»Sehr gern, Mylady. Wenn Sie mir bitte folgen würden«, nickte Josephine und schritt langsam voran. »Wir haben hinten eine ausgezeichnete und wirklich bezaubernde Auswahl an neuen Designerkleidern.« Fragend und interessiert schaute sie Violett an. »Haben Mylady eine bestimmte Vorstellung bezüglich des Kleides?«
»Weiß und Rosé geht definitiv nicht«, erklärte Violett. »Ansonsten muss es ihrem Typ entsprechen und ihr schmeicheln.« Sie deutete auf Solveig. »Sie hat eine aufregend schöne Figur, die auf keinen Fall unter allzu vielen Stofflagen versteckt werden sollte.« Ihr Blick richtete sich wieder auf Josephine. »Eines muss etwas formell sein, das andere kann und darf sehr gern auffällig und auch provokant sein. Ein › Eyecatcher ‹ quasi, der Männerblicke wie ein Magnet auf sie lenkt.«
»Nicht nur Männerblicke, auch Katzenaugen«, hüstelte Tamora leise und zwickte Solveig unauffällig leicht in den Po, die darauf etwas zusammenzuckte und versuchte, sich nichts weiter anmerken zu lassen. »Ich würde diese stolze Nordin gern in einem strahlenden Blau sehen, Josephine«, wandte sie sich nun direkt an die leitende Mitarbeiterin des Kaufhauses. »Das würde perfekt zu ihrem Teint und ihren Augen passen … Vielleicht haben Sie auch ein Kleid in einem aufregenden Rot. Auch das würde ihr sicher gut stehen.« Sie sah vor ihrem inneren Auge bereits, wie aufregend und strahlend schön ihr neues Familienmitglied darin aussah.
Violett nickte zustimmend. »Ja. Kann ich mir auch gut vorstellen.«
»Da denke ich an ein sehr edel gearbeitetes Kleid in Kornblumenblau.« Josephine musterte Solveig kurz, mit den Augen maßnehmend. »Ja, Sie haben recht. Wird ihr ausgezeichnet stehen.«
Solveig kam sich im Augenblick ein wenig überflüssig vor. Sie war es nicht gewöhnt eingekleidet zu werden. Ich habe es immer geliebt shoppen zu gehen, meine eigenen Vorstellungen umzusetzen und auch mal etwas Verrücktes auszuprobieren. Aber die beiden haben wirklich ein gutes Auge. Ich trage Blau tatsächlich sehr gern. Sie seufzte in sich hinein. Aber ich werde mich in meiner devoten Rolle üben und einfach warten, bis ich angesprochen werde. Wird sicher spaßig die Kleiderpuppe für meine Herrinnen zu machen , überlegte sie mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Außerdem habe ich ja eh nicht mehr über meine Kleidung zu befinden. Je schneller ich mich daran gewöhne desto besser.
Ihr Grinsen war Violett nicht entgangen. »Ich weiß, du bist noch völlig überwältigt von deiner Willkommensfeier«, schmunzelte Violett, »und gerade nicht wirklich sicher, was du tun, oder wie du dich am besten verhalten sollst, nicht wahr?«
»Ja, Mistress!«, antwortete sie kaum hörbar, weshalb sie zusätzlich nickte und sich kaum traute ihren Blick zu heben.
»Du darfst und sollst keine Angst davor haben Fehler zu begehen«, fuhr Violett leise fort. »Die wirst du früher oder später eh machen. Wir wissen alle, dass du noch einiges zu lernen hast, … auch über dich selbst. Aber wenn du dich aus Angst vor Fehlern gar nichts mehr traust, wirst du auf deinem Weg nicht vorankommen.« Sie legte ihr einen Finger unters Kinn und hob ihren Kopf ein wenig an. »Sei einfach du selbst, wenn wir unterwegs sind. Ich werde dir zu Anfang immer deutliche Zeichen geben, wenn wir mit einem Spiel beginnen. Mit der Zeit wird es einfacher und wie ein gleitender Übergang sein.« Sie lächelte Solveig mütterlich an. »Jetzt aber sind wir nur drei große Mädels mit viel Geld, die sich etwas Schönes gönnen wollen. Also lass' das kleine, verspielte Mäuschen heraus, die verwöhnte Prinzessin, der nichts gut und teuer genug ist … und lass' uns dieses Schlaraffenland genießen.« Sie beugte sich ihr leicht entgegen und hauchte ihr einen Kuss auf die Nasenspitze.
»Danke!«, erwiderte Solveig darauf wieder gewohnt selbstbewusst.
Josephine war an einer der unendlich vielen Kleiderstangen angekommen und hatte direkt ein äußerst elegantes und schmeichelhaftes Kleid herausgefischt, das über und über mit Perlen und aufwendigen Stickereien versehen war. Sie drehte sich den Dreien zu und hielt es gut sichtbar in die Höhe.
»Unbedingt … Ja, das probieren wir«, kommentierte Tamora das kostbare textile Kunstobjekt.
»Das ist wirklich sehr schön«, stimmte Solveig ihr zu. »Ein ansprechendes Blau, das wirklich gut zu mir passt.«
»Wollen Sie erst noch nach dem anderen Kleid sehen oder möchten Sie diese Kreation direkt schon anprobieren?«, erkundigte sich Josephine mit einem höflichen Lächeln.
»Wie es ausschaut, hat meine Verlobte das zweite Kleid bereits gefunden«, schmunzelte Violett in Tamoras Richtung, die gerade ein atemberaubendes, mittellanges Kleid in den Händen hielt, das einen tiefen V-Ausschnitt besaß.
»Wow!«, entfuhr es Solveig. »Das nenn' ich mal ein Kleid … Beide sind eine tolle Wahl.« Man merkte ihrer Stimme an, wie aufgeregt und freudig sie darüber war.
»Darin wirst du aber einem süßen Kätzchen ganz schön den Kopf verdrehen«, konnte sich Violett eine kleine Stichelei nicht verkneifen.
Solveig schaffte es nicht, eine gewisse Röte auf ihren Wangen zu verhindern. »Ist das so offensichtlich, dass ich ihr gefallen möchte?«
»Oh, ja ...«, kam es von Tamora und Violett unisono, »ist es! Sehr sogar!«
»› Cat ‹ ist echt süß«, murmelte Solveig und schaute die beide aus verliebten Augen an. »Natürlich möchte ich, dass sie stolz auf mich ist, wenn wir mal weggehen sollten und sie ihre Hand besitzergreifend auf meinem Po liegen hat … Nach dem Motto: Schauen erlaubt, aber mehr auch nicht. Sie gehört mir!«
»Ich weiß, was du meinst«, lächelte Tamora und nahm sie zärtlich in den Arm. »Das wünsche ich mir auch immer … Allen sollen die Augen aus dem Kopf fallen, ein Sabbern einsetzen und das Kopfkino anlaufen … und dann: Pustekuchen … ist vergeben und in den besten Händen der Welt, die sie auch richtig zu führen wissen.«
»Ja, genau so«, nickte Solveig.
»Na, dann sollten wir jetzt Josephine folgen«, schmunzelte Violett und zog die beiden mit sich hinter der Angestellten her, die sich bereits langsam auf die Umkleidekabinen zubewegte.
*
»Vio?«, hielt Tamora ihre Freundin kurz zurück und außer Hörweite von Solveig und Josephine. »Was hältst du davon, wenn wir unsere › Solvi ‹ gleich komplett einkleiden? Ich meine auch Schuhe, Jacke und Nylons. Nicht zu vergessen süße, verspielte Dessous.«
»Ist mir auch schon durch den Kopf gegangen«, nickte Violett zustimmend. »Warum fragst du so geheimnisvoll?«
»Weil ich dich eigentlich um Erlaubnis bitten wollte, diesbezüglich schon einmal auf Jagd zu gehen und mir eine Beraterin zu schnappen«, grinste Tamora sie keck an.
»Solveig ist doch schon wie ein Gedicht, das ja wie ein Dessous sein soll … Ein Hauch von Nichts, dass einem den Gedanken der Fantasie überlässt.«
»Wie süß du das ausdrückst«, seufzte Tamora dahinschmelzend. »Aber so würde es schneller gehen. Dann bleibt uns noch Zeit für unseren Spieleabend. Den wollen wir doch nicht ausfallen lassen, oder?«
»Verzeih', aber daran habe ich gar nicht gedacht.«
»Und ein Hüngerchen verspüre ich auch so langsam«, fügte Tamora noch hinzu.
»Ach, meinem armen rolligen Kätzchen verlangt es also nach seinem Sahnetöpfchen ...«, stachelte Violett ihre Freundin an und kraulte ihr unter dem Kinn, um sie noch mehr anzuheizen.
Tamora maunzte leise, ehe sie kicherte: »Ja, wenn es deine süße, aromatische, leicht milchige Sahne ist, meine über alles geliebte, immerzu angehimmelte und zutiefst vergötterte Königin!« Und um ihre Worte noch provokanter zu gestalten, leckte sie sich dabei mit der Zungenspitze über die leicht geöffneten Lippen und rieb ihre Wange an der Schulter ihrer zukünftigen Frau. In ihren Augen war abzulesen, dass sie gerade daran dachte, ihre Geliebte am liebsten auf der Stelle lecken und schmecken zu wollen.
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