Schlüsselworte
Sanft / fließend / einfühlsam / berührbar / nachgiebig / versöhnlich / flexibel / biegsam / ausgleichend / diffus / Schwingung / subtil / sich verbergen / luftig / austauschen / beweglich / diplomatisch / ahnen / gezielt wiederholen / roter Faden / beeindrucken / sich ausdehnen / anhäufen / sich entwickeln / durchdringen / sich verwurzeln / eindringen / einschmeicheln / beschwichtigen / dämpfen / geschmeidig / streicheln / Intuition / spüren / mit seinen Sinnen wahrnehmen / geschickt / wandlungsfähig / reflektieren / unvoreingenommen / neugierig / hinterfragen / suchen / ungebunden / sich ablösen / unabhängig / Hahn / Wurzel…
Archetyp
Geschichtenerzähler / Reisender / Entdecker / Träumer / Künstler / Muse
Naturbild
Der Wind ist immer in Bewegung: Er kommt aus unbekannten Räumen und zieht in unbekannte Räume, trägt Dinge und Gedanken herbei und bläst sie wieder fort. Mit Leichtigkeit löst er sich von der schweren Erde und strömt unhaltbar wohin er will. Er schwebt über den Dingen, ohne sich an sie zu binden. Er ist nicht zu sehen, zu greifen oder festzuhalten. Doch obwohl er unfassbar bleibt und meist kaum spürbar ist, besitzt er immense Macht: Weht er beharrlich in ein und dieselbe Richtung, wird er auf Dauer Felsen aushöhlen und Berge abtragen.
Neben dem Wind sind auch die Wiese und der Baum bzw. das Holz Sinnbilder dieses Halbzeichens. So könnten wir uns vorstellen, an einem heiteren Tag im Mai inmitten einer bunten Blumenwiese zu sitzen und uns an einen starken Baumstamm anzulehnen: Die Luft ist von Pollen geschwängert, zarte Schmetterlinge flattern vor unserer Nase und laden uns zum Träumen ein. Wir lauschen dem Summen der Bienen, schnuppern das Aroma der Blüten, spüren das Kitzeln der Grashalme. Wenn wir sehen, wie die langen Gräser sich in der Brise biegen, ahnen wir, dass sie gut in der Erde verwurzelt sind. Der warme Wind berührt unsere Haut. Er weht sanft, aber stetig und dringt noch in die kleinste Ritze ein. Ohne Widerstand zu erregen, gelangt er überallhin und bezeugt damit, dass letztlich das Sanfte das Harte besiegt.
Im Grunde lehren uns also Wind, Wiese und Baum alle dasselbe:Trotz höchster Sanftheit und Anpassungsfähigkeit entfalten sie sich doch unbeirrbar und ohne ihrem Wesen untreu zu werden.
Charakter
Die Energie des Windes durchdringt die Welt auf subtile und beständige Weise, im Wunsch, zu beeinflussen, ohne zu verletzen. Er versetzt die Dinge in Schwingung, gibt ihnen eine neue Richtung, gleicht innen und außen aus. Die Einwirkungen des Windes verändern uns ganz unmerklich, sie verbiegen unsere Natur nicht, sondern lenken uns sanft aber unerbittlich zu dem, was wir im Innersten schon sind. Der Wind richtet uns auf unsere spirituelle Natur aus, ohne dass wir den Kontakt zur materiellen Wirklichkeit riskieren würden. Er verbindet die körperlich-materielle und die kosmische Dimension. Denn wer unvoreingenommen seiner sinnlichen Wahrnehmung vertraut, verliert nie den Realitätsbezug. Damit sollten wir alle unsere Vorbehalte und Glaubenssätze ablegen und unseren Kopf leer machen, um die Wirklichkeit unmittelbar zu erfahren, so wie sie ist. Der Wind fordert uns auf, das Leben in seiner ganzen Vielfalt zu entdecken, ohne uns dabei entwurzeln zu lassen.

Lass deinen liebevollen Geist mit Weisheit
zuerst ein Viertel der Welt durchdringen,
dann das zweite Viertel,
das dritte und das letzte.
Erfülle die ganze weite Welt,
oben, unten, rundherum.
Durchdringe die Welt
mit Gedanken voller Liebe,
frei von böser Absicht,
erhabener, überströmender,
grenzenloser Liebe.
(Digha Nikaya)

Jeder Grashalm hat seinen Engel,
der sich über ihn beugt
und ihm zuflüstert:
Wachse, wachse!
(Talmud)
Li – das Feuer
Bewusstwerdung
Erkenne dich selbst
Struktur
Dieses Trigramm zeigt uns die mittlere Schwester und wird von der zentralen weiblichen Linie geprägt. Sie besetzt den Platz der rationalen Vernunft, die Innen- und Außenwelt miteinander verbindet. Das Feuer der beiden Yang-Linien haftet am passiven, nährenden Brennstoff des Yin in ihrer Mitte. Nach außen präsentiert sich dieses Trigramm damit stark und klar, im Inneren ist es leer. Der weiche Strich verkörpert ein still in sich ruhendes Herz inmitten lebhafter äußerer Bewegung. Die Bewegungsrichtung des Trigramms lodert nach oben.
Schlüsselworte
Strahlen / Licht / Sonne / Gold / schön / glänzen / warm / Lebensfreude / Liebe / Erfolg / optimistisch / lebendig / begeistert / vernünftig / Selbstkontrolle / Verstand / rational / scharfsichtig / hellsichtig / bewusst / reflektieren / Motivation / (Selbst-)Erkenntnis / wahrnehmen / unterscheiden / intelligent / forschen / analysieren / klären / vergleichen / beurteilen / interpretieren / verstehen / Gedanken / Ideen / einfallsreich / Vorstellungskraft / Fantasie / idealisieren / projizieren / Schein / Illusion / zusammenhängen / anhaften / abhängig / klammern / sich verteidigen / angreifen / fordernd / Stress / unruhig / intensiv / verbrennen / überheblich / ehrgeizig / sich verzehren / leidenschaftlich / Herz / Phönix / Waffe / Auge …
Archetyp
Sieger / Anführer / Star / Playboy / Menschenfänger / lachendes Kind
Naturbild
Feuer hat eine enorme Anziehungskraft. Seine unentwegt ihre Gestalt verändernden Flammen fangen unsere Blicke magisch ein. Wir fühlen uns am Feuer warm, lebendig und freudig erregt. Doch das Feuer ist ein zwiespältiges Phänomen: Einerseits erhellt es die Nacht und offenbart uns Dinge, die vorher unsichtbar waren, andererseits blendet es uns und verzerrt unsere Wahrnehmung. Und so faszinierend ein Feuer auch ist, reicht seine Kraft doch nicht weit - außerhalb seines Kreises bleibt alles kalt und dunkel. Denn im Gegensatz zum reinen grenzenlosen Licht des Himmels ist das Feuer an die Erde gebunden. Sein Anfang und Ende liegen im Vorhandensein von materiellem Brennstoff, der von den züngelnden Flammen in Licht und Wärme verwandelt wird, bis nichts mehr davon da ist.
Feuer ist der Inbegriff von Kreativität und Verwandlung, aber auch von Zerstörung. Sobald das Feuer den kontrollierenden Rahmen der eingegrenzten Feuerstelle verlässt, kann es Angst und Schrecken verbreiten. Es wird nicht innehalten, bevor es nicht alles aufgezehrt hat, nicht einmal, wenn es dabei seine eigenen Grundlagen vernichtet.
Charakter
Feuer liebt Bewegung und Aktivität, es hat ein herzliches, warmes Temperament. In seinem Angesicht lassen wir unseren Alltag hinter uns und feiern: wir erleben Höhepunkte an Freude, Schönheit, Liebe und Erkenntnis, baden in Ekstase und Erfolg. Doch das ist nur eine Seite des Feuers. Gerät es nämlich außer Kontrolle, werden wir von Ehrgeiz und der Gier nach Anerkennung zerfressen. Dann wollen wir immer mehr, machen uns von Äußerlichkeiten abhängig und verzehren unsere Lebenskraft. Ein feuriges Temperament kann in Hitzigkeit ausufern - dann zeigt sich seine eigensinnige, eingebildete Seite, die ständig befürchtet, zu kurz zu kommen.
Die Feuerenergie ist stetig bestrebt, Dinge zu klären und Einsichten zu gewinnen. Sie bewegt sich in der Welt des Verstandes, der Bedeutungen und Informationen und will Licht in ungeklärte Zusammenhänge bringen. Feuer umschreibt die Energie des Denkens und der Bewusstwerdung: es lässt uns erkennen, was in uns vorgeht. Allerdings bekommen wir nur dann ein unverzerrtes Bild, wenn wir beweglich bleiben wie die Flamme, statt uns auf Vorurteile und starre Charakterstrategien zu versteifen. Denken ist kein Selbstzweck, es braucht immer ein Objekt, um konstruktiv zu sein. Die reale Problemstellung entspricht dem Brennstoff, an dem sich unser Denken entzündet und an dem es haftet, bis es seinen dunkelsten Kern erhellt hat. Sobald die Frage restlos geklärt ist, darf auch unser Denken wieder verlöschen, zur Ruhe und zur Leere zurückkehren, um für Neues bereit zu sein. Ohne einen definierten Bezugspunkt in der Wirklichkeit verliert es sich und gleitet in Illusionen ab. Dann fantasieren und träumen wir, oder wir machen uns Sorgen, grübeln und rationalisieren.
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