Anonym - Erzählungen aus 1001 Nacht - 5. Band
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Erzählungen aus 1001 Nacht - 5. Band: краткое содержание, описание и аннотация
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Die Erzählungen aus Tausendundeine(r) Nacht sind eine Sammlung morgenländischer Texte und zugleich ein Klassiker der Weltliteratur. Typologisch handelt es sich um eine Rahmenerzählung mit Schachtelgeschichten. Aus Sicht der frühesten arabischen Leser hatte das Werk den Reiz der Exotik, es stammt für sie aus einem mythischen «Orient». Das Strukturprinzip der Rahmengeschichte sowie einige der enthaltenen Tierfabeln weisen auf einen indischen Ursprung hin und stammen vermutlich aus der Zeit um 250. So wird zwar ein indischer Ursprung vermutet, aber dass der Kern der Erzählungen aus Persien stammt, kann nicht ausgeschlossen werden. Hinzu kommt, dass zwischen dem indischen und persischen Kulturraum zu jener Zeit enge Beziehungen bestanden.
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Jetzt nun höre, o glücklicher König, was dem Prinzen Ali widerfuhr, dem zweiten Bruder des Prinzen Husain. Am dritten Tage nach seiner Trennung von den beiden anderen, schloß auch er sich einer Karawane an und reiste mit ihr nach Persien. Und als sie nach einer Wanderung von vier Monden in Schiras ankamen, der Hauptstadt des Iran, stieg er ab in einem Khan mit all seinen Gefährten, mit denen er sich befreundet hatte; und er schlug dort mit ihnen seine Wohnung auf, indem er sich als Juwelier ausgab. Am nächsten Tage zogen die Händler hinaus, um ihre Waren zu verkaufen und andere zu kaufen; Prinz Ali aber, der nichts mitgebracht hatte, was er verkaufen konnte, sondern nur, was er brauchte, legte alsbald das Reisekleid ab und betrat mit einem Gefährten von der Karawane den Hauptbasar, der da bekannt ist als der Basistan oder Tuchmarkt. Ali schlenderte dort umher, und der Basar war aus Ziegeln erbaut, und alle Läden hatten gewölbte Dächer, die auf schönen Säulen ruhten; und er staunte sehr, als er die prachtvollen Lagerhäuser sah, die allerlei Waren von unermeßlichem Wert zum Verkauf darboten. Er fragte sich verwundert, welch ein ungeheurer Reichtum in der Stadt sein müsse, wenn eine einzige Marktstraße schon solche Schätze bärge. Und als die Händler einhergingen und ihre Waren ausriefen zum Verkauf, da sah er einen, der hielt in der Hand ein elfenbeinernes Rohr von etwa einer Elle Länge, das er um den Preis von dreißigtausend Aschrafîs zum Verkauf ausbot. Als Prinz Ali eine solche Forderung hörte, dachte er bei sich selber: ›Sicherlich ist dieser Mensch ein Narr, daß er einen solchen Preis für eine solche Armseligkeit verlangt!‹ Und er fragte einen der Ladenbesitzer, mit dem er Bekanntschaft geschlossen hatte: ›O mein Freund, ist dieser Mensch ein Irrer, daß er die Summe von dreißigtausend Aschrafîs für dieses kleine Elfenbeinrohr verlangt? Wahrlich, nur ein Dummkopf würde ihm den Preis dafür zahlen und einen solchen Schatz Geldes dafür verschwenden.‹ Sprach der Ladenbesitzer: ›O mein Herr, dieser Makler ist klüger und gewitzigter als all die anderen seines Berufs, und durch ihn habe ich Waren verkauft, die Tausende von Dinaren wert waren. Bis gestern war er noch bei Verstande; doch ich weiß nicht, wie es heute mit ihm steht, und ob er vielleicht irr wurde oder nicht. Ich weiß nur eins: wenn er für dies Elfenbeinrohr dreißigtausend Aschrafîs verlangt, so ist es den Preis, und selbst einen höheren, wert. Wir werden es aber mit eigenen Augen sehen. Setz dich hierher und ruhe dich im Laden aus, bis er des Weges kommt.‹ Da nahm Prinz Ali Platz, wie man ihn einlud, und bald sah man den Makler die Straße herauf nahen. Rief der Besitzer des Ladens ihm zu und sprach: ›O Mann, jene kleine Röhre hat eine seltene Kraft, denn alles Volk hört mit Staunen, welch einen hohen Preis du für sie verlangst; ja, dieser mein Freund hält dich gar für irre.‹ Der Makler war ein verständiger Mann, und so ärgerte er sich durchaus nicht über diese Worte, sondern er erwiderte mit artiger Rede: ›O mein Herr, ich zweifle nicht daran, daß du mich für einen Irren halten mußt, wenn ich für eine so geringe Ware einen so hohen Preis verlange und so großen Wert auf sie lege; aber wenn ich dir ihre Eigenschaften und Kräfte vermeldet habe, so wirst du sie nur zu gern für einen solchen Preis erstehen. Nicht du allein, alle, die meinen Ruf vernommen haben, lachen über mich und nennen mich einen Narren.‹ Mit diesen Worten zeigte der Makler dem Prinzen Ali das Fernrohr, reichte es ihm und sprach: ›Sieh dir dies Elfenbein gut an; ich will dir seine Eigenschaften auseinandersetzen. Du siehst, es ist auf beiden Seiten mit einem Stück Glas versehen, und wenn du das eine Ende an dein Auge hältst, so wirst du sehen, was immer du sehen willst, und es wird dicht vor dir erscheinen, sei es auch Hunderte von Meilen entfernt.‹ Versetzte der Prinz: ›Das geht über alles Verständnis hinaus, und ich kann es nicht für Wahrheit halten, bis ich es erprobt habe und mich überzeuge, daß es ist, wie du sagst.‹ Da legte der Makler das kleine Rohr in Alis Hand, zeigte ihm, wie er es handhaben müßte, und sprach: ›Was du auch zu erblicken wünschen magst, das wird sich dir zeigen, wenn du durch dies Elfenbein spähst.‹ Stillschweigend wünschte Prinz Ali sich, seinen Vater zu sehen, und als er das Rohr dicht ans Auge hielt, sah er ihn alsbald gesund und wohlbehalten, wie er auf seinem Throne saß und Recht sprach unter dem Volke seines Herrschaftsgebietes. Da verlangte es den Jüngling mit heißem Verlangen, seine Geliebte zu erblicken, die Prinzessin Nur al-Nihar; und alsbald sah er sie schon, wie sie gesund und wohl auf ihrem Bette saß und plauderte und lachte, während eine Schar von Sklavinnen rings um sie stand und ihrer Befehle harrte. Der Prinz erstaunte in höchstem Staunen, als er dies seltsame und wunderbare Schauspiel sah, und er sprach bei sich selbst: ›Und wenn ich die ganze Welt durchwanderte, zehn Jahre lang oder noch länger, und in jedem Winkel und jeder Ritze suchte, nie fände ich etwas gleich Seltenes oder Kostbares wie dieses Rohr.‹ Sprach er zu dem Makler: ›Ich sehe, die Kräfte deines Rohrs sind wirklich die, die du schildertest, und gern will ich dir den Preis entrichten: dreißigtausend Aschrafîs.‹ Erwiderte der Verkäufer: ›O mein Herr, mein Gebieter hat einen Eid geschworen, daß er sich nicht für weniger als vierzigtausend Goldstücke davon trennen will.‹ Da nun der Prinz einsah, daß der Makler ein ehrlicher und gerechter Mann war, so wog er ihm die vierzigtausend Dinare ab, und so wurde er zum Herrn des Fernrohrs, entzückt ob des Gedankens, daß es seinen Vater zufriedenstellen und ihm die Hand der Prinzessin Nur al-Nihar gewinnen würde. Und ruhigen Sinnes reiste Ali durch Schiras und durch die verschiedenen Gegenden Persiens; und dann wanderte er zurück nach Indien und erreichte gesund und wohlbehalten die Karawanserei, in der Prinz Husain schon eingetroffen war. Dort blieben die beiden und harrten der wohlbehaltenen Rückkehr des dritten Bruders.
Solches, o König Schahryar, ist die Geschichte der beiden Brüder; und jetzt flehe ich dich an, neige dein Ohr und lausche dem, was dem jüngsten der Brüder, dem Prinzen Ahmad, widerfuhr; denn wahrlich, es ist das fremdeste und seltenste von allen. Als er sich von seinen Brüdern getrennt hatte, schlug er die Straße ein, die da führte nach Samarkand; und als er nach langer Reise dort eintraf, nahm er gleich seinen Brüdern Wohnung in einem Khan. Gleich am nächsten Tage aber zog er aus, um sich den Marktplatz anzusehen, den das Volk dort den Basistan nennt, und er sah, daß er schön angelegt war, und die Läden waren mit kunstvoller Arbeit erbaut und gefüllt mit seltenen Stoffen und wertvollen Gütern und kostbaren Waren. Als er nun dort hin und wieder wanderte, traf er auf einen Makler, der einen magischen Apfel feilbot und laut dazu rief: ›Wer will diese Frucht kaufen, deren Preis sich auf fünfunddreißigtausend Goldstücke beläuft?‹ Sprach Prinz Ahmad zu dem Manne: ›Bitte, laß mich die Frucht ansehen, die du in der Hand hältst, und erkläre mir, welche verborgene Kraft sie besitzt, daß du einen so hohen Preis dafür forderst?‹ Sprach lächelnd der andere, indem er ihm den Apfel reichte: ›Staune nicht, o mein guter Herr; wahrlich, ich bin gewiß, wenn ich dir ihre Eigenschaften auseinandergesetzt habe, und wenn du siehst, wie sehr sie aller Menschheit hilft, so wirst du meine Forderung nicht mehr für übertrieben halten; ja, du wirst mit Freuden ein Schatzhaus Goldes dafür geben, wenn du es besitzest.‹ Und er fuhr fort: ›Jetzt höre mich an, o mein Herr, und ich will dir sagen, welche Kraft in diesem künstlichen Apfel ruht. Wenn einer krank ist, und sei seine Krankheit die allerärgste, ja, sei er dem Tode schon ganz nahe, und wenn er dann an diesem Apfel riecht, so wird er sich alsbald erholen und gesund werden und frei von jeglicher Krankheit, ob die Pest ihn plagte oder die Entzündung des Brustfells, das Fieber oder ein anderes bösartiges Leiden, und er wird sein, als sei er nie krank gewesen; und seine Kraft wird ihm alsbald zurückkehren, und nachdem er an dieser Frucht gerochen hat, wird er frei sein von jedem Leiden und jeder Krankheit, solange ihm das Leben bleibt.‹ Sprach Prinz Ahmad: ›Wie soll ich mich überzeugen, daß da Wahrheit ist, was du mir sagest? Wenn es ist, wie du behauptest, so will ich dir mit Freuden die verlangte Summe geben.‹ Sprach der Händler: ›O mein Herr, alles Volk, das in den Gegenden rings um Samarkand herum wohnt, weiß noch recht gut, daß einst in dieser Stadt ein Weiser lebte von wunderbarer Geschicklichkeit, und der hat nach vielen Jahren der Mühsal und Beschwerde diesen Apfel hergestellt, indem er zahllose Säfte von Kräutern mit Mineralien mischte. Seinen ganzen Besitz, und der war beträchtlich, gab er dafür aus, und als er ihn fertig hatte, da heilte er Tausende von Kranken, die er nur an dem Apfel riechen ließ. Aber ach, er fand ein plötzliches Ende, und der Tod überraschte ihn jählings, ehe er sich durch den wunderbaren Geruch erretten konnte; und da er keinen Reichtum gewonnen hatte und nur eine beraubte Witwe hinterließ, eine große Schar junger Kinder und viele Diener, so bleibt seiner Witwe nichts anderes übrig, als sich von diesem Wunder zu trennen, damit sie das tägliche Brot für sie gewinne.‹ Und während der Makler dem Prinzen seine Geschichte erzählte, sammelte sich rings um ihn eine Schar von Bewohnern der Stadt, und einer aus dem Volke, der dem Makler wohl bekannt war, trat hervor und sprach: ›Ein Freund von mir liegt zu Hause krank auf den Tod; die Ärzte und Chirurgen alle verzweifeln an seinem Leben; ich aber flehe dich an, laß ihn an diesem Apfel riechen, damit er lebe.‹ Als Prinz Ahmad diese Worte vernahm, wandte er sich zu dem Verkäufer und sprach: ›O mein Freund, wenn dieser Kranke, von dem du hörst, zu Kräften kommt, indem er an dem Apfel riecht, so will ich ihn gleich um den Preis von vierzigtausend Aschrafîs erstehen.‹ Der Makler hatte nun Vollmacht, die Frucht für fünfunddreißigtausend Goldstücke zu verkaufen; und mit einem Maklerlohn von fünftausend war er zufrieden. Sprach er: ›Gut, o mein Herr, jetzt kannst du die Kräfte des Apfels erproben und deine Seele überzeugen; Hunderte von Leidenden habe ich mit ihm geheilt.‹ Da begleitete der Prinz die Leute zum Hause des Kranken, und er fand ihn auf seinem Bette liegend, den letzten Hauch auf den Lippen; aber sowie der Sterbende die Frucht roch, kehrte ihm sofort die Kraft zurück, und vollkommen gesundet, munter und wohlauf erhob er sich vom Lager. Als er das sah, kaufte Ahmad den Apfel und zahlte dem Makler die vierzigtausend Dinare. Und als er das Ziel seiner Reise in Händen hielt, beschloß er, sich einer Karawane anzuschließen, die nach Indien zog, und in seines Vaters Haus zurückzukehren; bis dahin aber wollte er sich an den Sehenswürdigkeiten und Wundern Samarkands vergnügen. Besondere Freude machte es ihm, auf die glorreiche Ebene hinauszuschauen, die da Soghd heißt und eines der Wunder der Welt ist. Das Land auf allen Seiten war ein Labsal für das Gesicht: smaragdgrün und licht, und wie des Paradieses Gelände durchströmt von kristallenen Bächen; die Gärten trugen allerlei Blumen und Früchte, und die Städte und Paläste erfreuten das Auge des Fremden. Nach einigen Tagen aber schloß Prinz Ahmad sich einer Karawane von Kaufleuten an, die nach Indien zogen; und als seine lange und langwierige Reise zu Ende war, erreichte er schließlich die Karawanserei, wo seine beiden Brüder, Husain und Ali, ungeduldig seiner Rückkehr harrten. Sie freuten sich alle drei in höchster Freude, als sie sich wiedersahen, und fielen sich um den Hals; und sie dankten Allah, der ihnen wohlbehaltene Heimkehr beschieden hatte nach so langer und langwieriger Trennung. Dann wandte Prinz Husain, als der älteste, sich zu den beiden anderen und sprach: ›Jetzt geziemt es uns, ein jeder zu erzählen, was ihm widerfahren ist, und zu vermelden, welche Seltenheit er mitbringt, und welches ihre Kräfte sind. Und da ich der Erstgeborene bin, so will ich auch als erster meine Abenteuer berichten. Ich bringe mit mir aus Bischangarh einen Teppich, wertlos dem Anschein nach, doch sind seine Kräfte solcher Art, daß, wer sich darauf setzt und im Geiste den Wunsch ausspricht, ein Land oder eine Stadt zu besuchen, sofort in Sicherheit und Behaglichkeit dorthin entrückt wird, wäre die Reise auch Monde, ja, Jahre lang. Ich habe vierzigtausend Goldstücke als seinen Preis bezahlt; und nachdem ich alle Wunder des Landes Bischangarh gesehen hatte, setzte ich mich auf meinen Kauf und verlangte, an diese Stelle getragen zu werden. Flugs war ich hier, wie ich es wünschte, und jetzt harre ich seit drei Monaten in diesem Khan eurer Ankunft. Den fliegenden Teppich habe ich bei mir; also möge jeder, der Lust hat, ihn erproben.‹ Als nun der älteste Prinz seine Erzählung beendet hatte, hub Prinz Ali an und sprach: ›O mein Bruder, dieser Teppich, den du mitgebracht hast, ist wunderselten, und er hat erstaunliche Gaben; und nach dem, was du berichtest, hat in der Welt noch niemand etwas gesehen, was sich mit ihm vergleichen ließe. Und er zog das Fernrohr hervor und fuhr fort: ›Seht her! Auch ich habe für vierzigtausend Aschrafîs etwas erstanden, dessen Eigenschaften ich euch jetzt erklären will. Seht ihr dies Rohr aus Elfenbein? Mit seiner Hilfe kann der Mensch Dinge erblicken, die seinen Augen verborgen waren, und die viele Meilen entfernt sind. Es ist wahrlich höchst wunderbar und wert, daß ihr es prüft; und ihr beide könnt es erproben, wenn ihr wollt. Legt nur das eine Auge dicht an das kleinere Glas und sprecht im Geist einen Wunsch aus, zu sehen, was immer eure Seele zu sehen begehrt; und ob es nun nah ist oder viele Hunderte von Meilen fern, dies Elfenbein wird es euch deutlich nahe rücken.‹ Bei diesen Worten nahm Prinz Husain dem Prinzen Ali das Rohr aus der Hand, und als er das eine Ende, wie ihm gesagt worden war, dicht an das Auge hielt, sprach er im Herzen den Wunsch aus, die Prinzessin Nur al-Nihar zu erblicken; und die beiden Brüder beobachteten ihn, um zu sehen, was er sagen werde. Plötzlich aber sahen sie, wie er die Farbe wechselte und der verwelkten Blume gleich zusammenschrumpfte, während ihm in seiner Erregung und seinem Kummer eine Flut von Tränen aus den Augen strömte; und ehe noch seine Brüder sich von ihrem Staunen erholten und fragen konnten, welches der Grund dieses seltsamen Verhaltens sei, rief er laut aus: ›Ach und Wehe! Wir haben Mühsal und Beschwerde erduldet, und wir sind so weit gewandert in der Hoffnung, die Prinzessin Nur al-Nihar zu gewinnen. Doch es ist alles vergebens; ich sah sie todkrank auf ihrem Bette liegen, als müsse sie den Geist aufgeben, und rings um sie standen ihre Frauen und alle weinten und klagten in schwerstem Schmerz. O meine Brüder, wenn ihr sie noch zum letztenmal erblicken wollt, so werft durch das Rohr einen einzigen Blick, bevor sie nicht mehr ist.‹ Da griff Prinz Ali nach dem Fernrohr und spähte hindurch, und er sah die Prinzessin, wie sein Bruder sie geschildert hatte; und er reichte das Rohr dem Prinzen Ahmad, der auch hindurchsah und sich überzeugte, daß die Prinzessin Nur al-Nihar im Begriff wäre, den Geist aufzugeben. Und also sprach er zu seinen älteren Brüdern: ›Wir sind alle drei gleich verstört aus Liebe zu der Prinzessin, und es ist eines jeden sehnlichster Wunsch, sie sich zu gewinnen. Ihr Leben flieht, und doch kann ich sie retten und gesund machen, wenn wir unverzüglich zu ihr eilen.‹ Mit diesen Worten zog er den magischen Apfel aus der Tasche und zeigte ihn ihnen, indem er rief: ›Dies hier ist nicht geringer an Wert als der fliegende Teppich oder das Fernrohr. Ich habe es in Samarkand für vierzigtausend Goldstücke erstanden, und dies ist die beste Gelegenheit, seine Kräfte zu erproben. Man sagte mir, wenn ein Kranker den Apfel an die Nase hält, und liege er auch in den letzten Zügen, so würde er alsbald gesund und wohl; ich habe ihn selbst schon erprobt, und jetzt sollt ihr die Wunderkur erleben, wenn ich die Frucht wider Nur al-Nihars Leiden benutze. Nur laßt uns zu ihr eilen, bevor sie stirbt.‹ Sprach Prinz Husain: ›Das ist ein leichtes; mein Teppich wird uns im Nu an die Seite des Bettes unsrer Geliebten bringen. Setzt ihr euch unverweilt mit mir darauf, denn es ist Raum genug für uns drei; wir werden im Augenblick dorthin getragen werden, und unsre Diener können uns folgen.‹ Da setzten die drei Prinzen sich auf den fliegenden Teppich, und ein jeder wünschte im Geiste, neben dem Bette Nur al-Nihars zu stehen. Im Nu waren sie in ihrem Gemach, und die Sklavinnen und Eunuchen, die sie bedienten, entsetzten sich ob des Anblicks und staunten, wie diese Fremden hätten ins Zimmer treten können; und als die Entmannten eben, das Schwert in der Hand, auf sie eindringen wollten, erkannten sie die Prinzen und wichen zurück, noch immer staunend ob ihres Erscheinens. Die Brüder aber erhoben sich rasch von dem fliegenden Teppich, und Prinz Ahmad trat vor und hielt der Prinzessin den Zauberapfel an die Nase, denn bewußtlos lag sie auf dem Lager ausgestreckt. Und als der Geruch ihr ins Gehirn drang, fiel die Krankheit von ihr ab, und die Heilung war gleich vollkommen. Weit schlug sie die Augen auf, und sie setzte sich aufrecht auf ihr Bett und blickte sich um, und besonders sah sie die Prinzen an, die vor ihr standen; denn sie fühlte, daß sie wohl und munter war, als sei sie eben aus dem süßesten Schlummer erwacht. Und sie stand auf von ihrem Lager und befahl ihren Kammerfrauen, sie anzukleiden, während sie ihr erzählten, wie plötzlich die Prinzen erschienen wären, die Söhne ihres Oheims, und wie Prinz Ahmad ihr etwas zu riechen gegeben hätte, wodurch sie von ihrer Krankheit geheilt worden sei. Und als sie die Waschung der Genesung vorgenommen hatte, freute sie sich in höchster Freude des Anblicks der Prinzen, und sie dankte ihnen, besonders aber dem Prinzen Ahmad, dieweil doch er sie der Gesundheit und dem Leben zurückgegeben hatte. Und auch die Brüder freuten sich in höchster Freude, als sie die Prinzessin Nur al-Nihar so plötzlich aus tödlicher Krankheit aufstehen sahen. Dann nahmen sie Abschied von ihr und gingen davon, um ihren Vater zu begrüßen. Inzwischen aber hatten die Eunuchen dem Sultan schon alles berichtet, und als die Prinzen vor ihn traten, stand er auf und umarmte sie zärtlich und küßte sie auf die Stirn, und ihn erfüllte Freude, daß er sie wieder sah und durch sie von dem Wohlergehen der Prinzessin hörte, die ihm teuer war als wie seine eigene Tochter. Und ein jeder der Brüder zog das wunderbare Ding hervor, das er von seiner Wanderschaft heimgebracht hatte. Zunächst zeigte Prinz Husain den fliegenden Teppich, der sie im Nu aus ferner Verbannung nach Hause getragen hatte, und sprach: ›Nach seinem äußeren Anschein hat dieser Teppich keinerlei Wert, doch dieweil er eine so wunderbare Kraft besitzt, dünkt mich, ist es unmöglich, in der ganzen Welt etwas zu finden, was sich an Merkwürdigkeit mit ihm vergleichen ließe.‹ Dann zeigte Prinz Ali dem König sein Fernrohr und sprach: ›Der Spiegel Dschamschids ist eitel und nichts neben diesem Rohre, durch das dem Blicke der Menschen alle Dinge zwischen West und Ost und Nord und Süd genau erkennbar werden.‹ Und als letzter zog Prinz Ahmad den magischen Apfel hervor, der auf so wunderbare Weise Nur al-Nihar das teure Leben gerettet hatte; und er sprach: ›Mit Hilfe dieser Frucht werden alle Krankheiten und schweren Leiden im Nu geheilt.‹ So zeigte ein jeder dem Sultan seine Seltenheit und sprach: ›O unser Herr, geruhe diese Gaben, die wir mitgebracht haben, genau zu prüfen, und dann entscheide, welche von ihnen die herrlichste und wunderbarste ist. Dann soll deinem Versprechen gemäß derjenige von uns sich der Prinzessin Nur al-Nihar vermählen, auf den deine Wahl gefallen ist.‹ Als nun der König geduldig ihren Ansprüchen gelauscht und begriffen hatte, wie eine jede Gabe zu ihrem Teile mitgeholfen hatte, seiner Nichte die Gesundheit zurückzugeben, da versank er auf eine Weile tief in das Meer der Gedanken und erwiderte schließlich: ›Spräche ich dem Prinzen Ahmad die Palme zu, dessen Wunderapfel die Prinzessin heilte, so handelte ich nicht gerecht an den beiden anderen. Wenn auch sein Geschenk sie aus tödlicher Krankheit dem Leben und der Gesundheit zurückgab, so sagt mir doch, wie er von ihrem Leiden hätte wissen sollen ohne das Fernrohr des Prinzen Ali? Und ebenso wäre der Apfel nutzlos gewesen, hätte euch nicht der fliegende Teppich des Prinzen Husain im Nu hierher getragen. Deshalb entscheide ich so, daß alle drei den gleichen Anteil an ihrer Rettung haben, und daß sie das gleiche Verdienst an ihrer Heilung beanspruchen können. Denn sie wäre nicht gesundet, hätte nur eine der drei Gaben gefehlt; und ferner sind alle drei gleich wunderbar und erstaunlich, und keine übertrifft die beiden anderen, noch auch kann ich mit dem geringsten Recht der einen vor den anderen den Vorzug geben. Ich hatte versprochen, die Herrin Nur al-Nihar dem zu vermählen, der mir die seltenste Seltenheit brächte, aber so sonderbar es auch ist, es bleibt darum nicht minder wahr, daß sie in dem einen wesentlichen Punkte alle gleich sind. Die Schwierigkeit bleibt bestehen, und die Frage ist noch nicht gelöst. Und doch möchte ich die Sache gern vor Schluß des Tages erledigt sehen, und ohne daß einer sich beklagen könnte. Also muß ich einen Ausweg finden, damit ich einen von euch als den Gewinner bezeichnen und ihm, wie ich mein Wort verpfändet habe, die Hand der Prinzessin verleihen kann, so daß ich mich dadurch von aller Verantwortung löse. Nun habe ich folgendes beschlossen: ein jeder von euch steigt auf sein Roß und versieht sich mit Pfeil und Bogen; dann reitet ihr hinab in die Maidanebene, und dorthin werde ich euch mit meinen Staatsvezieren, den Großen des Reiches und den Herren des Landes folgen. Dann sollt ihr in meiner Gegenwart, nacheinander, ein jeder mit aller Kraft und Stärke einen Pfeil vom Bogen schießen; und den von euch, dessen Pfeil am weitesten fliegt, den will ich für den würdigsten erklären, die Prinzessin Nur al-Nihar zum Weibe zu gewinnen.‹ Da stiegen die drei Prinzen, die der Entscheidung ihres Vaters nicht widersprechen noch auch an seiner Gerechtigkeit und Weisheit zweifeln konnten, auf ihre Rosse, und ein jeder griff zu Pfeil und Bogen, und sie ritten stracks hinab. Und auch der König traf dort auf der Ebene ein, nachdem er die Geschenke im königlichen Schatz geborgen hatte, begleitet von seinen Vezieren und den Würdenträgern seines Reiches; und als alles bereit war, versuchte der älteste Sohn und Erbe, Prinz Husain, seine Kraft und Geschicklichkeit, und er schoß seinen Pfeil weit über die flache Ebene hin. Nach ihm griff Prinz Ali zu seinem Bogen, und er entsandte den Pfeil in der gleichen Richtung und schoß ihn über den ersten hinaus. Zuletzt aber kam Prinz Ahmad an die Reihe, und er zielte nach dem gleichen Ziel, aber also lautete die Bestimmung des Schicksals, daß die Ritter und Höflinge, so weit sie ihre Rosse auch vorwärts jagten, um zu sehen, wo sein Pfeil den Boden getroffen hätte, doch keine Spur von ihm fanden; und keiner von ihnen wußte, ob er verschlungen war von den Eingeweiden der Erde, oder ob er emporgeflogen sein mochte bis an die Grenzen des Himmels. Ja, es gab ihrer, die waren in böslicher Gesinnung der Ansicht, Prinz Ahmad habe überhaupt nicht geschossen, und nimmer habe sein Pfeil die Sehne verlassen. Und schließlich befahl der König, die Suche einzustellen, und er erklärte sich zu Alis Gunsten und sprach das Urteil, daß er sich der Prinzessin Nur al-Nihar vermählen dürfe, dieweil sein Pfeil den des Prinzen Husain weit hinter sich gelassen hatte. Und also wurden im Laufe der Zeit nach dem Gesetz und Ritual des Landes die Hochzeitsbräuche und Zeremonien mit höchstem Pomp und in aller Pracht erfüllt. Doch Prinz Husain wollte bei dem Brautfest nicht zugegen sein, so eifersüchtig und enttäuscht war er, denn er hatte die Prinzessin Nur al- mit einer Liebe geliebt, die die seiner Brüder weit übertraf; und er legte seine prinzlichen Kleider ab, nahm das Gewand eines Fakirs und zog hinaus, um eines Einsiedlers Leben zu führen. Doch auch Prinz Ahmad brannte vor Neid und weigerte sich, an dem Hochzeitsfest teilzunehmen; aber ungleich seinem Bruder Husain zog er sich nicht zurück in eine Einsiedelei, sondern er verbrachte all seine Tage auf der Suche nach seinem Pfeil, um herauszufinden, wohin er gefallen wäre.
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