»Ist mein rolliges Kätzchen wieder voller sündiger Gedanken?«, grinste Violett.
»Du weißt genau, wie sündig ich sein kann …« Tamora genoss ihr erotisch-verbales Spiel. Dabei streckte sie eine Hand aus und fuhr ihrer Königin am Oberschenkel entlang unter den kurzen Rock. »Ich will nur schnell prüfen, ob ich mit meiner Aussage auch richtigliege.« Sie streckte ihren Zeigefinger aus und fuhr ihr damit durch die feuchte Spalte. Als ihre Hand wieder zum Vorschein kam, schleckte sie ihren Finger aufreizend langsam und genüsslich ab. »Diese Sahne ist wirklich die schmackhafteste ...«
Verschmitzt grinste Violett sie an. »Hattest du eine Erlaubnis, mich derart berühren zu dürfen?«
»Nein, Herrin, und ich erwarte für mein ungeheuerliches Fehlverhalten eine harte Bestrafung«, erwiderte Tamora leise, wobei sie aber in freudiger Erwartung in sich hineingrinste. »Aber meine stolze Gebieterin möge verzeihen. Ich bin einem Impuls gefolgt, und habe gespürt, dass es Euch auch wieder einmal nach Führung gelüstet. Dass ich Euch wieder einmal ganz nach meinem Gusto benutzen und lieben darf …« Sie schlug betörend ihre Augen auf und klimperte ihre Geliebte an. »Vielleicht auf die von unserer › Chérie ‹ so gern favorisierte Art und Weise? In sanften Fesseln und …«
Der verführerisch vorgebrachte Vorschlag jagte Violett eine Gänsehaut über den Körper. »Eine sehr geile Vorstellung, die du mir da gerade offerierst, meine Süße … Nun, wir wollen mal sehen, ob ich dir das gestatten werde.« Um ihrer aufsteigenden Erregung etwas Luft zu verschaffen, zog sie ihre Partnerin an sich und küsste sie stürmisch.
Als sich die beiden nach einer gefühlten Ewigkeit wieder voneinander trennten, musste Tamora erst einmal tief Luft holen, um wieder in der Realität anzukommen.
»Und jetzt beeil dich! … Hopp, hopp!«, mahnte Violett ihre Prinzessin.
»Du weißt schon, dass mich das gerade noch mehr anspornt mich zu eilen, nicht wahr?«
Violett schmunzelte, wandte sich wortlos den Kabinen zu und überließ ihre Geliebte sich selbst.
*
Emsig blickte sich Tamora nach einer Angestellten des Kaufhauses um, bis sie unweit eine junge Frau bemerkte, von der sie vermutete, dass diese sie und ihre Verlobte gerade bei ihrem kleinen Spiel beobachtet hatte. »Könnten Sie mir bitte behilflich sein, Miss?!«, sprach sie die Blondine an, die nur wenige Schritte entfernt von ihr stand und etwas im Regal vor sich ordnete.
»Natürlich. Sehr gern, Mylady!«
*
Solveig schob den Vorhang zur Seite und trat als erstes im blauen Kleid aus der Kabine. »Das ist ein wahrer Traum. So elegant und figurbetont. Und der Stoff erst, …«, schwärmte sie vor sich hin.
Die bis zum Handgelenk reichenden langen Ärmel schmiegten sich wie eine zweite Haut an, und der U-Boot-Ausschnitt schmeichelte ihrem langen, schmalen, makellosen Hals. Locker fielen ihr ihre offenen, langen, fast schon weißen Haare über die Schultern. Der Saum des Kleides endete eine Handbreit über ihren Knien, was ihre eh schon langen Beine nur noch mehr in Szene setzte und noch länger wirken ließ.
»Drehst du dich bitte einmal?!« Violett hob ihre Rechte und bedeutete ihr mit dem Zeigefinger, sich einmal um die Achse herumzudrehen. Begeistert musterte sie die Schwedin dabei. »Oh ja, das steht dir wirklich ausgezeichnet. Als wenn es für dich gemacht wurde. Das ist einfach perfekt für die Hochzeit … Und dann auch noch dieser aufregende Rückenausschnitt. Na, wenn dir da nicht alle Herzen zufliegen, dann weiß ich auch nicht.« Sie lachte herausfordernd. »Ja, ja, ich weiß … Das eine Herz reicht dir! Schon gut, aber ehrlich … Ihr beide … Da ist so süß, dass man euch immerzu necken muss!«
»So, da bin ich wieder … und mit reichlich Geschenken …«, trällerte Tamora fröhlich, als sie bei den Kabinen ankam, die Angestellte mit vollen Armen im Schlepptau.
»Ouid id est, timeo Danaos et dona ferentes! [ 3 ]«. Ein Schmunzeln umspielte Violetts Lippen.
»Na, Vio! Das ist jetzt aber gar nicht nett!«, echauffierte Tamora sich und grinste frech, während Solveig die beide nicht verstehend ansah. »Erstens bringe ich kein Holzpferd und zweitens bin ich keine Griechin … oder habe ich etwa einen leichten Buckel in der Nase.« Sie drehte sich einem der großen Spiegel zu und betastete prüfend mit zwei Fingern ihr Riechorgan.
»Boah! Wie doooof du mal wieder sein kannst!«, lachte Violett.
Inzwischen starrte Solveig auf Jacke, Schuhe und Unterwäsche, die die › Harrods ‹-Mitarbeiterin auf einem Tisch ausbreitete. »Wow! … Ihr denkt aber auch wirklich an alles.« Nur eine große Tasche, deren Inhalt sich ihren Blicken entzog, blieb unberührt.
»Na, nur ein Kleid wäre nichts Halbes und schon gar nichts Ganzes, nicht wahr?« Tamora erfreute sich an Solveigs ungläubigem Blick. Sie hielt ein Päckchen naturfarbene Nylons hoch und eine › Clutch ‹ – eine kleine, elegante Damenhandtasche ohne Henkel, im gleichen Goldton wie die High Heels.
Bei genauem Hinschauen konnte Solveig an der Jacke Knöpfe in gleicher Farbe erkennen. Sie schienen aus Messing gefertigt und zeigten einen von einem Tau umwickelten Anker, wie man sie an Marinekleidung finden konnte. »Das erinnert mich daran, dass ich Männer in Uniform schon seit jeher sehr attraktiv finde. Diese Stärke und Macht, die sie darin ausstrahlen. Hui …«
Die Angestellte, die Tamora begleitet und ihre bei der Auswahl zur Seite gestanden hatte, nickte unbewusst mit dem Kopf.
»Aha!«, machte Violett darauf und schaute erst Solveig und dann ihre Prinzessin an. »Ihr findet Uniformen also scharf?«
»Oooh, jaaa …!«, antworteten die beiden mit einer Stimme.
»Ich werde es mir merken!«, lächelte Violett darauf mit einem vielversprechenden Lächeln. Dann wandte sie sich wieder an Solveig. »Probiere bitte auch Jacke und Schuhe dazu an«, und in Richtung der Mitarbeiterin: »Die Dessous nehmen wir auf alle Fälle. Sehr schön, die gefallen mir … All die Spitzen und Rosen. Sehr sexy … Du beweist wieder einmal einen sehr guten Geschmack, meine Süße.« Sie gab ihrer Prinzessin einen Kuss auf die Wange. Dann war es wieder Josephine, der ihre nächste Frage galt. »Haben Sie für den BH eine Verlängerung, sodass er den verführerischen Rücken nicht ruiniert?« Ablenkend versuchte sie wieder auf den eigentlichen Grund ihres Hierseins zurückzukommen.
»Ja, selbstverständlich«, nickte Josephine. »Valery wird sich gern darum kümmern.« Sie gab ihrer Kollegin ein kurzes Handzeichen, die sich augenblicklich auf den Weg machte, das Gewünschte zu holen.
Während Solveig indessen in die vor ihr stehenden High Heels schlüpfte, neigte sich Violett ihrer Prinzessin zu. »Was ist mit der Tasche?«
»Eine kleine Überraschung für zu Hause«, flüsterte Tamora für Solveig unhörbar. »Wir wollen doch spielen, oder?«
Violett schenkte ihr ein Schmunzeln, ließ es dabei bewenden und schaute wieder zu Solveig, die sich den schwarzen Blazer übergezogen hatte, der ihr knapp bis auf den Po reichte. »Die dreifache Knopfleiste finde ich toll«, bemerkte sie, während Tamora der Schwedin die Handtasche reichte.
»Ich habe extra naturfarbene Nylons mit einer Kuba-Ferse ausgewählt. So kommen ihre Beine besser zur Geltung.« Tamora hielt ihrer Königin die Packung hin, um sich deren Zustimmung zu holen.
»Wirklich klasse. Sehr harmonisch. Aber weißt du, was mir gerade auffällt?« Violett schnippte leicht mit zwei Fingern. »Irgendwie fehlt noch etwas an Schmuck oder ähnlichem.«
»Daran habe ich auch schon gedacht ...«, nickte Tamora.
In diesem Moment kam Valery mit dem Extra für den Büstenhalter zurück. »Hier habe ich eine Auswahl der verfügbaren Verlängerungen, Mylady«, lächelte sie Violett an und breitete das Mitgebrachte auf dem Tisch an, sodass es sich alle anschauen konnten.
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