen Erleben, mit bebendem Brustlatz tönend, frei und überzeugt und im Recht, wie ihm der jeweilige Schnabel nun mal gewachsen war. Waren wir nicht alle Dada? Auf vielfältige Weise – einfältig? So hüpft jeder von seinen jeweiligen Zufällen zum nächsten und nennt sich »Entwicklung«. Dada ist Entwicklung. Als der Propagandadada vor die Meute und die Meuternden trat und die Direktorenhand erhob, zogen viele Spatzen ihren Atem ein und ordneten ihre Federn, die schrägen Vögel streckten ihre Hälse herauf und verschluckten ihr Tschilpen mitten im Kehlsatz. Hinter ihm postierten sich der Dadasoph und der Balldada, der Monteurdada schraubte im Hintergrund das Bühnenbild um. Schräg wurde schräger. »Die Kunst ist tot, ihr Kunstgläubigen!«, posaunte der Propagandadada heilsbringend und arrogant mit dem jungen Selbstbewusstsein seiner Manie. »Es gibt für alles seine Zeit! Für die Hebamme die eine, für den Totengräber die andere. Für die Kunst ist es nun Zeit zu sterben. Es gab die Mittelalterzeit, die Barockzeit, die Biedermeierzeit; es gab die Steinzeit und die Eiszeit. Es gab die Zeit zu kämpfen und es gab die Zeit zu fressen.« »Was hat denn die Kunst damit zu tun?«, rief der aufgelöste Überzeugte. »Das entartet doch!« Der Propagandadada redete unbeirrt weiter: »Es gab die Antike, das Altertum, die Renaissance, den Rokoko, die Klassik, die Romantik, das Genie in seiner Welt und die Welt ohne Genie; und jetzt gibt es Dada. Alles ist Dada – Nachahmung ist zwecklos, Weiterführung sinnlos! Denn jetzt ist sie tot. Ihr Zeugen! Ihr Zeitzeugen, ihr saht wie sie das Herz der Kunst, den Stil, zum Stillstand brachten! Dada ist das Bekenntnis zur Stillosigkeit, denn jede Zeit hat ihren Stil. Dada ist das Bekenntnis zur Stillosigkeit, denn wenn Dada ist, ist Kunst nicht. Wenn Dada lebt, dann sage ich die Kunst ist tot! Und wo die Kunst tot ist, ist auch der Mensch tot! Tot, die Mona Lisa. Tot, das Selbstporträt! Tot, der monokeleinzwickende Mäzen und der teetassenhenkelhaltende Mondän. Tot, der Dürer. Tot, der Cranach der Ältere. Tot, der Cranach der Jüngere. Die Kunst ist tot! Wir heben die Kunst auf ein Podest – und tragen sie zu Grabe. Sie soll zum Himmel fahren, gleich, sofort, immediately, wenn möglich. Das ist Lüge, nur umgekehrt, Dadawahrheit; Überzeugung ist der erste Schritt, Erzeugung der zweite, ihr Zeugen der Sterblichkeit von Kunst! Seht das Bild des Spießers, des bürgerlichen Egoisten, wie die Welt um ihn einhergeht und eingeht, während er zu Tisch auf seine Mahlzeit wartet. Huren hausieren, Verbrecher und Bestecher kampieren. Kirchenhäuser – Dächer für die Unglückseligen und Türme für die Selbstmörder. Eine Lust! Und der Spießer, er würgt Messer und Gabel umso fester. Das Futter muss kommen, es wird doch einer in der Küche stehen und kochen? Ihr Verbrecher, gebt mir mein Futter! Wo ist mein Gift? Langes, unbeweisbares Gift ist gutes Gift. Ihr Zeugen, könnt ihr mir bezeugen, dass die Kunst tot ist? Höre ich nun Zustimmung und Abneigung? Beides? Ja?« Er hielt die Handflächen hinter seine Ohrmuscheln und forderte den Zuschauertross zum beklatschen auf. Die Empörten blickten sich verdächtigend an. Ein dürrer Stockmensch in Kollwitz‘ Nähe stand auf und rief: »Genau, mein Junge!« Zornige Schmährufe entglitten den Besuchern in den hinteren Reihen als der Teil um sie sich aufrichtete, sich umdrehte und jubelte. Die Hinteren begannen die Vorderen zu beschimpfen und die Vorderen taten ihnen Gleiches mit Gleichem gleich. »Es ist eine Schande! Eine Schande ist das!« »Wa sin se denn so blöde inne Birne, dass se dit nich vastehn, Mensch!« »Kommunisten!« »Flitzpiepen!« »Bolschewistische Zigeunerbrut!« »Jetz sperre se ma de Köppe uff, jah?« »Arschfotzen!« Dann warf einer seinen Hut vor sich auf den Boden und trampelte auf ihm herum. Mit dem Hut meinte er die anderen. Es ging so weiter. Eine reinigende Schlammschlacht hässlicher Wörter, ohne Kugeln, ohne Gas, ohne Tod. Alle töteten nur die schöne Kunst. War das Frieden? Kollwitz atmete auf, als hätte man ihr eine schwere Tasche abgenommen. Ja, das war er. Er war zurück. Die Waffen waren gelegt, das Wort war zurück. Der Krieg konnte von Neuem beginnen. »Ihr ungewaschenen Kindsköpfe, ja! Schön blöd! Wir werden euch noch Töne lehren, die ihr so noch nie vernommen habt!«, rief es weiter von den Hinterbänklern. »Ihr Dummköpfe, Dornkronen setzt ihr euch auf, ihr monarchentreuen Untertanen!«, rief nun der Balldada gegen das Scheinwerferlicht. Er war verkleidet, wie der Name schon sagt, als Ball. »Herrschaftshäuser und Denkmäler errichtet ihr euren Kriegstreibern. In die Höhe treibt ihr eure Höhergestellten, ihr Untertänigen, in die Höhlen steigt ihr für sie. Auf dass sie euch als Phallus dienen, je höher und fester sie in eure Ärsche stoßen.« Die Hinterbänkler trauten ihren Ohren nicht, was sie da von einem Ball gesagt bekamen. »Ihr Verräter! Wegen Bürschchen wie dir haben wir die Schlacht verloren! Weil du nicht für meinen Sohn gestorben bist, ist er jetzt tot! Dreckiger Vaterlandsverräter!« »Ihr Untertanen!«, fuhr der Ball fort, ohne auf jegliches einzugehen. »Ihr armen, armen Untertanen. Ihr Götzenbildner. Auf der Suche nach dem größten Phallus der euch führt und in euch hineinführt – dem Übergroßen, dem Größten, dem Mutterpenis, der Mutter aller Penisse.« »Das ist ja sagenhaft!« Das tobende Gegröle vernichtete die Hörbarkeit der letzten Worte des Balls. Der verstimmte Pianist stimmte einen Ragtime an. Kollwitz tat so als würde sie klatschen, ihr war heiter zumute, der fette General aber war mehr als das, er befand sich in seinem Element und lachte höhnisch, der Propagandadada lachte teuflisch, der Ball lachte überhaupt nicht. Letzterer war nur zufällig Dada, alles, was er sagte, war ihm bitterer ernst, darum war er ein Ball. »Ja wisst ihr denn nicht? Ja wisst ihr denn nicht?«, schallte es aus den Rängen »Was wissen wir nicht?«, schlug der Ball zurück. »Die Tantalusqualen unserer verdammten Söhne!« Der Überzeugte zeigte sich von seiner poetischen Seite, die man braucht um zu überzeugen. »Dort draußen in den Gräben, wo heute weiße Fetzen im Wind flattern. Durch und durch gepflügter Acker, besäht mit kalten Kugeln. Rostige Bombenschalen stehen aus den Böden hervor wie antike Tontöpfe. Knochen liegen da, als wären es Krieger von längst vergessener Zeit. Doch es sind unsere Kinder! Verstreut in der weiten Flur des Grauens! Und ihr macht euch lustig, ihr setzt euch rote Clownsnasen auf! Pietätlos bis ins Mark! Mir ist es ernst!« »Die Tantalusqualen unserer Söhne! Sie sagen es!«, rief Karl plötzlich zurück. Kollwitz erschreckte sich, so aufbrausend erlebte sie ihn bisweilen selten. »Unsere Kinder sind tot! Unsere Kinder sind an unserem Wahn vernichtet worden – wir, die Eltern, tragen die Schuld! Was meint der denn sonst mit der Kunst? Unsere Kunst! Unsere Kinder sind tot! Und sehen sie sich die übrigen Kinder hier an, die überlebten Kunstwerke!« Er zeigte auf die Bühne. »Das! Das sind die Überlebenden unserer Feuerwelt, die wir für sie erbauten. Das! Das sind unsere Überlebenden die sich von unseren Schlachtbänken befreiten. Wenn! Wenn jemand sagen kann was er will und wie er es will, dann unsere Kinder. Wir Alten sind zu nichts, rein gar nichts mehr zu gebrauchen!« »Ach was!« »Ach was? Das ist Ihre Antwort? Halten Sie endlich ihr vor Dummheit schäumendes Maul!« Kollwitz drückte ihren Mann in den Arm, er baute sich auf wie ein Bär, als wollte er gleich eine Prügelei anzetteln, und das als der vernünftigste Arzt der Stadt. Das wäre doch Dada, dachte sie. Die Hinterbänkler schienen unabsichtlich einen Chor zu bilden: »Trauer, Trauer, Trauer! Das ist keine Trauer, das ist ein Fest!« »Oh ja, ihr seid traurig«, fiel ihnen der Propagandadada mit ausgestreckten Armen in ihre Thesen, er saß nun auf den Schultern des fetten Generals und stimmte seine vorbereitete Rede an: »Oh ja, ihr seid viele. Und ihr seid alle so traurig. Und je mehr eure Herde auf der Trauerweide grast, desto kürzer macht ihr euch selbst. Je mehr ihr euren Hirten nachblökt, desto winziger wird eure Stimme – denn der Ruf nach einem starken Mann, der führt, ist kein Ruf, es ist ein Blöken. Und eure Herde wächst zu Heerschar, zu Volkskoloss und du...«, er zeigte auf einen beliebigen Hinterbänkler. »Der kleinste Zwerg der Welt. Ja, Zwerg bist du mit schwachem Nacken, auch so traurig, knickst nach hinten ab und siehst nach oben, dass dir da einer ist, der dir sagt wohin du hufen sollst, anstatt selbst nach vorn zu sehen. Ja, Zwerg bist du, der einen Diktator nötig hat!« Der Beliebige sah sich zu den anderen um. »Na warte!«, brüllte der wortgewandte Überzeugte zurück und nahm den Beliebigen in Schutz. »Dir werde ich Mores lehren, du Bengel, dass dir das Hirn schon noch vergeht. Wen nennst du hier Zwerg?« »…dafür keine Zeit«, hörte Kollwitz ihren Bekannten, Herrn Dachs, am Ende eines Halbsatzes, in einer Feuerpause murmeln. Dann verschwand er durch die Galerie. Er hatte offenkundig genug gesehen. Dabei fing der Propagandadada gerade erst an den Überzeugten zu stutzen: »O, du Diktator ohne Volk!«, sprach er einem Propheten gleich dem Überzeugten zu. »O, du einsamer Diktator. Ich höre dir nicht zu! Du armer Diktateur, hast niemanden zum Diktieren. Du mauerst Worte hoch zu leeren Burgen, und keiner will hinein – du Tollpatsch hast die Fenster vergessen. Und sie lachen heimlich über dich, das macht dich garstig und verbissen, verkantet und einsam. Und deine Einsamkeit macht dich bitter. O, du Diktator ohne Volk. O du armer Diktateur. Du Kreativer ohne Medium, du Aufbläser und Aufbläher ohne ein Ventil. Unausweichlich und ohne Ausweg. Zum Mystiker und Verschwörer wirst du werden, und wer dir nicht gefügig wird, wird dir Widersacher. Doch dein Erzfeind wird dir deine eigene Bitterkeit. O, du Diktator ohne Volk. O, du armer Diktateur. Einsam isst du Tag für Tag zu Abend, und es schmeckt dir jedes Mahl bitterer. Einsam irrst du auf deinem Mond – du Trabant – immer vorwärts. O, du Diktator ohne Volk. O, du armer Diktateur. Du Spucknapf der Intellektuellen. Und aus unserer Verachtung saugst du die fette Milch der Aufmerksamkeit und verschluckst dich daran. Auch unser spöttisches Lachen ist dir brutzelndes Pfannenfett an dem du dich wärmst und reibst und naschhaft leckst und dir deine vielen Zungen daran verbrennst. Seht ihn nicht an! Geht an seinen Erdlöchern vorbei, wenn ihr die Kröte schnarren hört. Hört ihn nicht an! Lasst ihn in seinem Loch. Er wirft euch die Peitsche zu. Lasst sie liegen! Vernichtet ihn nicht ! Entgegnet ihm – nichts ! Die Kunst ist tot und niemand kann sie mehr lebendig reden! Doch Dada ist gegen lebendig.« Der Überzeugte kniff die Augen zusammen und spitzte die Lippen, dass ihm sein Oberlippenbart in die Nase wühlte. Man hätte meinen können, es qualme aus seinen Ohren. »Entartung ist das! Entartung!«, giftete er und schlug hastig mit der Hand durch die Luft, er hatte sich als alleiniger Sprecher der Hinterbänkler hervorgetan. Die vorderen Reihen buhten sie aus und einige warfen Stühle nach hinten. Wild geifernd zogen sich die störrischen Gruppenbildner zurück. Quietschend zog der Vorhang wieder zu. Das vielarmige Missverständnis war perfekt, Applaus gab es keinen, ein gelungener Abend. Kollwitz versuchte Karl zu beruhigen. Sie ließen die Hinterbänkler zuerst hinausgehen, das dauerte nicht lange, sie waren zügiger Natur. Kollwitz und Karl wanderten noch ein wenig durch die Ausstellung, suchten Zeichnungen und Fotomontagen, die sie noch nicht besichtigt hatten und machten aus einem Umweg einen langen Spaziergang zurück nach Hause. Ihre Köpfe waren für einen kurzlebigen Moment befreit, zumindest der von Kollwitz. Was in Karls Kopf vorging, konnte sie nur erahnen. Was heute wieder in ihn gefahren war, darüber mochte sie gar nicht nachdenken. Doch beide genossen das Gehen, so lange es dauerte. Sie bogen um zwei Ecken und gelangten ans Spreeufer. Wie unbeirrt dieses Wasser doch durch die Stadt floss. »Du stehst niemals im selben Fluss«, sagte Kollwitz. »Das hast du einmal gesagt.« »Ich? Wann?«, fragte Karl. »Das hast du mal Hans und Peter gesagt als ihr mit hochgekrempelten Hosen in die Strömung an der Havel gingt. Du sagtest: ›Das Wasser, das eure Füße berührt, kommt aus der ganzen Welt und fließt in die ganze Welt zurück. Ihr werdet nie wieder das gleiche Wasser an euren Füßen spüren.‹ Du warst immer gerne so ein alter, weiser Mann.« Das war er auch, er hatte Peter schließlich verboten an die Front zu gehen und ihr, ihm eine elterliche Erlaubnis zu erteilen. Hätte sie nur auf ihn gehört. Da war sie wieder, die Ohnmacht. »Ja«, sagte er, »niemals bleibt der Fluss derselbe. Wir schon«, dann bog er ins Schweigen ab. Sie gingen weiter stromaufwärts, vorbei an einem Denkmal von einem vergessenen Krieger. Es stand verlassen vor einer kleinen, sparsamen Grünfläche. Der bronzene Herr mit Pickelhaube wies mit strengem Lehrerzeigefinger auf den Fluss, in der anderen Hand hielt er den Griff des Säbels an seinem Gürtel. Die Klinge war leicht aus ihrer Halterung gelöst. Offenbar handelte es sich um einen Helden. »Kennst du den?«, fragte Kollwitz. »Nein«, antwortete Karl ohne hinzusehen. So groß, so aufopfernd kann der Heldentod also nicht gewesen sein, dachte Kollwitz. Zumindest hat er dadurch nichts erreicht, denn für das, wofür er gekämpft hatte, war heute offenbar kein Platz mehr im Gedächtnis. Sie richtete ihren Schal. Nach langem Pfade kamen sie zu Hause an. Karl holte sich wie immer eine Zigarette und setzte sich auf seinen unbequemen Holzstuhl vor dem Fenster, um die Straße zu beobachten. Vielleicht käme Peter ja doch noch nach Hause, wenn er nur lange genug Wache hielte. Er spürte es tief in sich drin, dass er noch lebte. Kollwitz überließ ihn seiner Art der Trauer und er billigte ihr die ihre zu. Sie legte sich in Peters Bett und beobachtete die Schatten an der Decke. Dort vermisste sie ihn, ihren Krieger, ihren von der Welt vergessenen Krieger, man hatte ihn zu Dada verarbeitet.

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