"Darum heißt er Prinz Alf. Und ich heiße Prinz Gustav."
"Und?"
"Ich bin dein Mann und heiße Prinz!! Und Alf heißt auch Prinz!! Ich stehe doch nicht auf einer Stufe mit jemanden, der in den Wänden wohnt!!"
"Und darum weckst du mich mitten in der Nacht?! Ihr seid Prinzen, weil ich die verdammte Königin bin!!" zischte Emma.
"Und deine Mutter? Die heißt Queen Mum!! Nicht Prinzessin Mum!"
"Das wäre ja auch blöd, wenn sie Prinzessin Mum heißen würde! Die ist schließlich älter als ich!"
"Ich bin auch älter als du! Und immer noch Prinz!" empörte sich der Gemahl.
"Wie willst du denn heißen? Prince Mum?"
"Nein, König!"
"Prinz König?!"
"Nein, König Gustav!"
"Was willst du eigentlich noch?!" sagte die Königin schon reichlich verärgert und richtete sich im Bett auf, "du stehst in der Früh auf und hast Feierabend!"
"Wenn du so wild bist, fällt mir schon was ein!" sagte Gustav und entblößte nicht unbedingt königlich saubere Zähne.
"Nicht schon wieder!" stöhnte die Queen.
"Oh doch! Runter mit den Schlüpfern, du geile Schlampe!"
"So spricht man nicht mit einer Königin!" empörte sich die Königin.
"Okay. Runter mit den Schlüpfern, königliche Hoheit, du geile Schlampe!"
"Das ist schon besser!" sagte Emma zufrieden.
Doch als die Queen, um ihren heißblütigen Gatten zu beglücken, die Schlüpfer ausziehen wollte, stellte sie fest, dass sie gar keine trug. Ärgerlich stand die Queen auf und ging zu ihren Kleiderkästen, um Schlüpfer zu holen, die der Prinz dann von ihrem Körper reißen könnte. Doch als Emma ihre komplette Garderobe inspiziert hatte, schaute sie wütend auf Gustav der so gerne König sein wollte und meinte: "Meine Unterwäsche ist weg! Sogar die Stützstrümpfe!" Sie war nicht amüsiert.
Inspektor Watson hatte im bequemen Gästesessel des Innenminister Sir Roderick Platz genommen. Watson war nun schon seit 25 Jahren Inspektor, weil er mit einem Hofrat verwandt war. Nicht etwa wegen seiner kriminalistischen Begabungen.
Der schmächtige, aber eindrucksvolle Sir Roderick musterte Watson mit strengem Blick. Seine Augen verrieten Abscheu, aber Watson bekam davon nichts mit. Der Innenminister rieb sich den fast kahlen Kopf. Seine wohl proportionierte Nase stach aus seinem Gesicht hervor und warf einen Schatten auf sein ebenfalls imposantes Kinn.
"Watson, wie Sie wissen, feiert unser schönes und einwandfreies Königreich bald sein 600 Jahrjubiläum", begann Sir Roderick mit einem Hauch Resignation in der Stimme.
"Jawohl Sir!" versicherte Watson schnaufend. Der Gästesessel von Sir Roderick war gar nicht so bequem für ihn, mit Mühe hatte er seinen enormen Leib in den Stuhl hineingezwängt. Watsons Halbglatze schimmerte im Sonnenlicht. Der Schweiß auf seinen dicken Backen glänzte rötlich. Sein Doppelkinn war von mehreren Generationen Fett umgeben.
"Zu diesem Zweck haben wir unser gesamtes Sicherheitspersonal drauf angesetzt, die Feierlichkeiten zu überwachen. Nun gibt es aber einen heiklen Zwischenfall", erlärte Sir Roderick.
"Ein Zwischenfall, Sir?" fragte Watson.
"Einen äußerst heiklen. Es geht um die....", Roderick hielt inne und überlegte, wie er diesen äußerst delikaten Sachverhalt dem Inspektor am besten näher bringen könnte.
"Watson, haben Sie eine Großmutter?" sagte er schließlich.
Watson nickte.
"Sehr schön. Und Ihre Großmutter hat doch sicher eine gut sortierte Garderobe?"
Watson nickte abermals.
"Nun, ich weiß nicht, wie Ihre Großmutter dazu sagt, aber es geht um die Dinger, die Frauen ganz zu unterst anziehen."
"Ah, Schuhe", nickte Watson.
"Schuhe?" fragte Sir Roderick verwirrt.
"Schuhe", erklärte Watson, die ziehen Frauen ganz unten an. Wo die Füße sind."
"Ich werde vergessen, dass diese Unterhaltung je stattgefunden hat", dachte sich Sir Roderick. Sagen tat er: "Unterwäsche! Es geht um Unterwäsche! Höschen, Slips, Kompineschen, Reizwäsche, Stützstrümpfe, all so ein Zeug!"
"Warum soll meine Oma denn Unterwäsche an den Füßen tragen?" fragte Watson, "sie ist ja noch nicht verkalkt!"
"Ich wollte eine Überleitung schaffen", klagte Sir Roderick und rieb sich zögernd die Hände, "Sie wären doch sicherlich sehr ärgerlich, wenn Ihrer Oma jemand die Unterwäsche raubt, oder?"
"Meinen Sie direkt von ihrem Körper?" fragte Watson.
"Vergessen Sie's", sagte Sir Roderick genervt, "es wäre in jedem Fall keine schöne Sache, wenn jemand die Unterwäsche Ihrer Oma stiehlt. Noch viel schlimmer ist allerdings, wenn jemand unserer Königin die Unterwäsche raubt! Und genau das ist passiert!"
"Nein!" rief Watson und Tränen der Wut spritzten aus seinen Augen.
"Doch!" flüsterte Sir Roderick.
"Verbrecher! Wer ist zu so einer unfassbaren Schandtat fähig?!" rief Watson und seine Tränen spritzten nur so auf den Schreibtisch Sir Rodericks.
"Das sollen Sie herausfinden", erklärte Sir Roderick und wich vor Watsons Tränensturzbach zurück, "und zwar alles schön diskret. Die Sache darf nicht an die Öffentlichkeit kommen. Das würde die Grundlagen unseres Staates erschüttern."
"Sie können auf mich zählen, Sir", sagte Watson mit tränenerstickter Stimme, "ich werde nicht ruhen, bis das Schwein gefasst ist!"
Er ließ seinen Tränen freien Lauf und im Nu stand der Schreibtisch des Geheimdienstchefs unter Wasser.
"Haben Sie schon einen Verdacht?" fragte Sir Roderick und hatte Mühe, seine Schreibtischutensilien vor Watsons feuchter Trauer in Sicherheit zu bringen. Was für ein Synonym.
"Noch keine direkten", antwortete Watson, dachte jedoch an einen kleinen, gelben Mann.
"Verbinden Sie mich mit dem Wasserwerk", sagte Sir Roderick in sein Telefon, "ich brauche eine Pumpe!"
Zwei Herren standen in einem Zimmer des Königspalast. Der Ältere packte den Jüngeren mit dem prächtigem Haupthaar am Kragen. Ein dritter Herr befand sich in der Wand. Das Zimmer gehörte einem Dienstboten, es war schlicht und unspektakulär eingerichtet, mit einem Kasten, einem Tisch und einem Stuhl.
"Wissen Sie, was Sie angestellt haben?" fragte der erboste Prinz mit funkelnden Augen. Gustav sah besonders streng aus, er trug einen Militäranzug, sein Haar war exakt gescheitelt, sein Auge schmückte ein Monokel und seine Nase erinnerte an einen Geier.
"Ich habe gar nichts angestellt. Ich war krank", kam Louis' bestimmte Antwort aus seinem Munde.
"Lenken Sie nicht ab!" rief Prinz Gustav.
"Gib's ihm, Gustav!" kam Prinz Alfs Stimme aus der Wand.
"Nennt mich nicht Gustav! Ich bin der Prinz, verdammt!" antwortete Gustav.
"Ich bin auch Prinz!" vermeldete Prinz Alf gekränkt.
"Deswegen bist du noch lange nicht mir gleichwertig!" antwortete Prinz Gustav und musterte einen Punkt an der Wand, hinter dem er Alf vermutete, "immerhin hab ich die Königin geheiratet und du hast noch nicht mal gebumst!"
"Kann ich jetzt gehen?" fragte Louis.
"Woher willst du denn das wissen?" fragte Alf.
"Ganz einfach!" erklärte Gustav im Brustton der Überzeugung, "wenn Mitglieder der königlichen Familie sich wüst aufführen, dann steht das immer in der Zeitung. Und du lebst seit 30 Jahren in den Wänden!"
Dann wandte sich der Königinnengemahl wieder Louis zu.
"Ich gebe ja gerne zu, Sie haben formidables Haar. Aber weil Sie krank waren, sind jetzt die ganzen Höschen von meiner Frau geklaut! Und nächste Woche ist schon die 600-Jahr-Feier! Ja soll die alte Kuh da vielleicht ohne Höschen hingehen?!"
"Sie wollen einer alten Kuh ein Höschen anziehen?" fragte Louis.
"Papperlapapp! Ich meine doch meine Frau, die alte Kuh!" rief Gustav empört.
"Hätten Sie halt eine Vertretung engagiert für die Sicherheit! Geld genug habts ihr ja!" sagte Louis.
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