1 ...8 9 10 12 13 14 ...17 Ursprünglich, um 900 v. Chr. gab es hier Wälder, die die Bewohner auch als übliche Ressource nutzten. Raubbau entstand als rivalisierende Häuptlinge ver-suchten, sich mit Statuen zu übertrumpfen. Der religiöse Fetisch und das Statussymbol rechtfertigte jedes Mittel. Als die botanischen Ressourcen immer knapper wurden, entwickelten sich die Polynesier zu Fleischessern. Zunächst rotteten sie die Delphine vor der Küste aus, dann die Land und die Seevögel. Am Ende ernährten sie sich von Ratten. Es kam zur Hungersnot, die Kultur brach zusammen und die Bevölkerung reduzierte sich um 90 %. Dies erinnert an die Weissagung der Cree- Indianer, die in den 70er Jahren fast in jeder Wohnge-meinschaft irgendwo an der Wand hing:
Erst wenn der letzte Baum gerodet, das letzte Tier gejagt, der letzte
Fisch gefangen, dann stellt ihr fest, dass man Geld nicht essen kann.
Precht nimmt an, dass die 700 Jahre alte Kultur an der Gleichgültigkeit der Menschen zu Grunde ging. Bäume wurden schon immer gefällt, also kann man den letzten auch fällen. Das Schwinden des Waldes zog sich über Jahrhunderte hin. Jede Generation wurde in eine andere Situation hineingeboren. Wenn man nur noch 20 % des Waldbestandes antrifft, dann machen 5% weniger am Ende des Lebens nicht so viel aus. Menschen mit Steinwerkzeugen konnten eine Kultur zerstören. Wenn wir unsere Mittel anschauen, die wir heute zur Verfügung haben, dann braucht man bei der scheinbar unersättlichen Gier und Macht vieler Menschen keine allzu große Fantasie, um sich unsere Welt in 50 oder gar 100 Jahren vorzustellen. Es sei denn wir wachen noch rechtzeitig auf, indem wir aufhören Wirklichkeiten in untere Schubladen zu verdrängen und uns mit offenen Augen dem Zustand der Welt, wie wir sie in den letzten 200 Jahren geschaffen haben, stellen.
Entscheidend bei der heutigen Wirtschaftsstruktur ist immer das Wachstum. Bei jeder umweltpolitischen Maßnahme wird zuerst geschaut, ob sie eventuell dem Wachstum schaden kann. Was hat Angela Merkel zu Beginn ihrer schwarz gelben Regierung verkündet. Das Wichtigste ist Wachstum! Sie möchte unersättliche Konsumenten, die nie genug Güter haben und gleichzeitig braucht sie Arbeitneh-mer, die mit möglichst wenig Lohn auskommen!
Ein dauerhaftes Wachstum lassen die Begrenzung von Rohstoffen, Energie und Flächen nicht zu. Soweit zur Mathematik auf Grundschulniveau. Aufgrund der neoliberalen Philosophie sind aber jetzt schon die Belastungsgrenzen der Natur überschritten. Man streitet sich nur noch darum, wie weit sie überschritten sind.
Das Denken des von politischer Seite unterstützten Neo- Liberalismus hat die Welt überrollt. Seit gut 200 Jahren haben wir mit der Milchflasche „Wachstum“ internalisiert bekommen. Es ist in unseren Genen. Warum brauchen wir ständig Wachstum? Wir haben ein System entwickelt, das zum Wachstum zwingt. Wachstum, um des Wachstums Willen. Bisher denken die wenigsten dieses Ge-dankengebäude wirklich zu Ende. Gebetsmühlenartig wird in immer kürzeren Abständen vor allem in den Fernsehnachrichten berichtet, dass das Wachstum, wie die 4 „Weisen“ sagen, in den nächsten Monaten sinken, steigen, gleich blei-ben wird. Es wird suggeriert, dass unser Glück eigentlich nur davon abhängig ist, dass vor dem Komma möglichst eine 2 steht. Besser wäre natürlich eine 3. Was soll dadurch besser werden? Es wird weiter den Arbeitgebern Zeit gegeben, mit sorgenvoller Miene zu verkünden, dass es jetzt zwar gut aussieht, aber die Arbeitnehmer müssen sich trotzdem bei den kommenden Lohnforderungen zu-rückhalten, weil es sonst sicher viele Arbeitsplätze kosten wird! Dies sagen sie nachweislich, seit es Gewerkschaften mit ihren Lohnforderungen gibt.
Viele der Fakten habe ich aus dem Buch von Holger Rogall „Nachhaltige Ökonomie.“ Die Erde ist ein in sich geschlossenes System, das außer der Son-nenenergie keine zusätzlichen Ressourcen mehr erhält. Alle Lebensvorgänge werden von der Sonnenenergie angetrieben. Fossile Brennstoffe sind über Jahr-millionen gespeicherte Energie, ein Geschenk für uns, das von unzähligen ver-gangenen Lebewesen und Ökosystemen stammt und denen wir unseren Wohlstand zu verdanken haben.
Das Wachstum der Wirtschaft und unser heutiger Wohlstand wurden durch diesen Ausverkauf „kostenlos“ finanziert. Von Indianern und anderen Naturvölker weiß ich, dass sie, wenn sie der Natur etwas zum Eigenverbrauch wegnehmen, sich bei ihr durch Gebete oder Opfer bedanken. Sie empfinden sich mit der Natur verbunden und wissen, dass alles, was sie haben, von ihr kommt. Wie bedanken wir uns bei „Mutter Erde“? Die Natur braucht uns nicht. Selbst dort, wo wir tief in die Natur eingegriffen haben, das Leben sucht sich selbst am unwirtschaftlichsten Platz wieder Raum. Selbst Beton bekommt irgendwann Risse und schon schaut ein kleiner Grashalm aus ihm hervor. Alles eine Frage der Zeit und die hat die Natur.
Die Verluste dieser Bilanz werden nirgendwo festgehalten, aber den Kosten werden wir uns irgendwann stellen müssen. Heute wird mehr Erde umgelagert, als alle Gletscher und Gerölllawinen zusammen es getan haben.
In den USA kann man schon seit einiger Zeit, nun auch in der EU Patente auf biochemische Strukturen also Pflanzen anmelden. Früchte oder Pflanzen, die aus der Natur kommen und niemand sonst „erfunden“ hat, wie technische oder elektronische Erneuerungen. Der US-Pharmakonzern Ely Nilly verdient an einer Pflanze, die aus Costa Rica stammt und aus der er ein Medikament machte, circa 200 Millionen Dollar im Jahr, das er zur Krebsbekämpfung einsetzt. Da das Land für ein Apfel und ein Ei gekauft worden ist, bekommt die Bevölkerung so gut wie nichts davon ab. Aus etwas, was uns die Natur einfach so zur Verfügung stellt, wird eine exklusive Ware. In diesem Falle bedeutet dies auch noch, dass keine unabhängigen Forscher mit dieser Pflanze mehr forschen dürfen. In der EU ist das Gleiche mit einer „Brokkoli Sorte“ geschehen.
Die Industrieländer und Schwellenländer haben durch den Druck des Wachstums Energiestrukturen aufgebaut, die sie extrem abhängig von Energieexporten ma-chen. In Deutschland sind dies 70 % fossiler Energien und 100 % atomarer Ener-gieträger nämlich Uran. Außerdem beträgt der Wirkungsgrad deutscher Kraftwer-ke gerade mal 38 %.
Öl liegt häufig in Regionen, die politisch als instabil eingestuft werden. Öl haben wir noch etwa 40 Jahre, Erdgas 60 Jahre, Uran 41 Jahre, Kohle 150 Jahre. Die Menschheit verbraucht heute so viele fossile Energieträger in einem Jahr, wie die Erde in 1 Million Jahre erzeugt hat.
Zum kleinen Teil kann man das Öl in einer anderen Substanz im Meer wieder finden. Im Kunststoff. Der britische Zoologe Fleet als Mitarbeiter der nationalen Parkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sagt, dass pro 100 m Strand im Durchschnitt 712 Abfallteile gefunden werden. Drei Viertel davon besteht aus Plastik. Im Mittelmeer auf offener See befinden sich pro Quadrat-kilometer bis zu einer Million Plastikteile. Im Atlantischen Ozean fahren riesige Müllhalden „Karussell“ angetrieben von Winden und Meeresströmungen und lan-den auf diese Weise an den entlegensten Gestaden. Im Pazifik zieht ein Müll-strudel von der Größe „Europas“ seine Bahn!!
Insgesamt finden sich 2011 in den Ozeanen 60 Mal mehr Plastik als Plankton, wovon nicht nur unsere größten Säugetiere leben. Plastik braucht bis zu 400 Jahren bis es sich aufgelöst hat. Am meisten Sorgen macht den Wissenschaftlern aber die Mikroplastik. Sie können giftige Zusatzstoffe, wie Bisphenol A abgeben. Vögel, wie Albatrosse auch Eissturmvögel verwechseln das Plastik mit Futter, schlagen sich damit den Bauch voll und glauben, dass sie satt sind. Mit gefülltem Magen verhungern sie dann! Über die Fische, die die Kügelchen aufnehmen kommt das Plastik durch den Ökokreislauf bei uns wieder mit dem Zusatzstoff Bisphenol auf den Küchentisch und zumindest in geringen Teilen in so manchem Magen.
Читать дальше