Aber Stanislaus Skrzetuski rief mit lauter Stimme:
»Bitten Sie ihn nicht, es ist vergebens. – Schon lange hat er diesen Verrat in seinem Herzen gezüchtet! Wehe der Republik! Wehe uns allen!«
»Zwei Großwürdenträger verkaufen das Vaterland!« rief Jan Skrzetuski.
Als Zagloba das hörte, kam er von seinem Erstaunen zu sich und brauste auf:
»Fragt ihn, wodurch die Schweden ihn bestochen haben! Fragt ihn, wieviel sie ihm ausbezahlt haben! Panowie, seht ihn, Judas Ischariot! Möge er in Verzweiflung enden! Möge sein Geschlecht in Schande zugrunde gehen! und der Teufel seine Seele holen! – Verräter und abermals Verräter!«
Von einer grenzenlosen Verzweiflung hingerissen, zog Stankiewicz den Oberstenstab aus dem Gürtel und warf ihn dem Fürsten vor die Füße. Ebenso taten es: Mirski, Jozefowicz, Hoszczyc, Oskierka und Wolodyjowski, der bleich wie der Tod aussah. Die Stäbe rollten über den Fußboden dahin, und der zornige Löwe mußte es mit anhören, wie man ihm in seiner eigenen Höhle immer wieder dasselbe schreckliche Wort entgegenschleuderte:
»Verräter! Verräter!«
Das ganze Blut strömte dem stolzen Magnaten zu Kopfe; er wurde dunkelblau, und es schien, als könne er jeden Augenblick vom Schlage gerührt zu Boden fallen.
»Ganchoff und Kmicic zu mir!« schrie er mit einer fürchterlichen Stimme.
In diesem Augenblicke öffneten sich die vier Türen, die in den Saal führten, geräuschvoll, und die schottische Infanterie schritt schweigend und drohend, mit den Musketen in den Händen, herein. An ihrer Spitze stand Pan Ganchoff.
»Halt!« rief der Fürst und wandte sich an die Obersten. »Wer mit mir ist, der trete auf die rechte Seite des Saales!«
»Ich bin Soldat und diene dem Hetman! Gott soll mich richten!« sagte Charlamp und ging nach rechts.
»Ich denke ebenso,« fügte Mieleszko hinzu. »Es ist nicht meine Sünde.«
»Als Bürger habe ich protestiert, aber als Soldat muß ich gehorchen,« sagte ein dritter, Niewiarowski, der auch vorher seinen Stab hingeworfen hatte, jetzt aber den Zorn Radziwills fürchtete.
Ihnen folgten noch mehrere Ritter und der kleinere Teil der Schlachta; aber Mirski, Stankiewicz, Hoszczyc, Wolodyjowski und Oskierka blieben auf ihren Plätzen und mit ihnen beide Skrzetuskis, Zagloba und die Mehrzahl der Offiziere und der Schlachta.
Die schottische Infanterie umzingelte sie wie eine Mauer.
Als der Fürst den Toast auf Karl-Gustav ausgebracht hatte, war Kmicic von seinem Platze aufgesprungen. Er stand wie versteinert, und mit bleichen Lippen wiederholte er:
»Mein Gott! Mein Gott! Was habe ich getan!«
Dann vernahm er leise die seinem Herzen so wohl bekannte Stimme dicht an seinem Ohre:
»Pan Andreas!«
Er griff verzweifelt an seinen Kopf.
»Ich bin für alle Ewigkeit verdammt! Wohl mir, wenn ich jetzt unter der Erde läge!«
Panna Billewicz' Antlitz überzog eine leichte Röte, und ihre Augen, klar wie zwei Sterne, hefteten sich unverwandt auf Kmicic.
»Schande komme über die, die es mit dem Fürsten halten! – So wählen Sie! – Allmächtiger Gott, was tun Sie? – Wählen Sie!«
»Jesus! Jesus!«
Der Lärm im Saale wurde größer, immer mehr Offiziere warfen ihre Kommandostäbe dem Fürsten zu Füßen; aber Kmicic rührte sich nicht vom Flecke. Auch dann nicht, als der Fürst zum zweiten Male rief: »Ganchoff, Kmicic, zu mir!« So stand er unbeweglich, von Schmerz und Verzweiflung erfüllt, mit trüben Augen und blauen Lippen.
Plötzlich wandte er sich zu Panna Billewicz und streckte ihr die Hände entgegen.
»Alexandra! Alexandra!« rief er mit klagender Stimme, wie ein zu Unrecht gekränktes Kind.
Sie aber wich voll Zorn und Abscheu von ihm zurück: »Fort! – Verräter!« entgegnete sie festen Tones.
In diesem Augenblicke kommandierte Ganchoff: »Vorwärts!« und die Schotten schritten mit den von ihnen eingeschlossenen Gefangenen zu den Türen.
Kmicic folgte ihnen langsam; er wußte selbst nicht, wohin und wozu er ging.
Das Bankett war zu Ende.
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