Nik Schyra - Der Giraffengockel
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Unbarmherzig riss der Wecker die Stille der Nacht in tausend Fetzen. Draußen war es noch stockdunkel und Buzi konnte es kaum fassen, das sie nicht träumte. Heute war der dritte Tag. Sie hoffte, die Sache heute weiter voran treiben zu können.
In Schrozberg in der „Blauen Gans“, herrschte schon geschäftiges Treiben. Einige Kollegen hatten Nachtschicht eingelegt. Sie hatten ein mögliches Bild des Täters entworfen. Buzi konnte nur bei der Körpergröße zustimmen., Alles andere war ihr zu gewagt und konnte leicht zu Irritationen führen. Den falschen Hund zu verhaften, war immer eine Problem, besonders für den zu unrecht Verdächtigten. Sie sah die Schlagzeile in der Presse „Polizei verhaftet den Falschen“ und sah dabei das hämische Grinsen der Reporter.
Gab es ein Geheimnis des Quittengelees und wenn ja, was könnte es sein? Die Kommission machte diese Frage zum Thema eines Brainstormings. Einer der Anwesenden wusste, wenn man beim Keltern von Apfelwein Quitten hinzu gibt, dann erhält der Apfelwein eine goldgelbe Farbe und verändert dezent seinen herben Geschmack. Daraufhin konterte einer der Anwesenden mit dem Spruch: „Trink Mouscht, dou kouschst!“ was alle zum Lachen brachte. Die Erkenntnis erhärtete sich, dass das Glas Quittengelee eine besondere Bedeutung haben musste, die sich sich ihnen noch nicht erschloss. Wahrscheinlich bestand er aus einer besonderen Rezeptur von Kleopatra. Die hatte sie sicher mit in den Tod genommen da sie kein geschriebenes Rezept gefunden hatten. Ohne diese Rezeptur zu kennen kamen sie nicht weiter.
Die erneuten Befragungen der anderen Hausbewohner ob sie jemanden gesehen hätten verliefen erfolglos. Beide Kommissarinnen fuhren wieder mit dem Käfer, dem treuen Gesellen, zurück nach Schrozberg in die „Blaue Gans“. Hier wurden die Anrufe entgegen genommen und ausgewertet, eine heiße Spur ergab sich immer noch nicht. Buzi stellte mit allen Anwesenden den Ist-Zustand fest und erweiterte die Suche nach dem Täter mehr auf Crailsheim, in der Hoffnung irgendeine Spur zu entdecken. Buzi war frustriert. Sie kamen nicht vorwärts, drehten sich irgendwie im Kreis. Sie hoffte ständig auf Kommissar Zufall, aber der schien gerade in der Karibik herum zu schiffen. Bella Donna jedoch war stets optimistisch Sie würden den entscheidenden Hinweis finden, da war sie sicher. Die Staatsanwältin nervte langsam. Sie wollte von Erfolgen hören und sehen, die es noch nicht gab. Es steuerte auf den Punkt zu, dass die Kommission aus der „Blauen Gans“ abgezogen werden sollte. Nach einer harten Woche ohne große Fortschritte war dies für alle Ermittelnden keine Überraschung mehr. Buzi bat die Staatsanwältin noch um ein paar Tage Aufschub, der dann auch genehmigt wurde. Bella Donna hatte bei ihren Recherchen eine uralte Bäuerin kennengelernt, die sie in die Geheimnisse der Marmeladenherstellung einwies und die so manche Anekdote über bestimmte Gelees zu erzählen wusste. Bloß als die Sprache auf Quittengelee kam schwieg sie. Alle Versuche sie zum Reden zu bringen waren für Bella Donna erfolglos. Sie hatte förmlich das Gefühl, die Bäuerin hätte dabei Angst um ihr Leben. Sie fuhr nach diesem Gespräch in die “Blaue Gans” zurück und berichtete ihrer Kollegin Buzi von diesem Gespräch. Buzi grunzte zufrieden und hoffte, nun endlich hinter das Geheimnis des Quittengelees zu kommen. Sie wollten am nächsten Tag zusammen zu der Bäuerin fahren um ihr vielleicht doch ein Geheimnis entlocken zu können. Bella Donna schlug vor sofort noch zu fahren, sie hätte ein ungutes Gefühl. Buzi jedoch beruhigte sie und meinte, das hätte doch Zeit bis Morgen. Für sie war klar, dass der Quittengelee endlich sein Geheimnis preisgeben würde.
Am nächsten Tag fuhren beide direkt mit ihrem treuen Käfer zum Haus der alten Bäuerin. Da auf Klopf- und Klingelzeichen nicht geöffnet wurde, drangen beide Kommissarinnen gewaltsam in das Haus ein und fanden die dreiundneunzig jährige Bäuerin tot in ihrem Bett liegend vor. Buzi war blass vor Schreck, weil sie nicht auf den Rat der Freundin gehört hatte. Die Spurensicherung rückte erneut mit ihrem ganzen Gefolge an und stellte das gesamte Anwesen total auf den Kopf. Es fanden sich alte Reifenspuren im Hof, die nicht brauchbar schienen. Als Todeszeitpunkt stellte die Ärztin die frühen Nachtstunden fest. Es gab keine Anzeichen von Gewalteinwirkung. Die Bäuerin war eines natürlichen Todes gestorben, Ursache Altersschwäche. Und man fand ihr Rezeptbuch und darin die Rezeptur für Quittengelee mit Hinweisen, dass man mit der Quitte besondere Rituale vollziehen musste, etwa bei Vollmond, um eine ganz besondere Wirkung erzielen zu können. Alleine dieser Hinweis begann den Fall in eine Phase der absoluten Hochspannung zu versetzen. Einige der Kollegen taten die Sache mit dem Vollmond als Humbug ab, Buzi entgegnete jedoch, dass gerade bei Vollmond Ebbe und Flut besonders stark wären und dies sei wissenschaftlich belegt. Darauf hin verstummte der Besserwisser.
Nur was bewirkte dieser Gelee, wenn man ihn aß? Bella Donna meinte lachend, vielleicht ewige Schönheit und Jugend oder vielleicht ist er als Potenzmittel für alle Hundemänner einsetzbar. Genau das musste es sein, Buzi pfiff durch die Zähne und klopfte ihrer erstaunten Kollegin auf die Schulter und meinte: „Schätzchen, du bist Klasse!“ Der Gelee bewirkte, richtig zubereitet, eines dieser genannten Dinge. Wer das genaue Rezept wusste konnte über Nacht zum reichsten Hund der Welt werden. Buzi war nun klar, dass der Mörder von der Gier des Geldes getrieben wurde. Wenn das kein Motiv für die Tat war. Er wollte sich mit Gewalt dieses Rezept aneignen um es selbst herstellen und vertreiben zu können, mit Blick auf den unsagbaren Reichtum der auf ihn zu kam. Nur woher wusste er davon, dass Kleopatra diese Rezeptur besaß? Das würde er ihnen im Verhör, so sie ihn erst hatten, selber sagen müssen. Es galt nun ihm eine Falle zu stellen in die er hinein plumpste. Keine leichte Aufgabe, denn er schien gerissen und sehr anpassungsfähig, ja beinahe unsichtbar zu sein. Die Kommissarinnen fuhren nach Hause und waren sich sicher, in den nächsten Tagen den Mordfall aufklären zu können. Roberta Sponti erwartete sie dieses Mal mit einem köstlichen Nudelauflauf und einem Schokoladepudding der das Prädikat exzellent oder die „Sünde pur“ verdiente.
Die beiden Kommissarinnen begannen, ein Täterprofil zu erstellen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war ihr Mörder, ein Geldgieriger, der dem Ruf des Goldes und des Geldes erlegen war und der in seiner maßlosen Gier auch nicht vor Mord zurück schreckte. Was sie wussten: Er war von kleiner Statur und hatte Hände wie Schraubstöcke, die, wenn sie zupackten nicht mehr zu öffnen waren. Das erklärte den Würgegriff aus einer unmöglichen Position heraus, nämlich von hinten unten. Das heimtückische an dieser Tat war der Überraschungsangriff von hinten auf sein wehrloses Opfer. Einen Angriff von vorne hätte die Katze jederzeit abwehren können, da sie über eine unglaubliche Gelenkigkeit und Reaktion verfügte. Ihr Mörder war also feige und raffiniert zugleich, da er sich seine Chancen zum Ziel zu gelangen ausmalen konnte. „Soweit, so gut“ sagte Luzi, „aber wir können nur vermuten, dass es so gewesen sein könnte“. „Es könnte auch ganz anders gewesen sein“, entgegnete Bella Donna. „Jetzt haben wir Vermutungen für den Tathergang angestellt, aber noch keine Idee, wie wir dem Mörder eine Falle stellen können. Lass uns weiter darüber nachdenken“, entgegnete Luzi. Es könne nur so laufen, dass der Täter auf eine erneute Spur mit dem Quittengelee angesetzt werden müsste. Nur stellte sich daraufhin die ganz große Frage, wie war er auf Kleopatra aufmerksam geworden? Was hatte sie ihm davon erzählt und warum? Bis jetzt gab es keine schriftliche Notiz für die besondere Zubereitung dieses speziellen Quittengelees. „Es muss sie aber geben“, murmelte Kommissarin Buzi, „das spürt man doch im Unterleib“ und schaute dabei Bella Donna streng über ihre Brillengläser an. Bella Donna sagte dazu nur, „soso“. Als geeignete Falle wählten sie sich das Bauernhaus der verstorbenen alten Bäuerin in Spielbach aus. Spielbach lag wunderschön in einer Bilderbuchlandschaft, aber zugegeben etwas abgelegen, es gab immerhin ein Gasthaus mit Fremdenzimmern! Für den, der die Ruhe suchte und brauchte, der ideale Urlaubsort. Die Menschen waren dort von einer fröhlichen Herzlichkeit wie man sie selten erlebt.
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