Gesundheit: Bei Lungenerkrankungen hilft das heilsame Klima der Nordsee. Der Schlick des Watts wird für Thalasobehandlungen genutzt.
Nicht verpassen: Barfuß über den Meeresboden gehen und die Konsistenz des Watts spüren, sich eine Reflexzonenmassage der Fußsohlen in freier Natur gönnen und dabei in Bewegung sein.
Besonderheiten: Das Wattenmeer der Nordsee ist eine rund 9.000 Quadratkilometer große, 450 Kilometer lange und bis zu 40 Kilometer breite Landschaft zwischen Dänemark im Nordosten und Niederlande im Südwesten. Den bei Niedrigwasser freiliegenden Grund der Nordsee bezeichnet man als Watt. Fast das gesamte Wattenmeer steht unter Naturschutz. Der deutsche Teil ist – außer den großen, als Schifffahrtsrouten richtigen Flussmündungen – als Nationalpark geschützt. Seit 2009 zählt das gesamte Watt zum Weltnaturerbe.
Deutschland
Im Burgenland
Majestätisch streckt sich der Blaue Turm von Bad Wimpfen dem Himmel entgegen.
Heimaturlaub: Eintauchen ins Mittelalter links und rechts der traditionsreichen Burgenstraße am Unteren Neckar
Von Norbert Eibel
Was für ein Ausblick mitten hinein in eine deutsche Seelenlandschaft, wie sie romantischer kaum sein könnte! Vom 40 Meter hohen Bergfried der Burg Guttenberg auf einem Sporn zwischen Neckar- und Mühlbachtal wandert der Blick ungehindert 360 Grad ins Rund. Mit ihrem mächtigen Turm, den vielen Mauern und Wachtürmen und dem großen Palas grüßt die Festung ins Tal hinunter. Unten schlängelt sich gemächlich der Fluss, an den Hängen ziehen sich Weinreben hinauf, darüber stockt prächtiger Mischwald. Und kaum ein Blickwinkel wird nicht von den Zinnen einer Festung oder eines Schlösschens gekrönt.
Von seinem Ausguck herunter spricht Burgherr Bernolph Freiherr von Gemmingen-Guttenberg eloquent mit ungekünstelter Noblesse über die Familiengeschichte. 1449 kaufte Vorfahr Hans von Gemmingen, "der Reiche" genannt, "für läppische 6000 rheinische Gulden die Veste, denn Burgen waren damals ein Auslaufmodell." Die Guttenberg wurde in der Stauferzeit um 1200 zur Sicherung der Kaiserpfalz im nahen Bad Wimpfen gebaut. Sie ist eine der wenigen Burganlagen, die in 800 Jahren nie zerstört wurde und noch immer bewohnt ist - in der 17. Generation von der Linie zu Gemmingen-Guttenberg. Drumherum erstrecken sich auch heute noch knapp 400 Hektar Wald, den die eigene Fortverwaltung bewirtschaftet.

Die Altstadt von Bad Wimpfen thront über dem Neckartal.
Adel verpflichtet - auch heute noch. Für Freiherr Bernolph bedeutet dies, das kostspielige Anwesen für die nächste Generation zu erhalten und das Burgtor für Besucher zu öffnen. Auf Wunsch bietet er persönliche Führungen durch das Burgmuseum an, wo Schätze aus 550 Jahren Familiengeschichte gezeigt werden. Besonders stolz ist man auf Burg Guttenberg auf die Holzbibliothek: Die 93 Bände, die aussehen wie dicke Bücher, sind eine echte Rarität. In den Kästchen aus Holz werden Blüten und Blätter verschiedener, teils schon längst ausgestorbener Baumarten aufbewahrt. In den Zwingeranlagen der Burg hat die Deutsche Greifenwarte ihren Sitz. Rund 100 Raubvögel, vom Geier über den Adler bis zur Eule, können dort bei Flugvorführungen beobachtet werden.
Die besterhaltene Kaiserpfalz nördlich der Alpen
Rund zehn Kilometer südlicher thront die Altstadt von Bad Wimpfen über dem Tal, einer der Höhepunkte auf der Burgenstraße. Ihre Mauern beherbergen die am besten erhaltene Kaiserpfalz nördlich der Alpen. Ein Streifzug durch die verwinkelten Gassen der Stadt, die unter den staufischen Reisekaisern im Mittelalter den Status einer Metropole erlangte, führt zwangsläufig zum höchsten Punkt, dem "Blauen Turm", Bollwerk und Wahrzeichen der Stadt. Oben wohnt auf 53 Quadratmetern seit über 15 Jahren Blanca Knodel, Deutschlands einzige Türmerin. 60 Meter über dem Pflaster der Stadt hat sie drei Kinder großgezogen und lebt heute dort mit Klavier, Whirlpool und Hauskater. Die 134 Stufen hinunter nimmt sie nur einmal in der Woche, denn "so nah am Himmel ist der schönste Platz, den ich mir vorstellen kann." Auch unten scheint die Zeit stehen geblieben. Denkmalgeschützte Häuser bilden die Kulisse für die sehenswerten Museen der Stadt, das Historische, das Reichsstädtische und das Kirchenhistorische.
Wer nach so viel Kultur Bewegungsdrang verspürt, dem bietet die Burgenstraße sportliche Alternativen: Eher gemächlich ist eine Bootsfahrt oder Kanutour auf dem Neckar, aktivere Wanderfreunde schnüren ihre Stiefel und nehmen den Neckarsteig unter die Sohlen und auf dem durchgängig beschilderten Radweg lässt sich die Landschaft mit eigener Kraft oder per E-Bike erstrampeln. Die Etappe von Bad Wimpfen nach Neckarzimmern ist besonders sehenswert. Ohne größere Steigungen führt die Route im Tal unterhalb der Weinberge vorbei an Schloss Ehrenberg, Burg Guttenberg, Schloss Horneck und Burg Hornberg. Der Sitz Götz von Berlichingens, dem durch Goethe bekannt gewordenen Ritter mit der eisernen Hand, ist die älteste Festung im Neckartal. Die umgebauten Stallungen werden heute als Hotel-Restaurant genutzt, die eigentliche Veste ist nur mehr Ruine und prächtige Kulisse, die besichtigt werden kann.

Bei der Ruine handelt es sich um die Burg Hornberg am rechten Neckarufer bei Neckarzimmern.
Wer hungrig oder durstig geworden ist, muss aber nicht den kurzen, aber giftigen Anstieg hinauf zur Burg in Kauf nehmen. Auch unten im Tal gibt es zahlreiche Einkehrmöglichkeiten. Ein lauschiges Plätzchen kennt der Gundelsheimer Stadtführer Armin Englert. Im Weinbau Pavillon der Familie Greiss werden edle Tropfen von den nahen Rebhängen ausgeschenkt. Der Lemberger Weißherbst vom Gundelsheimer Himmelreich ist ein leichter Wein und schmeckt hervorragend zur Winzervesper mit Wurst und Käse. Gehaltvoller ist die Urban-Spätlese, ein trockener Roter aus derselben Lage. Wer sich am Ende der Radtour derart verausgabt hat, für dessen bequemen Rücktransport sorgt die Neckartalbahn.
Ob zu Fuß, auf zwei oder auf vier Rädern, eine Reise durchs Stauferland am Neckar entlang endet stilecht in Heidelberg, dem stadtgewordenen Synonym für Romantik. Die verwinkelte Altstadt mit ihren Plätzen, der weltbekannten Schlossruine und der Alten Brücke zieht Touristen aus aller Herren Länder an. Wer diesem allzu lauten Treiben in der Hauptstraße, der angeblich längsten Fußgängerzone Deutschlands, überdrüssig geworden ist, findet eine Seitengasse weiter eine Szenerie, die romantische Dichter, Musiker und Maler in ihren Werken heraufbeschworen haben.
Heidelbergs eigentliche Attraktion ist die Landschaft
Es empfiehlt sich, die Bergbahn vom Kornmarkt zum Schloss hinauf zu meiden und die Anlage zu Fuß zu erforschen. Jenseits der klassischen Besucherziele, dem Ottheinrichbau und dem größten Weinfass der Welt rückt ein Bummel über die Terrassen und angrenzenden Gärten die eigentliche Attraktion in den Mittelpunkt: die Landschaft. Wo der Neckar den Odenwald hinter sich lässt und durch die Rheinebene seiner Mündung zuströmt, ist Heidelberg mit seinen Türmen und Zinnen eine ganz besondere Landmarke an der an großartigen Panoramen reichen Burgenstraße.
Die Burgenstraße ist eine der ältesten Ferienstraßen Deutschlands. Das Bild zeigt Schloss Horneck.
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