„Wenn Sie meine Unterstützung benötigen, können Sie sich jederzeit melden. Wir verabreden dann kurzfristig einen Termin.“
„Danke! Ich möchte mich bei Ihnen bedanken! Bitte, schicken Sie die Rechnung bitte an meine Privatadresse, auf keinen Fall in die Firma!“
Sie schüttelten sich die Hände und er hielt ihr die Türe auf.
„Wieso klappt das denn, mit den Toten zu reden?“ fragte ihn die Sekretärin, als er diese kurzgefasst über den Stand der Dinge unterrichtete.
„Kein Mensch redet mit den Toten!“ korrigierte er sie. „Die Toten sind und bleiben tot. Die sind längst verfault oder verbrannt worden.
Aber die Toten leben in der Erinnerung und im Gefühl in uns weiter. Deshalb ist es ja auch so wichtig, daß wir sie gesund abtrauern und loslassen.
Denn wenn wir unseren natürlichen Trauerprozess nicht ordnungsgemäß durchlaufen, dann haben wir in uns mit unseren gefühlbetonten Erinnerungen Probleme. Und dann erscheinen die Toten uns im Traum oder schlimmstenfalls bei einer schweren abnormen Trauerreaktion in der Psychose.
Oder, wenn wir an Geister glauben und die psychischen Inhalte in die Außenwelt projizieren, als Gespenster und Dämonen.
Wir sollten uns immer darüber klar sein, daß es für uns nur die Wirklichkeit gibt, die unser Gehirn in sich selbst für sich selbst erschafft.
Mit den Bildern, Gefühlen und Gedanken, die wir uns selbst konstruieren, leben wir dann.
Wir leben nicht in der ,Wirklichkeit an sich’, wie die Philosophen das nennen, sondern auf der Landkarte, die wir uns selbst über die Wirklichkeit gezeichnet haben.
Unser Gehirn schafft für uns ein Selbstbild und auch ein Bild von jedem anderen Menschen, auch von den Verstorbenen.
Und so können wir, wenn wir unseren holistischen Geist in der Hypnose funktionell dissoziiert haben, unser Selbstbild und unser Bild von einem Toten miteinander sprechen und interagieren lassen. Während unser Ich dem Dialog zuschaut und zuhört und die dabei auftauchenden Gefühle und Gedanken wahrnimmt und daraus seine Schlüsse zieht und lernt.
Deshalb können uns auch die hypnotischen Erlebnisse ebenso verändern, wie die realen Erlebnisse in der Außenwelt und im Traum. Denn beide Arten von Erlebnissen sind Konstruktionen des Gehirns für sich selbst.
Die hypnotischen entstehen in unserer Phantasie, die realen konstruieren wir mittels der Sinnessysteme ebenfalls im Gehirn. Auf beide Konstruktionen reagieren wir dann wertend, was dann die Gefühle auslöst und Erkenntnisse entstehen lässt.
Auch die Erlebnisse im Drogenrausch oder in einer Psychose
können uns deshalb verändern.
Ich erinnere mich an einen Patienten von mir, einen evangelischen Theologiestudenten, der Pfarrer werden wollte.
Der war an einer üblen Tuberkulose erkrankt.
Deshalb hatte man ihn in der Lungenheilanstalt hochdosiert mit Tuberkulostatika, also Medikamenten, die Tuberkulose heilen, behandelt. Erfolgreich! Die haben jedoch in seltenen Fällen die Nebenwirkung, daß sie Psychosen auslösen können. Das war ihm passiert.
Er hatte sich einen guten Gott konstruiert oder in seiner religiösen Erziehung übernommen, dem er dienen wollte.
In seiner Psychose jedoch hatte dieser Gott sich in einen dämonischen Teufel verwandelt, der ihn verfolgte und von ihm Dienst und Gehorsam verlangte.
Das hatte ihn völlig verstört und schwere Angstgefühle bei ihm ausgelöst, als er nach einer intensiven psychiatrischen Behandlung mit Medikamenten in der Universitätspsychiatrie seine Psychose verloren hatte.
Deshalb wurde er mir damals von dort zur Psychotherapie überwiesen.
Schauen Sie, wenn Sie dazu neigen, an Götter und Geister zu glauben, liegt es nahe, sich für einen speziellen Gott zu entscheiden.
Und wenn Sie noch zusätzlich glauben, daß dieser Gott einen mächtigen ,Teufel’ als Gegenpart hat, sind Sie entsprechend entsetzt, wenn sich in ihrer einzigen Wirklichkeit, die ihnen zur Verfügung steht, ihrem selbsterzeugten Erleben, dieser Teufel sich als mächtiger als ihr bevorzugter ,Guter Gott’ erweist.
Und wenn Sie dann auch noch erleben, daß es leicht und angenehm ist, einem solchen mächtigen, teuflischem Gott in seiner bösen Herrlichkeit zu dienen, dann ist es nicht verwunderlich, wenn Sie es mit der Angst zu tun bekommen.
Denn dann fürchten Sie die Rache des guten Gottes, der dadurch auch zu einem bösen wird.“
„Und haben Sie ihm helfen können?“
„Ja. Ich habe ihn in eine hypnotische Altersregression geführt und ihm geholfen, die kindlichen Situationen zu finden, in denen er sich entschieden hatte, das naive Gottesbild seiner Mutter zu übernehmen.
Der ,Gute Gott’ ist häufig eine Projektion von unbewusst auf den Vater gerichteten Wünschen nach Schutz, Macht und Liebe und so weiter.
Dabei konnte er überprüfen, weshalb er damals das Gottesbild seiner Mutter übernommen hatte. Was seine psychologischen und emotionalen Motive dabei gewesen waren.
Denn ich wußte, daß die Theologen ganz scharf zwischen dem ,Gott an sich’, an den sie glauben, und den Gottesbildern unterscheiden, die sie den Leuten predigen oder die sich die Menschen von sich aus vorstellen.
Indem ich ihm, als einem angehenden Theologen, half, den ,Guten Gott’ aufzugeben und er damit auch seinen Widerpart, den ,Bösen Gott’, den Teufel, verlor, wurde er frei, sich einen theologischen ,Gott-an-sich-Gott’ zu konstruieren, an den er glauben konnte.
Mit diesem Gotteskonstrukt habe ich ihn dann in Hypnose sprechen und interagieren lassen.
Den erlebte er, wie die meisten religiösen Menschen, archetypisch als eine hellgleißende Lichterscheinung. Aus der dann, ähnlich wie das bei Moses war, bei dem sein Gott aus dem brennenden Dornbusch sprach, sein persönlicher Gott zu ihm in der Hypnose aus dem Licht sprach.
Tiefenpsychologisch gesehen, sind Götter unbewusst nach außen, an den Himmel projizierte, archetypische Selbstsymbole.
Die Venus stand zum Beispiel für den weiblichen Aspekt der Psyche der Menschen.
Der Mars für den aggressiven.
Wenn es nur einen Gott gibt, steht er für die psychische Gesamtheit des Selbst und beinhaltet alle anderen Aspekte. Und wenn der, wie im Christentum, den weiblichen Aspekt ungenügend repräsentiert, dann beginnen die Gläubigen, wie im Katholizismus, eine weibliche Versinnbildlichung anzubeten, wie die Maria als Gottesmutter oder Himmelsgöttin.
Und da wir in der Hypnotherapie sehr gut im Trancezustand mit Archetypen arbeiten können, die wir als mächtige persönliche Ressourcen nutzen, war die Hypnotherapie mit dem Theologiestudenten gar nicht schwer.
Ich glaube, er benötigt nur etwa fünfundzwanzig hypnotische Sitzungen, um sich religiös zu klären.
Er hat dann normal weiter studiert.“
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