»Jawohl, Sir. Inzwischen sind es sechstausend Einheiten, die ausgeschleust wurden. Scheint alles zu sein. Formierung beendet. Die Schiffe nehmen Fahrt auf. Beschleunigungswerte ... warten Sie, Sir. Ja, Beschleunigungswerte siebenhundert Kilometer pro Sekundenquadrat.«
Der Angriff erfolgte trotz der Vorwarnung so überraschend, daß in den Reihen der terranischen Wachflotte Verwirrung entstand, aber die Kommandanten waren es gewohnt, in einem solchen Fall nach eigenem Ermessen zu handeln. Sie kannten die Anordnung Rhodans, den Gegner soweit als möglich zu schonen und nur dann zu vernichten, wenn das eigene Leben in Gefahr kam.
Den sechstausend Robotschiffen schlug plötzlich eine Energiewand entgegen, die sie aber nicht traf. Die Wand entstand fünf Millionen Kilometer vor ihnen und versperrte ihnen den Weiterflug. Die Terraner schossen aus allen vorhandenen Transformkanonen. Die freiwerdenden Energien ballten sich zusammen und sie hätten genügt, mehrere tausend Schutzschirme zusammenbrechen zu lassen.
Die Angreifer erkannten blitzschnell die Gefahr und gerieten nun selbst in Verwirrung. Die Robotautomaten reagierten und gaben neue Befehle an die Steuergehirne weiter. Sechstausend Schiffe flogen Ausweichmanöver, mußten jedoch erkennen, daß auch menschliche Gehirne durchaus in der Lage waren schnelle Entscheidungen zu treffen. Wo immer die Robotschiffe auch auftauchten, die todbringende Energiewand war schon vorher da.
Der Angriff geriet ins Stocken.
Old Man befahl eine Aufteilung und Angriff von allen Seiten.
Nun war die gewaltige Raumschlacht beweglicher. Es gelang einzelnen Robotschiffen, ihre Salven durch den Energiering zu schicken aber die Terraner flogen nicht in Formation, sondern hatten sich aus dem Verband gelost. Ein Treffer wäre reiner Zufall gewesen, und wenn ein einzelner Schuß saß, floß er an den grünen HÜ-Schirmen wirkungslos ab. Eine ganze Serie traf niemals.
Um die Wachflotte entstand ein Feuerring, der einem gigantischen Sperrfeuer glich. Das war eine ganz neue Technik, die aus dem Zufall entstanden war. Später, als alles vorbei war, taufte Gucky diese Art Abwehr »Die Bullsche Igelabwehr«, ein Ausdruck, der schließlich fest übernommen wurde.
Es war die erste große Energieschlacht in der Geschichte der terranischen Raumfahrt, in der kein einziges großes Raumschiff verlorenging.
Die Freyt manövrierte mitten durch den Verband und gelangte so an die Außenseite. Hier warteten etwa fünfhundert Einheiten auf das Eintreffen der I-13, ohne sich an dem Gefecht zu beteiligen. Bis hierher drangen die Angreifer nicht vor denn sie wurden vorher aufgehalten.
Bully bekam Zeit Luft zu holen.
»Ich mußte dich leider immer unterbrechen, Gucky. Du wolltest doch etwas sagen, als der Angriff begann.«
Gucky verzog das Gesicht.
»Jetzt habe ich es vergessen«, mußte er bekennen.
Als die Energieballungen die sechstausend Robotschiffe abdrängten, war es in der Orterzentrale der Freyt und auch in den Orterzentralen der anderen Schiffe unmöglich geworden, genaue Beobachtungen anzustellen. So konnte es geschehen, daß Old Man unbemerkt weitere viertausend Kampfeinheiten ausschleuste und auf den Weg schickte. In kurzem Linearmanöver durchbrachen sie den verderbenbringenden Feuerring und tauchten im Rücken der kämpfenden Schiffe auf.
Während sich Ras Tschubai, Gucky und Jumpy auf ihren Spezialeinsatz vorbereiteten, kam die I-13 in direkte Sicht.
Das Robotschiff mit dem Kristall flog auf die Linien der Terraner zu, als wolle es sie durchbrechen, obwohl nicht die geringste Aussicht auf Erfolg bestand.
Bully, der seiner Flotte den Befehl erteilt hatte, die 1-13 schonungslos zu vernichten, sah sich plötzlich in der peinlichen Situation, diesen Befehl selbst ausführen zu müssen. Zusammen mit der Myers , einem zweiten Ultraschlachtraumer, griff die Freyt die I-13 an.
Und diesmal wurde scharf geschossen.
Gleichzeitig begriff Bully, warum die I-13 so zielsicher auf sie zusteuerte. Die viertausend Einsatzeinheiten griffen von allen Seiten an, um den Weg für das Schiff mit dem Kristall freizuschießen. Allerdings war den Robotern vorerst kein Erfolg beschieden. Immer wieder mußten sie den Salven der terranischen Schiffe ausweichen und konnten keinen gezielten Angriff fliegen.
Die I-13 geriet in das Energiefeuer der beiden Ultraschiffe. Die Gigasalven hüllten das Robotschiff in ein lohendes Inferno. Aber die I-13 wehrte sich und schoß zurück. Die Schutzschirme der Freyt und Myers wurden bis zur Leistungsgrenze belastet und drohten zusammenzubrechen.
Bully mußte die beiden Schiffe zurückziehen, um sie keiner Gefahr auszusetzen. Er wartete, bis I-13 in bessere Schußposition kam und gab dann den Befehl zum Vernichtungsfeuer. Aus mehr als zehn Transformkanonen wurden überschwere Gigabomben ins Ziel getragen. Sie detonierten fast gleichzeitig und ließen das Robotschiff in einer wabernden Lohe verschwinden. Der grüne HÜ-Schirm brach für Sekunden zusammen.
Dann wurde die I-13 wieder sichtbar. Sie mußte schwer angeschlagen sein, denn sie hielt keinen geraden Kurs mehr. Sie taumelte, aber der grüne HÜ-Schirm war wieder vorhanden. Die Robot-Automatik arbeitete blitzschnell, und sicherlich wurden die meisten der entstandenen Schäden in wenigen Minuten wieder repariert sein.
Bully entschloß sich nun endlich, seinen drei Mutanten den entscheidenden Befehl zu erteilen.
Er nickte dem Piloten der Freyt zu, beugte sich vor und drückte auf einen Knopf.
Leutnant Denver war Pilot der Space-Jet. Er flog den dreißig Meter durchmessenden Diskus schon sehr lange und kannte das flinke Raumfahrzeug wie seine eigenen Taschen. Zusammen mit seinem Kopiloten Sergeant Marleaux hatte er schon manchen gefährlichen Einsatz hinter sich gebracht, ohne sich eine Schramme dabei zu holen.
Diesmal aber konnte er das dumpfe Gefühl einer bevorstehenden Katastrophe beim besten Willen nicht unterdrücken.
Er hatte den Befehl erhalten, mit den Mutanten Ras Tschubai, Gucky und dessen Sohn Jumpy einen Sondereinsatz zu fliegen. Und das mitten in einer Energieschlacht größten Ausmaßes.
Die Space-Jet Nr. 17 stand startklar im Hangar, als die drei Mutanten sich bei Denver meldeten.
»Sie wissen Bescheid?« erkundigte sich Ras und schüttelte den beiden Männern die Hand.
»Das kann man wohl sagen«, versicherte der Leutnant und lächelte. Er betrachtete die drei Gestalten in Raumanzügen und sah sofort die klobigen, eiförmigen Gegenstände an ihren Gürteln baumeln. »Wie ich sehe, haben Sie Spezialbomben bei sich. Wollen Sie die vielleicht in das andere Schiff bringen?«
»Genau das wollen wir, aber der Sprung wäre von hier aus zu unsicher, ungenau. Darum sollen Sie uns mit der Space-Jet ganz in die Nähe des Robotschiffs bringen. Das ist ja der Trick.«
»Wir werden es schon schaffen«, hoffte Denver, aber seine Stimme klang ein wenig unsicher. »Wann starten wir?«
»Sofort. Wir halten uns in der Nähe der Freyt und greifen erst dann an wenn wir den Befehl dazu erhalten. Sind Sie fertig?«
Sergeant Marleaux deutete auf die Space-Jet und machte eine einladende Verbeugung.
»Darf ich bitte, meine Herren ...«
Gucky spazierte an ihm vorbei und drehte sich um, bevor er in die Luke kletterte.
»Wohl ein Spaßvogel, was?«
»Den Eindruck habe ich auch«, sagte Jumpy und klopfte dem Sergeanten kräftig auf das Hinterteil. »An Ihrer Stelle würde ich nicht soviel Fett ansetzen, sonst werden Sie in die Verwaltung versetzt.«
Marleaux tat entsetzt.
»Um Gottes willen! Nur das nicht!«
»Dann futtern Sie nicht soviel«, riet Jumpy leutselig und folgte seinem Vater. Ras nickte Marleaux begütigend zu und meinte:
»Das haben Sie nun davon.«
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