Aber ich bin kein Italiener. Ich muss die Entscheidung ganz allein für mich treffen und mir deshalb alles gründlich überlegen. Denn wenn man einmal groß geworden ist, kann man nicht wieder klein werden. Das sieht man tagtäglich an den Erwachsenen.
Doch eins steht fest: Wenn ich groß bin, darf ich mich endlich rasieren!
Wussten Sie schon,
wussten Sie schon?
Überall nennt man mich halbe Portion.
Das wurmt mich sehr,
das wurmt mich sehr!
Wo nehm’ ich die andere Hälfte her?
Catchermuskeln wünsch ich mir,
Bärenkräfte wie ein Stier,
dann wär ich ein Weiberheld,
der der Weiberwelt gefällt.
Halbe Portion,
halbe Portion!
Ich laufe noch vor mir selber davon.
Nein, so ein Quark,
nein, so ein Quark!
Wann werd ich endlich auch groß und stark?
Catchermuskeln wünsch ich mir,
Bärenkräfte wie ein Stier,
dann wär ich ein Weiberheld,
der der Weiberwelt gefällt.
Natur allein,
Natur allein
soll für halbe Portionen verantwortlich sein.
Wie ungerecht,
wie ungerecht!
Warum ist die Natur so schlecht?
Catchermuskeln wünsch ich mir,
Bärenkräfte wie ein Stier,
dann wär ich ein Weiberheld,
der der Weiberwelt gefällt.
Alle Tage,
alle Tage
quält mich stets die gleiche Frage:
Gibt’s keine Sachen,
gibt’s keine Sachen,
aus halben Portionen ganze zu machen?
Catchermuskeln wünsch ich mir,
Bärenkräfte wie ein Stier,
dann wär ich ein Weiberheld,
der der Weiberwelt gefällt.
Warum
ist auf der Welt so viel verboten, was uns Spaß macht?
Warum
müssen Kinder, die nichts verdienen, Eintrittsgeld fürs Schwimmbad bezahlen?
Warum
ist das Spielen im Park nicht erlaubt?
Warum
gibt es nicht genug Spielstraßen?
Warum
werden wir, wenn wir Fußball spielen, erst vom Hof gejagt, dann vom Spielplatz, dann vom Sportplatz?
Warum
schimpft uns der Platzwart Rocker und droht uns mit der Polizei, wenn wir nicht abhauen, weil der Platz so empfindlich sei?
Warum
protestieren alle gegen alles Mögliche, aber niemand mit der Parole „Spielplätze sind nichts als Hundeklos?“
Warum
sind Krankenhäuser so langweilig?
Warum
achtet niemand unsere Persönlichkeit?
Warum
gibt es für Kinder unseres Alters nicht andere Spielmöglichkeiten als Rutschen, Schaukeln und Sandkästen?
Warum
ist der normale Umgangston mit uns die Nörgelei?
Warum
nimmt der Friseur freitags keine Kinder dran, obwohl wir für den Haarschnitt genauso viel bezahlen müssen wie die Erwachsenen?
Warum
schnauzt man uns an, im Bus Platz zu machen, statt nett zu sein und „bitte“ zu sagen?
Warum
müssen Schaffner immer gleich meckern, wenn Kinder mal etwas lauter sind?
Warum
nimmt man uns Kinder nicht ernst und hört uns mit unseren Problemen an?
Warum
heißt es immer: „Hast du was gesagt?“ – „Wer hat dich gefragt?“ – „Sitz doch nicht so krumm!“ – „Mein Gott, bist du dumm!“
Warum – warum – warum?
Ich bin nur ein Dreikäsehoch
und hab es schwer -
sogar sehr!
Denn alles, was ich finde schön,
darf nicht geschehn.
Es heißt: Das ist verboten -
verboten, ja verboten!
Stell ich nur irgendetwas an,
was irgendwer nicht leiden kann,
verbietet man es mir sogleich
und schlägt mich manchmal windelweich:
„Du darfst nachts nicht singen
auf den Tisch nicht springen,
Blumen nicht ausreißen,
Scheiben nicht einschmeißen,
nicht als Junge weinen,
werfen nicht mit Steinen.
Und gieß, mein Sohn, auf keine Fälle
das Tintenfass
ins Goldfischglas.
Der Fisch wird blau - doch nie Forelle.“
Ich bin nur ein Dreikäsehoch
und hab es schwer -
sogar sehr!
Denn alles, was ich finde schön,
darf nicht geschehn.
Es heißt: Das ist verboten -
verboten, ja verboten!
Das Radio neulich klang nicht rein:
Ich ölte es mit Butter ein.
Mit Senf hab ich die Wand beschmiert
und so den ganzen Raum verziert.
„Was sind das für Sachen!
Das darfst du nicht machen:
aus dem Kühlschrank naschen,
nicht die Katze waschen,
nicht dein Hemd zerreißen
und die Tante beißen.
Und gieß, mein Sohn, nur nicht die Nelken
auf Mutters Hut
voll Übermut.
Sie wachsen nicht - die Nelken welken.“
Ich bin nur ein Dreikäsehoch
und hab es schwer -
sogar sehr!
Denn alles, was ich finde schön,
darf nicht geschehn.
Es heißt: Das ist verboten -
verboten, ja verboten!
Wie wäre es mal umgekehrt,
wenn ich euch sagte, was mich stört,
und schrie euch dauernd ins Gesicht:
„Verboten - so was tut man nicht!
Wie Verrücke hetzen,
kindisch mit mir schwätzen,
dauernd mich belehren,
über mich beschweren,
putzen oder spülen,
statt mit mir zu spielen.“
Vor allem muss ich solchen Nieten,
die alles mir
verbieten hier
verbieten, mir was zu verbieten.
Hausarbeit müsste verboten werden
Bei der Hausarbeit sind Mädchen geschickter als Jungen. Das ist schon immer so seit dem Altertum: Die Männer waren mehr draußen und haben gejagt und die Frauen drinnen gekocht. Erst heue gewöhnen sich die Männer langsam ans Kochen, und einige Frauen jagen schon.
Es geht ja auch nicht, dass wir Männer alles den Damen überlassen. Mein Vater und ich packen schon mal mit an, wenn’s sein muss. Mein Vater ist nämlich ein Kavalier alter Schule. Er sagt zwar, dass wir als Männer so niedrige Arbeiten eigentlich nicht zu tun brauchen, aber es mache sich gut, weil man damit die Sympathie der Damen gewinne.
Wenn meine Mutter zum Beispiel in der Küche am Herd steht, dann umgreift er sie von hinten, hebt sie hoch, setzt sie auf den Küchenstuhl und sagt dann:
„Na, was soll ich denn jetzt mal kochen?“
Dann strahlt meine Mutter, wenn sie auch Angst hat, was diesmal wohl wieder dabei rauskommt.
Mein Opa ist da ganz anderer Ansicht.
„Es gibt Arbeiten, die sind seit urkundlichen Zeiten für die Frauen da“, sagt er immer, „zum Beispiel Kaffee kochen, Sahne schlagen, Eintopfsuppe und Betten machen, Fenster putzen, überhaupt Hausputz. Wenn Hausputz ist, sollen Männer möglichst nicht im Haus sein, weil sie dabei stören.“
Er geht dann immer in die Kneipe und schlägt die Zeit tot.
Ich kann meinen Opa gut leiden. Wenn ich gekonnt hätte, dann hätte ich ihn zu meinem Vater gemacht. Dazu ist es jetzt leider zu spät.
Meine Tante Berta aber hätte ich auf keinen Fall zu meiner Mutter gemacht. Als ich mal bei ihr für ein paar Tage zu Besuch war, hat sie mich dauernd einspannen wollen.
„Ich mache nur Sachen, die männlich sind“, habe ich ihr glatt ins Gesicht gesagt, „keine Arbeit für Mädchen.“
„So, so, junger Mann“, hat sie da ganz kühl geantwortet und mich von oben herab durch ihre Nickelbrille angefunkelt, „und was ist deiner Ansicht nach nicht männlich?“
„Kochen, spülen, putzen würde ich nie machen“, habe ich erklärt, „dafür habe ich kein Händchen. Ich mache da doch alles verkehrt. Opa ist da ganz meiner Meinung. Wir Männer haben bei so was zwei linke Hände. `Jungen müssen Soldat werden´, sagt er immer. `Da müssen sie dann noch genug Klos reinigen´.“
Ich hatte gehofft, die Tante würde sich das zu Herzen nehmen und mich schonen. Aber die Tante ist zäh wie Leder. Da kaut man sich die Zähne dran aus.
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