Nik Schyra - Der Giraffengockel
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Die Hoffnung von Kommissarin Buzi einen enttäuschten Liebhaber als Mörder entlarven zu können, bewahrheitete sich leider nicht. Es wäre ja auch zu schön gewesen, um wahr zu sein und so ein schnelles Ende des Falles zu erleben.
Die Begehung der Wohnung der Toten, durch die beiden Kommissarinnen, warf mehr Fragen auf als sie sich wünschen konnten. Die ganz normale Wohnung einer allein lebenden Katze. Sehr stilvoll, mit vielen kleinen Accessoires versehen, eine helle schnuckelige kleine Wohnung. Buzi versetzte sich in Kleopatras Lage und versuchte sich vorzustellen, wie es sich in so einer schönen Wohnung leben lässt, wie und wo Kleopatra ihre Liebhaber empfangen hatte und mit ihnen spielte. Aber so sehr sie sich darüber den Kopf zerbrach, sie kam keinen Schritt weiter. Alleine der Eintritt in die Speisekammer ließ Buzi ein klein wenig ins Lächeln kommen, denn da gab es Selbstgemachtes: Marmelade, Gelees und große Einweckgläser mit sauren Gurken. Die Gläser waren fein säuberlich aufgereiht und mit Jahreszahlen versehen. Was ihr dann noch auffiel, es gab auch Quittengelee, aber nur ein Glas. Von allen anderen Marmeladen und Gelees waren viel mehr Gläser vorhanden. Der ging es wie mir, Quittengelee hab ich in meiner Kindheit genug gegessen und jetzt brauche ich keinen mehr, denn ich weiß ja wie er schmeckt! Vielleicht hatte sie ihn ja auch geschenkt bekommen und ihn hier in die Speisekammer gestellt, dachte sie. Sie verließ die Speisekammer und wandte sich zu Bella Donna . Die hatte sich am Schreibtisch vor dem PC breit gemacht. Die Frage: „Und“ ? beantwortete die Kollegin mit einem: „nix und, und du“? es war schon etwas frustrierend für Buzi, so gar keinen Anhaltspunkt zu haben. Beide verließen die Wohnung und versiegelten die Eingangstüre.
Der Käfer sprang an und vermittelte mit seinem monotonen Boxergesang, dass auf ihn jederzeit Verlass war. Er würde immer wenn er gebraucht werden würde zur Verfügung stehen. Schließlich diente er doch zwei weltberühmten Kommissarinnen, von denen die eine nur „das Krokodil“ genannt wurde.
Buzi war hungrig und wollte in einer Metzgerei zwei LKWs (Leberkäsweckle) essen oder zumindest mitnehmen. Zielstrebig steuerte sie einen kleinen Supermarkt an, indem sich eine Metzgerei und ein Bäckerladen befanden. Buzi marschierte in die Metzgerei und Bella Donna zur Bäckerei. Die Verkäuferinnen strahlten als sie die beiden Kommissarinnen erkannten. Die Frage und wie läuft`s, habt ihr den Kerl schon, konnten beide jedoch nur mit einem Achselzucken beantworten, „Wenn das mal so leicht sein könnte“. Durch das Betreten der Einkaufstätte kam Buzi auf den genialen Gedanken, in ihrer Vorgehensweise zweigleisig zu fahren. Bis jetzt ermittelten beide zusammen auf einem Weg. Besser wäre es vielleicht, sich gedanklich zu trennen, um zur Klärung des Falles schneller voran zu kommen. Bella Donna war diesem Gedanken nicht abgeneigt und spielte schon im Geiste damit, der großen Kollegin um eine Nasenlänge voraus zu sein oder vielleicht sogar….?! Verwarf aber diesen Gedanken sofort, weil sie genau wusste wie schwer es war, auch nur einen Schritt weiter zu kommen. Denn sie hatte noch den Apell der Staatsanwältin im Ohr: „Bringen sie mir Fakten, Fakten, Fakten- und das möglichst sofort“
In der “Blauen Gans” in Schrozberg, herrschte geschäftiges Treiben, Telefone und Handys klingelten ununterbrochen, eine heiße Spur war weit und breit nicht in Sicht. Es wurde eine Belohnung von 25 000 € zur Ergreifung des Täters ausgesetzt, aber davon versprach man sich nichts.
Kommissarin Buzi überlegte in alle Richtungen. War es eine sehr lang geplante Tat oder ein im Affekt ausgeführten Mord? Lag der Schlüssel darin, dass Kleopatra etwas wusste, das ihr nicht bekommen war? Oder hatte sie den Neid von jemandem erregt und musste deshalb sterben? Aber was könnte das sein? Die Frau schien nicht wohlhabend zu sein. Sie besaß scheinbar auch keine Dinge, die einen Mord erklären konnten. Obwohl ein Mord ist immer irrational, bleibt folglich unberechenbar. Sie hatten es, soviel stand fest, mit einem gerissenen Mörder zu tun, der es verstand, alle Spuren seiner grausamen Tat zu verwischen. Dass es Spuren oder Hinweise geben musste, darüber waren sich alle einig. Nur welche waren es? Was hatten sie übersehen oder als achtlos betrachtet? Die Kommissarinnen fuhren erneut beide zum Fundort der Leiche. Der Täter musste bald und schnell gefunden werden. Die seltsame zur Schaustellung der Leiche verbunden mit der Tatsache Fundort ist nicht gleich Tatort gaben viele Rätsel auf. Bella Donna zog einen Radius von 30 km um Schrozberg um die Tätersuche auf dieses Gebiet zu konzentrieren. Sie war der festen Überzeugung, dass der Täter aus diesem Raum stamme, da er scheinbar gute Ortskenntnisse hatte. Da keiner eine bessere Idee hatte, stimmten letztlich alle dem Vorschlag zu, ohne von dessen Erfolg überzeugt zu sein. Einzig Bella Donna war der festen Überzeugung einen Volltreffer gelandet zu haben. Dies gab ihr Auftrieb und bestärkte sie. Kommissarin Buzi schmunzelte verschmitzt über diesen Erfolg ihrer jungen Kollegin. Sie hätte diesen Vorschlag sonst selbst gemacht.
Die Arbeitsgruppe fand mit akribischer Kleinarbeit heraus, mit wem Kleopatra alles in der letzten Zeit Kontakt hatte. Es waren viele Katzen, Kater und Hunde aller Rassen dabei. Aus den unterschiedlichsten Berufen und Ständen, vom Landwirt bis zum Hochschuldirektor. Auffällig oft stießen sie auf einen Namen: Lappi Rüterli, ein schweizer Labrador. Dieser Rüterli, so fand Buzi heraus, war bei einem großen Lebensmittelkonzern als Chemiker beschäftigt. Ein Anruf in seiner Firma war jedoch negativ. Herr Rüterli war schon seit ungefähr 14 Tagen nicht mehr im Betrieb gesehen worden. Man habe bereits die Kantonspolizei eingeschaltet. Bisher ohne Erfolg. Auf die Frage was Herr Rüterli mit Kleopatra zu tun gehabt haben könnte, wusste man dort keine Antwort oder wollte sie nicht geben. Buzi würde auf jeden Fall bis zur Aufklärung mit dem Konzern in Verbindung zu bleiben.
Mittlerweile schrieb die regionale Presse, dass der Mörder immer noch frei herum liefe und die Beamten sich ein wenig mehr bewegen könnten. Buzi ging dieses Geschreibsel gewaltig auf den Keks. Sie setzte sich ja Tag und Nacht mit diesem Fall auseinander. Sie hasste jegliche unfaire Kritik an sich und ihren Kollegen. Sie fuhr am gleichen Abend noch einmal in die Wohnung von Kleopatra. Irgend etwas mussten sie übersehen haben. Vor dem Haus lag ein Papiertaschentuch. Buzi hob es auf und steckte es in eine Tüte zur Überprüfung im Labor. Als sie vor der Wohnungstür stand, sah sie mit Entsetzen, dass das Siegel gebrochen und die Türe nur leicht angelehnt war. Instinktiv griff sie nach ihrer 38er Magnum. Sie schaltete das Licht ein. Vorsichtig betrat sie die Wohnung. Ihren scharfen Ohren entging nichts. So sehr sie sich auch anstrengte, es blieb totenstill. Sie verständigte gleich die Spurensicherung um eventuelle Spuren zu sichern. Vor der Speisekammer fanden die Experten einen kleinen kaum sichtbaren Fußabdruck. Offensichtlich hatte jemand versucht ihn wegzuwischen. Buzi jubelte auf. Nach den kleinen kräftigen Händen wusste man jetzt, dass der Mörder auch kleine Füße hatte. Somit konnten sie auf die Körpergröße des vermeintlichen Täters schließen. Alles in allem war man nun einen winzigen Schritt weiter gekommen. Die Erkenntnisse wurden streng geheim gehalten, um den Täter nicht zu warnen. Buzi fiel in letzter Sekunde auf, das das Glas mit dem Quittengelee verschwunden war. Schweizer Lebensmittelkonzern und Quittengelee, dazu ein verschwundener Mitarbeiter Rüterli- irgendwie konnte das zusammenhängen. Nur Wie, Was und Warum. Mit dieser Frage die nach einer Lösung drängte fuhren beide Kommissarinnen wieder nach Crailsheim zurück. Roberta Sponti erwartete sie schon mit einem leckeren Abendessen. Nach dem Essen rauchte Buzi ihre Havanna und Bella Donna ihr Pfeifchen. Sie dachten angestrengt darüber nach, was es mit dem Quittengelee auf sich haben könnte. Sie kamen jedoch zu keinem Ergebnis.
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