Nik Schyra - Der Giraffengockel

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Hohenlohe- Franken der Landstrich im nördlichen Baden- Württemberg, das Land zwischen Kocher und Jagst, bietet die Kulisse für das Einsatzgebiet der Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna. Die beiden schwarzen Möpsinnen, die, gut versorgt von ihrem Hausschwein Roberta Sponti durch manchen skurrilen Mordfall an die Grenzen ihres kriminalistischen Spürsinns stossen. Aber sie dürften keine Möpsinnen sein…

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Nik Schyra wurde in Frankfurt/Main geboren. Seit 1979 lebt er in Hohenlohe- Franken.

Über die Fotografie kommt er zur Schriftstellerei. Mit den kriminalistischen Geschichten „Der Giraffengockel“ gibt er sein Debüt in diesem Fach.

Mit „Nik vor 12! Eine wöchentliche Sendung für und mit Frauen, die wissen, was die Stunde geschlagen hat“ bei Radio Sthörfunk, Schwäbisch- Hall, zeigt er eine andere Facette seiner vielseitigen Begabungen

Impressum

Copyright: © 2014 Nik Schyra

Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin,

www.epubli.de

ISBN 978-3-8442-7828-6

Mein tiefer Dank gilt meinen beiden wunderbaren schwarzen Möpsinnen Luzi und Bella. Ohne sie wäre mein Leben um sehr Vieles ärmer.

Frei nach Loriot: „ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“

Alisa Dürrhabe ich die phantastischen Illustrationen zu verdanken.

Meinen allerherzlichsten Dank dafür, liebe Alisa.

Der Trotzmops lebe!

Für Irmgard und Alina

Die Geschichten

1. Quittengelee

2. Anhäuser Mauer

3. Der Bunkerkönig

4. Der Giraffengockel

5. Der schöne Ludi

6. Das Teddyle

7. Toilettenpapier

Das sind Erzählungen. Sie erzählen die Wahrheit über Ereignisse, die so niemals stattgefunden haben. Alle Hunde und Personen sind ausnahmslos frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Hunden und Personen sind unbeabsichtigt und wären zufällig. Sollte sich jemand dennoch in der Rolle der Hunde oder der Menschen dieses Buches zu erkennen glauben, so irrt er. Vielleicht erkennt er sein Inneres, nicht sein Äußeres.

Die Handelnden

Hauptkommissarin

Luzi Buzi

Genannt das Krokodil

Die Meisterin der Beobachtung

Wird immer unterschätzt

Kommissarin

Bella Donna

Sprinterin gewinnt jede Verfolgungsjagd

Roberta Sponti

das Hausschwein

scherzhaft genannt die Kubanerin

und beste Köchin des gesamten Landkreises

Dr. Constanze Entlebucher

Gerichtsmedizinerin

eine echte Schönheit und ausgezeichnete Bloozbäckerin

Frau Staatsanwältin

Berger de Picare

Immer gestresst und genervt

Leo Bluthund

Polizeichef und Revierleiter

Der beste Kaffeekocher der Welt

Willi Rottweiler

Polizeiobermeister aus Schrozberg

Hobbykoch für große Mengen

Franz Schäferhund

Kollege von Willi Rottweiler

Quittengelee

Es war Sonntag, der 27. November. Einer jener Novembertage an denen oder welchen der Regen langsam in Schnee überzugehen scheint. Der Wind peitschte eiskalt die Schneeflocken mitsamt dem Regen über das Hohenloher Land. „Was für ein Sauwetter“, murmelte die Kommissarin Luzi Buzi, die auf dem Nachhauseweg von ihrem Büro im 19. Polizeirevier in Crailsheim war. Kommissarin Buzi eine schwarze Möpsin, die im Laufe ihrer langen Dienstjahre einige graue Haare in ihr tiefschwarzes Fell bekommen hatte, genoss es in bestimmten Kreisen das Krokodil genannt zu werden. Sie war eine Meisterin der Beobachtung, um dann im richtigen Moment mit scharfem Biss den Täter beim Kragen zu packen. Viele unterschätzten sie wegen ihres seltsamen Aussehens, sie war kleinwüchsig, wirkte etwas gedrungen, war jedoch durch und durch trainiert. Ein Muskelpaket von A – Z. Ihr zur Seite stand eine weitere schwarze noch recht junge Möpsin namens Bella Donna. Sie war bekannt für ihre schnellen Sprints und Spurts wenn es um Verfolgungsjagden ging. Bisher war ihr noch keiner der Ganoven entwischt. Sie besaß ebenfalls einen klaren Sachverstand und konnte sich, genau wie ihr großes Vorbild Kommissarin Buzi, bestens in den Täter hineinversetzen. Also denken wie ein Täter und ebenso handeln. Gerade bei einem Fluchtversuch, der für jeden Ausreißer garantiert mit der Festnahme endete.

Es gab noch eine dritte im Bunde. Roberta Sponti, das Hausschwein. Man nannte sie scherzhaft die „Kubanerin“ wegen ihres dunklen Teints. Ihre Mutter hatte sich in einer lauschigen Maiennacht mit dem schlimmsten und stärksten aller Keiler eingelassen, der je in den Wäldern von Hohenlohe sein Unwesen getrieben hatte. Viele behaupteten er sei ein Unhold erster Güte gewesen. Aber die Weiber die ihm begegnet waren, bekamen auch nach langer Zeit immer noch glasige Augen und seufzten mächtig tief, wenn von ihm die Rede war. Roberta hatte ihren Vater als einen liebevollen Keiler in Erinnerung, der sich aber dann nach Frankreich abgesetzt hatte, weil er sich in eine kleine zierliche Trüffelschweinfrau verliebt hatte. Ihre Mutter schwärmte immer noch von ihm mit den Worten, „so eine Sau, so eine wilde Sau und eine so starke Sau, ein Keiler wie kein zweiter“.

Als die Kommissarinnen Buzi und Bella Donna nachhause kamen rochen sie schon im Eingangsbereich ihres Hauses den herrlichen Duft von frisch aufgebrühtem Früchtetee,von Lebkuchen, Spekulatius und gerade erst gebackenen Weihnachtsplätzchen. Roberta Sponti war eine ausgezeichnete Köchin, die Kuchen und Torten in den schönsten Formen zustande brachte.

Da alle drei zusammen in einem schönen alten Häuschen in Crailsheim wohnten, freuten sie sich auf das Heimkommen um endlich diesen Abend gemütlich verbringen zu können. Frau Buzi rauchte wie gewöhnlich eine gute kubanische Zigarre. Die gab es nur in einem besonderen Laden in Crailsheim, nicht in New York, nicht in Paris oder London, nein nur in Crailsheim in der Farberstrasse. Es gab in diesem besonderen Laden nicht nur gute Zigarren sondern allerlei geheimnisvolle Dinge aus aller Welt.

Bella Donna, wie gewöhnlich ihre Pfeife rauchend, lehnte sich in ihrem Ohrensessel weit zurück und schaute Roberta Sponti zu, wie sie den Tee zelebrierte.

Was war das für ein schöner Sonntagabend, so in vertrautem Kreis, in einem gemütlichen warmen Wohnzimmer. Er lud förmlich dazu ein, ein kleines Kartenspielchen zu beginnen. Roberta schlug vor, doch wieder einmal Skat zu spielen. Nicht um Geld, sondern um den nächsten Abwasch. Luzi Buzi und Bella Donna verdrehten bei diesem Einsatz nur die Augen. War es nicht unter ihrer Würde solche niederen Hausarbeiten zu verrichten, wo sie doch mit schwerstkriminalistischen Fällen zu tun hatten? Die Spiellust war stärker und so ließen sich die beiden großen Kriminalistinnen schweren Herzens dazu überreden.

Roberta Sponti grinste insgeheim jedoch wie ein Honigkuchenpferd, da sie die beste Skatklopferin im Hause war. Die Karten waren schnell gemischt und ausgeteilt, „2-4-6 weg“ so lautete die Ansage. Frau Buzi strahlte. Sie hatte ein gutes Blatt und sagte überlegen „wir spielen Grandezza“ und fügte den Spruch hinzu: „bei Grand spielt man Ässe oder hält die Fresse“. Bella Donna meinte dazu nur lakonisch „Du könntest dir ruhig mal einen neuen Spruch dazu einfallen lassen, den hören wir jetzt schon seit bald dreißig Jahren“.

Buzi donnerte Kreuz-Ass mit einem breiten Grinsen auf den Tisch und sammelte anschließend den Stich mit einem arroganten „hhhmmmm“ ein. Die beiden anderen verstummten und warfen ihr nur verächtliche Blicke zu.

Da schrillte das Telefon. Ein Klingeln, das die Stille dieser Nacht in Fetzen riss, das sie alle zusammen zucken ließ. Es schien eine ewige Zeit zu verstreichen bis Kommissarin Buzi den Hörer abnahm und mit monotoner Stimme fragte: „Wer sthört?“ Die beiden anderen am Tisch konnten die Stimme am anderen Ende der Leitung hören, schrill und hysterisch. Kommissarin Buzi sagte mit leiser Stimme: „Ok, wir kommen“.

Sie warf die Karten auf den Tisch und murmelte, „da hat man schon mal ein gutes Blatt und dann kommt mitten in der Nacht eine Leich daher“.

Die beiden Kommissarinnen setzten sich in ihren alten anthrazitgrauen VW-Käfer Baujahr 1964, bei dem die Heizung nur spärlich funktionierte und fuhren in die Dunkelheit, nach Schrozberg, zum Tatort. Ein eiskalter starker Nord-Wind, verbunden mit einem wilden Schneetreiben begleitete sie. Anspielungen Bella Donnas auf den alten anthrazitgrauen Käfer und dessen Heizung prallten an Luzi Buzi ab, wie die Regentropfen auf dem hinteren pausbackigen leicht ramponierten Kotflügeln des in die Jahre gekommen Gefährts.

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