Churchill hätte auch plump antworten können: „ Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe mehr Freunde als Sie Zuschauer .“ Doch hier fehlt der Witz, weil die Aussage eine einfache Retourkutsche ist. Es fehlt der indirekte Gedanke, der weitergesponnen werden muss.
Wenn Sie die Retour-Technik nutzen wollen, wäre es die Krönung der Schlagfertigkeit, wenn Ihre Antworten nicht nur prompt und treffend, sondern auch noch so witzig wie die des englischen Staatsmannes wären. Allerdings sollten Sie sich nicht unnötig unter Druck setzen und nicht den Anspruch haben, immer so geistreiche Antworten zu finden. Denn: Der Mann war ein Naturtalent oder hat sehr, sehr lange trainiert… Setzen Sie sich also keinem Perfektionszwang aus, um dann am Ende so blockiert zu sein, dass Sie gar nichts mehr sagen können. Wichtig ist, dass Ihnen überhaupt etwas einfällt. Wenn es darüber hinaus noch witzig ist - herzlichen Glückwunsch! Wenn nicht, dann haben Sie sich wenigstens gegen den Verbalangriff gewehrt und Ihre Souveränität gesichert.
Angriff: „Wenn ich Ihr Chef wäre, würde ich hier aber andere Seiten aufziehen.“ Konter: „Wenn Sie hier Chef wären, dann würden sich aber alle ganz schnell verziehen.“
Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, die Retour-Technik anzuwenden: Arbeiten Sie mit dem Umkehrprinzip, geben Sie den Vorwurf direkt an den Attackierenden zurück.
Angriff : „Sie Idiot!.“ Konter: „Man sollte nicht von sich auf andere schließen.“
Angriff: „Was fällt Ihnen ein ...“
Konter: „Na, zumindest einiges mehr als Ihnen.“
Angriff: „Sie sind ein unverschämter Lügner.“ Konter: „Das müssen Sie als Experte ja wissen.“
Angriff: „Sie haben aber eine merkwürdige Figur.“ Konter: „Da mögen Sie Recht haben Wenn ich mir Sie aber so anschaue, weiß ich, dass es immer noch schlimmer kommen kann.“
Lesen Sie auch, wie Sie die Retour-Technik gezielt nutzen, um
sich nicht von Killerphrasen aus dem Konzept bringen zu lassen
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bei Witzen auf Ihre Kosten optimal zu reagieren
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nicht als Abladeplatz von schlechter Laune herhalten zu müssen
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unberechtigter Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen
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Schein-Schmeicheleien zu enttarnen
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9. Die Honig-um-den-Bart-Technik
Vielleicht haben Sie mal von dem Sprichwort gehört: „Umarme Deinen Feind, wenn Du ihn außer Gefecht setzen willst.“ Sie müssen dies ja nicht wörtlich nehmen. Sie können einen Angreifer auch lediglich mit Worten „ans Herz drücken“ – am besten mit der Honig-um-den-Bart-Technik.
Dies ist eine perfide Art, einem Angriff die Speerspitze zu nehmen. Machen Sie dem Sprücheklopfer Komplimente! Schmieren Sie Ihrem Gegenüber so richtig Honig um den Bart – es wird ihn schachmatt setzen. Empfehlenswert ist diese Technik bei arroganten Wichtigtuern. „ Nee “, sagen Sie, „ denen soll ich auch noch Komplimente machen ?“ Ja, wenn‘s Ihrem Zweck dient, warum nicht? Diese Technik ist deshalb bei solchen Menschen so erfolgreich, weil sich hinter der Überheblichkeit sehr oft ein großes Minderwertigkeitsgefühl verbirgt. Wer nach außen arrogant auftritt, versucht damit nicht selten die inneren Schwachstellen zu übertünchen. Wenn Sie sich das klar machen, fällt es Ihnen sicher nicht mehr so schwer, Menschen zu loben oder sie verbal anzuerkennen, obwohl Sie doch eigentlich nur Verachtung für sie übrig haben. Teilen Sie hemmungslos Komplimente aus.
Der Angreifer sagt: „ Ich muss Sie da korrigieren. Ich habe Recht, wie ich ja auch schon in meinem Buch hinreichend bewiesen habe.“ Möglicher Konter: „Ich bin von Ihrem Wissen und Ihrer Urteilskraft tief beeindruckt.“ Oder: „ Einfach klasse. Ihnen kann keiner das Wasser reichen.“ Oder: „ Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie mir so wunderbar weiterhelfen konnten.“
Sie finden, das ist zu übertrieben? Der andere meint womöglich, dass Sie ihm etwas vormachen? Na und! Ob übertrieben oder nicht, Sie können Ihr Gegenüber in jedem Fall aus dem Konzept bringen. Wenn er glaubt, dass Sie es ernst meinen, wundert er sich: „ Nanu – das ist mir noch nie passiert .“ Bisher wirkte seine arrogante Art wahrscheinlich eher abschreckend und machte andere wütend. Wie soll er das nun verstehen?
Merkt der Angreifer, dass Sie ihn veräppeln, wird er verärgert sein. Wenn das Ihr Ziel ist - na bitte. Wenn nicht, dann sollten Sie sich selbstverständlich beim Austeilen der Lobhudeleien etwas bremsen. Überlegen Sie sich also, was Sie erreichen wollen. Genügt Ihnen ein bisschen Verwirrung, dann dosieren Sie Ihr Lob. Wollen Sie es dem anderen so richtig geben, dann tauchen Sie tief in den Honigtopf und schmieren ihm ordentlich davon um den Mund.
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Killerphrasen kontern
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Einschüchterungsversuche abwehren
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und Abwertungen und Beleidigungen zurückweisen.
10. Die Hörfehler-Technik
Eine gute Portion Gelassenheit benötigt man schon, wenn man sich die Hörfehler-Technik zunutze machen will. Wer so richtig verärgert ist, wird dazu möglicherweise nicht die Ruhe haben. Sollten Sie allerdings schon etwas geübter sein und möchten Sie Ihr Schlagfertigkeitsrepertoire erweitern, sei Ihnen die Hörfehler-Technik ans Herz gelegt.
Die Methode basiert auf folgendem Prinzip: Sie reagieren auf eine Attacke so, als hätten Sie etwas ganz anderes verstanden. Sie verhören sich also absichtlich. Damit der Angreifer auch merkt, dass Sie vermeintlich etwas anderes verstanden haben, geben Sie das angeblich Gesagte wieder. Dabei wird dann klar, was Sie „missverstanden“ haben.
Angriff: „Mensch, Sie sind vielleicht ein Schaf.“ Konter: „Kein Schlaf – wem sagen Sie das? Bei Vollmond kriege ich einfach kein Auge zu.“
Angriff: „Was für ein Angeber!“ Konter: „Ein Handfeger – ich bitte Sie. Das Saubermachen können Sie nun wirklich den Reinigungskräften überlassen.“
Tun sie so, als hätten Sie einen Hörfehler. Sie hören Wörter, die ganz ähnlich klingen wie das Gesagte, nur eben etwas ganz anderes bedeuten. Diese Technik eignet sich, wenn andere versuchen, Sie mit unqualifizierten Äußerungen aus dem Konzept zu bringen. Die Hörfehler-Technik bietet den Vorteil, dass Sie scheinbar auf die Bemerkung eingegangen sind und direkt fortfahren können.
Sie denken, Ihr Gegenüber wird sich womöglich veräppelt fühlen, wenn er merkt, dass Sie sich absichtlich verhören? Wo liegt das Problem? Wenn man Ihnen dumm kommt, muss man mit einer ebenso dummen Antwort rechnen, oder?
Der Vorteil dieser Hörfehler-Methode liegt zudem darin, dass Sie Ihre Nerven schonen und sich von idiotischen Bemerkungen nicht provozieren lassen.
Allerdings sollten Sie diese Technik nicht allzu häufig anwenden, weil sie sich abnutzt. Fein dosiert sorgt sie jedoch für Überraschungseffekte.
Erfolgversprechende Einsatz-Situationen sind
Provokationen,
unberechtigte Kritik.
11. Die Asche-auf-mein-Haupt-Technik
Haben Sie keine Energie für einen gewitzten Wortwechsel? Sie haben wirklich einen Fehler gemacht? Oder wollen Sie unbedingt verhindern, dass eine Auseinandersetzung eskaliert? Sie verzichten lieber auf die harte Konfrontation, weil Sie mit Ihrer Chefin noch länger zusammenarbeiten möchten/müssen? Oft sind also „höhere Interessen“ maßgeblich. Da empfehlt sich die Asche-auf-mein-Haupt-Technik.
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