Hier oben, in der Nähe von ..Essen?, arbeiten die Aliens fleißig an einer größeren Geschichte. Es ist unbedingt erforderlich, dass wir diese Basis vernichten bevor sie fertig ist. Wir ziehen wie gesagt alles zusammen und kreisen den Gegner dort ein. Wir beschießen diese Anlage mit unserer Artillerie. Der Rest steht gut getarnt Wache und verhindert eventuelle Ausbrüche. Eine ganz einfache Sache “.
Lehmann sah mich an, überlegte kurz und stellte dann eine Frage:
„ Wann soll die Operation denn starten !“
„ Innerhalb von sieben Tagen “.
„ Dann sind die anderen Aufmarschpläne wohl damit hinfällig geworden ?“
„ Natürlich, die Operation „Nordwind“ hat absolute Priorität, alles anderen wird abgeblasen . Deswegen werden sie zusammen mit Oberst Löw fliegen, zurück zu ihrer Einheit. Sie bereiten die Verlegung vor. Derweil wird Major Schneider das Archiv besorgen. Sie treffen sich wieder an der Ruhr. In einer Woche, so Gott will !“
„ Herr General, warum muss ich eigentlich erst mit nach Geilenkirchen, Captain Stryker ist doch ein fähiger Mann. Ich finde es unsinnig das ein Major und ein Hauptmann einen Trupp von sieben Mann anführen. Ich sehe meinen Platz jetzt mehr denn je an der Seite meiner Männer !“: sagte ich, gespielt rührselig, zu Jackson.
„ So so. Was sagen sie dazu Captain Stryker, schaffen sie das auch alleine ?“
„ Sir, Ja Sir. Meine Männer und ich erledigen das. Sir“ .
„ Na, meinetwegen dann fliegen sie eben mit ihren Kameraden zurück, guten Flug !“ Lehmann, Löw und ich standen auf und verabschiedeten uns. Die Anderen besprachen dann noch weitere Details der Operation, während wir uns nach draußen begaben.
Auf der Fahrt zu den Hangars unterhielten wir uns natürlich angeregt. Ich schilderte grob die Ereignisse im Bunker. Löw und Lehmann hörten interessiert zu. Als wir vor dem Rollfeld angekommen waren, wurden die Hubschrauber gerade betankt. Wir warteten im Bus und unterhielten uns.
„ Typisch Armee. Jetzt haben wir erst groß Pläne geschmiedet um nach Westen zu marschieren. Jetzt wird alles umgeworfen und wir marschieren nach Norden !“,: beschwerte sich Lehmann.
„ Na, wenn wir sonst keine Probleme bekommen, Kopf hoch. Wenn wir es richtig anstellen haben wir bald reinen Tisch gemacht. Das erspart uns vielleicht einen jahrelangen Krieg. Mir jedenfalls ist es lieber so als anders rum !“
„ Stimmt schon Roland, aber unter uns, wir verheizen doch mittlerweile schon das letzte Aufgebot. Wenn ich an die jungen Gesichter denke, hoffentlich klappt die Sache auch. Wir haben jetzt gerade das zweite Kontingent ausgebildet. Wenn wir die jetzt gleich wieder in die Blutmühle schicken, dann frage ich mich für wenn wir hier eigentlich kämpfen! Ich frage mich ehrlich ob es nicht klüger wäre erst mal in Ruhe die weitere Entwicklung abzuwarten !“
„ Bernd, ich weiß das du etwas empfindlich bist. Es ist auch verständlich; jedes junge Leben das vergeht ist ein Verlust. Aber ohne Opfer geht es nicht! Jeder der sein Leben für die anderen einsetzt ist ein Held “.
„ Na, na Roland. Den Mythos vom Heldentod will doch Niemand mehr glauben. Kein Mensch redet mehr von Ehre und Vaterland wenn er tödlich getroffen auf dem Schlachtfeld liegt. Man schreit höchstens nach seiner Mutter oder dem Herrgott “.
„ Schneider, halt sofort die Schnauze, noch ein Wort und ich hau dir auf die Fresse. Ich glaub ich hör nicht recht. Was soll das denn heissen, Mythos vom Heldentod . Warum sollten wir die Leute erst ausbilden, wenn wir dann im entscheidenden Moment die Hosen voll haben. Solche defätistischen Äußerungen will ich nie wieder hören “.
„ Was Stephan sagen wollte ist eher die Tragik, dass wir den Leuten gerade das Nötigste beigebracht haben. Jetzt müssen wir sie schon ins Feuer schicken “.
Löw beruhigte sich wieder etwas, er blickte durch die leicht beschlagene Scheibe, dann meinte er:
„ Was hier passiert, das können wir alleine nicht entscheiden. Weder du noch du“, sagte er und sah uns beide dabei an .
„ Ich bin zwar mittlerweile der OB West, aber was heisst das schon. Stoll ist jetzt „Militär Attaché“ und vertritt „uns“ auf der Konferenz in München. König hat sich gestern abend erschossen. Zimmerer schleicht wie ein Zombie durch die Staatskanzlei. Der hat sich das wohl auch einfacher vorgestellt, die Ereignisse stürzen auf uns alle herein. Es hat schon Millionen Tote gegeben, meint ihr ernsthaft, dass es da auf ein paar mehr oder weniger noch ankommt. Mir müssen kämpfen, was bleibt uns auch sonst übrig ?“
Ich schwieg, Lehmann wusste auch nicht was er sagen sollte. Mittlerweile war die CH-53 aufgetankt. Wir gingen alle an Bord und dann flogen wir ab. Stryker flog nach Geilenkirchen, die beiden Kampfhelikopter eskortierten seine Maschine. Wir flogen nach Süden, der Sonne entgegen. Ich grübelte die ganze Zeit wie es jetzt weiter gehen soll. Roland hatte schon irgendwo Recht. Wir waren Spielfiguren in einem Spiel, dass wir nur teilweise überblickten und in dem ständig wechselnde Konstellationen zum Umdenken zwangen. Aber gab es wirklich keine Alternative zum Kampfeinsatz? Warum konnte man die feindliche Basis nicht mit einem nuklearen Angriff vernichten? Wenn es auf ein bisschen mehr eh nicht mehr ankam, warum dann nicht gleich richtig drauf hauen?
Ich machte Löw den Vorschlag, aber er winkte ab. Die Verantwortung für die Folgeschäden wollte keiner übernehmen. Erstens wäre alles radioaktiv verstrahlt und konterminiert worden und dann gab es noch andere Überlegungen. Durch einen solchen Angriff würde vielleicht das ganze Ruhrgebiet in sich zusammen stürzen. Durch den Jahrhundertelangen Bergbau war dort alles ausgehöhlt und „Einsturz gefährdet“. Etwas was allerdings auch für das Saargebiet gilt. Man muss sich nur mal vorstellen wie viel Volumen dort unten in den letzten 200 Jahren rausgebracht wurde. Das fehlt jetzt natürlich. Wenn alles plötzlich zusammenbräche, würde ein riesiger See entstehen. Würde man irgendwann in 1000 Jahren mal in diesem See tauchen, wäre es wie eine Zeitreise in eine längst vergessene Epoche der Menschheit. Wie andere versunkene Städte und Zivilisationen vorher, wäre auch das Saarland dann irgendwann nur noch ein Mythos wie Atlantis oder das Ratas Mu Reich. Halt ein echtes Weltkulturerbe!
Wir unterhielten uns angeregt über dieses Thema. Es war zwar etwas abgehoben aber lenkte uns intellektuell auf andere Bahnen. Obwohl Löw schon älter war, so hatte er doch nichts von seiner Vitalität, seinem Elan eingebüsst. Wir theoretisierten die ganze Sache durch.
Es gab eigentlich für uns im Saartal nur zwei Möglichkeiten. Wenn wir weiter die Kohleflöze abbauen wollten, so war es zwingend erforderlich die Hohlräume zu sichern. Es ist nur eine Frage der Zeit bis uns die Erde verschlucken würde. Die andere Möglichkeit käme einem Exodus gleich. Alles wird verlagert entweder nach Baden oder Bayern. Quasi heim ins „Reich“. Keine so gute Idee wie ich finde.
Die Saarländer hatten sich ja schon zwei Mal für den Anschluss mit Deutschland entschieden. Jetzt beim dritten Mal schien es etwas anders zu laufen. Es gab keine Abstimmung ob wir überhaupt kämpfen wollten und alles geschah unter einem verschleierten Mantel der Pseudo Legitimation.
Ich empfand es als unzumutbar, dass wir Kindern, die gerade an der Schwelle zum Erwachsensein standen, die Abkürzung zum Friedhof bzw. in die Zwangsarbeit zeigen sollten.
Aber ich musste dabei mitmachen. Ob ich wollte oder nicht. Was hätte ich auch ändern können.
Aufstehen und sagen: Nein, Halt-Stop. Hier läuft was falsch. Wir müssen umkehren! - Keine Chance. Ich war schon soweit mitgeschwommen, jetzt gab es kein zurück mehr.
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