Blossom Rydell - Marjorie & Lorraine

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Marjorie Coleman ist eine erfolgreiche Werbetexterin und arbeitet für eine der besten britischen Agenturen. Sie sieht blendend aus, ist intelligent und hat den gewissen Drive. Sie hat alles, zumindest scheint es so …
… denn sie hat eine Vergangenheit, deren dunkle Geister sie tagtäglich quälend verfolgen. Nacht für Nacht jagt sie nach Frauen, um ihre Lust zu befriedigen – aber mit jeder Eroberung fühlt sie sich zunehmend leerer.
Als die neue Abteilungsleiterin Lorraine Applewhite das Büro übernimmt, stellt Marjorie fest, wie sie langsam aber sicher den Boden unter den Füßen verliert. Sie fragt sich, ob ihr Boss nur eine weitere Eroberung werden würde oder tatsächlich eine Beziehung zwischen ihnen aufblühen könnte.
Doch dann erscheint Constanza auf der Bildfläche, eine Entwicklerin von ›Hightech‹-Spielzeug für Erwachsene, und sie macht sich Sorgen, ob die beiden mehr ineinander sehen, als sie ihrer Meinung nach sollten …

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»Nein, sie mag nicht was wir, sondern was und wie du schreibst.« Sie lächelte. »Sie hat sich dahingehend sehr eindeutig geäußert.«

»Jetzt sag' nur nicht, dass sie ausgerechnet nach mir gefragt hat.«

»Hat sie aber. Nach dir und keiner anderen.«

»Damit steigt der Druck.«

»Kommst du damit klar?«

Ich ließ ihre Frage unbeantwortet. »Um was handelt es sich bei der neuen Produktpalette?«

»Spielzeug für Erwachsene.«

»Da gibt es unendlich viel … Etwas Neues …?«

»› High-Tech ‹-Spielzeug für Frauen.«

»Was soll ich mir darunter vorstellen? … › High-Tech ‹ in einem Vibrator?«

Lorraine nickte.

»Cool.«

»› Remote Control ‹, › Bluetooth ‹ und › iPhone ‹-Konnektivität.«

»Gibt es schon Entwürfe?«

Ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen. »Ja, sogar schon erste Muster. Aber die sind nicht endgültig ausgefeilt.«

»› Dummies ‹ also?«

»Leider. Sie will natürlich nicht, dass schon vorzeitig etwas von ihrer Technologie durchsickert.«

»Verständlich. Undichte Stellen sind ja grundsätzlich ein Problem und der Spielzeug-Markt für Erwachsene ist ausgesprochen lukrativ«, grinste ich.

»Lass' bloß keines der Muster im Bus, der › Tube ‹ oder im Taxi liegen.«

»Um Gottes willen, nein. Glaubst du ernsthaft, ich würde das tun?«

Lorraine schwieg für einen langen Moment, während Ihr Blick zwischen meinem Textentwurf und meinem Gesicht hin und her wanderte.

Aus irgendeinem unbestimmten Grund, begann ich mich plötzlich unwohl zu fühlen.

»Ich möchte, dass du so schnell wie möglich damit anfängst, Marjorie«, sagte sie schließlich. »Und ich hoffe sehr, dass ich dir vollends vertrauen kann.«

»Das kannst du voll und ganz. Warum sollte …«

»Wenn die Produkte von jemand anderem gesehen werden … Du kannst dir sicher sein, dass derjenige die Designs direkt kopieren wird …«

»Wer soll sie denn sehen?«, fragte ich. »Sie waren bislang hier im Büro und bei mir zu Hause würden sie auch sicher sein.«

»Ich muss dich etwas fragen.« Sie schaute mir direkt in die Augen. »Könnte dir aber vielleicht ein bisschen peinlich sein, verstehst du?«

»Okay«, nickte ich ihr auffordernd zu. »Frag' nur.«

»Es ist aber schon sehr persönlich.« Sie hielt den Blick. »Wenn du meine Frage nicht zu meiner Zufriedenheit beantworten kannst, werde ich dich nicht an dem Projekt arbeiten lassen.«

»Lorraine ...«, setzte ich mit trockenem Mund an, derweil ich mich fragte, worauf in aller Welt sie gerade hinauswollte.

»Schläfst du mit anderen Frauen?« Sie lehnte sich auf ihrem Bürosessel zurück und ließ mich nicht für den Bruchteil einer Sekunde aus den Augen.

»Zur Hölle«, entfuhr es mir perplex. »Es war tatsächlich kein Scherz von dir, dass es sehr persönlich ist.«

»Ich muss das wissen«, beharrte sie.

»Warum? … Was hat das denn mit dem Projekt zu tun?«

»Wenn es so ist, könnten deine Gespielinnen die Entwürfe sehen, und das könnte unsere Agentur in arge Verlegenheit bringen.«

»Ah, okay. Verstehe«, erwiderte ich, als mir plötzlich die Gründe für ihre unangenehme Fragestellung klar wurden. Sie macht sich Sorge um Industriespionage, nicht um mein Sexualleben. »Ich, … ähm …«

»Du hast mir gestern einen Korb gegeben und mich glauben lassen, dass du dich letzte Nacht mit Mitgliedern deiner Familie getroffen hast. Aber heute Morgen hast du mich wissen lassen, du hättest den Abend bei Wein, Pralinen und einem › Chick-Flick ‹-Film mit einer Freundin verbracht ... Was stimmt denn nun?«

»Was, wenn ich mit jemandem zusammen gewesen wäre und nicht mit meiner Familie? Würdest du mir das abnehmen?«

»Wenn ich das Gefühl habe, ich kann dir nicht ganz vertrauen, dann …«

»Ich weiß. Alles streng geheim und vertraulich. Verstehe ich voll und ganz ... Aber wir haben letzte Nacht kein Spielzeug benutzt. Wir haben nur …« Meine Stimme verstummte, als mir bewusstwurde, dass ich ihr gerade eingestanden hatte, mit einer anderen Frau geschlafen zu haben.

Lorraine versteifte sich. »Gut. Ist angekommen.«

Ich seufzte. »Alles, was ich mit nach Hause nehme, bleibt unter Verschluss. Das habe ich immer so gehalten.« Ich hielt beschwörend drei Finger hoch, unsicher, ob die Geste gerade angebracht war oder nicht. »Großes Pfadfinderinnen-Ehrenwort.«

»Nun, ich denke, dass die Designs bei mir sicherer sind«, erklärte sie darauf. »Bedaure, Marjorie. Ich mag dich sehr. Das tue ich wirklich … Aber wir können uns in diesem Fall einfach keinen Patzer leisten.«

»Aber niemand würde die Muster zu Gesicht bekommen«, beharrte ich. »Nur du und ich.«

»Und die Frauen, mit denen du schläfst«, setzte sie nach.

»Nein, absolut nicht«, widersprach ich heftiger als gewollt. »Keine von ihnen würde …« Oh, fuck! Keine von denen? , schalt ich mich selbst. Jetzt habe ich ihr gegenüber auch noch zugegeben, promiskuitiv zu sein! Es überraschte mich nicht, dass sie direkt eine Braue anhob.

»Ich muss das noch einmal überdenken.«

»Bitte, schließe mich nicht aus. Ich kann die Muster wirklich unter Verschluss halten.«

Lorraine warf einen flüchtigen Blick auf ihre goldene Armbanduhr. »Wir sollten das später weiter besprechen. Ich habe noch ein paar Telefonate zu führen.«

»Bitte! Denk' darüber nach, ja?«

»Natürlich, das werde ich.« Sie schenkte mir ein Lächeln. »Du kannst jetzt gehen. Vielen Dank. Ich werde später mit dir sprechen.«

Als ich die Bürotür hinter mir schloss, war mein Geist eine wirbelnde Mischung aus Schmerz, Verärgerung, Traurigkeit und Sorge.

***

Kapitel 7

Es war bereits später Nachmittag und ich hatte alle meine wesentlichen Arbeiten beendet, als mich Lorraine erneut in ihr Büro rief.

»Also gut. Wir haben drei Optionen«, begann sie. »Erstens: Wir behalten alles hier im Büro und absolut nichts verlässt das Gebäude ...«

»Okay«, nickte ich. »Zweitens?«

»Zweitens: Ich vertraue fest darauf, dass du die Muster unter Verschluss hältst und lasse sie dich mit nach Hause nehmen …«

»Okay …«

»Oder drittens: Ich nehme sie mit nach Hause und du probierst sie bei mir aus.«

»Wie bitte? Ausprobieren …?« Ich schaute Lorraine ungläubig an. »Du … du meinst, ich soll … Ich soll das Spielzeug tatsächlich benutzen?«

»Nun, ich denke, das müsstest du doch, oder? … Ich meine, wenn du richtig für ein Produkt werben willst, dann solltest du genau wissen worüber du da schreibst, nicht wahr?«

»Hattest du nicht heute Morgen gesagt, dass es nur erste Design-Entwürfe und noch Dummies der späteren Produkte sind?«

»Vielleicht ...« Sie sah zur Seite.

»Oh, dann sind sie also sehr geheim.«

»Sie wurden als › top-secret ‹ klassifiziert.« Sie tippte sich vielsagend an einen Nasenflügel.

»Nun, dann ist es kein Wunder, dass du sie nicht aus deinen Augen lassen wolltest.« Ich dachte einen Moment über die genannten Optionen nach. »Unter diesen Umständen bleiben sie am besten bei dir. Ich will ja nicht, dass du dir die ganze Zeit über Sorgen machst.«

»Das müsste ich nicht, … wenn du mir hoch und heilig versicherst, dass du dich nicht wieder …«, sie zeichnete mit Zeige- und Mittelfinger Anführungszeichen in die Luft, »… mit irgendwelchen Familienmitgliedern triffst.«

»Ich, ... ähm, ... nein, das kann dir nicht versprechen.«

Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. »Dann machst du das also regelmäßig?«

»Ab und zu«, räumte ich ein. »Manchmal. Das hängt ganz davon ab, ob …«

»Von was? Etwa davon, wie geil du gerade bist?« Sie beobachtete mich genau, als ich über meine Antwort nachdachte.

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