Keiner weiß von dir ein gutes Wort.
Loki.
Ein will ich treten in Ögis Hallen,
Selber dieß Gelag zu sehn.
Schimpf und Schande schaff ich den Asen
Und mische Gift in ihren Meth.
Eldir.
Wiße, wenn du eintrittst in Ögis Halle,
Selber dieß Gelag zu sehn,
Und die guten Götter übergießest mit Schmach,
Gieb Acht, sie trocknen sie ab an dir.
Loki.
Wiße das, Eldir, wenn mit einander wir
In scharfen Worten streiten,
Üppiger werd ich in Antworten sein,
Was du auch zu reden weist.
Da ging Loki in die Halle. Jene aber, die darinnen waren, als sie ihn eingetreten sahen, schwiegen alle still.
Loki sprach:
Durstig komm ich in diese Halle
Loptr den langen Weg
Die Asen zu bitten, mir Einen Trunk
Zu schenken ihres süßen Meths.
Warum schweigt ihr still, verstockte Götter,
Und erwiedert nicht ein Wort?
Sitz und Stelle sucht mir bei dem Mal,
Oder heißt mich hinnen weichen.
Bragi.
Sitz und Stelle suchen dir bei dem Mal
Die Asen nun und nimmer.
Die Asen wißen wohl wem sie sollen
Antheil gönnen am Gelag.
Loki.
Gedenkt dir, Odhin, wie in Urzeiten wir
Das Blut mischten beide?
Du gelobtest, nimmer dich zu laben mit Trank,
Würd er uns beiden nicht gebracht.
Odhin.
Steh denn auf, Widar, dem Vater des Wolfs
Sitz zu schaffen beim Mal,
Daß länger Loki uns nicht lästere
Hier in Ögis Halle.
Da stand Widar auf und schenkte dem Loki. Als er aber getrunken hatte, sprach er zu den Asen:
Heil euch, Asen, Heil euch Asinnen,
Euch hochheiligen Göttern all,
Außer dem Asen allein, der da sitzt
Auf Bragis Bank.
Bragi.
Schwert und Schecken aus meinem Schatze zahl ich
Und einen Baug (Ring) zur Buße,
Daß du den Asen nicht Ärgerniss gebest:
Mache dir nicht gram die Götter.
Loki.
Ross und Ringe, nicht allzureich doch
Weiß ich dich, Bragi, der beiden!
Von Asen und Alfen, die hier inne sind,
Scheut Keiner so den Streit,
Flieht Geschoße Keiner feiger.
Bragi.
Ich weiß doch, war ich draußen, wie ich drinne bin
Hier in Ögis Halle,
Dein Haupt hätt ich in meiner Hand schon;
Also lohnt' ich dir der Lüge.
Loki.
Sitzend bist du schnell, doch schwerlich leistest dus,
Bragi, Bänkehüter!
Zum Zweikampf vor, wenn du zornig bist:
Der Tapfre sieht nicht um und säumt.
Idun.
Ich bitte dich, Bragi, bei deiner Gebornen
Und aller Wünschelsöhne Wohl,
Sprich zu Loki nicht mit lästernden Worten
Hier in Ögis Halle.
Loki.
Schweig, Idun! Von allen Frauen
Mein ich dich die Männertollste:
Du legtest die Arme, die leuchtenden, gleich
Um den Mörder eines Bruders.
Idun.
Zu Loki sprech ich nicht mit lästernden Worten
Hier in Ögis Halle;
Den Bragi sänft ich, den bierberauschten,
Daß er im Zorn den Zweikampf meide.
Gefion.
Ihr Asen beide, was ists, daß ihr euch
Mit scharfen Worten streitet?
Loptr träumt sich nicht, daß er betrogen ist,
Ihn hier die Himmlischen haßen.
Loki.
Schweig du, Gefion! sonst vergeß ichs nicht
Wie dich zur Lust verlockte
Jener weiße Knabe, der dir das Kleinod gab,
Als du den Schenkel um ihn schlangst.
Odhin.
Irr bist du, Loki, und aberwitzig,
Wenn du Gefion gram dir machst:
Aller Lebenden Looße weiß sie
Ebenwohl als ich.
Loki.
Schweig nur, Odhin, ungerecht zwischen
Den Sterblichen theilst du den Streit:
Oftmals gabst du, dem du nicht geben solltest,
Dem schlechtern Manne den Sieg.
Odhin.
Weist du, daß ich gab, dem ich nicht geben sollte,
Dem schlechtern Manne den Sieg,
Unter der Erde acht Winter warst du
Milchende Kuh und Mutter
[Denn du gebarest da:
Das dünkt mich eines Argen Art].
Loki.
Du schlichest, sagt man, in Samsö umher
Von Haus zu Haus als Wala.
Vermummter Zauberer trogst du das Menschenvolk:
Das dünkt mich eines Argen Art.
Frigg.
Euer Geschicke solltet ihr nie
Erwähnen vor der Welt,
Was ihr Asen beide in Urzeiten triebet:
Die frühsten Thaten bergt dem Volk.
Loki.
Schweig du, Frigg! Fiörgyns Tochter bist du
Und den Männern allzumild,
Die Wili und We als Widrirs Gemahlin
Beide bargst in deinem Schooß.
Frigg.
Wiße, hätt ich hier in den Hallen Ögirs
Einen Sohn wie Baldur schnell,
Nicht kämst du hinaus von den Asensöhnen,
Du hättest schon zu fechten gefunden.
Loki.
Und willst du, Frigg, daß ich ferner gedenke
Meiner Meinthaten,
So bin ich Schuld, daß du nicht mehr schauen wirst
Baldur reiten zum Rath der Götter.
Freyja.
Irr bist du, Loki, daß du selber anführst
Die schnöden Schandthaten.
Wohl weiß Frigg Alles was sich begiebt,
Ob sie schon es nicht sagt.
Loki.
Schweig du, Freyja, dich vollends kenn ich:
Keines Makels mangelst du;
Der Asen und Alfen, die hier inne sind,
Bist du Jedes Buhlerin.
Freyja.
Deine Zunge frevelt; doch fürcht ich, daß sie dir
Wenig Gutes gellt.
Abhold sind dir die Asen und die Asinnen,
Unfröhlich fährst du nach Haus.
Loki.
Schweig du, Freyja, Gift führst du mit dir,
Bist alles Unheils voll.
Vor den Göttern umarmtest du den eigenen Bruder:
So böser Wind entfuhr dir, Freyja!
Niördr.
Die Schöngeschmückten, das schadet nicht,
Wählen Männer wie sie mögen;
Des Verworfnen Weilen bei den Asen wundert nur,
Der Kinder konnte gebären.
Loki.
Schweig du, Niördr, von Osten gesendet
Als Geisel bist du den Göttern.
Hymirs Töchter nahmen dich da zum Nachtgeschirre
Und machten dir in den Mund.
Niördr.
Des Schadens tröstet mich, seit ich gesendet ward
Fernher als Geisel den Göttern,
Daß mir erwuchs der Sohn, wider den Niemand ist,
Der für den Ersten der Asen gilt.
Loki.
Laß endlich, Niördr, den Übermuth,
Ich hab es länger nicht Hehl:
Mit der eignen Schwester den Sohn erzeugtest du,
Der eben so arg ist wie du.
Tyr.
Freyr ist der beste von allen, die Bifröst
Trägt zu der hohen Halle:
Keine Maid betrübt er, keines Mannes Weib,
Einen Jeden nimmt er aus Nöthen.
Loki.
Schweig du, Tyr! du taugst zum Kampfe nicht
Zu gleicher Zeit mit Zweien.
Deine rechte Hand ist dir geraubt,
Fenrir fraß sie, der Wolf.
Tyr.
Der Hand muß ich darben; so darbst du Fenrirs.
Eins ist schlimm wie das andre;
Auch der Wolf ist freudenlos: gefeßelt erwartet er
Der Asen Untergang.
Loki.
Schweig du, Tyr! deinem Weibe geschahs,
Daß sie von mir ein Kind bekam.
Nicht Pfenningsbuße empfingst du für die Schmach:
Habe dir das, du Hanrei!
Freyr.
Gefeßelt liegt Fenrir vor des Flußes Ursprung
Bis die Götter vergehen.
So soll auch dir geschehn, wenn du nicht schweigen wirst
Endlich, Unheilschmied.
Loki.
Mit Gold erkauftest du Gymirs Tochter
Und gabst dem Skirnir dein Schwert.
Wenn aber Muspels Söhne durch Myrkwidr reiten,
Womit willst du streiten, Unselger?
Beyggwir.
Wär ich so edeln Stamms als Yngwi-Freyr,
Und hätte so erhabnen Sitz,
Morscher als Mark malmt' ich dich, freche Krähe,
Und lähmte dir alle Gelenke.
Loki.
Was ist Winziges dort, das ich wedeln sehen
Nach Speise schnappend?
Dem Freyr in die Ohren bläst es immerdar,
Und müht sich mit Mägdearbeit.
Beyggwir.
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