Robert Wilson - Spin

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Spin: краткое содержание, описание и аннотация

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Eines Nachts im Oktober beobachtet der junge Tyler Dupree gemeinsam mit seinen Freunden, den Zwillingen Jason und Diane, den Abendhimmel — als das Unfassbare geschieht: Die Sterne erlöschen, der Himmel verdunkelt sich. Am nächsten Tag geht zwar die Sonne auf, die Lichteinstrahlung aber ist gefiltert. Die Satellitenverbindungen fallen aus, und der Mond ist verschwunden. Ein gigantischer Energieschirm hat sich um die Erde gelegt — die Menschheit ist abgeschnitten vom Rest des Universums.
Jahre vergehen, doch die Forschung findet keine Erklärung für die unheimliche Membran. Während Jason als ehrgeiziger Wissenschaftler sein Leben der Lösung dieses Rätsels widmet, gerät Diane an eine der zahlreichen Sekten, die infolge der Massenhysterie wie Pilze aus dem Boden sprießen. Und Tyler, inzwischen als Arzt in die Mission zur Rettung der Erde eingebunden, beginnt zu ahnen, dass eine außerirdische Macht die Erde zu einem bestimmten Zweck manipuliert hat. Doch zu welchem?

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Ich war gerade durch die Tür der Ambulanz getreten — Molly war nicht da, eine Aushilfe namens Lucinda machte heute ihre Arbeit —, als ich auf dem Pager die Nachricht erhielt, dass ich in Jasons Büro im Vorstandsflügel benötigt wurde. Vier Sicherheitsüberprüfungen später war ich allein mit ihm. Ich hatte Sorge, dass er eine zusätzliche Medikamentendosis verlangen würde, doch nach der Behandlung von gestern Abend befand er sich in einem überzeugenden, wenn auch vorübergehenden Zustand der Remission. Er erhob sich und kam mit demonstrativ ausgestreckter, zitterfreier Hand auf mich zu. »Ich möchte dir dafür danken, Ty.«

»Keine Ursache. Aber ich muss mich wiederholen: ohne Garantie.«

»Zur Kenntnis genommen. Solange ich nur diesen Tag überstehe. E. D. ist für mittags angekündigt.«

»Gar nicht zu reden vom Vizepräsidenten.«

»Lomax ist seit heute Morgen sieben Uhr hier. Der Mann ist ein Frühaufsteher. Er hat ein paar Stunden mit unserem marsianischen Gast konferiert, und nun mache ich mit ihm den Goodwill-Rundgang. Apropos, Wun würde dich gern sprechen, falls du ein paar Minuten erübrigen kannst.«

»Wenn er nicht von nationalen Angelegenheiten in Anspruch genommen wird.« Lomax würde die Wahl in der nächsten Woche aller Voraussicht nach gewinnen, mit haushohem Vorsprung, wenn man den Umfragen trauen konnte. Jase hatte den Kontakt zu ihm schon lange vor Wuns Ankunft gepflegt — und Lomax war von Wun fasziniert. »Wird dein Vater auch an dem Rundgang teilnehmen?«

»Es gibt keine Möglichkeit, ihn davon auszuschließen, ohne die Gebote der Höflichkeit zu verletzen.«

»Siehst du da Probleme?«

»Ich sehe viele Probleme.«

»Körperlich ist aber alles in Ordnung?«

»Ich fühle mich gut. Aber du bist der Arzt. Ein paar Stunden, das ist alles, was ich brauche. Das sollte doch drin sein, oder?«

Sein Puls ging ein wenig schnell — was nicht verwunderlich war —, aber seine AMS-Symptome waren erfolgreich unterdrückt. Und eine erregende oder irgendwie verwirrende Wirkung der Medikamente war auch nicht zu erkennen, im Gegenteil schien Jason beinahe strahlend ruhig, eingeschlossen in einen kühlen, klaren Raum in den Tiefen seines Kopfes.

Also ging ich, Wun Ngo Wen meine Aufwartung zu machen. Er war allerdings nicht in seinen Wohnräumen, sondern hatte sich in die kleine Cafeteria der leitenden Angestellten verdrückt, bewacht von großen Männern mit kleinen Kabeln hinterm Ohr. Er sah auf, als ich am Tresen vorbeiging, und bedeutete den Sicherheitsklonen, die schon Anstalten machten, mich aufzuhalten, sich zu entfernen.

Ich setzte mich ihm gegenüber. Er stocherte mit seiner Gabel an einem blassen Stück Lachssteak herum und lächelte abgeklärt. Er hätte einen Stuhlaufsatz gebrauchen können. Ich nahm eine krumme Haltung ein, damit wir halbwegs auf gleicher Höhe saßen.

Das Essen bekam ihm gut. Mir schien, er hatte während seines Aufenthalts bei Perihelion ein wenig zugenommen. Sein Anzug, vor ein paar Monaten maßgeschneidert, spannte inzwischen über dem Bauch. Auch seine Wangen waren voller geworden, blieben allerdings so faltig wie eh und je, sanfte Furchen in der dunklen Haut.

»Wie ich höre, hatten Sie einen Besucher«, sagte ich.

Wun nickte. »Nicht zum ersten Mal. Ich bin Präsident Garland in Washington verschiedentlich begegnet, und ich habe Vizepräsident Lomax zweimal getroffen. Man erwartet, dass die Wahlen ihn an die Macht bringen werden.«

»Aber nicht, weil er so beliebt wäre.«

»Es steht mir nicht zu, ihn als Kandidaten zu beurteilen. Aber er stellt wirklich interessante Fragen.«

»Nun, bestimmt kann er sehr liebenswürdig sein, wenn er möchte. Und sein Amt hat er auch anständig versehen. Aber über weite Strecken seiner Karriere war er der meistgehasste Mann auf dem Capitol Hill. Chef und Einpeitscher der Mehrheitsfraktion für drei aufeinander folgende Regierungen. Er ist mit allen Wassern gewaschen.«

Wun grinste. »Halten Sie mich für naiv, Tyler? Befürchten Sie, dass Vizepräsident Lomax mich ausnutzen wird?«

»Nicht unbedingt naiv…«

»Ich bin ein Neuling, zugegeben. Die feineren Nuancen der hiesigen Politik entgehen mir sicherlich. Aber ich bin ein paar Jährchen älter als Preston Lomax und habe selbst einmal ein politisches Amt bekleidet.«

»Tatsächlich?«

»Ja, drei Jahre lang«, sagte er mit spürbarem Stolz. »Ich war Landwirtschaftlicher Administrator des Eiswind-Kantons.«

»Aha.«

»Die oberste Behörde für einen Großteil des Kirioloj-Deltas. Es war nicht das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten von Amerika, einer landwirtschaftlichen Verwaltung stehen keine Atomwaffen zur Verfügung. Aber ich habe einen korrupten Beamten überführt, der die Gewichtsangaben in den Ernteberichten gefälscht und die Fehlmenge auf dem freien Markt verkauft hat.«

»Ah, ein abgekartetes Provisionsgeschäft?«

»Wenn das der Ausdruck dafür ist.«

»Dann sind die Fünf Republiken also nicht frei von Korruption?«

Wun blinzelte, ein Vorgang, der sich über die gesamte verschlungene Geografie seines Gesichts ausbreitete. »Nein, wie sollten sie auch? Warum lassen sich nur so viele Erdbewohner von dieser Annahme leiten? Wäre ich aus irgendeinem anderen Land der Erde hierher gekommen — aus Frankreich, China oder Texas —, würde sich niemand verblüfft zeigen, wenn er von Bestechung, Betrug oder Diebstahl hören würde.«

»Vermutlich nicht. Aber es ist nicht das Gleiche.«

»Nicht? Aber Sie arbeiten doch hier bei Perihelion. Sie müssen einigen Personen der Gründergeneration begegnet sein, so seltsam mir diese Vorstellung noch immer anmutet — den Männern und Frauen, deren entfernte Abkömmlinge wir Marsianer sind. Waren sie solch vollkommene Geschöpfe, dass Sie ihrer Nachkommenschaft zutrauen, ohne Sünde zu sein?«

»Nein, aber…«

»Und dennoch ist diese irrige Vorstellung allgemein verbreitet. Sogar in den Büchern, die Sie mir gegeben haben, die vor dem Spin geschrieben wurden.«

»Sie haben sie gelesen?«

»Ja, mit großem Interesse. Vielen Dank dafür. Aber selbst in diesen Romanen sind die Marsianer…« Er suchte nach dem richtigen Ausdruck.

»Na ja, einige von ihnen sind wohl ziemlich heiligenmäßig gezeichnet.«

»Entrückt. Weise. Scheinbar schwach. In Wirklichkeit sehr mächtig. Die Alten. Aber für uns, Tyler, sind Sie die Alten. Die ältere Spezies, der alte Planet. Die Ironie ist doch nicht zu übersehen.«

Ich dachte darüber nach. »Der Roman von H. G. Wells…«

»Seine Marsianer sind kaum konturiert. Sie sind auf abstrakte, undifferenzierte Weise böse. Nicht weise, sondern schlau. Aber Teufel und Engel sind eng verschwistert, wenn ich die einschlägige Folklore recht verstehe.«

»Aber die neueren Geschichten…«

»Fand ich hochinteressant, die Protagonisten waren immerhin menschlich. Aber das wahre Vergnügen bei diesen Geschichten liegt in den Landschaften, finden Sie nicht? Und selbst da handelt es sich um transformierende Landschaften. Hinter jeder Düne ein Schicksal.«

»Ich sehe, worauf Sie hinauswollen. Ihr seid einfach nur Menschen, nicht mehr und nicht weniger. Der Mars ist nicht das Paradies. Einverstanden. Aber das heißt nicht, dass Lomax nicht versuchen würde, Sie für seine politischen Zwecke einzuspannen.«

»Und ich versichere Ihnen, dass ich mir dieser Möglichkeit vollkommen bewusst bin. Dieser Gewissheit, wäre wohl korrekter. Es liegt auf der Hand, dass ich politischen Nutzen bringen soll, aber es steht in meiner Macht, mein Einverständnis zu gewähren oder zu verweigern. Zu kooperieren oder mich störrisch zu zeigen. Die Macht, das richtige Wort zu sagen.« Er lächelte erneut, seine Zähne waren allesamt perfekt und strahlend weiß. »Oder auch nicht.«

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