„ Aber natürlich, wir haben auch einige neue Vorschriften für die Bekämpfung des Gegners. Ist alles auf der CD-ROM hier “: sagte er und steckte mir einen viereckigen Umschlag zu.
Dann meldete er sich ab und unterhielt sich mit einem Mechaniker, der ihn um eine Auskunft ersuchte. Ich sah dem ganzen Treiben dann in angemessenem Abstand zu. Es gellten Befehle und Kommandos durch die Halle. Mechaniker arbeiteten an den alten Panzern. In den neuen Fahrzeugen saß eine Gruppe von Soldaten und wurden in die Technik eingewiesen. Es waren sogar einige junge Frauen dabei. Hauptmann Gruner stellte sich dann dazu und erklärte allen wie man was zu bedienen hatte.
Von A wie Anlasser und B für Bremsen.
Ich ging wieder raus ins Freie, an mir vorbei fuhr gerade der letzte von diesen neuen Wunderwaffen, Nr. 23, Richtung Gruner. Draußen sah Löw sich das Treiben an und wippte dabei auf den Zehen. Neue Hubschrauber, neues Material, das alte wird repariert. Er war bester Laune und sah mich ebenso an.
„ NA, Schneider. Das wäre doch gelacht, wenn wir die Mutti nicht geschaukelt bekämen. Morgen oder übermorgen kommen noch mal zehn von diesen neuen Wieseln. Die Einheiten in Merzig und Zweibrücken werden ebenfalls aufgefüllt und werden uns an die Ruhr begleiten. In drei Tagen verlegen wir den ganzen Haufen nach Baumholder; dort wird zwei Tage lang geübt. Dann geht’s weiter. Wir haben danach noch zwei max. drei Tage Zeit um uns für die Schlacht vorzubereiten !“
„ Also, wenn das klappt, fresse ich eine Besen, ganz im Ernst, wir brauchen mehr als Glück wenn nur die Hälfte davon funktionieren soll !“
„ Ach was. Du alter Schwarzseher, wir packen das. In einer Woche werden wir angreifen und dann ist der Käse gegessen “.
Ich stellte mich neben Löw und ergötzte mich ebenfalls am Anblick des neuen Materials. Zugegeben es war alles so wie Hauser es versprochen hatte. Jackson hatte ebenfalls zugesichert, dass es hinhauen würde. War ich vielleicht wirklich nur ein Pessimist und Schwarzseher. In der Tat, es roch förmlich nach Sieg und Triumph. Klaus und Stephen sprangen herum und machten sich Notizen. Sie mussten eine neue Aufstellung verfassen und später dann den Bedarf an Treibstoff, Munition und Verpflegung ermitteln.
Ich nickte nur und meinte zu Löw:„ Is recht Roland, wir werden das schon schaffen !“
Ich ging dann zu Klaus und Stephen und begrüßte sie. Nach einer kurzen Schilderung der Ereignisse unterhielten wir uns ganz locker und ungezwungen über den neuen Auftrag.
„ Mit dem neuen Kram hier, haben wir ne echte Chance. Die taktischen Erklärungen, wie man das Ding am besten einsetzt sind auch richtig sinnvoll “: meinte Klaus.
„ Dieser Gruner hat mir ne CD gegeben, ist da alles drauf ?“: fragte ich nach.
„ Ja, genau. Da findest du alles was du wissen musst. Der neueste Stand der Alienbekämpfung !“
Stephen war am rechnen und konnte bzw. wollte sich wohl nicht mit mir unterhalten. Zumindest war er sehr mit seiner Arbeit beschäftigt. Da ich hier eigentlich gar nicht gebraucht wurde, ging ich erst mal ins San-Zentrum zu meiner Mutter. Auch ihr erzählte ich in groben Zügen was passiert war. Natürlich nicht alles. Sie war heilfroh das mir nichts passiert war. Man sah ihr an, was für ein Felsbrocken ihr von Herzen gefallen war, als sie sah, dass ich gesund und wohlbehalten zurück gekehrt war.
Sie hatte natürlich keinen Grund wirklich erleichtert zu sein. In spätestens einer Woche würde der Tanz erst richtig losgehen und es war logisch, dass ich dabei sein musste. Sie versprach mir für mich zu beten. Die Kapelle des heiligen Augustinius befand sich hinter dem Gehöft, dort würde sie für mich und die anderen um Schutz bitten. Ich gab ihr einen Kuss und nahm sie in den Arm. Sie erzählte mir von meinem Vater. Dem machte die schwere Arbeit zu schaffen. Ich versprach ihr mich darum zu kümmern, dass er hierher versetzt werden würde. Stephen konnte ihn ja bei unserem Busenfreund Schartz anfordern und Bartsch alles so auftischen wie der es hören wollte. So als Küchenhelfer oder so. Es spielte auch keine Rolle, welche Lüge er auftischen musste. Soweit hatten sich die Verhältnisse schon entwickelt. Wir waren hier unten die wichtigste Institution. Ein Wort von mir zu Oberst Löw und ich hätte jeden an die Wand stellen können wegen irgendeines Vergehens. Natürlich habe ich das nie gemacht, aber allein die Tatsache das es möglich war, genügte vollauf. Meine Uniform und mein Ruf genügten mittlerweile um die unmöglichsten Anordnungen und Wünsche zu realisieren. Ich gebe zu es ist ein berauschendes Gefühl das einem die Macht verleiht.
Nachdem ich also meine Mutter besucht hatte, ging ich ins Hauptgebäude. Dort traf ich Frau Ploch.
„ Hallo Petra “: grüßte ich sie frech. Sie hatte sich mittlerweile an meine bürgerlichen Manieren gewöhnt und sagte nur:„ Ihnen auch einen guten Tag Herr Schneider, hätten sie wohl kurz etwas Zeit für mich ?“
„ Aber natürlich, wo drückt denn der Schuh ?“
„ Bitte kommen sie !“
Sie führte mich in „unser“ Büro und begann zu erzählen. Davon das sie Angst hätte um ihren Roland und überhaupt wegen allem halt. Die jungen Leute, die jetzt zum Militär sollten.. usw. Nachdem ich mir dann ihre Ängste und Nöte angehört hatte meinte ich nur:
„ Frau Ploch, liebe Petra. Also erstens ich glaube nicht, dass es möglich ist dem Oberst die Teilnahme an der Operation „Nordwind“ zu verbieten. Als Frau an der Seite eines Soldaten muss man das wohl hinnehmen. Ansonsten kann ich dir versichern, dass hier bei uns alles super läuft. Da wo ich her komme ist es, weiß Gott, viel schlimmer als hier. Glaub mir: Für uns ist heute nur ein weiterer Tag im Paradies.
Vor allem was den Mampf angeht und den Komfort. Davon träumen andere und die sind nur ein paar Kilometer weit weg !“
Frau Ploch sah mich betroffen an. Die Sorgen um die Leute war typisch Frau. Die meisten von den Rekruten waren etwa in dem Alter ihres Sohnes. Dann kämpften auch noch Frauen mit. Für eine Frau, die mal auf Partys ihren Champagner geschlürft hatte, waren das schon ziemlich schlimme Zustände.
Sie zeigte mir dann auch ein altes Familienbild. Ihr Mann und ihr Sohn waren wohl beide tot. Vom Mittelmeer verschluckt als die Welle über Südfrankreich hereinbrach. Tränen kullerten über ihr Gesicht und sie begann zu schluchzen.
„ Es hat doch schon so viele Tote gegeben, wann hört das denn endlich mal auf. Wollen sie nächsten Monat die 14 Jährigen ins Feuer werfen. Und wenn die dann auch alle tot sind, wer kommt dann dran. Die Alten und Kranken ?“
„ Ich verstehe was du meinst. Aber es gibt keine Alternative. Wir müssen mitmachen! Was bleibt uns denn auch anderes übrig. Soll ich mich auf einen Esel setzen und mit einem Ölzweig in der Hand an die Pforte unserer Feinde klopfen ?“
„ Warum nicht. Vielleicht kann man verhandeln, man könnte es jedenfalls versuchen. Man muss es versuchen !“
„ Du hast wohl zu lange in der Sonne gelegen. Erst verwüsten die den halben Planeten und dann sollen wir, so mir nichts dir nichts, um einen Waffenstillstand bitten. Wie soll das denn laufen? Völliger Quatsch. Solange es Menschen und Außerirdische gibt werden die Kämpfe weiter gehen “.
„ Aber es muss doch möglich sein, dem Morden ein Ende zu setzen. Es heißt doch, dass der Klügere nachgibt und man für einen Streit immer zwei braucht. Ich bin sicher, dass man eine friedliche Lösung finden würde “.
„ Also, ganz im Ernst, Petra. Die Menschen hatten doch fast 2000 Jahre Zeit um sich zu einigen und zu versöhnen. Wenn die Aliens nicht angegriffen hätten, würden die Menschen sich immer noch gegenseitig die Köpfe einschlagen. Und sie werden es wieder tun sobald wir gesiegt haben. Irgendwo ist es doch komisch, dass sich niemand ernsthaft darüber aufgeregt hat, dass täglich Tausende umgekommen sind, als es nur auf der Mattscheibe gezeigt wurde. Früher starben tagtäglich Menschen an Hunger, Tretminen und Seuchen. Darüber haben wir gelesen und es doch nicht ändern können. Jetzt wo es uns dreckig geht, proklamieren wir scheinheilig das Ende der Zivilisation und des Fortschritts “.
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