Nik Schyra - Der Giraffengockel

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Hohenlohe- Franken der Landstrich im nördlichen Baden- Württemberg, das Land zwischen Kocher und Jagst, bietet die Kulisse für das Einsatzgebiet der Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna. Die beiden schwarzen Möpsinnen, die, gut versorgt von ihrem Hausschwein Roberta Sponti durch manchen skurrilen Mordfall an die Grenzen ihres kriminalistischen Spürsinns stossen. Aber sie dürften keine Möpsinnen sein…

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Am Tatort angekommen bot sich Ihnen ein schauriges Bild. Der Fundort der Leiche war weiträumig, mit rot weißen Bändern von den uniformierten Kollegen abgesperrt. Die Szene wurde durch mächtige Strahler der Feuerwehr in gleißendes Licht verwandelt. Der Tatort lag an einer Wegkreuzung, dicht an einer Fichtenschonung. Jeder der hier vorbei kam musste unausweichlich die Leiche sofort sehen. Die Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna schälten sich schwerfällig aus ihrem Käfer. Buzi murmelte nur: „Scheißwetter, Sauwetter, da jagt man doch keinen Hund vor die Türe“ und trat in die tiefste Matschpfütze des Hohenloher Universums. Lauthals schimpfte sie: „auch noch gefüllte“. Bella Donna sagte nur leise: „Mach die Glubschaugen auf, denn schließlich bist du gefahren und nicht ich“.

Ein großer dicker schon etwas älterer Polizist trat schnellen Schrittes auf sie zu und begrüßte beide mit kurzen knappen Worten: „So sieht man sich also mal wieder“. Er führte sie zur Leiche. Da hing sie nun, eine wunderschöne, getigerte Katze, mit weit aufgerissenen Augen, an einen dicken Buchenstamm gefesselt. Der Täter hatte ihr teilweise das Fell geschoren. Für beide Kommissarinnen ein fürchterlicher Anblick. Die Pathologin vom gerichtsmedizinischen Institut Frau Dr. Constanze Entlebucher aus Crailsheim erklärte dass der Fundort nicht der Tatort sei. Der Zeitpunkt des Todes könne höchstens sechs bis acht Stunden zurück liegen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sei das Opfer von hinten erwürgt worden, das zeigten die Male am Hals. Auffällig sei der Verlauf des Fingerabdrucks. Es sei davon auszugehen, dass der Täter kleiner als das Opfer war oder es von unten hinten her erwürgt worden sei. Genaueres ergäbe erst die Obduktion. Buzi äußerte die Vermutung es könnte auch ein Ritualmord gewesen sein. Gewisse Anzeichen deuteten darauf hin und man dürfe nichts außer Acht lassen. Die Frage, ob es nicht auch eine Täterin gewesen sein könne, beantwortete Frau Doktor Entlebucher nachdenklich mit: „Durchaus möglich“.

Kommissarin Buzi war jedesmal von der Schönheit dieser Gerichtsmedizinerin angetan. Sie verfügte außerdem über einen unglaublichen Charme und einen Blooz backen konnte sie- in den wollte man sich am liebsten hineinknien. Buzi und Frau Dr. Entlebucher mochten sich gut leiden und verabredeten sich erfolglos des Öfteren mal auf ein Bier. Na ja, irgendwann mal würde das sicher auch noch klappen. Davon waren sie beide überzeugt.

Bella Donna führte ihre Kollegin zu seltsamen Reifenspuren, die in dem Matsch zu sehen waren. Es waren nicht die üblichen Traktorspuren oder Spuren von Geländewagen. Sie waren viel schmaler. Buzi sagte mehr zu sich selber „sehen aus wie Spuren von einem Leiterwagen oder vielleicht von einem Fahrrad“. Der Polizeifotograf machte gleich darauf mehrere Fotos. Nachdem die Spurensicherung alles aufgenommen und gesichert hatte, was es an eventuellen Spuren gab, verabschiedeten sich die in weiße Plastikoveralls gekleideten Männer und meinten “die Woche fängt ja gut an. Also dann bis später“.

Nachdem die Leiche ins gerichtsmedizinische Institut nach Crailsheim abtransportiert worden war blieben nur noch wenige Personen am Fundort zurück, die beiden Kommissarinnen, zwei Uniformierte und zwei Feuerwehrleute. Buzi versuchte sich vorzustellen warum der Mörder die Tote gerade an dieser Stelle abgelegt hatte. Die Tote stammte nicht aus Schrozberg, soviel stand fest, denn keiner der ortsansässigen Feuerwehrmänner und Polizisten kannte sie.

Der Wind und das Schneetreiben nahmen an Heftigkeit zu und eine klamme ekelhafte Kälte bekroch alle Anwesenden. Jeder dachte nur, „nix wie weg hier, nachhause in die warme Stube oder gleich ins Bett“- außer Kommissarin Buzi. Sie suchte mit ihrem scharfen Mopsblick die Umgebung des Tatortes nochmals ab. Nur spärlich war in dem in dem Schneetreiben die Landstraße von der sie abgebogen waren zu erkennen, schemenhaft der kleine Weiler, mit seinen drei Bauernhöfen, die sich nahe zusammen geduckt hatten, um sich gegenseitig gegen diesen scharfen, kalten Novemberwind zu schützen. Buzi fiel das alte Volkslied ein, das Hohenlohe beschreibt „ ...wo der Wind nie schlafen geht!“ „ So ist es in sibirisch Hohenlohe“ murmelte sie vor sich hin. Nie war das besser zu spüren als in dieser Nacht.

Buzi und Bella Donna stiegen in den Käfer, nachdem klar war, dass der Fundort bewacht werden würde. Später bei Tageslicht würden sie ihn nochmals in Augenschein nehmen.

Beide Kommissarinnen schwiegen während der ganzen Fahrt von Schrozberg nach Crailsheim und hofften, dass der Käfer doch irgendwann anfinge ordentlich zu heizen, was sich jedoch als Trugschluss herausstellte.

Am nächsten Morgen bei der Pressekonferenz im 19. Revier in Crailsheim teilte die leitende Staatsanwältin Berger de Picare mit, dass eine Sonderkommission „Miezekatze“ in Schrozberg im Gasthaus „Zur blauen Gans“ eingerichtet worden sei, besetzt mit zehn Beamten. Die Kommissarinnen Luzi Buzi und Bella Donna seien mit der Leitung der Sonderkommission beauftragt. Sie erwarte, dass die Aufklärung dieses grausamen Mordes in ein paar Tagen erfolgt sei.

Die Kommissarinnen fuhren erneut mit einigen Männern und der Staatsanwältin zum Tatort. Das Wetter zeigte sich heute von seiner besten hohenlohischen Seite. Es war kalt, der Boden gefroren und mit leichten Schneeresten bedeckt, die der Wind, der immer noch sehr stark blies, nicht wegwehen konnte. Die Sonne schien stark und kräftig. Ein ideales Wanderwetter, dachte Buzi.

Per Handy ließ sich Buzi den genauen Todeszeitpunkt geben. Sie erfuhr, dass die Tote schon nicht mehr gelebt hatte, als der Mörder sie hier an diese Buche angebunden hatte. Ferner, dass die Handabdrücke am Hals der Toten von einer kräftigen, kleinen Männerhand stammen mussten. Unter den Krallen der Toten befanden sich Hautpartikel, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihrem Mörder stammten, als sie versuchte sich von der Umklammerung des Würgers zu befreien. DNA Spuren waren also vorhanden und könnten die Aufklärung vielleicht beschleunigen. Ein Vergleich mit in Frage kommenden Tätern, erwies sich jedoch vorerst als Sackgasse. Die Kommission begann routinemäßig ihre Arbeit.

Alle, die in unmittelbarer Umgebung des Tatortes wohnten wurden befragt. Aber keiner konnte irgendwelche brauchbaren Angaben machen.

Erst ein Bild der Toten in der Tageszeitung brachte Aufklärung, wer die Tote war und wo sie gelebt hatte. Es handelte sich um Kleopatra Kathäuser. Eine eher unauffällige, jedoch nicht minder wunderschöne Katze. Es stellte sich schnell heraus, dass die Tote ein sehr bewegtes Leben mit vielen Verehrern geführt hatte. Sie hatte genau Buch geführt, wann und wo sie sich mit ihnen traf. Ebenso schnell klar wurde es Kommissarin Buzi, dass die Lover nichts voneinander wussten. Jeder war der Überzeugung er sei der Einzige. Es waren Herren die allesamt verheiratet waren. Sie stellten keine weiteren Ansprüche, sondern wollten nur mit der schönen Kleopatra ihren Spaß haben. Einige davon legten dazu ihre Geschäftsreisen oder Termine so und waren heilfroh, sich ab und an mal aus der harten, realen, häuslichen, familiären Welt zurück ziehen zu können. Kleopatra war eine außergewöhnliche Liebhaberin die keine Männerwünsche offen ließ. Das bezeugten alle, die sie je erlebt hatten und den Mut hatten, dies zuzugeben. Die Befragung dieser Liebhaber war einfach, da Kleopatra alles fein säuberlich notiert hatte, mit Treffen, Telefonnummern privat und geschäftlich. Sozusagen als ihre Lebensversicherung, im Falle eines Falles. Der Speicheltest all dieser Männer verlief jedoch negativ. Manche Ehe jedoch stand danach vor dem Aus, da alle durch die Bank ihre Scheinheiligkeit gut zu verschleiern wussten und im trauten Heim erfolgreich den treuen, treusorgenden, seriösen Ehemann und Vater gespielt hatten.

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