Irgendwann, in einer Lach- und Planschpause, in der sie verschnauften, hörten sie Rufe.
„Sei mal still, ich höre jemanden rufen“. Enne war plötzlich total ernst und stellte sich auf die Füße. Corinna erschrak fürchterlich und wusste sofort, daß sie niemals hätten hierher gehen dürfen. Sie kam auf die Füße und schaute verzweifelt an sich hinunter. Wie sah sie nur aus. Weder würde ihr Kleid jetzt noch schnell trocknen, noch würde es jemals wieder richtig sauber werden. Warum war sie nur so dumm gewesen und war Enne hierher gefolgt. „Heiner, Corinna, wo seid ihr?“ Natürlich war es die rufende Stimme des Vaters. Du liebe Güte, das bedeutete nichts Gutes. Corinna bereute alles, aber dafür war es jetzt schließlich schon zu spät. „Komm, Corinna, wir müssen schnell nach Hause. Hoffentlich sieht er nicht, daß wir hier von der Baustelle kommen. Wir müssen uns irgendwas einfallen lassen.“ „Was sollen wir uns denn einfallen lassen?“, Corinna wusste nicht, was für eine Erklärung jetzt noch helfen sollte. Enne stürzte zur Tür, nahm seine Schuhe und sprang barfuß die kalte Steintreppe hoch. Corinna folgte ihm. Oben konnte Enne durch eines der noch ungeglasten Fenster herüberschauen zum Garten. Dort gingen Tobbe und der Vater hin und her und schauten suchend in die Ferne, zwischendurch schimpfte der Vater mit Tobbe, Wortfetzen konnten sie hören, ungefähr wie, wo er denn gewesen sei, er hätte doch auf die Geschwister aufpassen sollen, und schließlich sei er doch der Älteste und er sprach von Enttäuschung. Tobbe stotterte irgend etwas und der Vater rief wieder nach Corinna und Enne. Enne duckte sich unter das Fenster, zog auch Corinna runter und schlich dann eilig mit ihr weiter in Richtung Hauseingang. „ Au, au, verdammt, au das tut so furchtbar weh“, Enne schrie auf und sackte dann zusammen auf dem dreckigen Betonboden. Corinna erschrak und bückte sich über Enne, der seinen Fuß hielt. Der Fuß blutete sofort stark aus einer Wunde unter der Fußsohle, in der ein Nagel steckte. „Was machen wir denn jetzt? Du bist in einen Nagel getreten und blutest wie verrückt“ Corinna wusste nicht, was sie machen sollte, aber Enne suchte mit der Hand unterm Fuß nach dem Nagel und zerrte ihn einfach ruckartig heraus, er schrie auf. Er schmiss den Nagel weit von sich, stand auf und humpelte zum Eingang. „Komm, wir müssen schnell rüber“. Corinna und der humpelnde Enne sprangen klatschnass den Trampelpfad entlang, um den Zaun herum und über den Rasen zur Terrasse. Der Vater und Tobbe waren mittlerweile auf die andere Seite des Hauses gegangen, um dort zu suchen. Enne setzte sich auf die Terrasse, die Mutter kam gerade wieder in die Küche, sah ihn und schrie auf. Plötzlich stand dann auch der Vater hinter ihr und Tobbe. Die Terrassentür wurde aufgerissen und die Mutter stürzte hinaus „Mein Gott, wie seht ihr denn aus? Wo seid ihr denn gewesen, was habt ihr bloß mit euren Kleidern gemacht? Kann man euch nicht mal ein paar Stunden allein lassen? Enne, das hast du wieder ausgeheckt oder? Nichts als Dummheiten hast du im Kopf. Du blutest ja. Was ist mit deinem Fuß passiert“. Die Stimme der Mutter überschlug sich bald.
„Ihr zieht euch jetzt hier draußen aus und geht dann sofort in die Badewanne“. Der Vater sagte erst einmal nichts, was nichts Gutes zu bedeuten hatte. Corinna und Enne standen Seite an Seite in der Wanne und duschten sich gegenseitig ab. Enne grinste schon wieder. braunschwarze Streifen rannen ihre Beine hinunter, um die Füße herum und schlängelten sich zum Abfluss, wo die übelriechende Brühe schließlich verschwand. „Wenn ihr fertig seid, kommt ihr sofort ins Schlafzimmer“. Die Stimme des Vaters klang streng und hart. Corinnas Herz begann vor Angst schneller zu schlagen. Die Mutter kam mit den Schlafanzügen ins Badezimmer. Enne und Corinna trockneten sich ab. Die Mutter schaute sich Ennes Fuß an, träufelte ein wenig Jod darüber, Enne schrie auf, was sie aber nicht davon abhielt, mit einem getränkten Lappen die Wunde noch mit Jod abzutupfen. Dann bekam er einen Verband um den Fuß.
Dann stiegen sie beide in ihre Schlafanzüge und betraten das Elternschlafzimmer. Der Vater saß wütend auf dem Bett. „Was habt ihr euch eigentlich dabei gedacht? Hatte ich nicht ausdrücklich gesagt, daß ihr hinterm Haus bleiben sollt und nicht auf die Baustelle gehen dürft, hab ich das nicht? Na gut, wer nicht hören kann, muß fühlen. Komm her, Heiner.“
Corinna erschrak und hielt die Hände vor den Mund, denn sie mußte nun mit zusehen, wie der Vater, den sie so verehrte, kurzerhand Enne über sein Knie legte, die Schlafanzughose herunterzog und mit seiner bloßen Hand jähzornig und nicht zimperlich mehrmals Enne auf den Hintern haute. Ennes Hinterteil wurde rot, man konnte Vaters Handabdruck sehen. Aber Enne sagte kein Wort. Er biss sich nur auf die Lippen und ertrug die Schläge. „Hast du es jetzt endlich verstanden, Heiner, ja, hast du? So, Corinna, jetzt kommst du dran“ Zögernd und ängstlich ging Corinna zwei Schritte auf ihren Vater zu, dem Befehl des Vaters konnte man sich nicht widersetzen. Er packte sie am Arm, weiterhin wütend, und legte sie, wie vorher Enne, genauso über sein Knie. “Mach das nicht, Papi, das war allein meine Schuld, die Corinna ist nur mitgegangen, aber es war meine Idee“ . Corinnas Bruder Heiner versuchte tapfer zu verhindern, daß Corinna auch Schläge bekommen sollte, aber der Vater schickte ihn aus dem Zimmer. Dann schlug er zweimal zu. Der Vater half ihr von seinem Knie auf. „Versteht ihr denn überhaupt nicht, daß mir das mehr weh tut, als vielleicht euch?“ Corinna konnte nichts sagen, ihr tat das Hinterteil weh, aber in erster Linie tat es furchtbar weh, daß ihr Vater nicht mehr der Vater war, den sie bisher gekannt hatte. Die Tränen liefen ihr die Wangen herunter, sie ging schweigend aus dem Zimmer und ging im Kinderzimmer direkt in ihr Bett.
Abendbrot essen wollte sie nicht mehr. Enne kam dann irgendwann auch rein, er war ohne Essen ins Bett geschickt worden. Corinna konnte sich nicht bei ihm dafür bedanken, daß er ihr helfen wollte und die volle Schuld einfach so auf sich nahm. „Lass mal Kleine, morgen haben wir das schon wieder vergessen“, meinte er nur, etwas schuldbewusst, aber schon wieder grinsend.
Corinna würde noch mehrmals den Jähzorn ihres Vaters zu spüren bekommen, aber in erster Linie war es wohl Heiner, der die meisten Schläge einstecken mußte. Ihr erschien es fast so, als wenn die Strafen einfach an Heiner abprallen würden. Doch was wusste sie schon davon, wie es in ihrem Bruder wirklich aussah.
Später kam dann auch Tobias im Schlafanzug ins Kinderzimmer. Auch er war ohne Abendbrot ins Bett geschickt worden. Ohne ein Wort zu seinen Geschwistern, legte er sich unter die Bettdecke und drehte sich zur Wand. Und Heiner und Corinna hatten auch keine Lust, mit ihm zu reden.
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