Mal abgesehen davon, dass es trotz allem unschicklich war, dass die zukünftige Königin mit zwei Soldaten und einem Hofrat in einem Zimmer schlafen würde, war es der Prinzessin nur recht, nicht allein schlafen zu müssen. Der Schock über den ungebetenen Besucher in ihrem Zimmer saß immer noch tief. Und so hatte sie Angst, panische Angst, dass er wieder kommen würde, um sich in ihre Träume zu schleichen. Wenn drei Männer bei ihr schliefen, würde er das nicht wagen, so glaubte Alessandra. Mit ihren Argumenten hatte sie die Männer jedenfalls überzeugt und beruhigt begannen sie, sich über die Brotzeit herzumachen. Auch die Karaffe war schnell geleert und so bestellten sie eine zweite. Nachdem sie die Probleme wegdiskutiert und sich entspannt hatten, wirkten die vier wie eine ganz normale Gruppe Reisender. Sie fielen neben den anderen Gästen überhaupt nicht auf, die sich wie sie mit Speis und Trank für die Weiterreise am nächsten Tag stärkten. Niklaus schlug dann in der heiteren Stimmung sogar vor, entgegen jeglicher Etikette, es sei unauffälliger, sich zu duzen. Bis auf Silom waren alle begeistert und so übergingen sie einfach das energische Kopfschütteln des Arztes.
Rasch vergingen zwei Stunden und die Gaststube leerte sich allmählich. Nach und nach zogen sich die Gäste auf ihre Zimmer zurück. Und als die Bedienung wieder an ihren Tisch kam, bezahlten sie und verlangten nach dem Schlüssel.
„Es ist das im obersten Stock“, erklärte die junge Kreuzwaldnerin und gab dem Arzt den Schlüssel, „es ist das einzige dort oben. Ihr könnt´s nicht verfehlen.“ Sie grinste. „Ich hab Ihnen das Größte aufgehoben, weil Sie Ihnen ja eines zu viert teilen müssen. Ich hoff´, es ist recht.“
Sie bedankten sich für die freundliche Großzügigkeit und standen auf. Gerade als sie im hinteren Teil der Stube durch den Durchgang zur Treppe gehen wollten, kamen weitere Gäste durch den Vorder-Eingang ins Gasthaus. Es waren ein junger Mann und eine junge Frau. Sie trugen beide dunkelblaue lange Mäntel und hatten die Kapuzen über den Kopf gezogen. Alessandra drehte sich um und blickte sie an. Sie erschrak. Das konnte nicht sein. Verfolgte er sie jetzt etwa auch, wenn sie wach war? Fast wäre mit Rufus zusammen gestoßen, der an ihr vorbei wollte.
„Oh, entschuldige“, murmelte sie.
„Ist dir die Weinschorle nicht bekommen“, fragte er lächelnd und stützte sie am Arm.
Dafür erntete er einen strafenden Blick von Silom.
„Das ist ein wenig zu intim“, zischte er dem Soldaten zu.
„Ist schon in Ordnung“, sagte Alessandra, „ich bin nur ziemlich müde.“ Zur Bekräftigung ihrer Aussage hielt sie sich die Hand vor den Mund und tat, als würde sie gähnen. Sie ließ die Männer vorgehen und wandte sich dann noch einmal um. Mittlerweile war der Wirt bei den neuen Gästen und diese hatten ihre Mäntel ausgezogen. Sie atmete erleichtert auf. Offensichtlich war sie so durch den Wind, dass sie schon Halluzinationen hatte. Der junge Mann mit den hellen Haaren und den strahlenden Augen hatte überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem dunklen Mann aus ihren Träumen. Die junge Frau hatte noch hellere blonde Haare, die ihr fast bis zur Hüfte reichten. Sie hatte braune Augen und mit diesen blickte sie ihren Begleiter immer wieder hingebungsvoll an. Wahrscheinlich war es ein frisch vermähltes Paar. Dafür sprach auch die Ähnlichkeit ihrer Kleidung. Denn sie trugen nicht nur den gleichen Mantel auch die Farbe seines Hemdes stimmte mit der ihres Kleides überein. Es war ein auffälliges helles Grün und passte sowohl perfekt zu ihrem Teint als auch zu seinem. Während der Wirt mit ihnen sprach, lächelten beide immer wieder. Sie machten einen sympathischen, freundlichen Eindruck. Und anscheinend kannte der Wirt sie auch. Freundschaftlich fasste er jetzt den jungen Mann an der Schulter und führte sie an einen der Tische, an den er sogleich eine Bedienung winkte.
Beruhigt stieg Alessandra die Treppe ins oberste Stockwerk hinauf. Sie wollte jetzt nur ins Bett, denn plötzlich fühlte sie sich doch sehr erschöpft. Das Zimmer war äußerst großzügig. Es standen ein Doppelbett und zwei einzelne Betten darin, die sich in einer Nische links und rechts an der Wand befanden. Eine kleine Tür rechts des Eingangs führte ins Bad, das ebenfalls ziemlich groß war. Zumindest für ein Gästezimmer.
Als die Prinzessin eintrat, hatten ihre Begleiter bereits die Betten verteilt. Rufus und Niklaus sollten im Doppelbett schlafen, Silom und Alessandra in den zwei Einzelnen. Es war so am sinnvollsten, denn ansonsten hätte sie mit einem der Männer in einem Bett schlafen müssen. Trotzdem und natürlich als reine Vorsichtsmaßnahme behielt sie Hemd und Hose an, als sie sich endlich hinlegte.
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