Die Musik wird nicht besser, aber das scheint die Mehrzahl der Besucher nicht zu stören. Vielleicht finden sie aber auch echten Gefallen an diesen Klampfen-Heinis. Links neben dem Gang, etwas erhöht, befindet sich die Galerie, auf der eine merkwürdige Ansammlung von unterschiedlichen Tischen, Stühlen und auch einigen Sofas platziert sind. Ich frage mich, aus welchen Sperrmüllsammlungen das Zeug wohl stammen mag. Die dort sitzenden Gäste sind in dem Halbdunkel nur schwer auszumachen. Während der Bühnenshows wird nur die Bühne angestrahlt, während in den übrigen Teilen der Kneipe das Licht abgedunkelt wird. Im hintersten Eck der Galerie kann ich ein Pärchen ausmachen. Sie scheinen nur mit sich selbst beschäftigt zu sein. Das Musikprogramm scheint sie nicht zu interessieren. Irgendetwas diskutieren sie und sie streichelt ihm ab und zu über das Gesicht. Warum schaue ich überhaupt dorthin? Es gibt doch wohl in dieser Kneipe eine Menge Interessanteres zu sehen, oder? Aber irgendwie kommt mir die Frau bekannt vor. Einen kurzen Augenblick zeigt sie ihr Profil, um sich dann sofort wieder ihrem Partner zuzuwenden. Für einen Moment denke ich, dass da drüben Andrea sitzt. Das kann aber aus zwei Gründen nicht sein. Erstens ist das Fender nicht die Art von Lokalen, die Andrea schätzt, und zweitens würde sie sich niemals in der Öffentlichkeit so benehmen. Ich werde dauernd angerempelt von Typen, denen ich den Weg zur Toilette versperre. Es ist überhaupt nicht spaßig, hier herumzustehen, während einige Meter weiter mein Barhocker auf mich wartet.
Die Frau und der Typ sind weiterhin intensiv mit sich selbst beschäftigt. Ich bete zu Gott oder wem auch immer, dass diese Klampfenheinis endlich Schluss machen mögen, damit ich mich zu meinem Platz vorkämpfen kann. Nach drei weiteren Stücken und gefühlt eine halbe Ewigkeit ist der Spuk vorbei und das Licht wird wieder eingeschaltet. Jetzt wird der Gang vor mir wieder halbwegs passierbar. Ich schlängel mich zu meinem Platz zurück, nicht ohne vorher noch einmal das Pärchen in der Ecke zu mustern. Da dreht die Frau ihren Kopf, so als suche sie irgendwen. Jetzt sehe ich es ganz deutlich. Es ist tatsächlich Andrea!
Ich weiß nicht, ob ich jetzt zu ihr hingehen soll oder ob ich nicht besser ohne viel Aufhebens zu machen zu meinem Platz zurückkehren sollte. Ich entscheide mich für die zweite Variante. Auf „meinem Platz“ sitzt ein Ungetüm: kahl rasierter Schädel, Hände wie Schaufeln, ehemals weißes T-Shirt in XXXXL über einem Oberkörper, der große Ähnlichkeit mit dem eines Rhinozeros hat. Das „Reserviert-Schild“ und mein Bier sind verschwunden. Ich wende mich an die blonde Serviererin und frage nach meinem verschwundenen Bier. Sie hat nichts gesehen, will aber ihre Kollegin fragen. Die ist allerdings gerade irgendwo unterwegs und es dauert mindestens 15 Minuten, bis die zurück ist. Natürlich weiß sie auch von nichts. Ich bestelle mir ein weiteres Bier und bezahle die vier Bier. Das Extra-Trinkgeld für die Blonde vergesse ich.
Ich werde mich jetzt zu Andrea durchkämpfen. Zu groß ist meine Neugier und das Verlangen herauszufinden, mit wem sie da sitzt. Es ist definitiv nicht ihr Mann. Und außerdem: Was habe ich zu verlieren? Ich muss dazu nicht einmal besonders mutig sein, sage ich mir. Als ich den hinteren Teil der Galerie endlich erreiche, sind Andrea und ihr Gschmusi weg. Deshalb hat sie sich wohl vorhin Hilfe suchend umgedreht. Sie wollte bezahlen. Scheiße, ich hätte das gerne aufgeklärt. Was wollte ich aufklären? Ich weiß es nicht.
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