So sollten wir in unserem eigenen Interesse nie vergessen, dass der Gedanke des "Klimaschutzes" ein anthropozentrisches Konzept ist. Wenn wir es auf Kosten des Naturschutzes durchzusetzen versuchen, ist es zum Scheitern verurteilt. Dann können wir uns nur damit trösten, dass es – wenn auch vielleicht nicht für uns – auch ein Leben nach der Klimakatastrophe gibt. Schließlich sind wir selbst ebenfalls die Profiteure einer Klimakatastrophe: nämlich der Klimakatastrophe, die dem Leben der Dinosaurier auf diesem Planeten ein Ende bereitet hat.
Hätten die Dinosaurier auch nur annähernd so viel Energie auf die Erweiterung ihrer geistigen Kapazitäten wie auf die Ausdehnung ihrer Körpermasse verwandt, so hätten sicher auch sie alles Menschen-, sorry: Dinosauriermögliche für den Schutz des Klimas getan. In ihrem Fall hätte das wohl bedeutet, dass sie intensivste Anstrengungen unternommen hätten, um eine Kollision der Erde mit dem Asteroiden, der ihr Überleben auf dem Planeten unmöglich gemacht hat, zu verhindern.
Angenommen, den Dinosauriern wäre dies gelungen, so wäre das für sie natürlich eine tolle Sache gewesen. Die Menschen wären dann aber entweder gar nicht oder nur als Dinosaurierfutter in die Erdgeschichte eingetreten.
Als Mensch wird man einem solchen Szenario kaum etwas abgewinnen können. Vom Standpunkt der Natur aus betrachtet sieht die Sache allerdings schon ein wenig anders aus. Das Problem des menschengemachten Klimawandels gäbe es dann jedenfalls nicht. Und auch unzählige Tier- und Pflanzenarten, die der Gewinnsucht des Menschen zum Opfer gefallen sind, wären in diesem Fall nicht dem Untergang geweiht gewesen.
Beherrschung oder Bewahrung der Natur?
Mit christlichen Weltbildern, in denen der Mensch als "Krone der Schöpfung" fungiert, sind derartige Gedankenspiele natürlich inkompatibel. Auch ein Philosoph wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel hätte sie wohl indigniert zurückgewiesen. Schließlich kommt in seiner spekulativen Philosophie des Geistes dem Menschen ebenfalls eine Schlüsselrolle zu. Dieser fungiert hier als komplementäre Entsprechung zum in Natur und Geschichte wirkenden "objektiven Geist", der sich im "subjektiven Geist" des Menschen seiner selbst bewusst wird.
Derartige teleologische, auf den Menschen als notwendiges Ziel der Geschichte zulaufende Weltbilder können sich auf zwei sehr unterschiedliche Weisen auf unser Verhältnis zur Natur auswirken. Sie können einerseits, religiös gesprochen, dazu führen, dass wir uns unserer Verantwortung für das Kunstwerk der Schöpfung, für das Gott in unserem Geist einen einzigartigen Spiegel geschaffen hat, in besonderer Weise bewusst werden. Sie können andererseits aber auch eine Hybris begünstigen, durch die der Mensch sich nicht als Sachwalter, sondern als Beherrscher und Neuschöpfer der unvollkommenen Natur betrachtet.
Wenn wir diesen Planeten als einen für uns lebenswerten Ort erhalten wollen, sollten wir uns eher um die erstgenannte, demütigere Haltung bemühen. Denn die zweite, prometheisch-selbstherrliche Haltung ist exakt die, durch die wir den Klimawandel erst hervorgebracht haben.
Die Sauriernatur des menschlichen Geistes
Im Kern geht es nun darum, dass wir vor uns selbst, der Geschichte und/oder Gott beweisen, dass wir den Dinosauriern überlegen sind. Zwar dürfen wir wohl davon ausgehen, dass wir, was unsere geistigen Kapazitäten anbelangt, unseren ungelenken Vorfahren gegenüber im Vorteil sind. Allerdings nutzen wir unseren Geist nicht selten so, als wären wir selbst Dinosaurier: Wir machen alles platt, was uns in die Quere kommt, und wir verwechseln den Miniaturausschnitt der Welt, den wir in unserem begrenzten Blickfeld wahrnehmen können, mit dem Universum.
Hier muss sich dringend etwas ändern. Ansonsten wird womöglich in ein paar tausend Jahren eine andere Spezies in derselben Weise von unserer ganz persönlichen "Klimakatastrophe" profitieren, wie wir von der Klimakatastrophe der Dinosaurier profitiert haben. Und wenn dann in jener fernen Zukunft die Archäologen sich über die Trümmer unserer untergegangenen Kultur beugen, werden sie vielleicht exakt in unserem Versuch, "das" Klima auf Kosten der Natur schützen zu wollen, das Äquivalent zu dem unheilvollen Asteroiden sehen, der einst den Dinosauriern den Garaus gemacht hat.
Franz Marc: Rote Rehe (1912)
Tiere
Des Schlachthofs Rachen ein Verrat
sauber sirrend Fließbandwaffen
ein Schrei ein Ahnen jäh ein Straffen
Blut spuckend brav ein Automat
Rotoren richten monoton
ein Netz das Meer aus schwarzem Sand
Scheinwerfer lauern unerkannt
Hochsitze wie ein Götterthron
die Folter forschend zelebriert
stumpf ein Leben an der Leine
würgend Gift und Schutzgebärden
doch nie von Menschenhand berührt
der Rehblick des Instinktes Schreine
und die Dämmerung der Herden
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