Verglichen mit Referenzwerten aus den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts sind heute etwa 20% der 5- bis 7-jährigen und mehr als 40% der 10-jährigen Kinder übergewichtig. Knapp 40% der im Alter von 5-7 Jahren betroffenen Kinder und mehr als 60% der übergewichtigen 10-Jährigen bleiben übergewichtig bzw. "dick" und werden übergewichtige und häufig kranke Erwachsene. Die "Persistenz" des Übergewichtes ist bei übergewichtigen Kindern übergewichtiger Eltern besonders hoch.
Übergewicht ist das heute häufigste Ernährungs- und Gesundheitsproblem von Kindern und Jugendlichen. Im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen zeigen übergewichtige Kinder und Jugendliche bereits sehr häufig Risikofaktoren von chronischen Erkrankungen des Erwachsenenalters (z.B. hohe Cholesterinspiegel im Blut oder einen Bluthochdruck).
Im Vergleich zum Übergewicht ist das Untergewicht bei Kindern und Jugendlichen seltener. Bei normalem Körperwachstum bedeutet ein mäßiges Untergewicht noch kein erhöhtes gesundheitliches Risiko. Bei Heranwachsenden (besonders Mädchen) mit Zeichen einer Essstörung (regelmäßige Essensverweigerung, Diätverhalten, obsessive Aktivitäten, Fressanfälle, selbst herbeigeführtes Erbrechen, mit dem Untergewicht assoziiertes Ausbleiben der Regelblutung nach der Menarche) muss dringend die Hilfe eines Arztes gesucht werden.
Sind "Alternative Ernährungsformen" für Kinder und Jugendliche geeignet?
So genannte alternative Ernährungsformen können für Kinder und Jugendliche ein Risiko darstellen. Bei Lakto-Ovo-Vegetariern (Milch und Eier erlaubt) kann die Energieaufnahme für eine optimale Entwicklung und das Wachstum zu gering sein. Vegetarisch ernährte Kinder sind häufig etwas kleiner als Kinder, die tierische und pflanzliche Lebensmittel verzehren. Bei Lakto-Vegetariern (Milch erlaubt) wird regelhaft zu wenig Energie und Eisen aufgenommen. Bei strengen Vegetariern (sog. Veganer) können neben den Problemen in der Energie- und Eisenaufnahme auch andere Nährstoffe (Vitamin B12, Calcium, Jod, Vitamin D, Riboflavin und auch Eiweiß) in zu geringen (d.h. nicht bedarfsdeckenden) Mengen aufgenommen werden.
Wenn die Eltern auf eine konsequente Einhaltung der alternativen Ernährungsformen bestehen, werden eine regelmäßige Untersuchung und Ernährungsberatung der Kinder und Jugendlichen sowie auch deren Eltern durch einen Kinder- und Jugendarzt empfohlen.
Ernährungs- und Gesundheitsbildung - was kann die Familie und was sollte die Gesellschaft tun?
Ernährungs- und Gesundheitsbildung sind eine wesentliche Voraussetzung für die Gesundheit und Entwicklung unserer Kinder. In einer Welt des Überflusses ist ein ausreichendes Ernährungs- und Gesundheitsbewusstsein nicht selbstverständlich. Das Essverhalten auch unserer Kinder unterliegt vielfältigen inneren und äußeren Einflüssen. Lebensmittel sind heute im Überfluss vorhanden. Die sozialen "Strukturen" der Ernährung (z.B. regelmäßige Mahlzeiten im Kreise der Familie) und so auch die soziale Funktion der Mahlzeit gehen zunehmend verloren. An die Stelle der traditionellen "Strukturen" tritt heute eine Beliebigkeit, welche durch häufiges "Zwischendurch-" und "Außer-Haus-Essen" sowie den hohen Verzehr von Fertigprodukten gekennzeichnet ist.
Nur wenige Kinder erreichen unter diesen Lebensbedingungen die Empfehlungen der Fachgesellschaften für eine "gesunde Ernährung". Andererseits kann ein Teil der Kinder und Jugendlichen keine dieser Empfehlungen umsetzen. Ein ungünstiges Ernährungsmuster ist häufig assoziiert mit einer eher inaktiven und sitzenden Lebensweise (z.B. einem hohen Medienkonsum). So kommt es zu einer Häufung von gesundheitlichen Risiken. Für die Eltern bedeutet dies, dass sie der Ernährung und Gesundheit ihrer Kinder mehr Beachtung schenken sollten. Zur Prävention der Adipositas (=ausgeprägtes Übergewicht) müssen die Medienzeiten bei Kindern auf unter 1 Stunde pro Tag begrenzt werden.
Da heute bereits Kinder über nicht unerhebliche finanzielle Ressourcen verfügen, wird ihr Kaufverhalten gezielt durch Werbung und Medien beeinflusst (Schlagwort: "Big business at uncritical minds"). Eine Einschränkung der auf diese Zielgruppe bezogenen Werbung besteht z.B. in Schweden. Diese Maßnahme wird auch in Deutschland diskutiert. Der Erfolg ist aber nicht bekannt.
Kinder und Jugendliche geben ihr Geld vorrangig für Kleidung, Unterhaltung und Ernährung aus. Dabei ist ihre Auswahl an Lebensmitteln durchaus selektiv. Tabelle 6 zeigt, für welche Lebensmittel Kinder und Jugendliche heute Geld ausgeben. Tabelle 6: Wofür Kinder und Jugendliche ihr eigenes Geld ausgeben
Für welche Lebensmittel geben Kinder und Jugendliche ihr eigenes Geld aus? |
|
|
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Alter |
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Lebensmittel |
7-9 Jahre |
10-12 Jahre |
Bonbons Kaugummi Cola-Getränke Eis Salzgebäck Fast Food Cookies |
55% 39% 34% 33% 27% 16% 18% |
49% 43% 46% 39% 31% 25% 16% |
Quelle: siehe Anm. 6
Kinder und Jugendliche beeinflussen auch die Kaufentscheidung ihrer Eltern. Dieser Einfluss ist besonders bei "kleinen" Familien und älteren Eltern offensichtlich. Die Erziehung von Kindern und Jugendlichen sollte altersentsprechend Fragen und Auswege aufzeigen. Die Fragen lauten:
Trägt das Konsumangebot zu unserem physischen und sozialen Wohlbefinden bei?
Sind die Konsumangebote umwelt- und gesundheitsverträglich?
Behindern die Konsumangebote die persönliche Entwicklung?
Die Prävention von ernährungsabhängigen Problemen ist heute ein vorrangiges Ziel des Bildungs- und Gesundheitswesens. Ansätze zur Prävention umfassen:
die Familie: Zeit und Strukturen für gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsam Planen und Kochen, entspannte und harmonische Atmosphäre bei Tisch, regelmäßige körperliche Aktivitäten, "Medienzeiten" begrenzen;
Kindergarten und Schule: regelmäßige und mehr Sportstunden (Ziel: 4 pro Woche), bewegte Pausen, Ernährungs- und Gesundheitserziehung;
Kommunen und Städte: sichere Fuß- und Radwege, Spiel- und Sportstätten, Parks;
Marketing, Medien: keine Lebensmittelwerbung für Kinder und Jugendliche;
Politik: Public Health Kampagnen zur Kindergesundheit, bessere Bildungs- und Gesundheitspolitik, Einfluss der Interessengruppen begrenzen.
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