Diese Geschichten fesseln Millionen Leser. Wolfgang Hohlbeins Feuerwerk der Fantasie blendet die Leser in den Märchenmond-Welten mit vielen überraschenden Einfällen. Es reicht nicht, den jeweiligen Plot zu lesen, aber er vermittelt doch die Route der Helden und die Form der Spannungsbögen, die von einem Geheimnis zum nächsten, von einem Kampf zum anderen, von einem Rätsel zum folgenden die Leser mitnehmen in paradiesische und höllische Welten, die so anders sind als die draußen vor der Haustür.
In “Märchenmonds Erben” kehrt Kim in ein sehr verändertes Märchenmond-Land zurück. Dessen Bewohner glauben nicht mehr an die Träume und Magie und zwischen den Generationen ist ein erbitterter Kampf entbrannt. Kim bittet Themistokles um Hilfe, doch der Zauberer hat seine Kräfte in eine Glaskugel gebannt, die verloren gegangen ist. Die Suche nach dieser Glaskugel wird für Kim und seine Gefährten zu einem Wettlauf mit der Zeit, denn ohne die magischen Kräfte wird Märchenmond sterben. Dass das nicht geschehen darf, weiß auch “Die Zauberin von Märchenmond”. Ausgerechnet im langweiligen Crailsfelden – dem Schauplatz, in dem sich auch Vlad mit seiner „Wolf-Gäng“ aufhält (eine Buchreihe, auf die hier später eingegangen wird) - muss Rebekka mit ihren Eltern Urlaub machen. Aber dann öffnet sie in einem alten verfallenen Haus eine Tür. Rebekka gerät in eine magische Welt: Märchenmond. Das Reich der Träume und Legenden hat sich schon wieder verändert. Überall herrschen Düsternis und Verfall: Gorywynn, die gläserne Hauptstadt, scheint ausgestorben. Bei ihrer verzweifelten Suche nach dem Rückweg trifft Rebekka auf den Gräuel, ein geheimnisvolles Zwergenwesen, das eine schreckliche Nachricht für sie hat: Der Untergang Märchenmonds steht bevor - und nur sie kann es retten. Und sie tut es. So kann parallel dazu ein neues Märchenmond-Universum entstehen.
Die Märchenmond-Kinderbuchreihe “Drachenthal” umfasst fünf Bände. Sie spielen alle sowohl in dem durchaus irdischen Internat Drachenthal, als auch in dem etwas verrückten Gegenstück auf Märchenmond.
“Eltern sind schrecklich!” Das meint Rebekka im ersten Band “Die Entdeckung”, als sie erfährt, dass sie ins Internat muss. Doch kaum ist sie in Schloss Drachenthal angekommen, traut sie ihren Augen nicht: Elfen flitzen zwischen den Blumen herum, ein Einhorn galoppiert durch den Schulwald und dann ist da noch der geheimnisvolle Peer, den außer ihr niemand sehen kann. Hat das alles vielleicht mit dem Internat Märchenmond zu tun, von dem Rebekka träumt und mit dem alten Magier Themistokles? Als Rebekka versucht, das Geheimnis um Schloss Drachenthal zu lösen, beginnt das fantastische Abenteuer, in dem Themistokles einen Haufen rabaukenhafter Drachen, Kobolde, Riesenspinnen und anderer Absonderlichkeiten unterrichtet. Rebekka, die zwischen beiden Welten hin und her irrt, gerät von der einen unglaublichen Situation in die nächste.
In “Das Labyrinth” ist Rebekka schließlich überzeugt: “Märchenmond gibt es wirklich”. Sie kennt ja Peer Andermatt, der vor langer Zeit aus dieser Welt der Zauberer, Drachen und sprechenden Tiere verbannt wurde. Die Suche nach ihrem unglücklichen Freund führt Rebekka in die düsteren Kellergewölbe von Schloss Drachenthal. Als sie dort in die Falle ihrer Todfeindin Samantha tappt, scheint nur noch die graue Königin der Ratten helfen zu können. Doch die misstraut allen Menschen und plötzlich befindet sich Rebekka erneut auf einer fantastischen Reise zwischen den Welten.
In “Die Zauberkugel”, findet der fiese Drache Feuer heraus, dass die Zauberkugel des alten Magiers Themistokles mit Rebekkas Computer verbunden ist und fasst einen teuflischen Plan: Samantha, seine Verbündete, verseucht Rebekkas Computer mit einem Virus. Im Internat bricht daraufhin Chaos aus. Und es kommt noch schlimmer: Der Virus ergreift auch von Themistokles' Zauberkugel Besitz. Ein magischer Computervirus in einer magischen Welt erweist sich jedoch als lebensgefährlich und das nicht nur für die Bewohner Märchenmonds. Und so verzweigen sich die Abenteuer fast beliebig.
Aber nicht nur mit Serien, auch mit Einzeltiteln weitet sich das Märchenmond-Universum auch im neuen Jahrtausend aus: In "Silberhorn" aus dem Jahr 2009 zeigen die Hohlbeins, was einen quicklebendigen Fantasy-Klassiker ausmacht: kluger Humor. Wer die vielen witzigen Spitzen der Hohlbeins kennenlernen will, soll die ersten fünfzig Seiten dieses Romans lesen. Ein Schmunzeln jagt das andere. Es geht um die aufmüpfige 14jährige Samiha. Für sie fühlt es sich an wie ein Gefängnis, dabei ist sie nur in einem Internat gelandet. Aber in einem ganz besonderen: „Unicorn Heights“ ist ein Pferdeinternat und für Samiha die letzte Chance, ihren Schulabschluss zu schaffen. Doch bald kommt es zu unerklärlichen Ereignissen und als Samiha als Einzige erkennt, dass der Schimmelhengst Star in Wirklichkeit Silberhorn und das letzte Einhorn seiner Welt ist, steht sie vor dem größten Abenteuer ihres Lebens, in dem Themistokles dafür sorgt, dass nicht alles so schlimm wird, wie es sich anbahnt. Sogar der frühzeitige Tod geliebter Wesen hat hier einen tieferen Sinn.
In “Silberhorn” tauchen Figuren aus “Märchenmond” auf, doch der Schwerpunkt liegt auf der besonderen Erfahrung, Fantasy im Pferdemilieu anzusiedeln. Das geschieht selten genug und ist umso interessanter, als nicht nur Fantasy-Liebhaber, sondern auch Pferdenarren auf ihre Kosten kommen.
Aber auch in andere Richtungen wird das Märchenmond-Universum ergänzt, u.a. mit dem Buch “Das Märchen vom Märchenmond”, ein erstaunlich schmales, dafür umso prächtiger illustriertes Buch, das besonders Märchenmond-Kenner und vor allem auch Jungs erfreut, weil sich darin so viele Anspielungen auf Kim im Märchenmond-Universum befinden.
Zurück zu den Anfängen: Fast gleichzeitig mit “Märchenmond” erscheint bei Goldmann 1983 der erste Band des Enwor-Zyklus “Der wandernde Wald”. Damit beginnt Wolfgang Hohlbeins publizistische Großoffensive, denn Ende des Jahres folgen die Bände der Trilogie um den Stein der Macht “Die brennende Stadt”, “Das tote Land” und “Der steinerne Wolf”. Schon 1984 erscheint noch “Das schwarze Schiff”. Der Erscheinungsrhythmus dieser Bücher ist fast mit dem der Heftchenromane vergleichbar. Ebenfalls 1984 erscheint bei Franckh-Kosmos der Science Fiction Roman für Jugendliche “Nach dem großen Feuer”. Dies ist Wolfgang Hohlbeins erster Zeitreiseroman. Viele sollten folgen. Und auch für “Elfentanz”, dem “Märchenmond”-Nachfolger bei Ueberreuter, der das Lesevergnügen des Debüts noch übersteigt, lautet das Erscheinungsjahr 1984. “Elfentanz” ist jedoch keine Fortsetzung, sondern eine eher melancholische Geschichte über das Verhältnis des Volkes der Helder zum Adelsgeschlecht der Elben. Wie mit “Märchenmond” erreichen Heike und Wolfgang Hohlbein viele verschiedene Leserschichten und -alter, womit sie bereits Mitte der 80er Jahre die besondere All-Age-Tauglichkeit auch von deutschsprachiger Fantasy beweisen.
Zwei Jahre nach Erscheinen von “Märchenmond” wagt Wolfgang Hohlbein den Sprung ins kalte Wasser und wird freier Autor. Der Schritt ist ein Wagnis. Als mehrfacher Familienvater verlässt er die Sicherheit einer Festanstellung, eines geregelten Bürojobs, um Berufsschriftsteller zu werden. Wenn man heute Wolfgang Hohlbeins enorme Produktionskraft verstehen will, so liegt sie teilweise auch in dieser Zäsur begründet. Denn selbstverständlich haben alle Verwandten und Bekannten davon abgeraten. Aber Wolfgang Hohlbein schrieb ja schon nebenher erfolgreich. Allein innerhalb des Märchenmond-Jahres passierte sehr viel: Zahlreiche Heftromane, ein Fantasy-Taschenbuch bei Goldmann und die Märchenmond-Krönung - all dies lief parallel, also auch parallel neben Wolfgang Hohlbeins Arbeit als Kaufmann und Heike Hohlbeins Arbeit als Hausfrau und mehrfache Mutter.
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