Billy Remie - Im Land der Schatten

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Die Reise ihres Lebens führt die Männer des M'Shier Ordens über das Meer zu gespenstischen Insel und wilden Eislandschaften. Im Land des Schnees lauert bereits ein alter Feind auf sie, der nach der Macht des Blutdrachen trachtet. Und während sie versuchen, zu überleben, droht die größte Gefahr innerhalb ihrer Gemeinschaft, denn Eifersucht macht Freunde blind, und Missverständnisse lassen den Zusammenhalt wanken. Allahad, der einstmalige Meuchelmörder, steht vor der Frage seines Lebens: Kann er die Vergangenheit ruhen lassen und den hartnäckigen Jäger Luro so lieben, wie dieser es von ihm verlangt, um nicht nur diesen, sondern auch sich selbst zu retten?
*Gay Fantasy Romance

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»Zazar!«, brülle der junge Prinz, sein goldgelocktes Haar hing ihm in der Stirn, während er an Bellzazars Arm zerrte. Vergeblich. Unbeweglich wie ein Felsen hockte er zusammengesunken vor dem leeren Sarg, unwillig, auch nur zu denken.

Er hörte Kampfgeräusche, vernahm das Klirren von metallenen Klingen auf harten Stein, seine Gefährten grunzten, riefen, brüllten, erbaten magischen Beistand. Der Boden bebte unter schweren Schritten. Jemand sagte: »Sie sind langsam.«

»Aber wir sind eingesperrt«, konterte ein anderer.

»Zazar!«, flehte der Prinz.

Doch all das kam ihm weit entfernt vor. Sein Ich hatte sich tief in seinen Köper zurückgezogen, hatte sich in das Schneckenhaus, das er Hülle nannte, verkrochen.

Allein. Er war so allein.

Er hatte ja erwartet, dass nicht mehr als Staub übrig sein würde. Doch mit Staub hätte er mehr anfangen können als mit Nichts. Auch die hier verwahrte Seele war verschwunden, einzig die Rüstung und mit magischem Feuer verbrannte Spuren der Überreste einer Leiche waren von dem Mann geblieben, den er wiedererwecken wollte.

Wieso?

Meinten es die Götter so bös mit ihm, dass sie ihm nicht einmal seinen einzig wahren Freund gönnten?

Er hätte es verstanden, hätte er nicht bereits alles getan, wonach sie verlangt haben. Nach all der Zeit war der Dämonenfürst tot, den er Vater schimpfte. Er war ein Dämon. Das einzige, was er nun begehrte, war Zeit in Frieden, mit jenen die er liebte. Er und Lugrain hatten nie vorgehabt, den Göttern Schlechtes zu tun, sie wollten nur leben. Entweder bis in alle Ewigkeit in der Welt der Sterblichen als einzige Unsterbliche, oder gemeinsam als freie Seelen im Paradies. Aber Bellzazars Plan wurde schon wieder durch hohe Mächte durchkreuzt.

Und wieso verweigerten sie ihnen es, sich wieder zu sehen? Er hatte doch alles getan, was sie von ihm verlangten!

Reingelegt! Ja, sie hatten ihn reingelegt. Purer Hass ging von Bellzazar aus, sickerte durch seine Venen, ersetzte rotes Blut mit schwarzem Pech. Gestohlen! Sie hatten ihn gestohlen!

Sein Herz begann zu rasen, auf seiner Stirn traten Schweißperlen, die ihm an der Schläfe hinabrannen, Adern pulsierten unter seiner Haut, dunkel und bedrohlich, eine schwarze Aura ging von ihm aus, wie von einer Gewitterwolke, bevor sie sich entlud.

Gestohlen … beraubt seines einzigen Freundes, den er Bruder genannt hatte! Er konnte, er wollte es nicht auf sich sitzen lassen.

Mit dieser Tat öffneten sich seine Augen endgültig. Wo er sonst Entschuldigungen für die Götter fand, blieb nur noch Abscheu zurück.

Ignorant waren sie, machthungrig, ihr Humor war grausam, sie langweilten sich in ihrem unendlichen Leben und mit ihrer uneingeschränkten Macht, sodass sie es für amüsant hielten, mit den Sterblichen und deren Seelen Spiele zu treiben.

Der Tag der Veränderung rückte näher, in jenem Moment, da er begriff, dass die Götter große Grausamkeit gegenüber ihren Schützlingen zeigten.

Er wollte das nicht länger zulassen.

Tief in seinem Inneren spürte er die Veränderung, die Erschütterung der Welt, weil er sich von jenen abwandte, die den Himmel repräsentieren sollten.

Doch der Tag der Umkehrt würde kommen, es war ein unaufhaltsamer Zyklus, dem keiner von ihnen entkam. Er rückte näher, als sie ihn Lugrain stahlen. Und wenn die Zeit gekommen war, würde er sich weigern, ihnen zu helfen. Es war ihre eigene Schuld, dass er ihnen nicht mehr vertraute, dass er sie zu verachten begann. Nicht nur Bahne war abtrünnig geworden, ihnen allen hing immer mehr Dunkelheit und Eigennutz an.

WARUM? Er brüllte in Gedanken, seine Augen schlossen sich und Tränen der Qual rollten über seine mit Bartschatten überzogenen Wangen. Warum tut ihr mir das an?

Er spürte nur unwirklich, dass der Prinz von ihm abließ. Ein weiteres Schwert wurde gezogen.

Sie kämpften. Verteidigten sich gegen die großen Gesteinsstatuen, gegen die sie nichts ausrichten konnten. Immer weiter wurden sie in die Mitte gedrängt, umzingelt von unbesiegbaren Gegnern, die sie töten würden.

»Luro, passt auf!«, schrie der Prinz, warf sich schützend vor den Jäger, der von einem Steinschild zu Boden geworfen wurde. Metall klirrte, schlug auf eine steinerne Klinge, als Wexmell den Hieb parierte und dem jungen Jäger das Leben rettete.

Unantastbare Gutherzigkeit. Diese Eigenschaft wohnte nur dem Prinzen inne, der sich trotz der Tatsache, dass er geschützt werden musste, immer für seine niederen Diener opfern würde. Selbstlos war er, mit einem großen und warmen Herzen. Wie konnte ein Sterblicher mehr göttliche Eigenschaften an den Tag legen als ein wahrhaftiger Gott?

Bellzazar, in Trauer versunken, und seine Kameraden, im Todeskampf vertieft – bemerkte keiner von ihnen das Wesen, das zu ihnen gekommen war.

»Wieso löst du dich nicht auf?«, fragte eine Stimme in Bellzazars Kopf. So dunkel, so vertraut, dass es ihm eine Gänsehaut bescherte.

Wieso er sich nicht auflöste? Was brachte das schon? Die Statuen würden ihn töten und ihn die Schwärze schicken, wo nichts als Dunkelheit und Einsamkeit herrschte. Ob er nun hier verweilte oder dortblieb, ohne den Ausgang zu suchen? Wer sollte ihn daran hindern, einfach in der Schwärze zu bleiben? Es war fast so wie tot zu sein; und niemand würde ihn dort stören. Götter und Dämonen hätten, was sie wollten.

»Wo ist er?«, hörte er sich fragen, seine Stimme klang sogar für ihn fremd.

Das Wesen trat neben ihn, um keinen Tag seit seinem Tod gealtert. Jedoch waren Pelzleibchen und Speer einer moderneren Rüstung und Schwert gewichen. »Du fragst mich das? Ich wartete hier, um dir diese Frage zu stellen.«

Gelangweilt sah Bellzazar zu Brathen auf. »Ich wusste nicht, dass du zu einem Dämon wurdest.«

Brathen schien tatsächlich verblüfft. »Ach nein? Was hast du gedacht, was geschehen würde, als du mich im Wald zurückgelassen hast?«

Er hatte nur getan, was notwendig gewesen war. Brathen trug selbst schuld an seinem Schicksal.

»Jahrtausende in der Unterwelt, weil ich nach Rache sann.«

»Dann hast du sie ja jetzt.« Seinem Schicksal ergebend, während seine Freunde kämpften, starrte Bellzazar auf den Sarg und forderte: »Nur zu, vernichte mich.«

Was kümmerte es ihn jetzt noch, wenn er einfach aufhörte zu existieren? Er war ohnehin verloren in seiner Einsamkeit. Dann wäre der Schmerz auch endlich vorüber …

»So lange wartete ich auf diesen Tag, an dem wir uns wieder begegnen.« Brathen lachte in sich hinein, dunkel und rau. »Aber was kümmert mich dein erbärmliches Dasein? Ja, ich wollte dich vernichten, als die Dämonen zu mir kamen und mir einen Pakt anboten, dem ich nicht wiederstehen konnte. Aber dich so zu sehen, erbärmlich und allein, macht mir mehr Freude, als Rache zu nehmen.«

Hasserfüllt sah Bellzazar zu ihm auf. »Du weißt, Lugrain hat mich immer mehr geliebt als dich!«

»Du kannst mich nicht provozieren, Gefallener«, konterte Brathen. »Ich bin nur hier, um mich an deinem Elend zu laben.«

Gequält wandte Bellzazar den Blick ab. »Verschwinde, lass mich in Frieden.«

»Selbst die Götter verachten dich, von denen du abstammst. Lugrain war dumm, er war naiv, er sah nicht, dass du sein Unglück warst. Nur deinetwegen wurde er bestraft. Nur wegen dir, musste seine Seele hier eingesperrt bleiben, weil die Götter dich damit in der Hand hatten. Und was brachte es dir? Sie haben dich doch wieder verraten. Und Lugrain, mein naiver Bruder, ist verschwunden, seine unsterbliche Seele vermutlich vernichtet, nur damit du sie nicht erreichst. Es ist alles deine Schuld. Du bist für Lugrains Schicksal verantwortlich. Du allein!«

Bellzazar wollte nicht zulassen, dass Brathens Worte ihn noch mehr quälten, aber er konnte es nicht verhindern, sosehr er auch versuchte, sie nicht an sich herankommen zu lassen.

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