Eberhard Schiel - Der Hafen meiner Träume

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In der alten Hansestadt Stralsund ist in den fünfziger Jahren auch die Zeit der «Halbstarken» angekommen, wenn auch in abgeschwächter Form und vom Staat argwöhnisch beobachtet, aber dennoch kaum übersehbar. Wir, die wir damals als Jugendliche Ernst genommen werden wollten, hatten andere Vorbilder als unsere Eltern, andere Vorstellungen vom Leben, von der Liebe und der Freiheit. Wir kippten alte, verstaubte Vorstellungen von Moral und Ethik einfach über Bord, damit die Erwachsenen provozierend. Wir gingen in Gruppen durch die Straßen, trafen uns auf dem Rummelplatz oder in der Milchbar, tanzten die neuen wilden Tänze, den Rock `Roll und den Twist, rauchten nicht mehr heimlich im Dunkeln, sondern an der nächsten Straßenecke, knutschten auf dem Bürgersteig ein Mädchen, trugen Röhrenjeans und schwarze Lederoljacken, Igelschnitt oder Schmalzlocke, hörten den aufpeitschenden Gesang von Bil Haley aus dem Kofferradio, gingen gesittet zur Schule und verwandelten uns in der Freizeit in Kopien der westlichen Idole. Wir waren eben noch jung, unerfahren, doch voller Hoffnung, dass es irgendwann mal wieder anders kommt. Wir, die Halbstarken vom Strelasund.

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Nach einem Tag ohne peinliche Befragungen, strengen Tadeln, und gehässigen Strafarbeiten gehe ich munter wieder zurück in das Bürgermeister-Viertel. Der ganze Weg verlief mitten durch die Natur. Weit und breit keine Ruinen zu sehen. Einfach herrlich, denn mit zunehmendem Alter schärft sich der Blick für das Schöne, das Erhabene und mitunter Unerreichbare. Mir fällt das Lernen nicht allzu schwer, wenn mich der Stoff interessiert, doch was mich in den Bann zieht, steht meistens nicht auf dem Lehrplan. Beispielsweise bei der Erdkunde. Mir wäre Völkerkunde lieber. Ich möchte erfahren, welche Traditionen andere Menschen aus ferneren Regionen pflegen, welche Geschichte sich hier oder dort abgespielt hat,, das ist mein Ding. Wie oft nehme ich im Bett, so kurz vor dem Einschlafen, noch den braunen Schulatlas zur Hand und rechne mit dem Lineal aus, wie weit es von Stralsund nach Caracas oder Melbourne ist, nach dem ich in der Schule erfahren hatte, wie viel Erdöltürme in Baku stehen. Das Sehen und Verlangen nach der großen weiten Welt läßt mich nie mehr los. Ich kaufe ein Buch nach dem anderen. Alles Reise-Literatur. Ich lese von den Indianern am Orinoco-Fluß, den Aborigines in Australien, von den schönen Tahiti-Mädchen von Papeete, dem alten indischen Fakir in Neu-Delhi, den Sherpas von Nepal, dem Wasserträger in Casablanca, von prachtvoll gekleideten Inderinnen aus Agra, und dem toten Elvis an seinem Grab. In nicht wenigen Büchern ist ein unsichtbarer roter Faden eingelegt worden. Der Autor, meist ein Diplomat oder Journalist, sucht nach einem Mitglied der verbotenen Kommunistischen Partei, er sucht und sucht, und endlich findet er den Genossen, der im Bürgerkrieg in Spanien gekämpft hat oder Che persönlich kannte, im äußersten Winkel des Landes. Handelt es sich um einen Bildband, wird das Elend, die Arbeitslosigkeit, die Drogensucht, mit Farbe angemalt und die Schönheiten des Landes in Grautönen gehalten. Aber man erfährt doch am roten Faden vorbei allerhand Wissenswertes über Sitten und Gebräuche dieser exotischen Völker. Diese private Erkundung ist allerdings mit Eile verbunden, die Bücher sind meistens schnell vergriffen, sie kosten auch ein paar Mark, der Unterricht in der Goethe-Mittelschule ist billiger zu haben. Also bleiben wir weiterhin in der Zeit der guten Preise, verharren wir im Alltag der sozialistischen Epoche, gehen wir nach Hause.

4. Kapitel: Originale

Für den Weg nach Hause hat man von der Schule aus zwei Möglichkeiten, entweder am Frankenteich entlang, oder aber den Frankendamm hoch und in die Franz-Wessel-Straße einlenken. Dort, an der Ecke zur Smiterlow-Straße, lebt ein Mann mittleren Alters, etwa vierzig Jahre alt, der stets am Fenster hängt, wenn ich dort lang gehe. Er ist immer sehr freundlich, doch ein bißchen merkwürdig. Er, den man Jule nennt, ist so friedfertig, daß selbst freche Jungens sich nicht trauen, ihn zu ärgern. Wir unterhalten uns mit ihm, so gut es eben funktioniert. Ich erzähle Jule über die Erlebnisse in der Schule, was wir gelernt haben, für welche Streiche es einen Tadel gab, daß unsere Mathe-Lehrerin ihre Monatsbinde verloren hat. Er lacht über jede Bemerkung, wackelt mit den Ohren, senkt seinen riesigen Kopf, stammelt etwas, was man nicht versteht. Vielleicht will sich Jule entschuldigen, weil er lacht wie ein heiteres Kind. Nach einer Weile wird sein Gesicht wieder ernster, er sieht uns nicht mehr, Jule ist geistig weggetreten. Sein mächtiges Haupt sinkt herab, es ist als wolle er weinen und kann es nicht. Die ganze Szene ist wie in einem Kasperle-Theater. Das Böse lauerte in der Schule, auf der Straße und bei Helmuts Vater, und “Jule” war das gute Kasperle, um den man bangt, daß ihm nichts Arges widerfährt, er uns noch möglichst lange am Fenster begrüßen möge, aber seine Tage sind gezählt.

In Stralsund gibt es noch eine stattliche Anzahl von echten Originalen, nur den einen, über den am meisten am Kamin geredet wird, habe ich nicht mehr kennengelernt. Trotzdem ist er immer noch gegenwärtig. Seine Kapricen wandern von Mund zu Mund, von Kneipe zu Kneipe, von einer Generation zur anderen. Mutter erzählt mir, der Robert Jesus hätte die Oberlippe bis über das Kinn ziehen können und die Oberlippe bis unter die Nase. Seine größten Auftritte hätte er auf dem Rummel, zwischen Kettenkarussells und Schießbuden, gehabt. Dort wäre sein Milieu gewesen. Dort habe er ein paar Pfennige verdient, um sie anschließend in Schnaps umzusetzen, denn er mochte den Alkohol gut leiden. Mutti sagt, so einer wie Robert Jesus hat ihr immer Leid getan, weil der Robert ein Mann ohne Gesicht gewesen wäre, aber ein Gesicht brauche man doch, weil darin das Leid und die Freude abzulesen sei, schlechthin die Seele eines Menschen. Aber der Robert machte seine Späße, damit die anderen, die mit dem Gesicht, sich über ihn freuten, denn sehen konnte der Robert. Er war nicht blind. Nur ein wenig verrückt. Außer der Norm. Die Erwachsenen nennen das Abnormität. Damit ging er auf die Bühne des Volkes, mitten unter die kleinen Leute. In der Kneipe des Gastwirts Hermann Dau tanzte Robert auf einem Bein, vertilgte eine Portion Fleisch wie ein Wolf, rauchte vier spendierte Zigaretten auf einmal, zeigte bereitwillig seine Narben am Kopf, die man ihm aus “Spaß” zugefügt, denn gewehrt hat sich der Robert nie. Sobald es Winter wurde, er keine Unterkunft fand, hat er einen Vorwand gefunden, um eingesperrt zu werden. So verlief sein Leben. Eine kleine Episode daraus ist inzwischen zur Legende geworden. Es soll an einem kalten Tag im Spätherbst gewesen sein, da in den Wulflam-Anlagen ein lebloser Körper gefunden worden sei. Man brachte ihn mit einer Schubkarre in die Poliklinik, und weiter zur Leichenhalle. Ein Arzt hätte in dem frisch angelieferten Toten seinen alten Patienten Robert Jesus erkannt. Der Pathologe wäre nicht verwundert gewesen ihn hier anzutreffen. Er hätte gemurmelt, ach Robert, irgendwie habe ich schon auf Dich gewartet. Der Robert hätte die vertraute Stimme gehört, wäre aufgestanden und sei, nur mit dem Leichentuch bekleidet, durch die Stadt zum nächsten Blumenladen gelaufen, um sich eine kleine Freude zur eben erfolgten Auferstehung zu machen. Manche wollen noch im Schlaf mitunter seinen Ruf vernommen haben, Jesus ist auferstanden!

Alle anderen Käuze aus Stralsund gehören zur Gegenwart. In der Regel kennt man nur ihren Vornamen oder den Spitznamen. In der Frankenstraße wohnt Flaschen-Erich. Dabei sieht man ihn nie an einer Flaschen-Annahmestelle, dann schon eher am Hafen, wo er den Leuten im Gedrängel beruhigend zuruft, Ji kümm`n all mit. Ji kümm`n all mit. So verrückt, wie es klingt, ist das aber gar nicht, was er da sagt. In der Tat passen wir alle auf den Altefähr-Dampfer rauf, wir kommen wirklich alle mit, aber wenn die Kette vor dem Anlegesteg ausgehakt wird, entsteht jedes Mal ein Gerangel um die besten Plätze. Der Erich mit der ständig triefenden Nase, ein Mann, der einfach zum lebenden Inventar des Hafens gerechnet werden muß.

Da ist da noch ein Mann, den wir “Tempo” rufen. Er läuft auf und ab durch die Ossenreyer-Straße. Immer in Eile. Sein Äußeres läßt auf einen verkrachten oder abgestürzten Künstler schließen. Tempo hat lockiges, schwarzes Haar, rötliche Wangen, rot geschminkte Lippen. Er trägt einen hell gestreiften Anzug, dazu Lackschuhe. Auf dem Kopf ein kecker Strohhut, und in der Hand schwenkt er einen Spazierstock. So ist er mir unzählige Male begegnet. Über ihn ranken sich die tollsten Geschichten. Einer sagt, er hätte im Zirkus gearbeitet als Seiltänzer und wäre tatsächlich abgestürzt, ein anderer weiß von einer tragisch geendeten Liebesgeschichte zu berichten, ein dritter will in ihm einen bekannten Schauspieler entdeckt haben, der wegen irgendeines Vergehens im Gefängnis gelandet und dort verrückt geworden sei. Wie gesagt, die Spekulationen um seine Person gehen ins Uferlose. Ich hätte zu gerne die Geschichte dieses ominösen Menschen aus seinem eigenen Munde gehört. Doch ich bin zu feige, ihn auf der Straße anzuhalten, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Vielleicht wäre er auch nicht mehr geistig in der Lage gewesen, seinen Lebensweg zu schildern, und doch hat es mich später sicher geärgert, über ihn nichts erfahren zu haben. So geht man oft Leuten aus dem Wege, die mitunter darauf warten, mit dem Anderen freundlich zu reden. Denn jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, und diese ist mitunter schillernd und abenteuerlich, aber wir, besonders wir im Norden, gehen achtlos an ihnen vorbei, suchen im Lokal krampfhaft nach einem freien Tisch, wo ein freier Stuhl manchmal viel mehr zu bieten hätte.

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