Miguel Peromingo - Fastenzeit

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Als Kind war Jorge der Star seiner eigenen Fantasie-Fernseh-Show, die er hingebungsvoll für ein imaginäres Publikum zusammenschnitt und mit seiner Lieblingsmusik untermalte. So konnte er am besten vergessen, dass seine liebestolle Mutter, ihn regelmäßig ins Treppenhaus verbannte und dass Kai-Uwe auf dem Schulhof seine Schikanen an ihm vollzog. Heute ist Jorge auch ein Star. In der Entwicklungsbranche fliegt er um die Welt und umgibt sich mit Hotelluxus und egozentrischem, zynischem Glamour – bis er die geheimnisvolle Katarina trifft und eine Wette mit ihr abschließt. Er wird sie nur wiedersehen, wenn er es schafft, sechs Wochen auf etwas zu verzichten, dass ihm sehr wichtig ist… Fastenzeit ist ein Bildungsroman, der zwischen Brüssel, London, Zagreb und Seoul spielt und vom magischen Realismus beeinflusst ist. Jorge ist ein moderner Bösewicht oder Antiheld. Seine «Fastenzeit» entpuppt sich als Reise zu sich selbst.

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***

Als Kai-Uwe mich damals zu Ende geschleift hatte und auf dem feuchten Asphalt liegen ließ, entstand in der Zuschauermenge ein kurzer Moment gesichtslosen Mitleids. Es war sehr still und keiner schien die Szene verlassen zu wollen. Ich kann nicht genau sagen, warum mir dieses letzte Detail im Gedächtnis geblieben ist, aber es nimmt in meiner Erinnerung fast genau den gleichen Raum ein wie das Geräusch des Straßenbelags, als meine Hose ihn abrieb.

Mit meiner Mutter habe ich heute vor allem deswegen regelmäßigen Kontakt, weil sie mich immer dann auf meiner Festnetznummer anruft, wenn ich gerade nicht damit rechne. Ich bekomme sehr viele Anrufe, weil ich nicht geize, meine verschiedenen Telefonnummern und E-Mail-Adressen zu verteilen. Ich kann es mir von daher gar nicht leisten, das Telefon nicht abzuheben. Und wie man die Rufnummernübertragung einstellt, habe ich nicht herausgefunden. Eine Gebrauchsanleitung lese ich mir jedenfalls nicht durch. Als ich sie neulich wieder aus Versehen an der Strippe hatte, kündigte sie ihre baldige Ankunft in Brüssel an. Sie hatte einen Billigflug von London-Gatwick nach Brüssel-Zaventem gebucht. Einfach so. Eine spontane Idee, wie sie in den Hörer trällerte. Die Stimme meiner Mutter klang so, als würde ein Vogel auf einem kahlen Baum nach langem Warten den Frühling kommen sehen. Ihre brillante Ankündigung, mich besuchen zu kommen, ließ das Blut in meinen Adern gefrieren.

„Ich habe wenig Zeit“, sagte ich kalt.

„Ja, ja ... Das weiß ich doch, mein Junge. Ich werde auch ganz bestimmt nicht lang bleiben. Hab dich doch so ewig lang nicht gesehen. Ich kann mich gar nicht mehr richtig erinnern ...“

„Vielleicht besser ein anderes Mal.“

„Jetzt mach aber mal halblang. Ich bin immerhin deine Mutter.“

„Ist das so? Und was hat das eine mit dem anderen zu tun?“, versuchte ich die Stimmung noch weiter herunter zu kühlen.

„Red nicht so einen unglaublichen Stuss daher“, lachte sie. „Komm mich am Flughafen abholen. Okay? Ich weiß gar nicht, wo du wohnst. Schreibst mir ja nie. Und verpenn mir nicht. Hörst du? Der Flug ist sehr sehr früh. Leider ... es gab keinen anderen. Und es war ein Sonderangebot.“ Dann hat sie aufgelegt.

***

Es ist tatsächlich verdammt früh. Ich schlendere durch einen verregneten Spätsommermorgen, die Nächte beginnen sich hartnäckiger zu halten und ich kann den Wagen der Müllabfuhr durch die engen Straßen fahren hören. Das spärliche Licht spiegelt sich in den Wasserlachen des nächtlichen Regenfalls. Das Einzige, das ich in Charlottes Kühlschrank finden konnte, als ich mich eben davongestohlen habe, war ein abgelaufener Joghurt. Ich habe aber sowieso keinen Hunger. Meine Finger riechen nach Sushi und mein Hemd ist ein wenig verschwitzt. Wenn man den Sex hinter sich hat, ist es nicht mehr so wichtig, wie frisch geduscht zu riechen. Einige Frauen mögen ja sogar den Eigengeruch, der, sagen wir, daraus entstehen kann, dass man den Bauch voll mit eingetrocknetem Sperma hat. In der Regel vermeide ich es aber, eine solche Nähe überhaupt erst entstehen zu lassen. Dieses Exemplar Frau hier hat sowieso noch tief und fest geschlafen und vermutlich von japanischen Massagen geträumt.

***

Es mag komisch klingen, aber ich habe keinerlei Lust, meine Mutter zwei Tage bei mir zu beherbergen. Trotzdem erscheint es mir falsch, einfach nicht an den Flughafen zu fahren. Ich steige also vor La Bourse in ein Taxi, das sofort wie der Teufel persönlich den Boulevard Anspach Richtung Gare du Nord hochrast. Falsche Richtung, ich will zum Flughafen. Macht nix, wenn der kleine Maghrebiner mich unbedingt um zwei Euro bescheißen will, kann er sie gerne bekommen. Wahrscheinlich gebe ich ihm noch Trinkgeld oben drauf.

***

Beziehungsweise gebe ich ihm am Ende sogar noch viel mehr, weil er mich jetzt nämlich auch noch vom Flughafen zurück in die Stadt fährt. Ich habe ihn in weiser Voraussicht in der Haltebucht warten lassen, in der man nicht so lange stehen darf, weil dann selbst die müden Aufpasser nicht die Augen vor der Verkehrswidrigkeit verschließen können. Ich habe es kommen sehen. Es ist jetzt doch darauf hinausgelaufen, dass ich sie nicht abhole.

Ich habe meine Mutter eben aus meinem sicheren Versteck durch den Sicherheitsbereich trotten sehen. Sie sieht gar nicht älter aus und trägt immer noch hohe Schuhe, in denen sie nicht recht laufen kann. In ihrem Gesicht habe ich zu erkennen geglaubt, dass sie damit rechnete, ich würde nicht kommen. Und so ist es ja jetzt auch gelaufen.

Andy Warhol hat seine slowakischen Eltern auch mal am Flughafen sitzen lassen, weil er nicht mit hinterwäldlerischen Kartoffelbauern in Verbindung gebracht werden wollte. Seiner Factory hat das keinen Abbruch getan. Was die Varholas ihrem Andrej sonst noch angetan hatten, kann ich nicht einschätzen. Er mag aber, abgesehen von der Unvereinbarkeit von Ruhm und Herkunft, gute Gründe gehabt haben, sie nicht in New York zu hofieren.

Für mich gilt ab dem Moment, an dem ich das Schuhgeklapper meiner Mutter in der Ankunftshalle hinter mir gelassen habe, dass ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauche.

Sie ließ mich als Kind unzählige Male im Treppenhaus sitzen. Warum? Weil sie regelmäßig Männerbesuch empfing und ein Kind nicht gut ins Bild der Femme fatale für Arme passte. Alleinstehende Mütter bekommen keine Sektflaschen geschenkt oder stundenlang den Rücken gestreichelt. Ich saß also mindestens einmal die Woche auf dem obersten Treppenabsatz, ein Stockwerk über unserer Wohnungstür, damit mich die Kerle nicht sehen und nicht hören konnten. Und ich wartete, bis sie mit dem jeweiligen Kandidaten fertig war. Das mit dem Rückenstreicheln hat sie mir damals immer erzählt, wenn ich fragte, was sie mit den Männern eigentlich tat. „Da kann ich mich so schön entspannen“, sagte sie zu mir. „Kinder spielen gerne und Erwachsene streicheln sich den Rücken.“ Das Stöhnen, das ich aus der Wohnung hörte, hielt ich jahrelang für das Geräusch, das der Rücken meiner Mutter von sich gab, wenn er sich entspannte. Noch heute denke ich beim Sex manchmal daran.

Der Treppenabsatz, auf dem ich vor den Blicken der liebesfüßigen Herren und der gesamten Nachbarschaft sicher war, bot für 3,2,1-Klick jedenfalls keine interessante Kulisse und ich schaltete die Zuschauer deswegen in „Gesammelte Heldentaten“. Darin schlug ich beispielsweise die vermeintlichen Klassenbesten und Sportlichsten, die mir das nie nachtrugen, sondern anerkennend auf die Schulter klopften, knapp im Weitspringen oder im Wettlauf.

In diesem Treppenhaus habe ich gelernt, welche Prioritäten meine Mutter in ihrem Leben hatte. Sie zog stark parfümierte, wortkarge Männer, deren Gesicht ich nie gesehen habe, allem anderen vor. Heute hat sie einen Eindruck davon gewonnen, wie die Prioritäten bei mir liegen. Das kann so schlimm nicht sein.

An Sonntagen aktivierte 3,2,1-Klick meine Show bereits sehr früh. Ich löste das Gummiband in meinem Bett, das mich nachts vorm Herausfallen bewahren sollte, sprang auf und ging zum Zimmerspiegel. Ich schaute aufreizend hinein und stellte mir vor, wie mich eine große Gruppe von Zuschauern hübsch und interessant finden würde. Wenn ich meinen Kopf schräg legte und meine Lippen ganz leicht öffnete, sah ich unwiderstehlich aus und das entging natürlich der wachsenden Fangemeinde meiner Show, insbesondere der weiblichen, nicht.

„3,2,1... klick“, sagte ich dann zu mir selbst, wenn mein Blick im Spiegel perfekt war. Das gelang an Sonntagen besonders gut und ganz besonders gut an denen, wo Kai-Uwe und Reinhard ganz gehörig die Fresse poliert bekommen würden.

Sonntags gingen meine Mutter und ich immer in die Kirche. Das war in Wirklichkeit so langweilig, dass man es ohne Fantasiespiele sowieso nicht ausgehalten hätte. Die wenigen Male, die ich über den Gottesdienst, so wie er wirklich war, mit seinen Schäfchengedichten, den klimpernden, unterwürfigen Messdienern und schließlich dem Höhepunkt, dem schwerfälligen Gang zum Altar, um die heilige, selbstklebende Hostie in Empfang zu nehmen, nachdachte, senkte sich eine kalte Schwermut auf mich, die ich nicht eine Minute zu tolerieren bereit war.

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