Ich blicke in das Gesicht von zwei Krankenschwestern. Ich bin schweißgebadet.
"Sind Sie wach?", fragt eine der Schwestern besorgt.
Es ist hell vor dem Fenster.
"Muss wohl eingeschlafen sein", murmele ich.
"Sie haben geschrien. Wir waren drei Türen weiter beschäftigt."
"Tut mir leid."
"Geht es Ihnen wieder gut? Können wir etwas für Sie tun?"
Ich schüttele langsam den Kopf.
Eine der beiden legt mir eine Hand auf die Schulter. Mit der anderen deutet sie auf den Klingelknopf.
"Rufen Sie uns, wenn Sie was brauchen."
Immer noch leicht besorgt verlassen sie mein Zimmer.
* * *
Meine Entlassung geht reibungslos vonstatten.
Mit einem Taxi fahre ich zum Amt für letzte medizinische Untersuchungen, wo ich meinen Wagen abgestellt habe.
‚Habe ich dort einen Computer repariert?', frage ich mich. Ganz ist die Erinnerung noch nicht zurück.
Ich lehne mich in die Polster zurück.
Das Taxi kommt im Samstagsverkehr nur langsam voran. Mein Auge juckt. Dieser Arzt, wie hieß er noch, Haller, Halder? Der Name Halder erinnert mich an etwas, aber ich kann es nicht greifen. Wie ein Echo höre ich ihn in meinem Kopf. Dann ist der Gedanke wieder weg. ‚Naja, ist auch egal, wie der Arzt heißt.', denke ich.
Ich steige aus dem Taxi.
Das Gebäude gefällt mir nicht. Aber glücklicherweise habe ich hier wenig zu tun.
"Guten Morgen, Herr Schader", begrüßt mich ein freundlicher Mann in einem schwarzen Anzug. Ich kenne ihn sehr gut. Minister Gröll.
"Guten Morgen, Herr Minister."
Ich taste in der Tasche nach den Wagenschlüsseln. Sie sind weg.
"Suchen Sie Ihren Autoschlüssel? Ich habe ihn für Sie aufbewahrt. Er ist Ihnen wohl gestern runtergefallen und Sie haben es nicht bemerkt, wie?"
Er gibt mir meine Schlüssel.
"Danke, Herr Minister. Gibt es heute für mich noch etwas zu tun?"
"Heute nicht, aber Sie kommen doch morgen zu mir nach Hause, wie abgemacht?"
‚Ach ja, er will mich ja einigen Leuten vorstellen', denke ich.
"Natürlich, Herr Minister."
"Das freut mich sehr. Es wird auch nicht zu Ihrem Schaden sein."
Wieder juckt mein Auge.
"Ich fahre dann nach Hause", sage ich.
Der Minister verabschiedet sich.
"Ja, bevor Ihre Frau ungeduldig wird. Und Ihre Kleine, nicht? Wie heißt sie doch gleich?"
"Bettina", sage ich und trete auf meinen Wagen zu, einen sehr alten Mercedes.
"Grüßen Sie Ihre Frau von mir!", ruft mir der Minister noch zu.
"Werde ich tun", sage ich.
Ich schließe die Wagentür auf. Das Handschuhfach steht offen. Ich schließe es schnell, ziehe die Tür zu. Eine Minute sitze ich einfach nur da und streiche gedankenverloren über das Armaturenbrett und das Lenkrad.
Dann starte ich den Motor. Verärgert stelle ich fest, dass ich vergessen habe, zu tanken.
‚Hoffe, ich schaff das noch!', denke ich und fahre los.
* * *
Ich liege in einem Krankenhausbett. Neben mir sitzt ein Mann, an den ich mich zuerst nicht erinnern kann.
"Ich lasse Sie mit Ihrem Besuch allein, Herr Hagen." Die Schwester verlässt das Ein-Bett-Zimmer.
"Wie geht's Ihnen, Pilot?"
Die Erinnerung kehrt zurück. Dieser Mann war der Schiffsführer der Space-Explorer. Wir sind abgestürzt.
"Ich weiß nicht recht", sage ich verwirrt.
Er drückt aufmunternd meine Schulter.
"Wir beide haben Glück gehabt. Ich bin komplett unverletzt, bis auf einen gebrochenen Arm und eine Verletzung im Nacken. Aber das haben sie hier schnell wieder hingekriegt. Sie haben gute Arbeit geleistet."
"Aber das Schiff ist beschädigt", sage ich. "Man wird mich zur Verantwortung ziehen."
"Wird man nicht. WENN dann wird man mich zur Verantwortung ziehen. Aber auch das wird nicht geschehen. Wir sehen uns wieder, Herr Hagen. Erholen Sie sich gut."
Mit diesen Worten verlässt der Schiffsführer den Raum.
* * *
Ich schaffe es. Gerade noch so. Vor der Zapfsäule, man nennt die Dinger noch so, wobei die Geräte zum Schnelladen der Elektrizität für den Motor keine Ähnlichkeit mehr mit ihnen aufweisen, setzt der Motor aus und der Mercedes bleibt mit einem Ruck stehen.
Ich steige aus und schließe die Buchse an, drücke auf den Ladeknopf. Zwanzig Sekunden vergehen, dann erscheint auf dem Display, das an der Ladestation angebracht ist: Bitte Ihre Kontokarte einführen.
Ich stecke die Regierungskarte in den Schlitz.
Die Anzeige wird grün, und der Ladevorgang beginnt.
Wieder erscheint eine Schrift auf dem Display. Ihr Wagen ist nun wieder fahrbereit. Tippen Sie Ihre Kennzahl ein. Der Tankvorgang ist dann abgeschlossen, und der Betrag von 0.00 wird von Ihrem Konto abgebucht werden.
Ich tippe die Identifikationsnummer ein. Ganz automatisch, aus dem Kopf.
Ein letztes Mal meldet das Display: Vielen Dank. Wir wünschen noch einen angenehmen Tag.
Ich verstaue meine Karte und setze mich wieder hinter das Steuer.
‚Dieser Wagen gefällt mir', denke ich. Aber warum "dieser Wagen"? Es ist doch mein Fahrzeug, oder nicht?
Ich fahre rasch nach Hause.
Meine Frau Sara begrüßt mich stürmisch. Ein langer Kuss.
"Die Kleine schläft", sagt sie.
"Dann haben wir Zeit für uns, Schatz", sage ich und spüre, wie meine Hose sich bereits spannt. Wir betreten unser Haus. Wir küssen uns die ganze Zeit auf dem Weg ins Schlafzimmer. Vor der Tür bleibt sie stehen, sie stellt sich mit dem Rücken an die Tür, zieht mich an sich und fährt mit dem Gesäß an der Tür auf und ab.
Wieder ein Erinnerungsblitz. Warme Farben, der Türsteher. Dann ist der Gedanke verschwunden.
Sie öffnet die Tür, und in einer Minute sind wir nackt und fallen übereinander her.
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