Zum Trinken sollten Kinder pasteurisierte Milch oder H-Milch erhalten. Rohmilch ist aus hygienischen Gründen für Kinder nicht geeignet.
Für Kinder aufgemachte Milchprodukte sowie milchhaltige Snacks (Milchschnitten, Milchriegel etc.) enthalten in der Regel einen hohen Zucker- und Fettanteil und sind wie Süßigkeiten zu betrachten. Als "Milchersatz" eignen sie sich nicht.
Fleisch, Fisch, Eier
Zwei- bis dreimal pro Woche Fleisch und Wurst, maximal zwei Eier und mindestens eine Seefischmahlzeit ergeben eine optimale Mischung. All diese Lebensmittel enthalten hochwertiges Eiweiß. Fleisch liefert außerdem Eisen in einer sehr gut verwertbaren Form und trägt wesentlich zur Versorgung mit Zink und mit B-Vitaminen bei. Häufigere Portionen an Fleisch oder Eiern würden zum einen den Anteil an unerwünschten Inhaltsstoffen erhöhen (Fett, Cholesterin, Purine), zum anderen zu einer Verdrängung der pflanzlichen Lebensmittel führen. Planen Sie etwa dreimal wöchentlich eine fleischfreie Mahlzeit. Statt Fleisch schmecken zum Hauptgericht auch Gemüse- oder Getreidebratlinge, Kartoffel- oder Nudelauflauf mit viel Gemüse, eine vegetarische Pizza oder auch eine Süßspeise.
Informationen zur BSE-Problematik finden Sie z. B. im Internet unter http://www.stmlf.bayern.de.
Seefisch ist - zusätzlich zu jodiertem Speisesalz - als Jodquelle unverzichtbar. Jodmangel ist auch bei Kindern noch immer nicht überwunden. Eine Seefischmahlzeit pro Woche könnte die Jodversorgung erheblich verbessern. Viele Kinder mögen Fisch sehr gerne gedünstet oder im Auflauf versteckt. Wenn es auch mal Fischstäbchen sein müssen: Nicht in der Pfanne braten, sondern ohne Fettzugabe bei ca. 200° C in den Backofen schieben!
Fette und Öle
Leider nehmen sowohl viele Kinder als auch Erwachsene zu viel Fett zu sich. "Verstecktes" Fett lässt sich einsparen, indem man fettarme Wurst- und Käsesorten verwendet und indem man Süßigkeiten, Kuchen und Snacks (z. B. Chips) in kleinen Mengen genießt. Doch auch Koch- und Streichfette sollten sparsamer eingesetzt werden. 25 bis 35 Gramm pro Tag für ein Kind sind angemessen. Das entspricht gerade drei Esslöffeln voll. Es muss nicht immer Butter oder Margarine aufs Brot: Bieten Sie den Kindern auch einmal einen "alternativen" Brotaufstrich z. B. aus Quark an!
Als Brotaufstrich eignen sich Butter oder eine Margarine mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren (Sonnenblumen-Margarine, Pflanzenmargarine, Reformmargarine). Zum Kochen oder Braten sollten überwiegend Pflanzenöle verwendet werden.
Tipps für Eltern mit wenig Zeit
Eine kindgemäße gesunde Ernährung lässt sich auch mit relativ geringem Zeitaufwand verwirklichen, wenn man einige Grundsätze beachtet:
Bevorzugen Sie beim Einkauf unverarbeitete oder wenig verarbeitete Lebensmittel, z. B. Vollkornbrot statt Weißbrot, Haferflocken statt gezuckerter Flakes, Fischfilet statt Fischfrikadellen, Fruchtsaft statt Limonade. Bei der Lebensmittelverarbeitung gehen Mineralstoffe, Vitamine und
Ballaststoffe verloren. Konserven und Fertigprodukte enthalten außerdem oft reichlich Zucker, Fett sowie Salz.
Wenn Sie nicht regelmäßig zum Einkaufen kommen, sind z. B. Tiefkühlware, H-Milch, Getreideflocken, Knäckebrot und Naturreis geeignete Vorräte, mit denen Sie schnell eine gesunde Mahlzeit servieren können.
Tiefkühlgemüse und -obst sparen Zeit und kosten oft kaum mehr als Frischware.
Ergänzen Sie Fertiggerichte oder belegte Brote durch einen Salat oder einfach durch rohes Gemüse wie Kohlrabistifte, Gurkenscheiben oder Tomatenspalten.
Ein Joghurt oder ein schnelles Milchmixgetränk wie Bananenmilch eignen sich als Nachtisch oder Zwischenmahlzeit. Sie sind "Kinder-Milchprodukten" wie Schoko-, Müsliriegeln oder Milchcremeschnitten vorzuziehen.
Machen Sie es sich zur Gewohnheit, Obst gleich nach dem Einkauf gründlich zu waschen und in einer Schale bereitzuhalten. So können alle Familienmitglieder schnell zugreifen.
Die kleine Mühe, statt Knabberware einen Teller mit Obstspalten oder Gemüsestiften auf den Tisch zu stellen, kostet nur wenige Minuten und lockt Kinder zum gesunden Genuss.
Wenn am Morgen wenig Zeit bleibt, ist es hilfreich, bereits am Vorabend den Frühstückstisch zu decken und die Brotzeitdosen für Kindergarten- oder Schulfrühstück bereit zu stellen.
Ein schnelles Morgenmüsli besteht aus einer (ungezuckerten) Müsli-Fertigmischung mit Milch. Das Obst dazu wird "aus der Hand" gegessen.
Gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche
Ernährung ist grundlegend für Gesundheit und Wohlbefinden. Essen und Trinken sind Grundbedürfnisse und lebensnotwendig. Ernährungsverhalten ist ein zentraler Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Es wird wesentlich in den ersten 10 Lebensjahren erlernt und gebildet. Frühzeitig im Leben erworbene Ernährungsrisiken (wie z.B. Übergewicht) haben einen nachhaltigen und nachteiligen Einfluss auf die Gesundheit im späteren Leben.
Ziele
Ziele der Ernährung im Kindes- und Jugendalter sind:
Sicherung von Wachstum und Entwicklung,
Vermeiden von Mangelzuständen,
Prävention von ernährungsabhängigen Erkrankungen (wie Stoffwechselkrankheiten, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen) und
in sehr seltenen Fällen auch die Behandlung von Krankheiten (z.B. angeborene Stoffwechselerkrankungen wie die Phenylketonurie).
Empfehlungen für eine "gesunde Ernährung"
Die heute gültigen Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen sind wissenschaftlich begründet und praktisch einfach umsetzbar.
Allgemeine Empfehlungen für die Ernährung im Kindes- und Jugendalter lauten:
in den ersten 4-6 Monaten ausschließlich stillen,
im 6-24. Monat sukzessives Einführen anderer Lebensmittel (ab dem 5.-7. Monat, ab dem 10. Monat Brot- und Milchmahlzeiten) und
ab dem 2. Lebensjahr „optimierte Mischkost,
Ist das Stillen aus medizinischen Gründen nicht möglich, werden Säuglingsanfangsnahrungen (für die ersten 4 bis 6 Monate als ausschließliche Ernährung) und Folgenahrung (nach 4 Monaten) verwendet. Es handelt sich hierbei um spezielle diätetische Lebensmittel. Ab dem 7. Monat reichen das Stillen oder die Säuglingsanfangsnahrung nicht aus, um den Bedarf an Energie und Nährstoffen zu decken. Deshalb muss spätestens jetzt die Beikost angeboten werden. Bei der Wahl der Beikost werden industrielle Zutaten (z.B. Salz, Zucker, Nüsse) beachtet. Bei den Getränken soll der Nitratgehalt des Trinkwassers weniger als 50mg und der Natriumgehalt des "Stillen Wassers" weniger als 20mg pro Liter betragen.
Für allergiegefährdete Säuglinge gibt es spezielle Produkte (sog. hypoallergene Säuglingsanfangsnahrung). In diesen Lebensmitteln sind möglicherweise allergen-wirksame Nahrungsbestandteile (in der Regel Eiweiße) hydrolysiert bzw. "vorgespalten". Diese Produkte sind auf dem Etikett mit "HA" gekennzeichnet. Für "Allergikerfamilien" gilt: Die frühe Exposition mit Fremdeiweiß (z.B. Kuhmilch, Ei, Fisch, Soja, Nüsse, Tomaten, Zitrusfrüchte) ist ein Risikofaktor für das Kind. Um das Immunsystem nicht zu überfordern, werden im 1. Lebensjahr viele ähnliche Lebensmittel verwendet.
Das Konzept der "Optimierten Mischkost" wurde vom Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung entwickelt (Anm. 1). Die Empfehlungen wurden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) übernommen (Anm. 2). Die "Optimierte Mischkost" berücksichtigt
die aktuellen Empfehlungen zur Nährstoffzufuhr für Energie, Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente und Wasser/ Flüssigkeit (Anm. 2),
die heute üblicherweise verzehrten Lebensmittel, Essensvorlieben und -abneigungen sowie auch den Preis,
die sozial etablierten Ernährungsgewohnheiten (3 Hauptmahlzeiten: 2 Brotmahlzeiten und 1 warme Mahlzeit; 2 Zwischenmahlzeiten: 1 Pausenbrot und 1 Nachmittagsmahlzeit) sowie
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