»Genau.« Durch Pewters Unterstützung ermutigt, stieß Mrs. Murphy ein neuerliches Gejaule aus.
»Erst zankt ihr euch, undjetzt seid ihr ein Herz und eine Seele. Ihr seid infantil, ihr zwei.« Tucker verdrehte die Augen. Sie hatte sich neben Harry aufs Sofa gequetscht.
»Ein großes Won, Tucker. Gratuliere«, sagte Mrs. Murphy sarkastisch, dann kehrte sie den Anwesenden den Rücken zu, nahm ihre Schwanzspitze in die rechte Pfote und führte sie zum Mund, um sie zu putzen.
»Hihi.« Pewter musste unwillkürlich lachen, weil sie es lustig fand, aber auch, weil es den Hund wahnsinnig machte.
Tucker ignorierte die Katzen. Sie legte den Kopf auf Harrys Schoß, guckte so liebenswert wie möglich.
»Du weißt, was ich mache. Mich abreagieren. Menschen reagieren sich andauernd ab«, meinte Murphy.
»Ich würde Menschen nicht nachahmen.« Pewter dachte daran, sich zu putzen, befand aber, dass sie zu müde war. »Die sind eine Spezies, die das Motto hat: Ich kann es mir nicht immer schwer machen, aber ich kann mich bemühen. Sie machen alles so kompliziert, kein Wunder, dass sie sich abreagieren, meckern und jammern. Sie sind selbst schuld. «
»Wohlwahr«, stimmte die Tigerkatze ihr zu.
BoomBoom hatte soeben eine elliptische Tangente beendet, die endlich zum Anfangspunkt zurückkehrte, nämlich dass sie Harrys Hilfe brauchte, »... du siehst also, Susan wäre nicht die Richtige, und Lottie Pearson ist übereifrig, falls du verstehst, was ich meine. Sie besucht Partys in Washington, Richmond und Charlotte, immer auf der Suche nach einem Mann mit Moneten. Sie wird langsam panisch von wegen Heirat, das schwör ich dir. Natürlich sagt sie, dass sie unterwegs ist, um Spender für die Universität zu werben. Ihre Arbeit als Spendensammlerin deckt eine große Menge Sünden, das schwör ich dir.« Lottie Pearson war eine Bekannte von BoomBoom, die sie manchmal mochte und manchmal nicht. Heute war ein Nicht-mögen-Tag.
Harry, die fürchtete, was kam, warf rasch ein: »Aber Lottie Pearson ist ledig und Susan nicht. Das ist ein Pluspunkt.«
Harry kam darauf zurück, dass BoomBoom es zuvor verworfen hatte, sich an Susan um Hilfe zu wenden. Sie wünschte, BoomBoom würde zur Sache kommen. Was genau wollte sie?
»Lottie Pearson macht alles kompliziert. Ich möchte nicht, dass meine Freunde über ihre Vermögensverhältnisse ausgefragt werden.«
»Boom, ich komm nicht ganz mit. Was für Freunde? Wieso Vermögensverhältnisse?«
Nach einem langen, erfrischenden Schluck dampfendem Plantation-Mint-Tee stellte die groß gewachsene Frau die Tasse auf die dazugehörige Untertasse und setzte beides auf dem Couchtisch ab. »Das Porzellan deiner Großmutter. Ich erinnere mich an deine Großmutter.«
»Moms Mom.« Harry lächelte, als ihr das Bild einer schlanken, silberhaarigen Dame durch den Kopf ging.
»Sie war eine gute Lehrerin. Im Pony Club.«
Im Pony Club lernen junge Menschen alles über den Umgang mit Pferden. Reiten ist nur ein kleiner Teil dieser Künste.
Harry beugte sich vor. »Weißt du noch, wie sie uns das Zaumzeug zerlegen, in Wasser tauchen und dann wieder zusammensetzen ließ, und sie hat jede einzelne Arbeit begutachtet. Wie Susan mogeln wollte und eine Zahnbürste genommen hat, um die Gebissstange rundum sauber zu machen, statt sie ganz auseinander zu nehmen?«
BoomBoom lachte. »Und dann hat sie einen Vortrag über Abkürzungen gehalten. Hey, ich kann ihre Stimme noch hören, wenn ich den bequemen Weg erwäge - >der kürzeste Weg ist oft der längste.««
Da sie auf die vierzig zugingen, sahen beide Frauen langsam ein, dass gemeinsame Erlebnisse bindend waren. Die Zeit verfügt über die größte Macht. Männer, die im Krieg auf entgegengesetzten Seiten gekämpft hatten, fühlten sich im Alter ihren ehemaligen Feinden oft mehr verbunden als eigenen Landsleuten, die jünger waren.
»Weißt du«, BoomBoom senkte die Stimme, ein lieblicher tiefer Sopran, ein Gegensatz zu Harrys klarem Alt. Hätten die zwei zusammen gesungen, würden sie himmlisch geklungen haben. »Ich bin seit einer Weile mit diesem göttlichen Mann zusammen. Er ist so interessant. Er ist weltmännisch, spricht vier Sprachen, und er ist wahnsinnig intelligent. Er kommt dieses Wochenende hierher, und in letzter Minute sagte sein Assistent an der Botschaft, er kann mitkommen und .«
»Botschaft?«
»Ja. Er ist Staatssekretär des Botschafters von Uruguay.«
»Wer?« Harry kämpfte gegen ihre Wut.
»Mein Freund, Thomas Steinmetz, ist Staatssekretär.«
BoomBoom hob die Hände. »Ich rede drum herum. Magst du den Freund meines Freundes begleiten? Das war es, was ich fragen wollte.«
Also, das war interessant. Katzen und Hund wandten die Köpfe und sahen Harry an, die blinzelte.
»Sag was«, riet Mrs. Murphy Harry.
»Äh .«BoomBoom bemühte sich um etwas mehr Zusammenhang, nachdem die Katze jetzt sozusagen aus dem Sack war. »Gut aussehend. Witzig. Wirklich sehr witzig. Frisch geschieden.«
»Wie frisch?«
»Äh-hm, ein Jahr.«
»Wieso fragst du mich eigentlich?«
»Weil du witzig bist, weil du sehr attraktiv bist und weil, na ja, man kann nie wissen.« Sie hielt die Hand hoch, ihr großer Diamant warf das Licht zurück.
»Was wissen?«
»Wann der Blitz einschlägt.«
Harry drückte sich ein bisschen tiefer ins Sofa. Tucker weigerte sich zu weichen. »Tucker.«
»Ich will nichts verpassen«, antwortete der helläugige Corgi auf die Beschwerde.
»Ha«, kicherten die zwei Katzen.
»Harry, du musst mehr ausgehen.« BoomBoom griff wieder nach der Teetasse.
»Wie ironisch, wenn so was von dir kommt.«
Als Harry und Fair sich getrennt und die Scheidung eingereicht hatten, hielt seine kurze Affäre mit BoomBoom die Klatschzungen in Crozet in Bewegung. Es war wie die Kleinstadtversion der Präsentation auf den Titelblättern der Regenbogenpresse.
Harry fand immer, er hätte sich jemand außerhalb der Stadt suchen oder BoomBoom hätte ihn zurückweisen können. Die Tatsache, dass beide, Fair und BoomBoom, sehr gut aussehende Menschen in der Blüte ihrer Jahre waren, entging ihr.
»Du bist mir immer noch böse, und ich hab alles getan, außer zu Kreuze zu kriechen, und ich wiederhole zum tausendsten Mal, er hat von dir getrennt gelebt. Getrennt.«
Harry überging dies, weil sie nicht an BoomBooms Version vom Zeitrahmen der Affäre glaubte, und warf ein: »Es hat höllisch wehgetan. Und warum bist du eigentlich nicht mit ihm zusammen geblieben?«
»Ich könnte nie die Frau eines Tierarztes sein.«
Wahrere Worte wurden nie gesprochen. BoomBoom konnte nicht nur den Arbeitsverlauf eines Pferdearztes nicht aushalten, der mitten an einem romantischen Abend zu einer Kolik gerufen wurde, sie brauchte auch mehr gesellschaftlichen Rang, mehr Macht, mehr Geld.
BoomBooms Affäre mit Pharamond »Fair« Haristeen, Doktor der Veterinärmedizin, hatte auch damit zu tun gehabt, dass sie nach der Erschütterung über den plötzlichen Tod ihres jungen Ehemannes wieder zu sich selbst finden musste. Man muss ihr aber zugute halten, dass sie ihre Einsamkeit nie als Vorwand benutzte.
Für Fair war die Affäre schlicht und einfach eine Flucht vor der Verantwortung. Das war ihm klar. Nach sechs Monaten hatte er Schluss gemacht und sich in Therapie begeben - es war ihm entsetzlich schwer gefallen, um Hilfe zu bitten. Nach dem ersten Jahr in therapeutischer Behandlung bat er seine Ex-Frau um Verzeihung. Er hoffte noch immer Harry zurückzuerobern. Sie war die beste Gefährtin, die er finden konnte, das wusste er. Sie verstand was von Pferden. Sie verstand ihn. Sie war darauf gefasst, schwer zu arbeiten in diesem Leben und verlangte dafür einen Partner, der ebenfalls schwer arbeitete, treu blieb und viel Sinn für Humor hatte. Er wusste, dass er das jetzt bieten konnte.
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