Ja, diese Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten der eigenen Vergangenheit tut richtig weh. Ein Kampf, den die Deutschen teils bis zur Selbstverleugnung geführt haben. Muss man sich wirklich noch für die eigenen Opfer schämen und alle fremden Täter verteidigen? Der jüdische Schauspieler Michael Degen, der als Kind die alliierten Luftangriffe auf Berlin erlebt, rechtfertigt dennoch die Massenvernichtung deutscher Zivilisten. Er sprach im TV vom „humanen Töten“. 91Im Gegensatz zu den Menschen in Auschwitz, hätten jene Berliner schließlich gewusst, wofür sie starben. Wirklich? Zumindest die Säuglinge und Kleinkinder ahnten nicht, wofür sie erstickten, verbrannten, verbluteten. Und viele andere verdienten es nicht. Bomben ticken nicht human – sie hätten auch Michael Degen und seine Mutter Anna töten können; oder jene mutigen Berliner, die ihnen und anderen Juden Unterschlupf gewährten. Nein, man soll nicht gutheißen, was niemals zu rechtfertigen sein wird.
Dazu gehören auch die alliierten Luftangriffe, die weder den Krieg entscheidend noch gar den Holocaust verkürzen, dafür aber unzählige Unschuldige ins Unglück stürzen. Speziell in den letzten Monaten des Dritten Reiches, als die harten Ziele knapp werden, weil Deutschland bereits „overbombed“ ist. Selbst britische Experten, darunter der renommierte Schriftsteller Richard Overy, nennen mittlerweile ganz offen den eigentlichen Zweck der „Terrorangriffe“: Strafen. Ohne Unterschied. Schuldige wie Unschuldige. Weiche Ziele. Also fliegen alliierte Jagdflugzeuge sogar Tieffliegerangriffe auf einzelne Frauen und Kinder, die auf dem Feld arbeiten. Oder die Piloten töten Zehntausende Zivilisten an einem einzigen Tag, wie beim verfluchten Bombardement auf Swinemünde. 92Und das noch am 12. März 1945! Militärisch längst bedeutungslos, kostet das Massaker vielen Frauen, Kindern und Alten, die vor den Verbrechern der Roten Armee fliehen, das Leben. Nein, nur die Opfer selbst können die Untaten der Soldaten verzeihen – auf allen Seiten.
BArch, 146-197-068-14
Generalfeldmarschall Ritter von Leeb (M.), Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, und Generaloberst Erich Hoepner (2. v.r.), Führer der Panzergruppe 4.
BArch, 101I-209-0086-12
General der Infanterie von Manstein (M.), Kommandeur des LVI. Panzerkorps, und Generalmajor Brandenberger (l.), Führer der 8. Panzerdivision.
Fotos: BArch, 101III-Wiegand-116-03 (l.)/121-1132 (o.)
SS-Gruppenführer Eicke (l.), Kommandeur der SS-Totenkopf. SS-Gruppenführer Arthur Mülverstedt (r.), Führer der SS-Polizei-Division. Beide fallen im Osten.
BArch, 101I-502-0183-08
Oberleutnant Rudel vom Stuka-Geschwader 2 versenkte das Schlachtschiff „Marat“.
BArch, 101I-393-1409-02
Die Ju 87, der „Stuka“ – ein sehr treffgenauer Bomber. Im Hintergrund eine Ju 52 im Anflug.
BArch, 101I-212-0234-39A
Am 8. September 1941 beginnt der Großangriff auf Leningrad. Deutsche Infanterie rückt in aufgelockerter Formation gegen das Vorfeld der Metropole vor.
BArch, 146-1992-021-17
Filmtruppführer Leutnant Klier fällt am 21.9.1941 auf der Ostseeinsel Ösel.
BArch, 146-1974-099-51
Gefallene Rotarmistin, von den Landsern verächtlich „Flintenweib“ genannt.
BArch, B 162 Bild-02615
Dezember 1941: Entwürdigende Szenen vor der Erschießung von Jüdinnen in Libau.
BArch, 101I-286-0813-34
Deutsche Soldaten exekutieren echte oder vermeintliche Partisanen.
Fotos Barch, 101I-186-0160-11 (l.)/101I-186-0160-12 (M.)/101I-186-0160-13 (r.)
Nicht nur SS und Wehrmacht verüben Massenverbrechen. Vor allem im Baltikum und in der Ukraine (Fotos) kommt es zu brutalen Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung.
BArch, 101I-464-03831-35
Gegen Ende des Krieges richtet sich die Gewalt auch gegen deutsche Zivilisten, wie im Oktober 1944 in Nemmersdorf.
BArch, 101I-268-0154-17A
Bei aller Grausamkeit gibt es ebenso Szenen der Barmherzigkeit: Ein Landser verbindet eine verletzte russische Mutter.
64SPIEGEL, Heft Nr. 21/2009, S. 82
65Hubatsch, Die 61. Infanterie-Division, S. 18
66Tagebucheintrag d. SS-Polizei- und Standortführers Fritz Dietrich vom 17.12.1941
67Carell, Unternehmen Barbarossa, S. 32/197
68Schadewitz, Die Traditionstruppenteile des Panzerbataillons 194, S. 185
69Schmidt-Scheeder, Reporter der Hölle, S. 224 f.
70Zum Beispiel die B-Patrone, erwähnt in Allerberger, Im Auge des Jägers, S. 163
71Picker, Hitlers Tischgespräche, S. 134
72Ueberschär, Generaloberst Franz Halder, S. 57
73Killian, Im Schatten der Siege, S. 19
74Merridale, Iwans Krieg, S. 167
75Hundrieser, Grünes Herz in Feldgrau, S. 84 f.
76Hubatsch, Die 61. Infanterie-Division, S. 21/105/109
77Hundrieser, Grünes Herz in Feldgrau, S. 87
78Hubatsch, Die 61. Infanterie-Division, S. 33
79von der Osten-Sacken, Vier Jahre Barbarossa, S. 14
80Dieses Los traf u.a. Hannelore Renner, Jahrgang 1933, Ehefrau des Bundeskanzlers Helmut Kohl
81Militärgeschichtliches FA, Das Deutsche Reich u. der Zweite Weltkrieg, 10/1, S. 682/730
82Mühlhäuser, Eroberungen. Sex. Gewalttaten dtsch. Soldaten i. d. Sowjetunion 41-45
83Beevor, D-Day, S. 546
84Beevor, Berlin 1945 Das Ende, S. 445
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