Ein heftiger, stechender, ja qualvoller Schmerz. Bei jeder Bewegung – sofern man sich überhaupt noch bewegen kann – schmerzt es im unteren Rücken. Wir haben das klassische Bild einer spontanen Lumbago-Ischialgie vor uns.
Aber zumeist haben derartige Schmerzereignisse eine Vorgeschichte. Häufig sind dies unmerkliche Unterkühlungen im Bereich des unteren Rückens.
So geschehen bei der Gartenarbeit: Es ist warm, wir bücken uns, dabei verrutscht das Hemd leicht nach oben, der untere Rücken ist unbedeckt und es geht vielleicht noch ein leichter Wind.
Oder eine andere Situation: Wir sind bei Freunden zu einer Gartenparty eingeladen. Gegen Abend kühlt die Luft ab, wir frösteln etwas, halten es aber noch nicht für nötig, ein weiteres Kleidungsstück anzuziehen. Und schon kann es zu spät sein.
Ein weiteres Beispiel kann ungewohnte körperliche Arbeit sein, die unsere untrainierten Muskeln beansprucht; möglichst noch mit leichtem Schwitzen und anschließender Abkühlung der am Körper langsam trocknenden Wäsche verbunden.
Und – so sagen viele: Es ist einerlei, ob der Rücken dann gedehnt, ausgestreckt, eingesprüht und erwärmt, massiert oder sonst wie behandelt wird.
Von diesem Augenblick an hat man „es“. Der Schmerz mag nach einiger Zeit nachlassen. Aber Monate oder auch nur Wochen später beugt man sich zur Morgenwäsche über den Waschtisch im Badezimmer – und wieder ist es passiert.
Jetzt ist man offiziell ein chronischer Rückenpatient, einer von vielen Millionen.
Ja, Rückenschmerzen sind Mode, eine Krankheit, die „in“ ist. Mit dem Rückenschmerz ist es aufgrund einer herrschenden Vorstellung fast so, als ob jemand, der einmal daran leidet, immer daran leidet; und wenn man schon mit einer Krankheit leben muss, man auch stolz darauf sein kann.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Redensart, dass der Rückenschmerz dann unvermeidbar geworden ist, als der Mensch vor vielen Jahrtausenden lernte, auf zwei Beinen zu stehen, anstatt auf allen vieren zu kriechen. Aber offensichtlich muss die Lehre von der Unvermeidbarkeit mit einigem Argwohn betrachtet werden, da Millionen von Menschen durchs Leben gehen können, ohne jemals diesen stechenden Schmerz zu haben.
Eine andere verbreitete Ansicht ist, dass die moderne Medizin beim Rückenschmerz kein Stück vorangekommen sei. Die herrschende Meinung scheint zu sein, dass gegen chronische Rückenschmerzen keine wirksame Therapie existiere, dass es keine Methode zur Verhütung von Rückenschmerzen gebe, dass Rückenschmerzen zumeist das Resultat kaputter Bandscheiben seien. Und dies bedeute einen chirurgischen Eingriff und sei hoffnungslos.
Alles dies sind jedoch Falschaussagen.
1. Gründe zur Hoffnung: zunehmend besser
Tatsache ist, dass in der überwältigenden Mehrheit der Fälle Rückenschmerzen nichts mit kaputten Bandscheiben oder anderen schweren organischen Störungen zu tun haben.
Diese eindeutige und bestimmte Feststellung basiert auf meinen eigenen Erfahrungen mit weit mehr als 6.000 Patienten im Alter von acht bis fünfundneunzig, die ich in den zurückliegenden über dreiundzwanzig Jahren erfolgreich behandelt habe.
Es ist sicher eine Tatsache, dass nicht alle Ärzte – hier vor allem Orthopäden – sowie Heilpraktiker unbedingt gut informiert mit diesem Problem umgehen, über die neuesten Kenntnisse verfügen und die Fähigkeit besitzen, Rückenschmerzpatienten in angemessener Weise dauerhaft zu helfen.
Rückenschmerzpatienten – um es unverblümt zu sagen – bringen Geld, oft sehr viel und sehr lange. Zuerst wird gespritzt, dann massiert, eingerenkt, Krankengymnastik verordnet, Einlagen (zu 99% die falschen!) und bei vorhandenem Beckenschiefstand Schuh-Erhöhungen verschrieben.
Bringen diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, wird über Operationen (Hüftgelenk) laut nachgedacht.
Ich nehme hier bereits etwas vorweg, was in einem späteren Kapitel noch ausführlich erläutert wird: Der viel verbreitete Beckenschiefstand(betrifft ca. 70% der Bevölkerung) als Hauptursachefür Rückenschmerzen.
2. Der Bandscheibenmythos – und einiges andere
Ein Beispiel von vielen: Ein 40-jähriger Mann litt unter massiven Rückenbeschwerden. Zwei Jahre vorher hatte er sich einer Wirbelbogenresektion und einer Fusionsoperation wegen einer herniierten Bandscheibe unterzogen. Hinterher litt er aber an ebenso starken Schmerzen wie zuvor.
Und nun war der Patient sowohl seelisch als auch körperlich am Ende. Er war ein empfindsamer Künstler. Um sich selbst und seine Familie zu versorgen, fuhr er Taxi. Diese Tätigkeit konnte er jedoch nur noch sporadisch ausüben, da ihn sein Rückenleiden immer wieder zur Ruhe zwang. Auch sein Eheleben war zerstört, da er nicht mehr in der Lage war, mit seiner Frau intim zu sein.
Nach einer gründlichen Untersuchung stellte sich heraus, dass die Bandscheibenoperation zwar erfolgreich im Sinne des ärztlichen Eingriffs, jedoch aus gesundheitlicher Sicht völlig umsonst gewesen war; denn die Bandscheibe war nicht das Problem. Der Schmerz des Patienten hatte gänzlich andere Ursachen: ein ausgesprochen schwaches abdominales Muskelsystem (Bauchmuskeln), eine starke Lordose der Wirbelsäule und einen Beckenschiefstand.
Als erstes war es erforderlich, den akuten Schmerz loszuwerden. Ich begradigte dauerhaft sein schiefes Becken, lockerte die Muskulatur. Als nächstes wurde der Patient aufgefordert, durch körperliche Übungen seine zu schwache Bauchmuskulatur zu stärken und sich zugleich regelmäßig zu bewegen.
Seitdem erfreut er sich bester Gesundheit.
3. Kein Rücken ist absolut hoffnungslos!
Rückenschmerzen stehen in den meisten Fällen nicht im Zusammenhang mit dem Bandscheibenvorfall, mit Arthritis oder anderen schweren organischen Störungen.
Es muss allerdings erwähnt werden, dass Störungen im Magen-Darmtrakt sowie Nierenbeschwerden mehr oder weniger starke Rückenschmerzen hervorrufen können.
Ein Beispiel: Vor ungefähr achtzehn Jahren kam ein damals 28-jähriger kräftiger Mann in meine Praxis, rechts und links von zwei zarten Frauen gestützt. Dieser Mann war Berufstaucher, arbeitete zu jener Zeit vor der lybischen Küste und verlegte dort Rohrleitungen. Täglich musste er mehrere Stunden (mit Schutzkleidung) im Mittelmeer verbringen. An freien Wochenenden fuhr er regelmäßig in die Wüste und übernachtete dort in seinem Auto. Wie er selbst sagte, waren die Nächte in der Wüste empfindlich kalt.
Diese täglichen Unterkühlungen führten zu einer Nierenbeckenentzündung mit starken Schmerzen in unteren Rücken, die es ihm unmöglich machte, weiter zu arbeiten. Er fuhr nach Deutschland und begab sich in ärztliche Behandlung. Nach eigener Darstellung war er nacheinander bei drei niedergelassenen Fachärzten für Orthopädie. Keiner davon war in der Lage ihm zu helfen. Inzwischen vergingen ungefähr sechs Monate seit seiner Einreise nach Deutschland. Die Schmerzen waren für ihn weiterhin unerträglich.
Diese Vorgeschichte war, so wie er sie mir berichtet hatte, auch den behandelnden Ärzten bekannt. Ohne weitere Untersuchungen hatten sie diesen Mann ausnahmslos auf muskuläre Rückenbeschwerden und auf Bandscheibenvorfall behandelt. Der zuletzt konsultierte Arzt hatte dringend zur Bandscheibenoperation in einer Uniklinik geraten. Der Patient zeigte mir den Einweisungsschein.
Ich untersuchte den Mann auf Rückenbeschwerden, konnte allerdings keine Anzeichen für einen Beckenschiefstand oder eine sonstige Fehlstellung des Bewegungsapparats finden. Bereits während der Anamnese dachte ich an eine Nierensymptomatik, die sich im Weiteren auch bestätigte.
Die Person wurde von mir ca. zehn Tage lang intensiv auf chronische Nierenbeckenentzündung naturheilkundlich behandelt, was dazu führte, dass er bereits am dritten Tag ohne fremde Hilfe in die Praxis kommen konnte. Zum Ende war der Mann beschwerdefrei.
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