Das komische war dabei, dass ich fühlte, dass sowohl Lehmann als auch Löw dieses „Gefühl“ im Bauch hatten. Als ob irgendwas nicht richtig läuft. Das da was faul war im Staate Dänemark, aber was. Keiner von uns dreien konnte es klar formulieren oder an Beispielen festmachen aber es war klar, dass wir nicht glücklich waren mit den Ereignissen, die um uns herum geschahen. Wie sollte es weiter gehen nach dem Angriff. Angenommen wir würden siegen, was dann? Was sollten wir dann tun? Alles wieder wie früher. Ficken Fressen Fernsehen und alles auf dem Rasen oder wie?
Klar erst mal die Grundversorgung sichern. Was zu beissen, ein Dach über dem Kopf und dann als Endziel die Vollbeschäftigung für jeden. Ist der Sinn des Lebens wirklich die Arbeit? Ich für meine Begriffe brauche nur frische Luft, was gutes zu Essen und die aufrichtige Liebe meiner Mitmenschen. Eine sinnvolle Beschäftigung damit der Tag rum geht, das war’s. Der einzige Trost den ich in alldem sah, war die Chance jetzt von vorne anzufangen. Wir hatten es schon geschafft ohne Geld zu leben. Das ist ja schon mal ein kolossaler Fortschritt auf der Evolutionsleiter, den Rest kriegen wir dann ja wohl auch noch hin.
Löw, Zimmer und wie sie alle hießen, waren alt. Ich dagegen war noch jung. Stephen hatte zusammen mit Maria schon den Keim für zukünftige Generationen gepflanzt. Alles ist in Bewegung und fließend. Zwar nur sehr langsam aber dennoch stetig. In 20 Jahren würden wir vielleicht alle auf die heutigen Ereignisse zurückblicken und den Kopf schütteln.
So redeten wir und lamentierten über alles mögliche.
Der Flug wurde jetzt sehr interessant und aufregend. Die Strecke von Saarburg nach Merzig war am geilsten. Rechts und links waren Felswände und Weinberge und wir rasten mit einem Affenzahn hindurch. Wir flogen durch die Saarschleife, den Fluss entlang. Es war Adrenalin pur. Eigentlich ein Unsinn sondergleichen aber es stimmt schon:
„No risk - no fun“.
Die Turbinen dröhnten und die ganze Maschine vibrierte. Wegen der Ladung konnten wir zwar keine allzu riskanten Flugmanöver abhalten, aber ein paar kleine Kapriolen erlaubte sich der Pilot trotzdem. Hinter Merzig wurde es dann wieder monoton und wir flogen ganz ruhig in Richtung unseres Stützpunkts.
Auf den Strassen sah man überall die verschiedensten Fahrzeuge und Kolonnen. Auch einige Züge fuhren auf den Bahnstrecken. Jedenfalls war es ein ziemlicher Aufmarsch, im Verhältnis zu dem was bisher so gelaufen war. Die Produktion und alles was irgendwie mit Arbeit zu tun hatte, lief auf vollsten Touren. In Saarlouis wurde ebenfalls schwer gearbeitet. Es sah aus als ob alle mit „Aufräumen & Sammeln“ beschäftigt seien. Da kam keine Langeweile mehr auf.
Löw meinte nur das dies zum „Rohstoffbeschaffungsplan“ gehöre. Allerorten wird jetzt nach verwertbaren Stoffen gesucht.
„ Die wollen jedes Auto, jedes Stück Schrott vor allem jeden Tropfen Heizöl sicherstellen. Es lagern ja noch große Mengen davon in den Öltanks der Wohnungen “: meinte Löw.
„ Wer hat das eigentlich autorisiert “: fragte ich ihn dann.
„ Was für eine naive Frage. Natürlich das Militär, wir eben. Zimmerer, Stoll, Hauser und ich selbst. Es wurde ein offizieller Erlass verabschiedet und wir machen das jetzt einfach. Du machst mir ja Spaß. Wir sind im Krieg, da gibt es kein Privateigentum mehr. Wenn’s sein muss kassieren wir sogar noch die Kirchenglocken ein. Alles nur eine Frage des Bedarfs “.
Ich schnaufte laut aus und schüttelte den Kopf. Roland sagte dann aber beschwichtigend:
„ Keine Sorge, wird schon werden! In einer Woche steigt die große Party an der Ruhr, danach könne wir uns immer noch überlegen wie es weiter gehen soll. Aber bevor wir uns hier noch länger den Kopf zerbrechen, was danach kommt, sollten wir uns erst mal auf die naheliegenden Probleme konzentrieren “.
Ich nickte und sah Lehmann an. Der dachte wohl ebenso. In 14 Tagen wäre die Sache entschieden und wer weiß was dann sein würde?
Mittlerweile waren wir kurz vorm Hof und damit am Ende unseres Fluges. Schon beim Anflug sah ich mehrere Güterzüge, Tieflader und Transporthubschrauber, die auf dem Verladeplatz in Überherrn und auf dem Hof standen. Anscheinend war dies der versprochene Nachschub aus Süddeutschland. Hauser hatte Wort gehalten. Wir landeten und begaben uns dann zur Laderampe. Klaus und Stephen standen dort herum und verteilten die Arbeit. Löw, Lehmann und ich gingen näher und bestaunten das neue Material. Es waren zwei nagelneue Transporthubschrauber NH-90 und neun ältere CH-53. Außerdem sah ich fünf ebenfalls neue Tiger Kampfhubschrauber. Aber das war nur die zugeteilte Unterstützung, die eigentliche Verstärkung bestand aus 23 fabrikneuen Waffenträgern vom Typ Wiesel IIIb. Das Ding war ein Hammer. Der letzte Schrei aus Deutschlands Panzerfabriken. Das Vorgängermodell war schon gut zu gebrauchen, aber dieses Nachfolgemodell war ein echter Kracher. Die Bewaffnung war wesentlich stärker als vorher; auch die Zieloptik war verbessert worden.
Der Wiesel IIIb hatte einmal eine neue 20mm Maschinenkanone undeine TOW II als Bewaffnung. Beides war in einem ausfahrbaren „Turm“ zusammen mit den optischen Geräten untergebracht. Wie ein Periskop konnte dieser Turm ausgefahren werden. Im Fahrzeug selbst hatte man dann einen Bildschirm auf dem man sehen konnte was „oben“ passierte. Es war also möglich sich hinter einem Hügel oder einer Mauer zu verstecken und ganz vorsichtig die Gegend zu beobachten. Wenn dann ein Feind gesichtet wurde, Feuer frei. Entweder mit der Kanone oder der Rakete.
Einige Ausbilder und Einweiser waren mitgeliefert worden und wir unterhielten uns mit ihnen.
Der Chef hiess Hauptmann Gruner, sein Kollege war ein Maschinenbauingenieur aus Zuffenhausen. Sein Name war Schmitt. Von diesen beiden sollten wir jetzt im Eilverfahren lernen, wie man so einen Wiesel IIIb bedienen musste und was es zu beachten gab. Alle 23 Waffenträger wurden von ihren Transportfahrzeugen abgeladen und in die Fahrzeughalle zu den anderen Panzern gefahren.
In der Halle selbst wurde geschuftet was das Zeug hält.
Etwa zwei Dutzend Techniker und Mechaniker waren dabei alle Fahrzeuge umzubauen bzw. zu verladen. Neben einigen Panzern standen deren ausgebaute Motoren und Getriebe. Alles sollte gründlich überholt und aufgerüstet werden. Es wurde geschweißt, geschliffen und gehämmert, die Luft war geschwängert von Abgasen , dem Gestank von Arbeit, Diesel und verbranntem Metall. Was vor Ort nicht machbar war, sollte im alten Burbacher Eisenbahnwerk erledigt werden. Zum Beispiel der Umbau der sieben übrig gebliebenen Kampfpanzer. Der ganze Turm wurde dabei ausgebaut und durch einen Ausfahrbaren ersetzt. Als mir Hauptmann Gruner dies erzählte, konnte ich mir nur schwer vorstellen, dass man das alles innerhalb einer Woche schaffen würde.
Aber Gruner war da anderer Meinung:
„ Herr Major, wir arbeiten Tag und Nacht in Doppelschichten. Das Problem liegt eigentlich mehr in der Munitionsbereitstellung. Wir haben die Zusage, dass man uns alles direkt an die Ruhr nachliefern würde. Ansonst hätten wir nur für einen einzigen Schlag Munition mit. Aber es wird schon klappen. Die Produktion läuft ja auf vollen Touren“ .
„ Na schön, und was ist mit der Ausbildung. Innerhalb einer Woche, sollen wir hier alles auf die Reihe kriegen. Das kann ja heiter werden, nachher im Einsatz “.
„ Wir beginnen gleich mit der Einweisung, sie werden staunen, es ist kinderleicht. Dieses neue Waffensystem ist für uns ein riesen Sprung nach vorne. Ihre Soldaten werden keine Probleme haben; sie werden sehen. Es ist fast wie ein Computerspiel “.
„ Na ja, ihr Wort in Gottes Ohr. Haben sie mal so etwas wie ein Handbuch für mich. Ich würde mir gerne mal die Spezifikationen ansehen “.
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