Betty Zehner - Wolfsengel

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Die Geschichte handelt von Alessandra, einer jungen Prinzessin. Sie ist eine der Wolfsherzen, ein friedliebendes, naturverbundenes Volk, das eine besondere Beziehung zu den Wölfen des Rothwaldes besitzt. Als Thronerbin wurde sie zwar in allen wesentlichen Dingen ausgebildet, jedoch ist Alessandra extrem behütet auf dem Schloss ihrer Eltern aufgewachsen.
Als sich für sie die Gelegenheit bietet, eigene Entscheidungen zu treffen und ihr Leben selbst zu bestimmen, begibt sie sich auf einen gefährlichen Weg voller Missgunst und Lüge, aber vor allem voller Liebe.
Die Liebe begegnet ihr in Form von Baldur, einem Fürst der Steinengel. Ein Volk, das ihr als blutrünstig und gefährlich beschrieben wird, und von dessen Existenz sie zuvor noch nie etwas gehört hatte, obgleich die Steinengel ebenso lange existieren wie die Wolfsherzen.
Während sie Entscheidungen trifft und Gefahren meistert, reift sie vom kleinen Mädchen zu einer jungen erwachsenen Frau. Diese Entwicklung wird sie schließlich von ihrem Weg als Thronfolgerin abbringen und sie fort von ihrer Familie führen.
Doch nicht nur Alessandra macht eine innere Entwicklung durch. Auch Baldur verändert sich unter ihrem Einfluss von einem egozentrischen, zügellosen und melancholischem Jungen zu einem verantwortungsbewussten Mann, dem Werte wie Liebe, Güte und Freundschaft wieder wichtig sind.

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„Tarón hat sie außerdem aus anderen Gründen hierher gebracht“, erklärte er schließlich. Er wollte nicht, dass seine Schwester weiterhin so verängstigt dreinblickte.

Fragend zog sie die Augenbrauen zusammen, ihre Stirn legte sich in drei lange Falten.

„Er hat sie aus Rothwald geholt. Sie war im Schloss zur Ausbildung. Sie sollte Zofe der Prinzessin werden.“

Sundãris Miene hellte sich auf. Allmählich begriff sie die Hintergründe für sein Handeln.

„Dann ist es also ein Versehen gewesen, dass sie Opfer des Blutkelchs werden sollte?“

„Ja und nein.“

Baldur richtete sich auf und klopfte mit der Hand auf die Matratze, damit sie sich neben ihn setzte.

„Vater ist dagegen gewesen. Er meinte, es würde nicht funktionieren. Es dauere zu lange, bis sie wirklich kontrollierbar sei. Ich bin allerdings nicht seiner Meinung.“

Ihre Miene hatte sich wieder verfinstert.

„Er wird dich nie mehr das Ritual durchführen lassen. Er wird dich bald gar nichts mehr machen lassen, wenn du dich ihm ständig widersetzt.“ Sundãris Widerspruch war laut, obwohl sie die Stimme nicht erhoben hatte.

„Er hat seine Pläne, ich meine. Wenn er das nicht akzeptiert, dann müssen wir eben getrennte Wege gehen.“

„Das ist nicht dein Ernst!“

Baldur zog eine Grimasse.

„Du müsstest das doch am besten verstehen. Wo er dich doch so lange abgelehnt hat.“

Damit hatte er seine Schwester getroffen. Rasch stand sie vom Bett auf und verließ wortlos sein Zimmer.

Während ihrer Unterhaltung hatte im Nebenzimmer eine Dienerin das Mädchen gewaschen, ihre blonden Locken zu einem dicken Zopf geflochten und sie in ein neues Kleid aus durchsichtigem Stoff gehüllt. Im flackernden Licht der schweren Kerzen, die im Kandelaber neben der großen Wanne standen, die in den Boden eingelassen war, wirkte sie wie ein Engel.

Das Wasser war noch heiß. Durch die kältere Luft, die er durch das Öffnen der Tür mit herein gebracht hatte, stiegen dampfende Wolken von der Wasseroberfläche auf. Mit einem stummen Befehl schickte er die Dienerin nach draußen, die sich durch einen verbogenen Durchlass im Gemäuer lautlos zurückzog. In einer unangenehmen, angespannten Atmosphäre blieben die beiden allein zurück. Auch aus der Entfernung konnte Baldur deutlich erkennen, dass das Mädchen am ganzen Körper zitterte.

„Wie ist dein Namen“, fragte er mit sanfter Stimme.

Als er keine Antwort erhielt, näherte er sich ihr vorsichtig und legte beruhigend eine Hand auf ihre Wange. Unter der Berührung seiner kalten Hand zuckte sie zusammen. Ihr Körper versteifte sich.

„Ich bin Baldur, Fürst des Felsengebirges“, sachte fuhren seine Hände ihre Arme hinab, eine Gänsehaut ließ ihr weichen, blonden Härchen aufrecht stehen, „du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Ich werde nichts tun, was dir schadet.“

Er merkte, wie sie unter seiner Berührung und seinen verführenden Worte allmählich ruhiger wurde und sich entspannte. Langsam ging er um sie herum und stellte sich hinter sie.

„Wie ist dein Name“, fragte er abermals.

„Lysinia“, antwortete sie mit leiser Stimme.“

„Lysinia“, wiederholte er und strich mit seinen Händen über ihre Brüste, die nur von dem hauchzarten Seidenstoff verhüllt waren. Lächelnd bemerkte er, wie ein angenehmer Schauer durch ihren Körper lief.

„Was ich dir bieten kann, ist ein Leben in unbegreiflichem Luxus und Unsterblichkeit. Du wirst glücklicher sein, als du es dir erträumt hast.“

Vorsichtig öffneten seine Finger die Schnürung ihres Gewandes unterhalb ihrer Brust und schoben den Stoff zur Seite, bis das Kleid von selbst ihren Körper hinab rutschte. Ihr weißer, makelloser Körper strahlte im Kerzenlicht und ihre weiblichen Rundungen warfen Schatten auf den seinen. Ohne sein Zutun drehte sie sich zu ihm um. Ihre Hände wanderten zwar noch unsicher, aber dennoch geschickt seinen Oberkörper hinunter zu seiner Hose und öffneten dort den Verschluss. Als sie weiter wandern wollten, hielt er sie auf. So schnell, dass sie es nicht wahrnehmen konnte, hatte er seine Hose selbst ausgezogen und war in die Wanne gesprungen.

Komm!

Sprachen seine Lippen stumm und er streckte ihr seine große, schlanke Hand entgegen. Wie hypnotisiert stieg sie zu ihm in das warme Wasser. Aufsteigende Wärme und Dampf hüllten sie ein. Bestimmt zog er ihren zarten Körper an sich, presste sie an seine muskulöse Brust. Es war so weit, ganz gab sie sich ihm hin und beugte ihr Gesicht zum Kuss zu ihm nach oben. Sein Gesicht ganz nah an ihrem atmete er ihren Duft ein. Fast berührte seine Nase ihre Wange. Er spürte ihre zarte Haut, als er seinen Kopf hinunter zu ihrem Hals beugte. Sanft berührten seine Lippen ihren Nacken. Was danach geschah, dauerte nur wenige Sekunden.

Das Wasser färbte sich rot und Lysinia lag schlaff in seinen starken Armen. Ihre Augen blickten ihn an vor Schreck weit aufgerissen. Sie begriff nicht, was mit ihr passierte. Ein noch dumpfer Schmerz und ein Brennen breiteten sich allmählich in ihren Adern aus. Zuerst in den Beinen und Armen, dann wanderte es schließlich bis in das Innerste ihres Körpers. Sie schrie auf und versuchte sich aus seinem Griff zu lösen, wild um sich schlagend. Doch wie stählerne Stangen hatten sich seine Arme um sie gelegt und ihr Mühen war umsonst. Dann ließ ihr Kämpfen nach und ihr Körper begann zu zucken und zu beben. Da löste er seine Umarmung und betrachtete ihr schönes Gesicht, aus dem mehr und mehr die Röte wich. Baldur atmete tief ein. Der Duft des mit Blut vermischten Wassers stieg ihm in die Nase. Süßlich, ein wenig metallisch. Seine Augen erfassten das rote Rinnsal, das von ihrem Hals hinab über ihre Schulter und ihren Rücken ins Wasser floss. Dort verlor es mehr und mehr von seiner Röte und Substanz, bis es sich schließlich gänzlich im Wasser aufgelöst hatte. Er seufzte. Eine romantische Metapher für sein Dasein. Mit seiner Hand verwirbelte er das Wasser, an der Stelle, wo das Blut noch dick und rot war. Und sofort verschwand es in einem roten Nebel. Er zog die Hand wieder aus dem Wasser und legte sie auf ihre linke Brust. Ihr Herz schlug noch. Sehnsüchtig folgte er seinem stetigen, langsamen Rhythmus.

Lysinia erwachte. Ihr ganzer Körper fühlte sich an, als wäre sie vom höchsten Turm des Schlosses auf die Felsen gestürzt. Zögernd versuchte sie ihre Finger zu bewegen und als ihr dies gelang, stützte sie sich vorsichtig auf. Unsicher blickte sie sich um. Als sie ihn entdeckte, zuckte sie unwillkürlich zusammen. Er saß in einem großen mit vielen Kissen gepolsterten Sessel, dessen hohe Lehne in einem Halbkreis gebogen war und dunkle Schatten auf sein Gesicht warf, so dass sie ihn kaum erkennen konnte. Sie war nicht erschreckt, nur verwundert und neugierig. In ihr brannten ein noch nie erlebtes Verlangen und eine tiefe Leidenschaft.

Nachdem auch der letzte Blutstropfen aus ihrem Körper gewichen war und sich mit dem Wasser vermischt hatte, hatte er sie in ein Laken gewickelt und aus der Wanne gehoben. Das Wasser war nun rot gefärbt. Er hatte sie nach nebenan getragen, um sie dort auf sein Bett zu legen. Eine Zeitlang hatte er neben ihr gelegen und ihre Verwandlung beobachtet. Er wusste, dass sie erst erwachen würde, wenn ihr Geist merkte, dass ihr Köper nicht vollkommen tot war. Im fahlen Licht des Mondes, das durch die Gitter der hohen Fenster fiel, konnte er ihre vorher braunen Augen rötlich glitzern sehen. Während er sah, wie sie sich langsam aus den Laken erhob, trank er einen großen Schluck aus seinem gläsernen Becher. Das Betttuch rutschte von ihrem Körper, als sie zu ihm hinüber ging. Geschmeidig bewegten sich ihre Hüften mit jedem Schritt ihrer langen Beine. Das Mondlicht beleuchtete ihren weißen Körper und ließ ihn noch mehr strahlen.

„Was trinkst du da“, fragte sie, ihre Stimme klang wie ein verführerischer Gesang und Baldur wusste, dass er das Richtige getan hatte. „Darf ich auch mal davon kosten?“

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