Weitere Romane von Ole R. Börgdahl:
Fälschung (2007) - 978-3-8476-2037-2
Ströme meines Ozeans (2008) - 978-3-8476-2105-8
Faro (2011) - 978-3-8476-2103-4
Tod & Schatten (2016) - 978-3-7380-9059-8
Die Tillman-Halls-Reihe:
Ein neues Hamburger Ermittler-Duo betritt die Bühne. Kriminaloberkommissar Kurt Bruckner hat für seinen aktuellen Fall eigentlich nur einen Berater gesucht. In der Expertendatenbank des BKA stößt er dann auf einen Mann, der sofort sein Interesse weckt und seine Fantasie beflügelt.
Der Amerikaner Tillman Halls lebt mit seiner Familie seit drei Jahren in Hamburg und arbeitet als Immobilienmakler.
Doch was macht ihn für Bruckner interessant? Das ist ganz einfach: Tillman Halls ist ein ehemaliger US-Profiler!
Bruckner muss ihn zur Mitarbeit überreden, denn Tillman Halls ist längst Immobilienprofi und hat Spaß an seinem neuen Beruf. Bruckner schafft es schließlich, die kriminalistische Flamme in Tillman Halls wieder zu entfachen.
Alles in Blut - Halls erster Fall (2011) - 978-3-8476-3400-3
Morgentod - Halls zweiter Fall (2012) - 978-3-8476-3727-1
Pyjamamord - Halls dritter Fall (2013) - 978-3-8476-3816-2
Die Schlangentrommel - Halls vierter Fall (2014) - 978-3-8476-1371-8
Leiche an Bord - Halls fünfter Fall (2015) – 978-3-7380-4434-8
Tagebücher Julie Jasoline: Vorwort
Das Gesamtmaterial der Tagebücher von Madame Julie Jasoline umfasst fünfzehn gebundene Schreibhefte, dabei haben elf der Hefte eine Stärke von vierundsechzig Seiten und vier Hefte eine Stärke von achtundvierzig Seiten. Die Hefte haben etwa das Format fünfzehn mal zweiundzwanzig Zentimeter. Sie sind gegenüber dem Material, dass sowohl die Mutter, als auch die Schwester verwendet haben, von schlechterer Qualität und ähneln eher Schulheften. Auf die Einheitlichkeit der Umschlagsfarben hat Madame Jasoline weniger Wert gelegt, es erscheint eher so, dass sie ihr Material nach dem gewählt hat, was in ihrer Umgebung gerade zu erhalten war. Die Einträge sind ebenfalls nach Datum und Ort gegliedert. Das verwendete Schreibgerät variiert sehr häufig. Die ersten Einträge wurden mit einem Grafitstift vorgenommen, später hat Madame Jasoline aber auch einen Füllfederhalter verwendet, ist aber immer wieder zu ihrem vermeintlichen Lieblingsschreibgerät, dem Grafitstift, zurückgekehrt. Dann gab es noch eine Besonderheit. Die Mutter und die Schwester haben zeit ihres Lebens auf Französisch geschrieben, dies war auch so, als Madame Yvette Jasoline für einige Jahre in England gelebt hat. Madame Julie Jasoline hat die ersten Jahre ebenfalls auf Französisch geschrieben. In Australien begann sie dann nach kurzer Zeit ihre Einträge auch auf Englisch zu verfassen. Ohne dass wir ein System dahinter erkennen konnten, schrieb Madame Jasoline mal auf Englisch und mal auf Französisch. Wir glauben, dass es ihr irgendwann selbst nicht mehr bewusst war. Die nun folgenden Tagebücher sind Auszüge aus den Jahren 1909 bis 1958. Der Autorin sind laut ihrer Aufzeichnungen zahlreiche Menschen begegnet. Am Ende dieser Dokumentation findet sich daher ein alphabetisches Personenverzeichnis.
1909
Taiohae, 17. März 1909
Ich habe heute Geburtstag. Ich bin vierzehn geworden. Dies sind also die ersten beiden Sätze, die ich in dieses Heft schreibe. Es soll mein Tagejournal werden. Ich will es zumindest versuchen, ein Journal oder Tagebuch zu schreiben. Es war Vaters Geburtstagsgeschenk, eines seiner Geschenke. Ich habe eine Kette bekommen und Ohrringe, beides mit diesen schwarzen Perlen besetzt, die es auf Tahiti zu kaufen gibt. Vater hat sie in Papeete besorgt, als er letzten Monat dort war. Das war aber noch nicht alles, was er mir geschenkt hat. Ich darf mir auch zwei Kleider schneidern lassen. So, den ersten Absatz habe ich mit Worten gefüllt. Es war gar nicht so schwer und es hat Spaß gemacht. Ich weiß nicht, ob ich immer die Muße finden werde, alles aufzuschreiben, was passiert. Ich werde es auf jeden Fall versuchen.
In den letzten Wochen habe ich viele Muscheln am Strand gesammelt. Ich will unsere Möbel verzieren. Im letzten Jahr auf Tahiti habe ich solche Möbel gesehen. Die Türen von Schränken und die Schubladen von Kommoden waren mit einem glänzenden Material belegt. Es sind Intarsien und das Material ist Perlmutt. Das Perlmutt soll von Muscheln stammen. An unseren Stränden habe ich solche Muscheln bisher noch nicht gefunden, solche, die genauso glänzen wie dieses Perlmutt. Es gibt welche, die ähnlich sind, flach und fast ebenmäßig, aber die sind selten und besitzen nicht den Glanz, den ich auf Tahiti gesehen habe. Meine Muscheln sind doch wenigstens flach, sodass ich sie mit Leim auf den Möbeln anbringen kann. Ich habe mir zunächst nur ein Schränkchen aus meinem Zimmer vorgenommen, denn ich weiß ja nicht, wie geschickt ich mich anstelle und ob es überhaupt eine Verschönerung ist. Es wäre besser, wenn ich diese silberglänzenden Muscheln hätte, aber sie zu kaufen würde eine Menge Geld kosten.
Ich habe einen neuen Spruch für Vaters Büchlein gefunden oder besser, ich habe den Spruch von jemandem gehört. Am Anleger haben sich gestern zwei Kapitäne unterhalten. Der eine war wohl vor Kurzem im Krankenhaus in Papeete und schimpfte fürchterlich auf die Ärzte dort. Der andere Kapitän hat daraufhin so etwas Ähnliches gesagt, wie: »Die meisten Menschen sterben an ihren Ärzten und nicht an ihren Krankheiten.« Ich habe nachgesehen, dieses Zitat hatte Vater noch nicht und er fand den Spruch auch ganz lustig und wir waren der Meinung, dass auch ein bisschen Wahrheit daran sei. Leider kenne ich den Namen des Kapitäns nicht, weil Vater doch immer ganz genau notiert, von wem die Zitate stammen. Vater bezweifelt allerdings auch, dass dieser Kapitän der Urheber ist, er wird es sicherlich auch irgendwoher haben. Wir lassen es offen, vielleicht hören wir dieses Zitat ja noch einmal und wir bekommen heraus, von wem es stammt.
Die Schule bringt mir nicht mehr viel. Es wird langsam anstrengend, immer mit den Kleinen unterrichtet zu werden. Die Hälfte des Schultages verbringen wir Älteren dann auch in einem kleinen Studierzimmer. Die Lehrerin legt uns Bücher vor, aber ich bin die Einzige, die sich ernsthaft dafür zu interessieren scheint. Wir sind ja auch nur Mädchen. Die Jungen wurden schon vor einem Jahr nach Tahiti geschickt, zur Ausbildung. Die Bücher sind wirklich etwas Besonderes. Ich habe mir eines auf Englisch vorgenommen, mein Englisch ist schon sehr gut, weil ich oft mit den fremden Seeleuten und den Händlern spreche. Vater sieht es nicht gerne, wenn ich am Anleger spazieren gehe und die Menschen beobachte, die dort kommen und gehen. Noch weniger mag er es, wenn ich mit Fremden spreche. Wenigstens verbessere ich mein Englisch, sodass es mir nicht schwerfällt, die Bücher zu lesen und zu verstehen. Einmal sprach ich mit einem portugiesischen Kapitän, obwohl wir uns auf Englisch unterhalten haben, brachte er mir einige Worte seiner Sprache bei. Ich habe Vater nichts davon erzählt, aber ich habe zu Hause die Worte geübt und er hat sich gewundert. Bei den Büchern, die wir in der Schule haben, interessiert mich auch der Atlas. Wie weit doch alles von uns entfernt ist. Um nach Chile zu gelangen oder nach Australien, braucht ein Dampfschiff gut zwei oder drei Wochen. Nach Europa sind es viele, viele Wochen. Wir haben in der Schule etwas über Frankreich gelernt und über das alte Rom. Der französische Präsident ist ein Monsieur Armand Fallières, ein alter Mann mit einem weißen Bart. Die Lehrerin hat uns ein Foto von ihm gezeigt. Mit den Büchern lerne ich viel schneller, als im Unterricht, weil nicht immer jemand stört oder etwas nicht versteht oder weil die Lehrerin sich um die Kleinen kümmern muss. Ich könnte mir vorstellen, ebenfalls Lehrerin zu werden, aber keine Nonne. Ich hoffe es gibt auch Lehrerinnen, die nicht ins Kloster gehen müssen.
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