„Ich“, piepste Anka leise. „Wenn es mein Traummann wäre, würde ich auf ihn warten.“
„Ich war ihr Traummann, sagte sie jedenfalls immer. Iris wollte sich auch nicht damit abfinden, dass nun alles aus sein sollte. Ich machte noch direkt am Flughafen Schluss. Aber sie schrieb mir im Folgenden noch mindestens zehn Briefe, auf die sie natürlich keine Antwort erhielt.“
„Da warst du echt rigoros, was? Sie kommt doch sicher bald wieder, oder? Meinst du nicht, dass dann vielleicht alles von vorn beginnen könnte?“
„Im August ist sie wieder da. Aber ich hoffe, dass sie begriffen hat, dass es vorbei ist. Die Beziehung wieder aufnehmen, ist wie mehrmals aufgewärmtes Essen, das irgendwann fade schmeckt.“
„Naja, ist ja deine Sache, wenn du das so siehst.“
„So, jetzt bist du dran. Wann warst du zum ersten Mal richtig verliebt?“
„Mit Vierzehn in meinen Mathe-Lehrer...“ Als er die Augen verdrehte, lachte sie. „Nein, so war’s nicht. Meine erste Liebe war eine Art Schicksalsbegegnung. Ich war in der Volkshochschule bei einem Französisch-Kurs. Als der Unterricht an diesem Abend vorbei war, wollte ich mit meinem Fahrrad nach Hause fahren.
Aber ich stellte fest, dass mir einer die Kette kaputtgemacht hatte, damit ich den Heimweg zu Fuß antreten musste.
Ich war am Fluchen, da kam Marco aus dem Haus. Ich war seit der ersten Stunde in dem Kurs schon ziemlich in ihn verknallt. Als er sah, was los war, bot er mir an, mich nach Hause zu begleiten. Ich wusste, wer meine Kette kaputtgemacht hatte - es war einer aus er der Klasse über mir gewesen, der mit mir gehen wollte. Aber ich mochte ihn nicht, was ich ihm auch direkt ins Gesicht sagte, als er mit seinen plumpen Anmachen echt das Nerven anfing. So, dann auf dem Nachhauseweg erzählte ich Marco davon. Ich regte mich darüber auf, warum ein Mensch nur so anmaßend und Besitz ergreifend sein konnte. Marco versprach, mich von nun an immer nach dem Kurs heimzubegleiten. Ich habe ihn irgendwann mal zum Essen eingeladen, weil wir uns so super verstanden und ich mich bei ihm bedanken wollte. Wir gingen in eine Pizzeria und genehmigten uns zusammen eine riesengroße Pizza. An diesem Abend küssten wir uns endlich zum ersten Mal. Ich war so happy, das glaubst du gar nicht.“
„Wart ihr lange zusammen?“
„Über ein Jahr. Aber dann habe ich eine Dummheit gemacht. Ich verknallte mich in einen Kumpel von Marco und machte Schluss, um mit dem anderen zu gehen. Ich habe viel zu spät erkannt, dass ich mit Marco viel besser gefahren wäre. Mein Stolz hat es nicht zugelassen, zu ihm hinzugehen und ihn um Verzeihung zu bitten. Außerdem hatte auch er inzwischen eine neue Freundin. Ich stand kurz vor meinem sechzehnten Geburtstag. Auf meiner Party habe ich den nächsten kennen gelernt, mit dem ich für ein paar Wochen zusammen war. Auch die Beziehungen danach dauerten nicht mehr als sechs, sieben Wochen. Bis ich jetzt Anfang Mai Guido kennen lernte.“
„Und wie hast du ihn kennen gelernt?“
„Ich war mit meiner Freundin Gitta im Fever . Ich sah den Typen und verliebte mich sofort unsterblich in ihn. Er sah umwerfend gut aus, so ein bisschen südländisch. Er erblickte mich, verlor keine Zeit, kam auf mich zu, forderte mich zum Tanzen auf und trennte sich nicht mehr von mir. Seit dem sind wir ein Paar.“
„Bist du glücklich mit ihm?“
„Ja, irgendwie schon. Er las mir von Anfang an jeden Wunsch von den Augen ab. Nur in letzter Zeit ist er manchmal ein bisschen mürrisch. Er hat wohl auf der Arbeit einige Probleme. Aber ich sehe das nicht so eng. Probleme hat ja jeder mal.“
„Ist er doll eifersüchtig?“
Sie lächelte vor sich hin. „Ich glaube schon, denn er ist sehr von sich eingenommen. Was er einmal hat, das will er auch besitzen. So geht es ihm wohl auch mit mir. Ich habe ihm allerdings auch noch nie Anlass zur Eifersucht gegeben.“
„Ist er der Mann, den du mal heiraten willst?“ wagte Dirk sich einen Schritt vor.
„Ich weiß nicht. Wir sind erst seit knapp zwei Monaten zusammen. Es ist noch zu früh, über solche Dinge jetzt schon zu entscheiden.“
„Anka?“ - „Ja.“ - „Wenn du mal mit irgendwas nicht klarkommst, dann komm ruhig zu mir.“
„Danke. Ich bin auch jederzeit für dich da, wenn was ist.“ Sie merkte, dass er plötzlich anfing zu grinsen. Da griff sie nach seinen Plüschtieren und bewarf ihn damit.
Er jammerte nur und beschwor sie, damit aufzuhören. Aber sie tat es nicht. Da robbte er zu ihr hin und griff nach ihren Armen, um sie festzuhalten. „Lass meine Plüschtiere aus dem Spiel, die armen Dinger haben dir nichts getan“, flehte er.
Aufgrund seines festen, jedoch schmerzfreien Griffes hörte sie abrupt mit dem Werfen auf. Sie hielt allerdings noch einen Plüschteddy in den Händen, streichelte ihn andächtig und flüsterte plötzlich gedankenverloren: „So einen hatte ich auch mal. Leider ist er mit verbrannt.“
Sie auf einmal so traurig zu sehen, tat ihm in der Seele weh. Er beschloss, etwas zu unternehmen.
Am nächsten Tag verschwand er von Anka unbemerkt für zwei Stunden aus der Villa.
Als er wiederkam, hatte er ein kleines verschnürtes Päckchen im Auto. Er überreichte es Anka jedoch erst, als sie es sich abends nach getaner Arbeit in seinem Zimmer noch ein bisschen gemütlich machten.
Anka riss das Paket auf und holte den schönsten Plüschteddy aus der Verpackung, den sie je gesehen hatte. Vor Freude kamen ihr die Tränen. In einem Anflug von Sentimentalität und Dank fiel sie Dirk um den Hals.
Er war glücklich, ihr mit diesem Geschenk eine solche Freude gemacht zu haben. Dann nahm er jedoch sanft ihre Arme von seinem Hals herunter und meinte lächelnd: „Ist doch nur ein mit Schaumstoff vollgestopftes Plüschtier.“
* * *
Mit dem Tapetekratzen waren die Mädchen noch eine ganze Woche beschäftigt. Sie schafften am Tag fast ein ganzes Zimmer.
Zum Schluss kamen die heruntergeholten Reste in große Müllsäcke, die sie später allesamt entsorgen wollten, wenn kein grober Müll mehr anfiel.
An diesem Samstagmorgen war Anka bereits fix und fertig angezogen und wollte wieder mit zur Villa fahren, als das Telefon klingelte.
Dirks Mutter rief in den Korridor: „Anka, für dich!“
Das Mädchen seufzte. Wer konnte das sein? Sie erfuhr es, als sie den Hörer nahm und sich meldete.
Guido. „Hallo, mein Schatz. Ich wollte mal nachhaken, ob du mich noch kennst und dich fragen, ob du heute Abend wieder mit in die Disco kommst.“
„Ja, ich komme mit. Holst du mich ab?“
„Okay, ich komme gegen Neun. Dann können wir ja vorher wieder was essen gehen.“
„Gut, bis dann.“ Sie legte auf und ging hinaus zu Dirk, der bereits in seinem Wagen saß und auf sie wartete. „Wer war’s denn?“ fragte er neugierig, als er den Motor anließ.
„Guido“, antwortete sie kurz und knapp.
Dirk ging nicht weiter drauf ein.
Heute wollten sie vormittags erst schnell in den Baumarkt, um einige Besorgungen zu machen. Sie suchten auch gleich Tapete für sein Zimmer aus und trafen lustigerweise denselben Geschmack. Als sie die Baumarkttour hinter sich hatten, fuhren sie auf direktem Weg zur Villa.
* * *
Mittags aßen sie zu Hause. Danach ging es zurück in die Villa. Fleißig arbeiteten sie weiter.
Anka und Dirk tapezierten sein zukünftiges Zimmer. Allerdings hatten sie nicht genug Kleister. Also ging es noch einmal flugs zum Baumarkt. Glücklicherweise hatten sie es noch rechtzeitig vor Ladenschluss bemerkt.
Danach fuhren sie zurück zur Villa.
Am Spätnachmittag tranken alle fünf in der Villa gemütlich zusammen Kaffee und aßen selbst gebackenen Kuchen.
Dies taten sie auf der Terrasse, die sich hinter dem Haus befand. Sie schauten auf den verwilderten Garten und malten sich aus, was sie damit alles anstellen würden. Aufgrund der Hitze einigten sie sich schließlich darauf, dass sie einen großen Swimmingpool anlegen wollten, um dann immer nach Lust und Laune darin baden und auch mal die eine oder andere wilde Pool-Party feiern zu können.
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