»Wird gemacht«, antwortete er, ohne einen Blick auf den verkrumpelten Zettel zu werfen. »Kommen Sie mit.« Er zeigte auf die beiden Fahrzeuge. »Aber schalten Sie zuerst die Lichter aus!«
Mrs. Hixon und Hunter schalteten die Scheinwerfer aus; im gleichen Augenblick wurden auch die anderen gelöscht. In dem jetzt entstandenen ungewissen Halbdunkel stolperte Hunter hinter Margo und dem jungen Mann her. Vor sich erkannte er Radarschirme und ein Teleskop, das im Freien aufgebaut war.
Der Lichtnebel um den Wanderer war unterdessen verschwunden, als die blauen Strahlen des Fremden ihre Farbe veränderten, bis sie weiß glühten. Jetzt war deutlich zu erkennen, daß die Oberfläche des violett-goldenen Planeten an hundert Stellen riesige schwarze Löcher aufwies, aus denen es rot glühte. Aber dann schoß ein wesentlich stärkerer grüner Lichtstrahl auf den Fremden zu, der im gleichen Augenblick mit unvorstellbarer Geschwindigkeit seine Position veränderte. Der Abstand zwischen den beiden feindlichen Planeten hatte sich dadurch auf einen Monddurchmesser verringert.
Dann verschwand der Wanderer.
Eine blaue Breitseite des Fremden verpuffte wirkungslos an der Stelle, an der eben noch der Wanderer geschwebt hatte.
»Völlig zerstört!« kreischte Pop begeistert.
»Nein, der Wanderer ist kurz vorher verschwunden«, verbesserte der kleine Mann ihn sofort. »Sie müssen besser aufpassen!«
Der Fremde, dessen stahlgraue Oberfläche keine Löcher, aber braune und grüne Streifen aufwies, hing zwei, drei, vier, fünf Sekunden am Himmel; dann verschwand er ebenfalls — wie eine trübe Glühbirne, wenn der Lichtstrahler betätigt wird.
»Der Wanderer ist in den Hyperraum entkommen«, stellte Harry McHeath fest.
»Vielleicht, aber er ist trotzdem geliefert«, meinte Hixon. »Er war schwer beschädigt, und der Fremde hat die Verfolgung aufgenommen. Jetzt hat er keine Aussichten mehr.«
»Das können wir nicht beurteilen«, warf Hunter ein. »Vielleicht entkommt er immer wieder rechtzeitig.« Er runzelte nachdenklich die Stirn. Wie der Fliegende Holländer , überlegte er sich.
»Wir wissen nicht einmal, ob sie wirklich verschwunden sind«, sagte Wojtowicz nervös. »Vielleicht sind sie inzwischen schon wieder auf der anderen Seite der Erde aufgetaucht.«
»Möglich«, stimmte der kleine Mann zu, »aber wir haben keine Bewegung gesehen ... sie sind einfach verschwunden. Und ich habe das Gefühl ...«
Erst in diesem Augenblick, in dem sie allmählich zu erfassen begannen, was sie gesehen hatten, fiel ihnen auf, daß sie alle unbeweglich in der tintenschwarzen Dunkelheit standen. Hunter hatte den Zündschlüssel des Sportwagens nach links gedreht. Jetzt hörte er auch den Motor des Lieferwagens nicht mehr. Am Himmel tauchten nacheinander Sterne auf — die vertrauten Sterne, die drei Nächte lang nicht mehr an dem schiefergrauen Himmel gestanden hatten.
Don und Paul starrten auf den vorderen Bildschirm des Mondschiffes, der jetzt nur noch die verschwindenden Laserstrahlen und einzelne Sterne vor einem tiefschwarzen Hintergrund zeigte.
Sie waren beide angeschnallt. Paul drückte sich ein Taschentuch gegen seine blutende Wange. Don beobachtete das Außenthermometer und den Radarschirm, auf dem jetzt Südkalifornien und der Pazifik sichtbar wurden. Obwohl sie noch nicht in die Erdatmosphäre eingetreten waren, hatte Don bereits einmal die Triebwerke arbeiten lassen — vor allem deshalb, weil er feststellen wollte, ob sie wirklich wieder funktionierten.
»Jetzt sind sie also verschwunden«, stellte Don lakonisch fest.
»In den Sturm«, fügte Paul hinzu. »Der Wanderer war nur noch ein Wrack.«
»Ein Planet, der noch in den Hyperraum eintreten kann, ist bestimmt kein Wrack«, widersprach Don. Er lächelte Paul aufmunternd zu. Als die Sterne langsam über den Bildschirm wanderten, ließ er die Steuerdüsen an Backbord kurz arbeiten, bis die normale Fluglage wieder erreicht war.
»Vielleicht treibt der Wanderer auf einen anderen Kosmos zu«, murmelte Paul nachdenklich. »Vielleicht ist das die beste Methode: keine bewußte Anstrengung, sondern nur wie ein leckes Schiff mit der Strömung treiben und sich von dem Sturm davontragen lassen.«
Don warf ihm einen fragenden Blick zu. »Sie hat dir wohl ziemlich viel erzählt? Ich frage mich nur, ob sie den Wanderer noch rechtzeitig erreicht hat.«
»Natürlich«, antwortete Paul kurz. »Sogar die kleinen Schiffe erreichen Lichtgeschwindigkeit. Wahrscheinlich sind sie sogar noch schneller.«
»Deine Backe blutet wirklich nicht schlecht«, stellte Don fest und fügte dann rasch hinzu: »Ich habe dort oben keine großen Romanzen erlebt.« Er ließ die Steuerdüsen an Backbord nochmals arbeiten und runzelte die Stirn, als er die Anzeige des Außenthermometers beobachtete. Dann fuhr er lebhaft fort: »Und ich glaube, daß ich dort unten auch keine mehr zu erwarten habe. Margo ist anscheinend wirklich in diesen komischen Hunter verknallt, schätze ich.«
Paul zuckte mit den Schultern. »Was macht dir das schon aus? Du bist immer lieber für dich allein gewesen.«
Don nickte langsam. »Du hast Margo wahrscheinlich mehr als ich geliebt«, meinte er nachdenklich. »Das habe ich von Anfang an geahnt.«
»Selbstverständlich«, antwortete Paul. »Jetzt ist sie bestimmt böse auf mich, weil ich Miau nicht wieder zurückgebracht habe.«
Die Untertassen-Beobachter standen in der Dunkelheit unter dem strahlenden Sternenhimmel. Dann wurde unmittelbar vor ihnen eine Lampe eingeschaltet, in deren Lichtschein sie einen mit Papieren überladenen Tisch sahen, hinter dem ein Mann saß, dessen scharfe Gesichtszüge an einen Pharao erinnerten. Margo ging sofort auf ihn zu, ohne auf den jungen Mann zu achten, der sie hierher geführt hatte. Hunter stieg aus dem Thunderbird und folgte ihr.
Der Mann hinter dem Tisch sah nach links. Dort sagte jemand: »Die Magnetfelder beider Planeten sind verschwunden, Oppie. Jetzt herrschen wieder normale Verhältnisse.«
»Professor Opperly, wir suchten seit zwei Tagen nach Ihnen«, begann Margo laut. »Ich habe hier eine Pistole, die aus einer Untertasse gefallen ist. Sie verleiht allen Gegenständen einen Impuls. Unserer Meinung nach sind Sie der einzige Mann, der etwas damit anfangen kann. Leider haben wir auf dem Weg hierher die ganze Ladung aufgebraucht.«
Opperly sah zu ihr auf und warf dann einen raschen Blick auf die Pistole, die Margo in der ausgestreckten Hand hielt. Dann verzog er den Mund zu einem spöttischen Lächeln.
»Aus welchem Spielzeugladen haben Sie das Ding geklaut?« wollte er wissen. Dann wandte er sich wieder dem anderen Mann zu: »Wie steht es mit den Funkstörungen, Denison? Können wir bald ...«
Margo schob den kleinen Hebel an der Unterseite der Pistole zurück, zielte dann auf den Tisch und drückte auf den Feuerknopf. Opperly und der junge Mann wollten nach ihr greifen, ließen aber die Hände sinken. Einige Zettel schwebten auf die Pistole zu dann folgten Büroklammern und ein silberner Drehbleistift, der auf den Zetteln gelegen hatte. Das alles hing mehrere Sekunden lang an der Mündung der grauen Pistole und fiel dann zu Boden.
»Anscheinend elektrostatisch«, sagte der junge Mann und beobachtete neugierig die Zettel, die langsam nach unten schwebten.
»Es funktioniert aber auch, wenn die Gegenstände aus Metall sind«, fügte Denison hinzu, der die Büroklammern beobachtet hatte. »Induktion?«
»Irgend etwas hat an meiner Hand gezogen! Das habe ich ganz deutlich gespürt«, sagte Opperly und spreizte dabei die Finger der Hand, mit der er nach der Pistole gegriffen hatte. Er sah nochmals zu Margo auf. »Ist das Ding wirklich aus einer Untertasse gefallen?«
Sie lächelte wortlos und reichte ihm die Pistole.
»Wir bringen Ihnen außerdem eine Nachricht von Leutnant Don Merriam«, warf Hunter ein. »Er landet hier in ...«
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