In Burroughs Werk vermischen sich Science Fiction und Fantasy. Er etablierte Geschichten vor einem planetarischen Hintergrund in der Science Fiction. Dabei war Burroughs bewusst, dass seine Literatur bei den Kritikern nicht ankam. Er machte auch nie ein Hehl daraus, dass er schrieb, um Geld zu verdienen.
Die Helden seiner Romane und Erzählungen haben keine Alltagsprobleme. Bei den Charakterzeichnungen schwach, sprudeln Burroughs Geschichten über vor Ideen und Action. Die Helden seiner Romane haben verschiedene Merkmale gemeinsam, beispielsweise das Geheimnis um ihre Herkunft. Entweder haben die Helden nie eine Kindheit erlebt, oder können sich nicht daran erinnern, oder aber sie sind wie Tarzan und The Cave Girl Waisen. Ein weiteres Merkmal von Burroughs Geschichten ist der, wie Brian W. Aldiss es nennt, ausgeprägte sexuelle Dimorphismus. Das jeweils dominante Geschlecht ist hässlich.
Obwohl es in den Romanen und Geschichten Burroughs von schönen, nackten Frauen nur so wimmelt, werden sexuelle Beziehungen weder angedeutet noch erwähnt. Burroughs Welt scheint eine präpubertäre zu sein. Doch ist die Jungfräulichkeit immer in Gefahr (vgl. Aldiss). Fast schon zwanghaft mutet an, dass es in den Geschichten Burroughs, die zwischen 1911 und 1915 geschrieben wurden, nicht weniger als 76 Mal zu Vergewaltigungsdrohungen kommt, die natürlich alle abgewendet werden können. Zu den Bedrohern der weiblichen Unschuld gehören verschiedene Marsianer, Sultane, Höhlenmenschen, japanische Kopfjäger und Affen.
E. F. Bleiler schreibt über Burroughs, seine Texte seien „Fantasien von Erotik und Macht.“
Der Apex-Verlag veröffentlicht Burroughs' Venus-Romane (in der deutschen Übersetzung von Thomas Schlück), Neu-Übersetzungen des Tarzan- und des John Carter-Zyklus sowie als deutsche Erstveröffentlichung die Pellucidar-Serie.
Meiner Mutter gewidmet.
»Wunderbar!«, seufzte die Gräfin de Coude, und ein tiefer Atemzug hob ihre Brust.
»Wie bitte?«, fragte der Graf und wandte sich seiner jungen Frau zu. »Was ist wunderbar, meine Liebe?« Er sandte seinen Blick in alle Richtungen, um zu erfahren, was ihre Bewunderung erregt habe.
»Oh, nichts Besonderes«, erwiderte die Gräfin verträumt, und ein flüchtiges Rot stieg in ihre Wangen. »Ich erinnerte mich nur gerade an jene hohen Bauten in New York, die sie Wolkenkratzer nennen.«
Sie griff wieder nach dem Magazin, in dem sie geblättert hatte; ihr Gatte vertiefte sich erneut in das Buch, das auf seinem Schoß lag. Frauen, dachte er kopfschüttelnd. New York liegt seit drei Tagen hinter uns, und plötzlich schwärmt sie für eine Stadt, die ihr scheußlich erschien. Er ließ das Buch sinken. »Fahrten auf diesen Ozeandampfern mögen sehr erholsam sein, aber sie bieten wenig Anregung«, stellte er fest. »Ich denke, ich werde mich auf die Suche nach einigen Gleichgesinnten machen. Vielleicht lässt sich ein kleines Kartenspiel arrangieren.«
»Geh nur, mein Lieber«, sagte die Gräfin lächelnd. »Für mich ist Kartenspiel zwar auch eine langweilige Beschäftigung, aber ich kann verstehen, dass du nicht den ganzen Tag untätig an Deck liegen willst.«
Als der Graf gegangen war, wanderte ihr Blick zu der Gestalt eines hochgewachsenen jungen Mannes, der nicht sehr weit entfernt in seinem Deckstuhl lag.
»Magnifique!«, seufzte sie noch einmal vernehmlich.
Die Gräfin Olga de Coude war zwanzig Jahre alt, ihr Mann vierzig. Sie war eine sehr treue und ergebene Gattin, aber da sie bei der Wahl ihres Gatten nicht befragt worden war, kann man annehmen, dass sie keineswegs bis über beide Ohren in den Mann verliebt war, den ihr adliger russischer Vater für sie erwählt hatte.
Ihr Ausruf musste dennoch nicht bedeuten, dass ihre Gedanken verbotene Wege gingen. Es war ihr gegeben, die Schönheit eines Mannes ebenso zu bewundern, wie sie sich an einem rassigen Pferd zu begeistern vermochte.
Als ihr forschender Blick das scharf geschnittene Profil des jungen Mannes streifte, erhob sich dieser und traf Anstalten, das Deck zu verlassen. Die Gräfin winkte einem vorübergehenden Steward.
»Wer ist dieser Gentleman dort?«, fragte sie.
»Dieser Gentleman, Madame, hat als Monsieur Tarzan aus Afrika gebucht«, erwiderte der Steward und entfernte sich mit einer Verbeugung.
Als Tarzan langsam auf den Rauchsalon zu schlenderte, stieß er auf zwei Männer, die flüsternd beieinander standen. Wahrscheinlich hätte er sie nicht beachtet, aber die misstrauisch-verschlagenen Blicke, die ihm der größere der beiden zuwarf, erregten seinen Argwohn. Die beiden erinnerten ihn an jene finsteren Verschwörer-Typen, die ihm in Paris oft auf der Bühne begegnet waren.
Tarzan betrat den Rauchsalon und suchte sich einen Platz abseits von den anderen Passagieren, die sich in dem Raum aufhielten. Er war nicht in der Stimmung zu einer oberflächlichen Unterhaltung, und während er an seinem Absinth nippte, gingen seine Gedanken zu den letzten Wochen seines Lebens zurück. Immer wieder fragte er sich, ob er richtig gehandelt hatte, als er die Rechte, die ihm durch seine Geburt zustanden, einem Mann überließ, dem er nichts schuldete. Es ist wahr, dass Clayton ihm nicht unsympathisch war, aber darauf kam es nicht an. Nicht William Cecil Claytons, Lord Greystokes, wegen hatte er auf seine Rechte verzichtet, sondern der Frau wegen, die beide liebten, die aber ein seltsames Schicksal dem anderen und nicht ihm gegeben hatte. Dass diese Frau ihn liebte, wusste er, aber seine kurze Erfahrung mit der Zivilisation und den Menschen, die in ihr lebten, hatte ihn auch gelehrt, dass den meisten Menschen ein Leben ohne Geld und Ansehen rächt lebenswert erschien.
Tarzans Gedanken wanderten aus der Vergangenheit in die Zukunft. Er versuchte seiner Rückkehr in den Dschungel, in dem er geboren worden war, in dem er seine Jugend verlebt hatte, mit freudiger Erwartung entgegenzusehen. Wer aber von den vielen Dschungelwesen würde ihn willkommen heißen? Kaum einer. Tantor, der Elefant, war der einzige, den er seinen Freund nennen konnte. Die andern würden ihn jagen oder vor ihm fliehen, wie es früher ihre Gewohnheit gewesen war. Nicht einmal die Affen seines eigenen Stammes würden ihm die Freundeshand entgegenstrecken.
Während er sinnend dem Rauch seiner Zigarette nachsah, fiel sein Blick auf einen Spiegel, in dem er einen Tisch sah, an dem vier Männer beim Kartenspiel saßen. Einer von ihnen stand gerade auf, und ein anderer näherte sich, um den frei gewordenen Platz einzunehmen, damit das Spiel fortgehen konnte. Er war der kleinere der beiden Männer, die Tarzan in gedämpfter Unterhaltung auf dem Gang gesehen hatte. Tarzans Interesse war erregt, und er beobachtete weiter. Von den vier Männern am Tisch kannte er nur den Namen des einen - Graf Raoul de Coude, den ein übereifriger Steward ihm als eine der Berühmtheiten an Bord gezeigt hatte.
In diesem Augenblick betrat der zweite der Verschwörer den Raum. Langsam schlenderte er an den Tisch und nahm hinter dem Stuhl des Grafen Aufstellung. Tarzan sah, wie er etwas aus der Tasche zog, konnte aber nicht erkennen, worum es sich handelte. Die Hand des Mannes näherte sich behutsam der Gestalt des Grafen und versenkte schnell und unbemerkt etwas in dessen Rocktasche.
Das Spiel ging für etwa zehn Minuten weiter, und der Graf gewann in dieser Zeit eine beträchtliche Summe von dem Mann, der zuletzt dazugestoßen war. Tarzan sah, wie der Mann hinter dem Stuhl des Grafen nickte. Sogleich sprang sein Gegenüber auf und richtete anklagend einen Finger auf den Grafen.
»Hätte ich gewusst, dass dieser Monsieur ein Falschspieler ist, so hätte ich mich nicht in dieses Spiel ziehen lassen«, sagte er mit scharfer Stimme
Auch der Graf und die beiden andern Spieler sprangen auf. Das Gesicht des Grafen war kalkweiß geworden.
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