Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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»Die Masten!« schrie jemand gellend. »Sie kommen gleich runter! Geht in Deckung!«

Doch die Masten hielten, auch wenn es so aussah, als müßten sie bestimmt aus den Sockeln brechen und in die See gerissen werden. Aber ihr verzweifeltes Beben erschütterte den ganzen Schiffskörper. Lawler merkte auf einmal, daß er sich an jemanden klammerte — es war Pilya —, und als Lis Nikiaus in einer heftigen Bö hilflos über das Deck gerutscht kam, griffen sie beide zu und zogen sie wieder herein wie einen gefangenen Fisch. Lawler rechnete damit, daß jeden Moment ein sintflutartiger Regen kommen werde, und es ärgerte ihn, daß sie bei diesem Sturm keine Chance hatten, Behältnisse aufzustellen und das gute süße Trinkwasser aufzufangen. Doch die Winde blieben trocken, trocken und knisternd. Einmal wagte er einen Blick über die Reling, und im Schimmer der Gischt sah er, daß das Meer voller kleiner starrer Glitzeraugen war. Eine Halluzination? Nein, das glaubte er nicht. Es waren Drakkenköpfe: eine ganze Armee, eine Riesenlegion von diesen langen, bösartig aussehenden Schnauzen ragte überall ringsum aus dem Wasser. Myriaden scharfer Zähne bereiteten sich auf den Moment vor, wenn die Queen of Hydros kentern und ihre dreizehn Menschen ins Meer stürzen würden.

Der Sturm blies und blies und blies, aber das Schiff hielt stand und brach und brach und brach nicht. Es kam ihnen jegliches Zeitgefühl abhanden. Es gab weder Nacht, noch gab es Tag; es gab nur den Sturm. Onyos Felk rechnete später aus, daß es ein Dreitagesturm war, und vielleicht hatte er ja damit recht. Alles endete jedenfalls so rasch, wie es begonnen hatte, und die schwarzen Winde verwandelten sich in eine klare helle Kraft, die blitzte und schnitt wie ein Messer; und dann, wie auf ein Stichwort hin, verzog sich der Sturm von einem Augenblick zum anderen, und die Stille kehrte wieder, und die Reisenden empfanden sie als ebenso bestürzend.

In dieser Stille schlich sich Lawler wie betäubt über das triefende Deck. Es war übersät von zerfetzten Tangsträngen, Klumpen von Quallen, von wütend zappelnden Geschöpfen aller Art — Meeresmüll, den die brandenden Wogen emporgespült hatten. Seine Hände schmerzten, wo die frischen Wunden den alten Schmerz von der Netznesselverätzung wieder aufleben ließen. Stumm hakte er im Kopf das Register ab: Da war Pilya, dort Gharkid, da Father Quillan und Delagard, Tharp, Golghoz, Felk, Nikiaus. Martello? — Ah ja, droben. Dann Henders. Ja.

Sundira?

Er sah sie nicht. Und dann sah er sie, und wünschte sich, es wäre nicht so: Sie war auf dem Vorschiff, und sie war vollkommen durchnäßt. Ihr Kleid klebte an ihr, als trüge sie überhaupt nichts außer ihrer Haut. Und außerdem war Kinverson neben ihr. Sie begutachteten irgendein Geschöpf aus der Tiefe, das er entdeckt hatte und mit dem er jetzt vor ihr angab: irgendeine Art Seeschlange, ein langes schlaffes, irgendwie komisch aussehendes Ding mit einem breiten, aber harmlos wirkenden Maul und Reihen kreisrunder grüner Flecken längs auf dem schlaffen gelben Leib, was irgendwie clownhaft wirkte. Die beiden lachten. Kinverson ließ das Tier vor ihr zappeln, ja, er stieß es ihr fast ins Gesicht, und sie lachte und schubste es fort. Dann ließ Kinverson das Tier am Schwanz baumeln und belustigte sich an seinen kläglichen Zuckungen. Sundira fuhr mit den Händen über die glatten Flanken, als wollte sie es liebevoll streicheln, es über seine Entwürdigung hinwegtrösten, und dann schleuderte Kinverson das Tier zurück ins Meer. Darauf legte er Sundira den Arm um die Schultern, und die beiden verschwanden aus Lawlers Blickfeld.

Wie leicht die beiden miteinander umgingen. Wie selbstverständlich, wie verspielt und wie beunruhigend vertraut. Lawler wandte sich ab. Delagard kam übers Deck auf ihn zu. »Hast du Dag irgendwo gesehen?« rief er.

Lawler deutete mit der Hand. »Da, dort drüben.« Der Funker kauerte wie ein Lumpenbündel an der Steuerbordreling und wackelte mit dem Kopf, als könne er nicht begreifen, daß er überlebt hatte.

Delagard schob sich nasse Haarsträhnen aus dem Gesicht und blickte sich um. »Dag! Dag! Setz dein verdammtes Horn in Betrieb, schnell! Wir haben die ganze verdammte Flotte verloren!«

Bestürzt drehte Lawler sich um und starrte auf die gespenstisch ruhige See hinaus. Delagard hatte recht. Nicht eins der anderen Schiffe war zu sehen. Die Queen of Hydros schwamm ganz allein auf dem Wasser.

»Glaubst du, sie sind untergegangen?« fragte Lawler den Reeder.

»Wir können nur noch beten«, erwiderte Delagard.

* * *

Aber es zeigte sich, daß die anderen Schiffe nicht verloren waren. Sie waren nur außer Sichtweite getrieben worden. Eines nach dem anderen nahm wieder den Funkkontakt mit dem Flaggschiff auf, als Tharp sie anrief. Der Sturm hatte sie nur wie Spreu zerstreut und in diese und jene Richtung auf dem Meer verschlagen; doch sie waren alle noch da. Die Queen of Hydros behielt ihre Position bei, und die übrigen Schiffe des Konvois steuerten auf sie zu. Gegen Einbruch der Dunkelheit war die gesamte Flottille wieder vereinigt. Delagard gab Order, daß Schnaps für jedermann ausgeteilt werde, um das glückliche Überleben gebührend zu feiern; es waren die Reste von Gospo Struvins ›Khuviar’-Vorrat. Father Quillan postierte sich auf der Brücke und führte die Besatzung in einem nicht übermäßig langen Dankgebet an. Lawler entdeckte zu seiner Verblüffung, daß auch er einige hastige Worte des Dankes murmelte.

6

Was immer zwischen Kinverson und Sundira vor sich ging, es schien keineswegs auszuschließen, was immer sich zwischen Sundira und Lawler an Beziehung zu entwickeln begann. Lawler war unfähig, diese Mehrfachbeziehungen zu verstehen; allerdings war er auch erfahren genug in derartigen Sachen, um zu wissen, daß die sicherste Methode, eine solche Beziehung zu ersticken, darin bestand, sie zu begreifen. Nein, er würde einfach annehmen müssen, was kam.

Eines wurde recht rasch deutlich: Kinverson bekümmerte es überhaupt nicht, daß Sundira sich mit Lawler eingelassen hatte. Anscheinend war ihm Besitzdenken im Sexualbereich unbekannt. Anscheinend war Sex für ihn etwas ebenso Natürliches wie Atmen, und er tat es, ohne weiter darüber nachzudenken. Mit jedem bereitwilligen Partner, sobald sein Körper danach verlangte, als Erfüllung eines reinen natürlichen Bedürfnisses, ein mechanischer, automatischer Vorgang. Und offenbar glaubte er, daß auch alle anderen so darüber dachten.

Als Kinverson sich am Arm verletzte und damit zu Lawler kam, damit der die Wunde säuberte und verbände, fragte er während der Behandlung: »Also du bumst jetzt auch mit Sundira, Doc?«

Lawler zurrte die Bandage fest.

»Ich sehe nicht ein, warum ich dir darauf eine Antwort geben müßte. Es geht dich ganz und gar nichts an.«

»Stimmt. Aber natürlich treibst du’s mit ihr. Sie ist eine prima Frau. Zu scharf für mich, im Kopf, meine ich, aber das stört mich nicht. Und es stört mich auch nicht, was ihr zwei beide mitsammen macht.«

»Äußerst freundlich von dir«, sagte Lawler.

»Aber natürlich hoffe ich, das gilt auch umgekehrt.«

»Was meinst du damit?«

»Ich meine, daß da zwischen Sundira und mir durchaus noch was weiterläuft«, sagte Kinverson. »Hoffentlich verstehst du das.«

Lawler starrte ihn an. »Sie ist eine reife, erwachsene Frau. Sie kann tun, was sie will, und wann sie will und mit wem sie will.«

»Fein. Es ist ziemlich eng auf so ’nem Schiff. Und wir wollen hier doch keinen Ärger — wegen einem Weib.«

In wachsender Gereiztheit sagte Lawler: »Du tust, was du willst, und ich tu, was ich will, und reden wir nicht mehr davon. So wie du von ihr sprichst, klingt das, als wäre sie ein Teil der Schiffsausrüstung, und wir beide wollten sie benutzen.«

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