Billy Remie - Im Land der Schatten

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Die Reise ihres Lebens führt die Männer des M'Shier Ordens über das Meer zu gespenstischen Insel und wilden Eislandschaften. Im Land des Schnees lauert bereits ein alter Feind auf sie, der nach der Macht des Blutdrachen trachtet. Und während sie versuchen, zu überleben, droht die größte Gefahr innerhalb ihrer Gemeinschaft, denn Eifersucht macht Freunde blind, und Missverständnisse lassen den Zusammenhalt wanken. Allahad, der einstmalige Meuchelmörder, steht vor der Frage seines Lebens: Kann er die Vergangenheit ruhen lassen und den hartnäckigen Jäger Luro so lieben, wie dieser es von ihm verlangt, um nicht nur diesen, sondern auch sich selbst zu retten?
*Gay Fantasy Romance

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Dem konnte keiner wiedersprechen, also beschlossen der Krieger und der Prinz, Bellzazars Rat anzunehmen und Zasch zusammen mit Mitja und Karrah an der Oberfläche zu lassen.

Der Barbar schien deshalb sogar erleichtert. Seit er Mitja hatte, war er zu einem vorsichtigen Beschützer geworden. Zu Niegals Lebzeiten wären die beiden Barbaren Desiderius sofort gefolgt, selbst wenn er in die Unterwelt gegangen wäre, ebenso wie Luro und Allahad es taten. Doch seit Zasch sich verliebt hatte, war er umsichtiger, er dachte an sein Leben, weil er etwas hatte, wofür es sich zu leben lohnte.

Gleiche Veränderungen waren Desiderius anzumerken, wenn auch etwas weniger offensichtlich. Er scheute keine Abenteuer, sonst wären sie nicht hier, jedoch achtete er mehr auf sich selbst, vermied Kämpfe, die nicht unbedingt notwendig waren.

Vielleicht lag es an der Verliebtheit, vielleicht sorgten die zärtlichen Gefühle für eine andere Person dafür, dass ein Mann ruhiger wurde, oder – und das glaubte Allahad eher – die Konfrontation mit dem Tod hatte sie alle verändert.

Die Hexe Ruhna, Nebuhr, Niegal, all ihre Familien, der König: ihre Seelen hingen über ihrer Gemeinschaft. Nie würden sie vergessen, was ihnen genommen wurde, auch wenn der Schmerz mit der Zeit zu ertragen war.

Während der Dämon mit tastenden Händen irgendetwas im Fels suchte und grübelnd vor sich hinmurmelte, während Desiderius sich entfernte und zögerlich auf seinen Rappen zuging, während Mitja und Zasch ein Lager auf einer halbwegs trockenen Stelle errichteten, setzte sich Allahad an den Felsen und lehnte den Rücken daran. Die Beine angezogen, die Arme über die Knie gelegt, erlaubte er sich eine Auszeit und trank von seinem Wasserschlauch.

Er hatte wenig Lust, sich unterhalb des Erdbodens zu begeben. Das letzte Mal als er die Sonne aufgab, um durch enge Gänge zu marschieren, war für ihn übel geendet.

Der Dämon der Angst hatte alles zerstört, was er sich aufgebaut hatte: einen innigen Freundeskreis. Und Allahad brauchte diese Freunde, jedoch ohne, dass sie um ihn herumtanzten und versuchten, ihn mit Ratschlägen zu trösten, weil sie dachten, er litt. Dabei war es für ihn nie ein Problem gewesen, heimlichen Schwärmereien nachzuhängen. Er glaubte noch immer, dass es jedem Mann so erging. Davon abgesehen, wessen Geschlecht man bevorzugen mochte, schwärmte doch jeder für irgendwen, oder?

Das mit Luro hatte Allahad nie so ernst genommen, trotz der Angst, der junge Jäger konnte es je herausfinden. Er hatte nicht gewollt, dass Luro davon erfuhr, dass er heimlich an ihn dachte, manchmal sogar sehr zärtlich an ihn dachte, weil er gewusst hatte, dass es nichts ändern würde. Sie waren Freunde, unabhängig von dem, was seine Fantasie manchmal heraufbeschwor.

Natürlich hing seiner Schwärmerei für den drahtigen Mann auch eine intimere Note an, etwas Sexuelles, aber nie so, dass er sich deshalb ernsthaft Sorgen gemacht hätte. Erst als alle davon wussten, war ihm klargeworden, was sie nun von ihm dachten. Dass er sich heimlich unter der Decke selbst Lust verschaffte und dabei von Luro fantasierte. Dabei waren seine Fantasien viel unschuldiger gewesen. Die Vorstellung, in Luros Armen einzuschlafen und wieder aufzuwachen, zum Beispiel. Oder ihm die dunklen Haare aus der Stirn zu streichen, seine hohen Wangenknochen zu streicheln, den Schwung seines Mundes nachzufahren, vielleicht auch ihn zu küssen.

Und als alles ans Licht gekommen war, war letzteres zu bitteren Wahrheit geworden. Geschmeckt hatte es Allahad, was es nicht besser machte. Aus unschuldigen Schwärmereien über etwas mehr Zuneigung als Freundschaft ihm bot, war plötzlich Intimität geworden.

Irgendwie fühlte er sich schmutzig, weil Lust seine süßen Fantasien befleckte.

Er wollte doch nur abends am Lagerfeuer seinen Kopf auf Luros Schenkel legen, so wie Mitja es bei Zasch machte. Oder nach einem Sturm auf See, oder nach einem Kampf, Luro fest in den Arm nehmen, ihn halten und gehalten werden, sich gemeinsam am Leben erfreuen, ohne gleich die Hosen runter zu lassen.

Ob es angst vor dem Unbekanntem war, die aus ihm sprach, konnte er nicht sagen, er wusste nur, dass sich ein unsichtbares Eisenband um seine Brust legte, wenn er auf diese Weise an Luro dachte. Vielleicht war das aber auch nur ein Zeichen dafür, das ihn der Gedanke abstieß.

Nicht, dass er je etwas dagegen gehabt hätte, er ekelte sich nicht vor Luro, Desiderius oder Prinz Wexmell, nein, was sie miteinander machten, war ihm einerlei. Aber das bedeutete nicht, dass er sich dem hingeben konnte, ohne sich selbst abscheulich zu finden. Nicht, weil er im Inneren doch ignorant gewesen wäre, sondern weil es ihm vorkam, als beflecke er die Erinnerung an seine Frau und Söhne. Es kam ihm vor, als wäre die Liebe zu ihnen eine Lüge gewesen, wenn er sich nun mit Männern einließ.

Und so war es nicht, also wollte er es auch nicht fühlen. Es war nie eine Lüge gewesen und er würde die drei immer vermissen, er hatte sie mehr geliebt als alles andere.

Allahad seufzte unzufrieden und rieb sich die schmerzende Stirn. Seit Luro von den zärtlichen Gefühlen wusste, litt er unter stetigen Kopfschmerzen, die nie vergingen, nur manchmal stärker und manchmal schwächer wurden.

Ein Schatten legte sich über Allahad und er sah auf.

Prinz Wexmell lächelte auf ihn herab und deutete mit einem Finger neben Allahad. »Was dagegen, wenn ich mich setze?«

Allahad rückte ein Stück, um ihm damit eine Antwort zukommen zu lassen.

Fröhlich darüber, nicht abgewiesen worden zu sein, setzte sich der junge Prinz. Er war muskulöser als früher, stramme Muskeln zeichneten sich unter seiner Lederrüstung ab, die nur behelfsmäßig an der Seite auf Höhe der Rippen gestopft worden war. Dort hatte der Sohn des Verräters sein Schwert durchgestoßen und Prinz Wexmell tödlich verwundet. Allahad erinnerte sich noch gut an Desiderius grausigen Anblick, als der Prinz in seinen Amen gestorben war, mitten auf dem Schlachtfeld, umringt von Feind, Freund und Leichen.

Es schauderte ihn und er drehte sich fort. Niemals wieder wollte er Leid verspüren oder mit ansehen, wie seine Freunde litten. Wenn er die Gesellschaft seiner Freunde nicht als Halt benötigte, um der Trauer über seinen eigenen Verlust zu entkommen, würde er gehen. Denn wenn man einsam und alleine war, gab es zumindest auch niemand, den man verlieren konnte.

Kein Schmerz war je so groß wie jener, einen geliebten Menschen zu verlieren. Es raubte einem nicht nur für den Augenblick der Erkenntnis den Atem. Um genau zu sein, begriff man im ersten Moment überhaupt nicht, was es bedeutete. Erst nach und nach wird dem Hinterbliebenen bewusst, dass das, was ihm genommen wurde, nie wieder zurückkommen würde. Nie wieder. Der Tod war endgültig. Und stirbt ein Freund, war es der Abschied für immer, ob man dazu bereit war oder nicht. Und dann reihen sich Jahre aneinander, in denen der Schmerz immer größer wurde, bis endlich der Moment kam, in dem man sich lächelnd aber mit Wehmut zurückerinnert. Dort war Allahad bereits angekommen, aber der Schmerz würde nie gänzlich vergehen. Irgendwann war es jedoch leichter, sich mit Freude zu erinnern, statt in tiefer Trauer zu versinken.

»Geht es Euch gut?« Prinz Wexmells Stimme war ein Lufthauch. Mitgefühl schwang in ihr mit, das Allahad mit geschlossenen Augen willkommen hieß, ohne es je zuzugeben. »Ich sorge mich um Euch.«

Allahad schmunzelte mit geschlossenen Augen. »Solange es immer einen Freund gibt, der sich sorgt, wird es mir gut gehen.«

Als er Prinz Wexmell daraufhin ansah, leuchteten dessen eisblaue Augen und ein strahlendes Lächeln stand ihm im Gesicht. »Auch Ihr seid mir ein Freund, Allahad.«

Allahad streckte den Arm aus und drückte kurz des Prinzen Schulter. Wexmell war zwar ein Freund, doch er würde ihn immer als seinen Prinzen bezeichnen. Denn er war der Mann, dem Allahad folgte, dem er Treue geschworen hatte, den er mit dem Leben beschützte, auch unendlich weit von Nohva entfernt.

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