Ein weiteres Beispiel war, wie Ullrich Martin ersaufen lassen wollte. Deren Vater als Bauingenieur hatte einen Kollegen bei der Hessischen Landgesellschaft, der in Steinau an der Straße im Hessichen Spessart ein Ferienhaus mit Schwimmbad und Forellenteich besaß, wohin sie im Sommer immer wieder eingeladen wurden. Seine Frau hatte eine Firma namens Treppenjäger. Martin angelte für sein Leben gerne und erfreute sich als Kind schon an Schlangen und Blindschleichen und anderen Eidechsen. Das fand er auch dort alles und konnte auch angeln. Herr Jäger hatte einen Narren ein klein Moppel-Martin gefressen, was wohl Ullrich eifersüchtig machte. In einem unbeobachteten Augenblick lockte Ullrich den Nicht-Schwimmer Klein-Martin zum Schwimmbecken, er solle doch auch rein springen, es wäre nicht tief und er müsse keine Angst haben. Er zwang regelrecht Martin und beschimpfte ihn als Feigling und kleinen dummen Fettsack bis Martin endlich sprang. Das Wasser war natürlich für den Drei-Käse-Hoch viel zu tief und Martin soff ab. Ullrich stieg aus dem Schwimmbecken über die Edelstahlleiter, von der er Martin weit genug weggelockt hatte, so dass Martin nicht an sie heranreichen konnte und Ullrich verduftete, als wenn nichts gewesen wäre. Der ältere Bruder Erwin sucht Klein-Martin und fragte Ullrich, wo er sei und dieser log, dass er keine Ahnung habe. Er wollte Martin also ersaufen lassen. Erwin suchte in Hausnähe Martin und hörte ein Rufen und planschen und fand Martin um sein Leben ringend strampelnd im Pool. Erwin sprang rein und rettete seinen jüngsten Bruder und pumpte ihm das Wasser aus Bauch und Lunge.
All solche Erlebnisse verfolgten Martin durch sein ganzes Leben mit seinem Bruder, als ob Ullrich seinen jüngsten Bruder mit festem Willen umbringen wollte. Auch als er ihn in Venezuela besuchte, wo er auf einer Hundert-Tausend Hektar Farm „Hato el Frío“ eine Zeit lang arbeitete. Schließlich änderte Martin seine Zweifel und meinte, dass offenbar die Eifersucht und die Missgunst um die Mutterbrust des Zweit-Jüngsten gegenüber dem Jüngsten offenbar doch so stark sei, dass dieser wohl umgebracht werden solle, damit der Zweit-Jüngste länger an Mammas Brüsten weiter saugen konnte. Das eskaliert nun um so heftiger in den Erbauseinandersetzungen. Doch worin läge der biologische Sinn, fragte er sich selbst, Franzi dabei anschauend. Franzi näherte sich Martin, zog ihre Bettdecke über Martin, küsste ihn leidenschaftlich zärtlich, öffnete seinen Bademantel und streichelte ihn über den Bauch bis unter die Gürtellinie. Alsbald fielen sie in Ekstase mit Pausen immer wieder über einander her, bis sie endlich erschöpft einschliefen.
Am nächsten Morgen wurde Martin vom Kaffee-Duft wach, den Franzi bereits aufgebrüht hatte. Sie war sogar schon Croissants beim Schnell-Bäcker im Lidl kaufen. Der Rest war ja schon im Kühlschrank: Butter, Käse, Milch, Wurst und Brombeer-Feigen- sowie Quitten-Marmelade, die Martin selber bereitete, jedes Jahr 20 kg Früchte -mehr, als er selbst verbraucht- und verschenkte sie an Freunde zu Geburtstagen oder einfach so. Nur den Kastanien-Honig, den machte er nicht selbst. Er würde gerne Bienenstöcke haben, doch alles zu seiner Zeit. Vielleicht irgendwann einmal in Spanien.
Martin frühstückt sonst nie oder selten, nur wenn seine Freundin über Nacht blieb. Er begnügte sich mit zwei sehr gehaltvollen Mahlzeiten, die ihn vollschlank bleiben ließen. Er trank meist nur Schwarzen Tee mit Milch gesüßt mit Süßstoff und hieb dafür mittags, besonders aber abends um so kräftiger hin und gönnte sich dazu noch ein Six-Pack, meist noch als Krönung ein-zwei Schnaps-Gläser vom selbstgekelterten Weißwein obenauf, ein Riesling, den er bei einem Besuch vom Kloster-Eberbach als Zweig einst mit seinem Vater vor dreißig Jahren mal abschnitt, tatsächlich auch zum Anwurzeln brachte und an der Hauswand heranzog. Selbstverständlich illegal, da Wein-Reben in der Europäischen Union wegen der Reblaus nur auf resistenten Unterlagen gepfropft gezogen werden dürfen, um ein erneutes Aufkommen der Reblaus zu verhindern, die einst viele Winzer in den Ruin trieb. Die Reblaus ist ein Ammi. Die Reblaus-resistente Unterlage auch.
Franzi und Martin frühstückten im Bett. Franzi bereitete einen provisorischen Tisch für´s Bett und stellte noch obendrauf einen brennenden dicken Kerzen-Stumpen. Auch fand sie hübsche Servierten, die sie in Martin´s Junggesellenhaushalt gar nicht erwartet hatte und zauberte einen wunderschönen Frühstücks-Tisch. Martin stand auf, weil er Pippi machen musste, putze sich die Zähne und ging in seinen Vorgarten, wo er noch schnell ein paar hübsche Blümchen schnitt, blühenden Salbei, Thymian und Rosmarin und eine leuchtend rosa blühende Rispe einer Schmetterlings-Blume, die den hässlichen Namen „Purpurfarbene Brandblume“ trägt. Die hatte er vorletztes Jahr aus der Extremadura mitgebracht, wo er zu einer Naturschutz-Tagung nach Sevilla eingeladen war und einen Abstecher in die Sierra Morena machte, bei der Gelegenheit ein paar kleine Fincas besichtigte. Zafra war sein Traum, dort landen zu können, erzählte er Franzi die Geschichte über die hübsche Blume mit dem hässlichen Namen. Er berichtete, dass an seinem Geburtstag, am 07.Oktober in Sevilla ein Europa-Treffen der Hells-Angels statt fand und von denen der gesamte Platz der Kathedrale von Harleys voll war, voller Typen wie die von ZZ-Topp und gerade starteten, als er am Abend eintraf, um in seine Herberge, das Sevilla-Inn, zu gelangen. Die Harleys fuhren mit einem dröhnenden Donnern alle an ihm durch die Gasse der Stierkampfarena vorbei, von der es einen Nachbau in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela gibt und die er beide kannte. Der Boden vibrierte und die Guardia Civil ließ sich nicht lumpen und wartete gleichfalls, aber schwerbewaffnet mit Harleys auf und eskortierte das Rocker- Aufgebot durch ganz Sevilla. Martin konnte das auch filmen. Er war vollkommen überwältigt von diesem Schauspiel der Rocker, die dieses Spektakel an seinem Geburtstag veranstalteten. Franzi war ganz fasziniert von Martin seinen Darstellungen, dass der Boden und die Luft vibrierten, als ob Panzer-Kolonnen durch die Gassen rollten, führte er fort. Und die dazugehörigen Weiber, die natürlich bei diesem ganz-Körper-tätoviertem Chauvi-Drogen-Dealer-Zuhälter-Pack hinten auf dem Sozius sich an ihren Alten wie ein Äffchen festkrallen mussten, hatten natürlich alle ein Arsch-Geweih, feixte Martin und bracht Franzi zum Prusten, so dass sie sich fast verschluckte, weil sie gerade am Herunter-Schlucken eines Bissens vom Croissant mit Butter und Brombär-Marmelade war, der zwar gut gekaut trotzdem noch blättert... Blätterteig eben... Er konnte Franzi die Videos von diesem Ereignis, als das es Martin auch ehrlich empfand, auf seinem Laptop vorführen.
Martin hatte etwas Bammel, weil er nicht gerne log und daher war er froh, dass Maria, seine Freundin, heute keine Gelegenheit hatte, ihn aus ihrem Urlaub am Vormittag an zu skypen. So ging es eben unter, da beim nächsten Skype-Video mit seiner Freundin es nicht thematisiert wurde, was er so „getrieben“ hatte(dass Franzi bei ihm und mit ihm gepennt hatte), sondern nur sie von ihren traumhaften Wandereindrücken in den Tiroler Alpen berichtete. Für eine längere geführte Tour mussten sie und ihre Freundin schon, oh Schreck, im Morgen-Grauen aus den Federn. Damit erübrigte sich das alles, dass sie nicht, wie gewohnt und es auch für Marias Urlaub so verabredet war, miteinander skypen konnten und verlor sich in ihren Erzählungen. Maria wusste aber, dass Martin mit Franzi in der Schirn bei der Yoko-Ono - Ausstellung sein wollten. So konnten sie ohne große Beklemmungen das Frühstück im Bett genießen.
Franzi raucht. Also musste sie nach dem Frühstück wieder aufstehen zog sich den Bademantel an, unter dem sie in ihrer ganzen Schönheit nackt war, drehte sich eine Zigarette „Schwarze Hand“ und setzte sich vor die Haustür auf ein Kissen, das ihr Martin aufnötigte, damit sie sich ihren Hintern nicht verkühle oder gar eine Blasen-Entzündung hole, in die Sonne und qualmte. Martin raucht auch dann und wann, aber Zigarillos, Schwarze, die aber auch über Lunge und nur dann, wenn er zu viel nach seinem guten Essen getrunken hatte. Das kam aber selten vor. Sein Essen war aber immer gut, befanden spontane Gäste, die immer wieder bestätigten, sie als Single würden nie für sich so einen Aufwand für das Essen-Bereiten betreiben, was Martin aber damit konterte, dass er lieber lecker koche, als seine wertvolle Zeit mit Fernsehen zu vergeuden und sich verblöden zu lassen, um sich irgendeinen Fast-Food-Mikrowellen Convenience-Fraß in den Hals zu schieben oder essen zu gehen(was er sich sowieso nicht leisten konnte), denn er weiß, wie es auch in guten Restaurant-Küchen zu geht, aber mangels amtlicher Kontrolle so gut wie nie aufgedeckt werden würde. Außerdem würden dort in der Regel auch Fertiggerichte häufig nur in die Mikrowelle gestellt oder in einem Heißwasser-Bad erwärmt und auf dem Teller nur mit frisch gehackter Petersilie oder dergleichen bestreut und fertig. Dafür gab man ihm aber ausnahmslos immer Recht, auch wenn die Befürworter an ihrem Lebensstil nichts änderten.
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